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Dreiheit der Gestaltung dem Genius der Zeit nahe­zurücken oder ihn in genialem Wurf vollendet zur Darstellung zu bringen.

Darum soll eine Zeit, die, aufgewühlt wie die unfrige, sich hüten vor jenen falschen Propheten, die da glauben, in der Zucht­losigkeit der Form und der ausschweifenden Ueberspannlheit der Ideengebung einem Jahr­zehnt am ehesten gerecht zu werden, das zwar wild, aber nicht anarchisch, und zwar mit­reihend, aber nicht zügellos ist. Die Kunst ohne Gesetzlichkeit und Form ist nicht denkbar. Und es geht nicht an, dah heute mangels letzter Gestaltungskraft zum Ersah die Schreier und Richlkönner das wort ergreifen, um einer grohen Zeit das künstlerische Banner vor­anzutragen, die sie nicht gerufen hat und an deren Werden sie keinen Anteil besitzen.

Gestehen wir es ruhig ein: Dieses Jahr zeigte viel ehrlichen Willen, aber im Können und Gestal­ten vermochte es noch nicht auszureichen. Vielleicht war es nur das Jahr der Saat. Mag sein, dah wir zu der Hoffnung berechtigt sind, einem Jahr der Ernte entgegenzugehen. Wissen und be­stimmen können wir das nicht. Uns bleibt es nur vorbehalten, unser Werk zu tun und den Weg, den wir im politischen Leben gebahnt haben, frei zu halten für den Zug des Geistes, der einmal hinter uns folgen wird.

Im Mai des vergangenen Jahres hat die Reichs­regierung durch mich einen Nationalpreis für dasjenige Buch und Filmwerk geschaffen, das dem aufrüttelnden Erlebnis unserer Tage den packendsten und künstlerisch reichsten Ausdruck gibt. Am heutigen Tage wird er zum ersten Male in einer Festsitzung der Reichskultur- kammer feierlich übergeben. Er soll Zeugnis ab­legen für die warme und fördernde Teilnahme, die der Nationalsozialismus der Kunst und den Künstlern zuteil werden läßt. Er soll das geistig schaffende Deutschland auf das engste den Aufgaben, die uns unsere Zeit gestellt hat, verpflichten.

Das von mir eingesetzte Preisgericht hat den Vuchpreis, der als S t e f a n - George- Preis im Werte von 12 000 Reichsmark aus­geschrieben worden ist, dem WerkeDeutsche Passion 1933 von Richard Eurin- ger zugesprochen. Der Filmpreis wurde dem FilmFlüchtlinge der Universum Film AG. (Spielleiter Gustav llcicky) verliehen. Es ist ein Wanderpreis in Gestalt einer Schöp­fung des deutschen Kunsthandwerks, in welchem das wesen der Bildkunst in künstlerischer Form versinnbildlicht wird. Die beiden preisgekrön- ten Arbeiten tragen in sich Geist und Wesen unserer Zeit. Sie halten sich fern von aufdring­licher und darum verstimmender Ansicht, ohne indes die Blühe zu dem dramatischen Geschehen unserer Tage zu verlieren. Sie suchen sich nicht mit einer billigen oder sentimentalen Verkit­

schung der Ideen und Symbole der großen deutschen Revolution über die geistige Beklem­mung hinwegzuretten. Sie fassen hinein ins volle Menschenleben, und wo sie es fassen, da ist es interessant. Sie haben zwar nicht das Programm des Nationalsozialismus dialogisiert, aber in ihnen ist G ei st o on un­terem Geist, Kraft von unserer Kraft und Wille von unserem willen. Darum verleiht der nationalsozialistische Staat ihnen die Ehre, die ihnen gebührt.

Ein neues Jahr geistigen Ringens beginnt mit dieser Stunde. In edlem Wetteifer werden die Künstler unserer Generation ihre Kräfte miteinander messen, junges Blut wird in ihre Reihen ström­ten, um neue Formen und Symbole in unsere wildbewegten Tage hineinzutragen. Wie tief und ehrlich die Sorge ist, die das neue Deutschland den geistig Schaffenden entgegenbringt, das beweisen kulturelle Großtaten wie die Gründung der Reichs­kulturkammer, der Bau des Hauses der deutschen Kunst, die umfassenden Baupläne für Berlin und München, die großzügige Uebernahme einer Reihe repräsentativer Theater in die Hand des Reiches, das neue Schriftleitergesetz, die Fürsorge, die die Regierung dem Film angedeihen läßt, um nur einiges zu nennen. Das alles sind Beweise einer Berget st igung auch unseres po­litischen Lebens, die in der deutschen Ver­gangenheit sowohl vor als auch nach dem Kriege ihresgleichen suchen. Wir können also mit gutem Recht auf das geistige Arbeitsjahr, das hinter uns liegt, stolz sein. Denn es war ein Jahr z i e l - bewußten und organischen Aufbaues. Es hat manches noch in den Anfängen stecken lassen müssen, aber wir haben doch angefangen, und sind nicht vor den manchmal unüberwindlich schei­nenden Hindernissen zurückgeschreckt.

Oie Augsburger Gangerhalle ein Raub -er Flammen.

Die Polizei stellt vorsätzliche Brandstiftung staatsfeindlicher Elemente fest.

Augsburg, 1. Mai. (DNB.) In der Nacht zum Dienstag brach kurz nach Mitternacht in der Sän­gerhalle im Stadtgarten, Augsburgs repräsentativ­ster Raum für Massenkundgebungen, in der heute der Tag der Nationalen Arbeit mit einem großen Festprogramm seinen Ausklang finden sollte, G r o ß f e u e r aus, das so rasch um sich griff daß beim Eintreffen der Feuerwehr bereits jede Möglichkeit einer Eindämmung des Brandes aus­sichtslos war. Die große, ganz aus Holz bestehende 10 000 Personen fassende Riesenhalle brannte in kaum zwei Stunden vollständig nie- d e r. Kurz zuvor war eine Abteilung Hitlerjugend oorbeimarschiert, ohne daß das gering st e von einer Gefahr zu bemerken war. Un­mittelbar nach Ausbruch des Brandes trat die ge­samte Augsburger Feuerwehr in Aktion, doch

brannte die mächtige Halle bereits in ihrer gesam­ten Ausdehnung, so daß jede Anstrengung zur Lö­schung des Brandes aussichtslos war. Nach 3/- Stunden blieben nur noch verkohlte Bal­ken übrig.

Gauleiter Wahl, der mit dem SA.-Ober- führer, dem Polizeidirektor und den beiden Bürgermeistern persönlich am Brandplahe er­schienen war, richtete noch im Laufe der Rächt an den Führer folgendes Telegramm:

Sängerhalle, Augsburgs größter Versamm­lungsraum, 30. April um Mitternacht durch bolschewistische Brandstiftung in Flammen Anlegungen. Ermittlungen sind im Gange. Der Oberführer der SA., Stubenrauch, hat an die Bevölkerung Augs­burgs einen Aufruf erlassen, in dem sie aufge- fordert wird, an der Aufdeckung dieses Verbrechens mitzuarbeiten und jede Wahrnehmung über irgendwelche staatsfeind­liche Tätigkeit in den Kreisen der ehemaligen KPD SPD. usw. zur Kenntnis zu bringen. Die polizeilichen Ermittlungen

haben einwandfrei ergeben, daß vorsätz­liche Brand st iflung vorliegt. Damit be­stätigt sich der Verdacht, daß staats feind- liche Elemente am Werke waren.

Augenzeugen berichten, daß der Ausbruch des Feuers von einer ungeheuren Detona. tion begleitet war und daß unmittelbar da­nach eine riesige Feuergarbe zum Himmel stieg, während die Flammen zur gleichen Zett. aus allen Ecken aus dem Dache schlugen. Wenige Augenblicke später glich die ganze Halle einem mach- Ligen F e u e r m e e r. Die Halle war für den heutigen Tag auf das prächtigste dekoriert, Mit Lautsprecheranlagen und festlicher Beleuchtung ein- gerichtet worden. Auch ein kostbarer Flügel war auf dem Podium aufgestellt. Es wurde festgestellt, daß die Werkleute, die noch im Laufe des Sams- tag die letzte Hand an die festliche Ausschmückung der Halle gelegt hatten, beim Verlassen des Arbeits- Platzes um 19 Uhr alles in beste r Or d n u n g fanden. Kurz nach 20 Uhr hatte der Pförtner das Tor geschlossen und auch bei dieser Gelegenheit hotte er nichts Verdächtiges wahrge­nommen.

Das österreichische Parlament flimmt dem neuen Versaffungswerk r

Blankovollmacht für Dollfuß. - Großdeutsche und Landbund protestieren.

Wien, 30. April. (DNB.) Nach der Sitzung des Verfassungsausschusses, der in der erstaunlich kurzen Zeit von etwa 30 Minuten d i e neue Bundesverfassung und die 471 Not­verordnungen der Regierung Doll­fuß durchberaten und angenommen hat, trat die Vollversammlung des Na­tiv n a l r a t e s erneut zusammen und erledigte in erster, zweiter und dritter Lesung die neue Ver­fassung durch dreimaliges Erheben von den Sitzen.

Der Nationalrat hat damit die neue österreichische Bundesverfassung auf Wunsch der Regierung tat­sächlich ohne Kenntnis des Inhaltes und der Tragweite der Verfassung in einem abgekürzten. rein formalen Verfahren an­genommen und damit der Regierung uneinge­schränkte Vollmachten für die Zukunft er­teilt. Für die Verfassung stimmten 80 Abgeordnete, die Christlich-Sozialen, die Heimwehrabgeordneten und zwei Landbündler, dagegen nur die beiden Vertreter der Großdeutschen Partei. Die zehn Landbündler waren bis auf den Ber­liner Gesandten Tauschitz und einen anderen Abgeordneten der Sitzung ferngeblieben.

Der B u n d e s r a t trat am Montagnachmittag zusammen, um über das Ermächtigungsgesetz und die Notverordnungen zu beraten. In der Debatte verlas als einziger Redner Bundesrat Felsin- ger (Landbund) ein Schreiben des Landbundes,

in dem betont wurde, daß der Landbund ebenso wie die Großdeutschen einen ablehnenden Standpunkt einnehmen. Nach einem Schluß- wort des christlich-sozialen Referenten wurden die vom Nationalrat angenommenen Gesetze bestä­tigt. Der großdeutsche Abgeordnete Kliemann war krank gemeldet.

Bundespräsident M i k l a s hat den Bundesführer des Heimatschutzes, Starhemberg, zum Vize­kanzler und Major Fey zum Bundesmini» st e r ernannt und ihm die Leitung des öffent­lichen Sicherheitswesens sowie die Füh­rung des Stiftungs- und Fondswesens übertragen. Der dem Landbund angehörige Minister Kerber wurde mit der Leitung des neugeschaffenen Bun­desamtes für Statistik betraut. Der bis­herige Staatssekretär Feys Karwinsky, wurde mit der Unterstützung des Bundeskanzlers und des Vizekanzlers beauftragt.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm! Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den- übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.

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Im Namen der Trauernden:

Ludwig Weber, Apotheker.

Lieh, den 30. April 1934.

Die Beerdigung findet Mittwoch um 3 Uhr statt

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Für die vielen Beweise herzlicher Teil­nahme, für die liebevollen Worte des Herrn Pfarrers Bremmer sowie für die Kranzspenden bei dem Heimgang un­seres lieben Vaters, Schwiegervaters und Großvaters

Herrn [oh. Georg Jung

sagen wir herzlichen Dank.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Klein-Linden, den 30. April 1934.

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