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Ser Lebensweg des Reichspräsidenten

Ser Führer besucht den Reichspräsidenten

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Berlin, 2. Aug. (DRB.-Funkspruch.) Donners­tag früh 9.25 Uhr unterbrachen mit einem Schlage sämtlichen deutschen Sender ihre Darbietungen. In diesem Augenblick ist die Trauerbotschaft aus Reudeck in Berlin eingetroffen, daß der Reichspräsident Generalseldmarschall Paul von Beneckendorff und von Hindenburg verschieden ist.

Reichsminister Dr. Goebbels gab dem deut­schen Volk die Trauernachricht bekannt. Die Sender schwiegen.

Deutschland und mit ihm die ganze Well haben von dem erschütternden Ereignis Kenntnis erhal­ten, dessen Eintreten seit Dienstagfrüh mit wachsen­der Besorgnis befürchtet worden ist. Rach einer halbstündigen Funkstille folgte durch Reichsminister

Staatsoberhaupt des Deutschen Rei- ch e s, nach dem das Amt des Reichs prüft, denken mit dem des Reichskanzlers ver- einigt wird, ein weiteres Gesetz über das Staats. Begräbnis für den verschiedenen Reichspräfi- denken, eines Erlasses des Reichswehrmini, st e r s über eine 1 4 lägige Trauer für sämtliche Offiziere der Wehrmacht, eines Erlasses des Reichsministers des Innern und des Reichsministers für Volksaufklärung und Pro- paganda über eine 14tägige Volkstrauer, eines weiteren Erlasses des Stellvertreters des Füh­rers über eine 14tägige Trauer aller Parteigliederungen, sowie eines Aufrufes des Reichswehrministers, des Generalobersten von Blomberg, an die Wehrmacht. Die Bekannt-

Die Schritte der Reichsregierung.

Reichspräsidenten- und Reichskanzleramt in der Hand des Führers vereinigf. ^4tägigeTrauerderOsfiziere,l4tägigeVolkstrauerundderparteigliederungen' Aufruf an die Wehrmacht.

stellt unter Belassung ä la Suite des 3. Garde- regiments zu Fuß. Im März 1911 schlug er seinen Wohnsitz in Hannover auf.

Verheiratet war er seit 1897 mit Gertrud von Sperling, die am 14. Mai 1921 gestorben ist. Er hatte zwei Töchter und einen Sohn, den jetzigen Oberst Oskar von Hindenburg, der bis zuletzt fein persönlicher Adjutant war. Die ältere Tochter Ir­mengard war mit dem Rittergutsbesitzer von Brock- Husen (gesb. 16. Oktober 1928) auf Groß-Justin bei Kammin in Pomm., die jüngere Tochter Anne­marie ist mit dem Rittmeister von Pentz im 13. Rei­terregiment (Lüneberg) verheiratet.

3m Weltkrieg.

Der damalige Oberleutnant (X) als Teilnehmer der Abordnung seines Regiments bei der Kaiserproklamation in Versailles.

Dr. Goebbels die Bekanntgabe der ersten aus gäbe der Trauerbotschaft schlieht mit dem Lied: diesem Anlaß erforderlichen gesetzlichen Maß-Ich hatl' einen Kameraden." nahmen und Anordnungen, ein Gesetz über das ! h i n d e n b u r g i sk t o k.

Reudeck, 1. Aug., 13.45 Ahr. (DRV.) Reichs­kanzler Adolf Hitler statkete heule in Reudeck dem erkrankten Reichspräsidenten und Generalfeld­marschall von Hindenburg einen Besuch ab und gab an dessen Krankenlager feinen und des ganzen deutschen Volkes Wün­schen für die Genesung des Vereh­rung s w ü r d i g e n R e i ch s o b e r h a u p t e s herzlichen Ausdruck.

*

Berlin, 1. Aug. (DRB.) Ueber den Besuch des Reichskanzlers am Krankenlager des Reichs­präsidenten erhält die RSK. folgenden Bericht eines Teilnehmers der Reise:

Als der Reichskanzler zuletztam 3. Juli d. I. dem Reichspräsidenten in Neudeck seinen Besuch abstattete, da ahnten wir alle, die wir den Führer auf dieser Reise begleiten durften, nicht, daß schon vier Wochen später dort Adolf Hitler am Krank e n b e t t des greisen Feldmarschalls stehen wurde. Damals noch kam uns der Reichs­präsident in der Halle seines Hauses in fester, auf­rechter Haltung entgegen und sprach dem Führer und seinen nächsten Begleitern in markigen, unver­geßlichen Worten den Dank des Vaterlan- d es dafür aus, daß sie in der Stunde der Gefahr als Manner entschlossen gehandelt hätten.

In Bayreuth erhielt gestern der Führer die Mitteilung von der ernsthaften Erkrankung unter der der Reichspräsident in leichterem Maße bereits seit vielen Monaten zu leiden hatte. Sofort entschloß sich der Führer, an das Krankenbett Hin­denburgs zu eilen. Er flog unverzüglich nach Ber­lin und von dort heute vormittag weiter nach Ost­preußen. Auch Staatssekretär Meißner war aus Süddeutschland im Flugzeug herbeigeeilt, um

- von Paris. Nach Beendigung des Krieges weilte er zunächst auf dem heimatlichen Gut Neu- drck. Im Jahre 1873 kam er zur Kriegsakademie, 1878 wurde er zum Hauptmann vefördert und in den Großen Generalstab versetzt, 1878, einige Monate später, zum Generalkommando des zweiten Armee­korps in Stettin beordert, 1881 Generalstabsoffizier im Generalstab der 1. Division Königsberg, 1884 Frontdienst als Kompaniechef im 3. Posenschen Jnf.- Regiment Nr. 58, 1885 Ueberweisung zum Großen Generalstab, dessen Chef damals der geniale Feld­herr von Moltke und dessen Abteilungschef Oberst Graf von Schlieffen war, 1885 zum Major beför­dert, 1888 als erster Generalstabsoffizier in den Ge­neralstab des III. Armeekorps (Berlin) versetzt, 1888 Lehrer der Taktik in der Kriegsakademie und Abteilungschef im Kriegsministerium, 1890 verfaßt Hindenburg als Abteilungschef des Kriegsdeparte­ments im Kriegsministerium eine Feldpioniervor­schrift, die die Verwendung der schweren Feld­artillerie in der Feldschlacht einführt, 1891 Oberst­leutnant, 1894 Oberst, 1896 Chef des Generalstabs des VIII. Armeekorps (Koblenz), 1897 General­major, 1900 Generalleutnant und Kommandeur der 28. Division (Karlsruhe), 1903 Kommandierender General des IV. Armeekorps, 1905 General der Infanterie, 1911 mit Pension zur Disposition ge­

fällt. Denn aus Gestern und Morgen, aus bedäch­tiger Verantwortung und kühner Tat gestaltet sich das Leben der Nation. Deutschlands Reich und Volk, die ein genialer Schöpferwille einst zusammenführte, haben die Prüfung von 1914 überstanden. Der Vater des Paterlandes hat nicht umsonst gelebt. Das deutsche Volk wird ihm allezeit in herzlichster Liebe und tiefster Verehrung unauslöschlichen Dank wissen.

Oie letzten Meldungen vom Krankenlager.

Reudeck, 1. Aug., 18.20 Ahr. (DRB.) Ueber den Zustand des Reichspräsidenten Generalfeld­marschall von Hindenburg wird von den be­handelnden Aerzten in Reudeck soeben, 18.20 Ahr, folgendes Bulletin herausgegeben:

Der Schwächezuftand des Herrn Reichs­präsidenten hat weiterhin zugenommen. Benommenheit beginnt. Die h e r z k r a f t läßt nach.

Für die behandelnden Aerzke: Prof. Sauerbruch."

Donnerstag früh 5.45 Uhr.

Neudeck, 2. Aug., 5.45 Uhr. (DRB.-Funk- fpruch.) Unter zunehmender allgemeiner Schwäche hat sich beim Herrn Reichspräsidenten eine tiefe Benommenheit eingestellt.

Prof. Sauerbruch mit Dr. Krauß, Prof, von Bergmann, Prof. Kauffmann, Dr. Adam.

Als der Krieg ausbrach und die Russen, schneller als erwartet war, in Ostpreußen einfielen, versagte die Führung der dort stehenden deutschen Truppen. « Da erging am 22. August 1914 des Kaisers Ruf an den alten General in Hannover. Als Chef des Stabes wurde ihm der General Ludendorff beige­geben. Als General der Infanterie übernahm er das Kommando in Ostpreußen, und wenige Tage darauf, vom 26. bis 29. August 1914, wurde die Schlacht bei Tannenberg geschlagen, die Ostpreußen befreite und Hindenburgs Namen mit einem Schlage berühmt machte. Hindenburg wurde zum General­oberst ernannt und ihm der Orden pour le m^rite verliehen. Es folgte dann am 12. September 1914 der neue große Sieg in Masuren. Dann kam der erste Vormarsch in Polen, der inzwischen nötig ge­wordene Rückmarsch, das plötzliche Wiederfrontma» chen, die Schlachten bei Lodz, schließlich die Fest- etzungskampfe an der Rawka als zweiter Abschnitt Hmdenburgscher Feldherrntätigkeit. Der Winter ge­bot nur eine Weile Halt. Schon im Februar 1915 wurden durch die Winterschlacht in Masuren die Russen endgültig aus Ostpreußen vertrieben. Dam kam derRitt nach Kurland" und das Vorgehen der Hindenburgschen Armeen im Zusammenhang mit der großen Maioffensive gegen Rußland. An oer Du na und der litauischen Seenplatte hielten dann Hindenburgs Armeen Wacht, wiesen insbe- ondere im März 1916 die Frühjahrsoffensive der Russen und im Juli und August des gleichen Jah­res die sogenannte Brussilow-Offensive siegreich ab, oie zeitlich mit den schweren Kämpfen an der Somme zusammenfiel.

n Gesamtlage wurde noch schwieriger, als am 27. August 1916 Rumänien in den Krieg eintrat. Nunmehr wurde am 29. August 1916 der mittler- weile zum Generalfeldmarschall ernannte Hin­denburg an Stelle Falkenhayns zum Chef des Gen er a l ft a b e s und damit zum Führer des gesamten deutschen Heeres ernannt. Neben ipm wurde Ludendorsf Erster Generalquartiermel- ster. Rumänien wurde niedergeworfen. Der Rück­zug im Westen auf die Hindenburglinie ermöglichte das Bestehen der gewaltigen englisch-französischen Offensive im Jahre 1917, ferner das Bestehen der sogenannten Flandern-Schlachten. Im Herbst 1917 erfolgte der Feldzug in Italien. Am 21. März 1918 begann die große deutsche Offensive im Westen, die "Große Schlacht in Frankreich", die bis vor dis Tore von Amiens führte; es folgte an der West» rvnt im. Mai 1918 der Einbruch am Damenweg, )er die Deutschen zum zweiten Male an die Marne uhrte. Doch damit war die deutsche Stoßkraft end­gültig erschöpft. Der dritte deutsche Offensivestoß in per Champagne mißlang, und nun wendete sich lei-

bas Blatt. Der Foch'sche Gegenstoß im August 1918 brachte die deutsche Mauer im Westen ins Wanken. Schrittweise erfolgte der Rückzug bis Ende Oktober aus die Antwerpen-Maas-Linie. Der Was- fenstillstand vom 11. November 1918 beendigte die militärischen Operationen.

Um größeres Unglück für das deutsche Vaterland

Haltung, die bis zum letzten Augenblick dis gleiche blieb, unausgesprochen das ganze Geheimnis des größten deutschen Krieges.- das Unbegreifliche er­tragen um der Zukunft willen. Wer damals Fragen stellte, war schon verloren, und wer der Verzweif­lung widerstand, erwies sich um so größer, wenn sein Herz für Leid und Grauen nicht unempfindlich war.

v.'l^br ideale Typus des preußischen Offiziers", dieses Wort Bismarcks über feinen Kaiser und Kö­nig Wilhelm I. trifft auch auf Paul von Benecken­dorff und Hindenburg voll und ganz zu. Der fürst­liche Feldherr von Königgrätz und Sedan, der in den Befreiungskriegen die Feuertaufe empfangen hatte, und sein Gardeleutnant von 1866 und 1870/71 reichen sich die Hände als Schildhalter der natio­nalen Waffenehre. Beide waren groß in der Pflicht­erfüllung, einfach im Herzen und stark in ihrer Soldatennatur. Allein fast aufschlußreicher noch als die menschliche und kriegerische Beziehung ist der politische Vergleich des Alten Kaisers mit dem Mar­schall-Präsidenten. Der eine wie der andere waren echte Konservative und haben doch im späten Alter durch ihre Mitwirkung die revolutionärste Entwick­lung besiegelt. König Wilhelm von Preußen wurde mit 74 Jahren Kaiser des deutschen Bismarck-Rei­ches, in dem der Hohenzollernstaat eines Tages notwendig aufgehen mußte. General von Hinden­burg, unter dessen Augen der letzte Kaiser Thron und Heer verließ, um in die Verbannung zu ge­hen, trat mit 78 Jahren an die Spitze des Reiches und schuf so die einzige legale Möglichkeit zur na­tionalsozialistischen Machtübernahme.

Seltsam und unerforschlich erscheint das Schick­sal dieser beiden Männer mit dem Gang der deut­schen Geschichte verknüpft, und wir sehen hier wie dort mit Ehrfurcht die Ausgabe bestätigt, die dem beharrenden Element in Zeiten der Erneuerung zu-

Iden Führer von Berlin nach Neudeck zu begleiten.

Bei der Landung liegt, nach vielen Regentagen, strahlender Sonnenschein über den erntereichen Feldern Ostpreußens. Ohne Aufenthalt geht die Fahrt weiter nach dem stillen N e u d e ck. In den Städten und Ortschaften, die wir passieren, erwar­ten uns schon seit dem frühen Morgen die Men­schen nach hunderten, als hätten sie es geahnt, daß in schweren Stunden des Reichspräsidenten der Kanzler nicht fern sein wird. Vielleicht schwingt in der herzlichen Begrüßung ein Unterton von Sorge mit um das Schicksal des greifen Feldmar­schalls, dem in diesen Tagen die Herzen aller Deut­schen besonders zugewandt sind.

In Neudeck ist die Familie des General- feldmarschalls versammelt. Hervorragen­de Aerzte sind aufs beste um den kranken Reichs­präsidenten besorgt. Der Kanzler begibt sich in öa5 Krankenzimmer, um den Reichspräsidenten zu begrüßen. Der Reichspräsident empfängt ihn am Krankenbett. Er erkennt den Führer und dankt ihm in herzlichen Worten für fer­nen Besuch. Nach kurzem Gespräch verläßt der Kanzler den Reichspräsidenten, der in ruhigen Schlaf sinkt. ö

.. Bange Frage liegt auf aller Lippen, als wir die Wagen zur Rückfahrt besteigen. Möge ein gütiges Geschick dem deutschen Volke seinen Hindenburg erhalten I

Oas Reichskabinett zusammengetreten.

B e r I i n , 1. Aug. (DNB.) Das Reichs kabi- nett trat heute um 21.30 Uhr zu einer Sitzung zusammen.

Als Kadett in Wahlstatt 1860.

Paul von Beneckendorff und Hinden­burg wurde am 2. Oktober 1847 zu Posen als Sohn eines Offiziers geboren. Die Familie Beneckendorff ist altmärkischem Uradel entsprossen. Im Jahre 1789 fand die Namen- und Wappenvereinigung mit dem Geschlecht derer von Hindenburg statt.

Paul von Hindenburg wurde in dem Ka­dettenkorps in Wahlstatt erzogen. Am 7. April 1866 trat er als Sekondeleutnant beim 3. Garderegiment zu Fuß ein. Im Feldzug gegen Oesterreich wurde er am 3. Juli 1866 bei Königgrätz leicht verwundet. Mit seinem Regiment nahm er im Krieg gegen Frankreich an den Schlachten von Gravelotte, St. Privat und Sedan teil, ferner an der Belage-

Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.

§1.

Tas Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler A do l f H itle r über. Er bestimmt seinen Stellvertreter

§2.

Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ablebens des Reichs- Präsidenten von Hindenburg in Kraft.

Während des Weltkriege- im Großen Hauptquartier. Der Generalseldmarschall mit dem Kaiser und General Ludendorff beim Kartenstudium.