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Nr. W Erster Blatt

184. Jahrgang

Mittwoch, 2. Mai 1934

Erscheint täglich, außer Sonntags uni) Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis:

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Das deutsche Volk feiert den Tag der Arbeit.

Die Walpurgisnacht der deutschen Jugend

auf dem Brocken.

Vorn Brocken, 30. April. (DNB.) Auf dem sagenumwobenen Brocken eröffnete Montagnacht die deutsche Jugend aus Nord und Süd, aus Ost und West die Reichsfeiern zum ersten Nationalen Feiertag der Arbeit nach der verwirklichten Volks­einigung. Schon in den frühen Nachmittagsstunden herrschte auf der Brocken-Hochebene, über der ein strahlender sonniger Frühlingstag webte, e i n buntes Leben und Treiben. Mit klingen­dem Spiel zog aus allen Richtungen die deutsche Jugend auf den Berg hinauf; frische deutsche Jungen und Mädels aus allen Gauen Deutschlands. Heller Jubel erklang und Tau­sende von Händen reckten sich empor, als der Reichsjugendführer an der Front der Hitler-Jugend vorbeischritt und sich zum Brocken­haus begab.

Ein bunt belebtes Bild brachte gegen Abend der traditionelle Hexenzug d e r Walpurgis­gemeinde. Unter Vorantritt einer Musikkapelle zog das Heer der Teufel und Hexen, gefolgt von Walpurgisjüngern in das Brockenhaus ein, wo sich ein frohes und lebhaftes Treiben entwickelte. Mit Anbruch der Nacht wurde es auf dem Festplatz immer lebendiger. Scharen der Hitler-Jugend füll­ten das weite Rund, in dessen Mitte unter dem grellen Licht der Scheinwerfer Spielscharen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands in ihren bunten heimatlichen Trachten Volkstänze vorführten.

Inzwischen war alles Licht erloschen, wie ein trutziges Mahnmal stand der Brockenturm gegen den nächtlichen Himmel, als 12 Schläge der Hille- bille, der uralten Köhlerglocke, Mitternacht verkündeten. Zugleich flammten die Holzstöße auf, krachten die Salven der Salutbatterie in die Nacht

hinaus. Feierliche Fanfarenklänge leiteten die Weihestunde ein. Nach einer Gedenkpause für die Gefallenen des Weltkrieges und der Bewegung folgten in bunter Reihe Sprechchöre und Lieder der Spielscharen. Kurz vor 0.30 Uhr ergriff Reichs­jugendführer Baldur von Schirach das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. folgendes aus- führte: Die Jugend kann heute mit Stolz festftellen: Auch wir haben im Geiste des Führers gehandelt und haben im Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend dem Gemeinschafts­gedanken des 1. Mai einen überwältigenden Aus­druck verliehen. Die Auslese nach der Lei - ft u n g hat die wahre Aristokratie Deutschlands zu­tage gefördert. Ich wünsche, daß die ganze deutsche Jugend unablässig bemüht sein wird, die Frage der Freizeit des deutschen Jungarbeiters zu lösen. Kein höherer Schüler hat ein inneres Recht auf über 70 Tage Ferien im Jahr, solange nicht auch der Arbeiterjunge die Erholungszeit besitzt, die er haben muß. So soll in dieser Stunde von der Höhe des Brockens verkündet werden: Das junge Deutschland steht mit der deutschen Arbeiter­schaft. Möge in den Flammen dieses Feuers ver­brennen die Zwietracht, Ichsucht und der Standes­dünkel, mögen verbrennen die schmutzige Profit­sucht, die Wahnidee des Kapitalismus und der Geist des Geldes.

Nach den Worten des Reichsjugendführers fang die Jugend begeistert das Lied ihrer Bewegung Vorwärts, vorwärts", mit dem die Feier ihren Abschluß fand. Während viele Festteilnehmer die Nacht auf dem Brocken verbrachten, zog der größte Teil der Hitler-Jugend ins Tal.

Das junge Deutschland huldigt dem Führer.

Ganz Deutschland eine Fest- gemeinde.

Berlin, 1. Mai. (DNB.) Ein herrlicher Maien­tag bricht Über Deutschland an. Es ist der Tag der Gemeinschaft, der Nationalfeiertag des deutschen Volkes, es ist zugleich der Ehrentag der Arbeiter der Stirn und der Faust. Ein wieder einig gewor­denes Volk hat sich zu sich selbst gefunden, und voll Dankbarkeit gedenkt es dabei des Mannes, der vor einem Jahre durch Gesetz die Arbeit auf den Ehren- schild erhoben hat, des Führers Adolf Hitler.

Hakenkreuzfahnen vom deutschen Rhein bis hin­ein in das letzte Dorf Ostpreußens und über den Kohlengruben Schlesiens, von den Alpen bis zur Nordsee, über allen deutschen Landen, und Maien­grün an jedem Haus, Girlanden in den Straßen, Sie Reichshaupt st adt selbst ein w o - genbes Flaggenmeer, das Grün der Hoff­nung und des hohen Maien an allen Türen und Fenstern. Transparente mit der Aufschrift:Führer befiehl, wir folgen dir".

Der Festzug durch die Reichs­hauptstadt.

Gewaltige Menschenmassen, die sich in den frühe­sten Morgenstunden an zahlreichen Plätzen in der Stadt und in den Außenbezirken versammeln, Ziehen sternförmig in 13 langen Zügen zum

Riesenaufmarsch nach dem Tempel- Hofer Feld. Inzwischen formiert sich der vom ReichsbundVolkstum und Heimat" ausgerüstete Festzug, der in einer Länge von etwa 2 Kilo­meter in sinnvoller Zusammenstellung das Brauch­tum des deutschen Volkes und aller seiner Stämme widerspiegelt.

Jy der Charlottenburger Chaussee am Knie be­gann der Zug. An der Spitze als Herold ein SA.-Mann zu Pferd mit dem mit Eichenlaub umkränzten nationalsozialistischen Hoheitsabzeichen. Ein weiterer Herold führt den Freiwilligen Ar- beitsdienst mit geschulterten Spaten und wehen­der Flagge. Sechs Pferde ziehen den Fe st wagen des Nährstandes mit dem Sinnbild des Früh­lingspfluges, eine Gruppe Pfälzer bildet den Uebergang zu den beiden Sommertagspyramiden, die den Kampf zwischen Winter und Sommer dar­stellen. Winzer und Wandermusikanten folgen. Saarknappen tragen einen Kohlenblock, darauf mit goldenen Lettern die WorteDeutsch die Saar immerdar". Der Georgi-Wagen bayeri­scher Schützen und Trachtengruppen, das baye­rische Frühlingssinnbild des Wasservogels, Franken und Egerländer, ein rheinisches Frühlings- schiff mit Winzern und Winzerinnen, Schwaben, Baden und Hessen, auf einem Wagen thronend der riesengroße Pflngstochse mit hellblauen Blu­men nach Delfter Art. Ein Deichhauptmann hoch zu Roß mit Polderknechten und Mägden, der w e st- fälische Palm st ecken, Mecklenburger Trach­ten, der Thüringer ©rasEönig, Spree-

Der Führer während seiner Rede beim Staatsakt auf dem Tempelhojer Feldh

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wälder und Schlesier, Rügener Fischer mit ihren Frühlingsfischen wer kann sie alle zählen. Herolde, Fanfaren, Knappen und Fahnenschwinger künden die Sieger aus dem jüngst ausgefochtenen Reichsberufswettkampf an.

Jungvolk mit Maistäben und Ehrenbogen, Wim­pel der Jugendoerbände, blumenstreuende Mädchen des BDM kündigen d i e Maienkönigin, die eine Schar von Ehrenjungfrauen begleitet, an. Hoch zu Roß, reitet stolz der Maigraf. Den letzten, den Hauptteil des Zuges, bildet der Heeres­zug der deutschen Arbeit. Gärtner und Blumenbinder eröffnen ihn mit der Ehren- kröne fürdie Maienkönigin. Es folgen in Berufskleidern und ausgerüstet mit Symbolen und Erzeugnissen ihrer Arbeit die Bäcker und die Schlächter, die Schneider und die Putzmacher, die Brauer, die Schuhmacher und Zimmerleute, Dach­decker, Glaser, Maler und Installateure. Alle Branchen der Maschinen- und Elektroindustrie. Post, Eisenbahn und Straßenbahn fehlen nicht im Zuge. Den Abschluß bilden die glückbringenden Schwarz­künstler, die Schornsteinfeger.

3m Lustgarten.

Auch das Regierungsviertel liegt im feierlichen Schmuck des Maiengrün und der nationalen Far­ben. Eine zahlreiche Menschenmenge hat sich hier eingefunden, um den Führer bei seiner Abfahrt zu sehen, der zur Kundgebung im Lustgarten fährt. Nicht endenwollender Jubel umbrandet feinen Wagen auf der ganzen Fahrt. Die Kundgebung im Lustgarten, in dem das junge Deutschland aufmarschiert war, wurde zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Aus allen Ortsteilen Groß-Berlins war die Schuljugend von 12 Jahren aufwärts mit be­sonderen Verkehrsmitteln hergebracht worden. Von der Schloßfreiheit die Treppen hinauf bis zur Nationalgalerie, von den höchsten Stufen des Doms bis hin an die Spree standen wohl Hundert- taufende Buben und Mädel, umwogte Jugend den annähernd 50 m hohen Maibaum, den die Schwarzwälder uns geschickt haben. In der vollen Hohe der Schloßfassade und einer Breite von etwa 25 m leuchtete auf braunem Felde der Spruch, umrahmt von riesigen Hakenkreuzfahnen:Die Jugend grüßt den Arbeiter und den Führer". Von den Rampen und aus. dem Lust­garten heraus grüßten die hohen Masten der Fahnen der Hitlerjugend, Hunderte von Wimpeln und Bannern der Jugendorganisationen flatterten im frischen Morgenwind. Wagen an Wagen bringen die Arbeiterführer aus dem Reich, dazu die fremden Ehrengäste. Man sah vom diplomatischen Korps den Nuntius Drfenigo und zahlreiche Ver­treter ausländischer Missionen. Nacheinander trafen der Stellvertreter des Führers, Reichsmini st er Heß, und die anderen Reichsminister ein.

Reichspropagandaminister Or. Göbbels,

spricht als erster zur deutschen Jugend: An diesem Tag marschiert z u e r st d i e deutsche Jugend auf, denn sie ist unseres Volkes Hoffnung und Zukunft. Der Kampf, der von der lebenden Männergeneration gekämpft worden ist und noch gekämpft wird, ist für d i e Jugend gekämpft worden. Die Jugend ist der Mai unseres Volkes, und an diesem Tage, da Wald und Feld in Grün und Blumen prangen, vereinigt sich die ganze deutsche Nation in der Wiederbesinnung auf ihr eigentliches Sein und Werden und auf die ihr ge­gebenen Kräfte im Kampf um das harte Dasein.

Die Jugend, die hier und im ganzen Reich ver­sammelt steht, wird einmal aus unseren Händen das Schicksal der Nation in Empfang nehmen, in ihren Reihen marschieren schon die kommenden Dichter, Künstler, Staatsmänner und Minister und auf

ihren schmalen Schultern ruht schon ein gut Teil der Verantwortung, die wir alle der Zukunft un­seres Landes gegenüber tragen. In Treue vereint, hoch und niedrig, arm und reich, marschiert ihr hin­ter dem Führer in eine bessere deutsche Zukunft hin­ein. Wir grüßen das wiedererwachte Leben unseres Volkes und wir, die wir Euch um eine halbe Gene­ration voraus sind, wir grüßen Euch Jungens und Mädels, den 1. Mai unseres Volkes. Alle zusammen aber vereinigen wir uns in dem Gruß an den Schirmerund andenFührerdesReichs, heben die Fahnen, Wimpel und Hände und rufen: Unser Reichspräsident, der Generalseldmarschall von Hindenburg, unser Führer, des Volkes Kanzler, Adolf Hitler, Sieg-Heill

Begeistert klingt das Horst-Wessel-Lied aus Hun­derttausenden jungen Kehlen. Während die SA.- Kapelle den Badenweiler Marsch beginnt, künden brausende Heilrufe d i e Ankunft des Füh­rers. Schrittweise nur kann sich der Wagen durch die von der Leibstandarte Adolf Hitler frei gehal­tene Bahn bewegen. Die Heilrufe wollen nicht enden. Zwei Mädel überreichen dem Führer, der in Be­gleitung des Vizekanzlers v. Papen die Schloß­freiheit betritt, einen Fliederstraub.

Der Führer spricht zur deutschen Jugend.

Meine deutsche Jugend! Ihr seid hier an dieser Stelle schon zum zweiten Male, um in einem neuen Deutschland den 1. Mai mitzufeiern. Dieses neue Deutschland soll Erfüllung bringen der Sehnsucht vieler deutscher Generationen. Ein Reich soll er­stehen, stark und kraftvoll. Seine Kraft und seine Stärke aber kann nur liegen in seinen Bür­gern. Seine Bürger aber werden einst nur das sein, was sie zu sein vorher gelernt haben. Was wir vom kommenden Deutschland ersehnen und erwarten, das müßt ih r, meine Jun­gens und Mädchen, erfüllen. Wenn wir ein Deutschland der Stärke wünschen, so müßt ihr einst stark fein. Wenn wir ein Deutschland der Kraft wollen, so müßt ihr einst kraftvoll fein. Wenn wir ein Deutschland der Ehre wiederge- ftalten wollen, so müßt ihr einst die Träger dieser Ehre fein. Wenn wir ein Deutschland der Ord­nung vor uns sehen wollen, müßt ihr die Träger dieser Ordnung sein. Wenn wir wieder ein Deutsch­land der Treue gewinnen wollen, müßt ihr selbst lernen, treu zu sein. Keine Tugend dieses Reiches, die nicht von euch selbst vorher geübt wird. Keine Kraft, die nicht von euch ausgeht. Keine Große, die nicht in eurer Disziplin ihre Wurzel hat. Ihr seid das Deutschland der Zukunft, und wir wollen daher, daß ihr so seid, wie dieses Deutschland der Zukunft einst sein soll und sein muß.

Ihr müßt den großen Geist der Ge­meinschaft, wie er euch in der Kindheit zu eigen ist, pflegen, müht ihn niemals mehr von euch lassen, auf daß ihr einst als Erwachsene nicht wie in den Zeilen der Vergangenheit in Klassen, in Stande usw. auseinanderfallt, son­dern einst ln der Zukunft im Großen das seid, was ihr im Kleinen in eurer Jugend wart: eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft deut­scher 7Nenschen, d i e deutsche Volks­gemeinschaft. Sie beruht auf euch, ihr seid dereinst ihre Träger, und ihr müht in der Jugend lernen, diese Träger zu fein.

In vielen Jahrhunderten wurde das ersehnt, was heute Wirklichkeit geworden ist. Und ihr habt das Glück, mit in diese große Zeit hineinzuwachsen. Die Nation erwartet von euch, meine deutsche Jungen, daß ihr dieser großen Zeit würdig seid. Und das erwartet vor allem auch jenes gute

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Die Kundgebung der Jugend im Lustgarten vor dem Schloß. Links: Der Führer wird bei jetner Anfahrt zum Lustgarten jubelnd begrüßt. Rechtsx Dex Führer bei jeisex AlljvrachS an die Jugend.