ganze britische „Air Force“ an diesem Ergebnis hatte —?
Diese Frage dürfte schwer zu beantworten sein. Jedenfalls war der Anschauungsunterricht denkbar eindrucksvoll, der der widerstrebenden Minderheit des Parlaments erteilt worden war. Die Engländer haben sich wieder einmal als Meister der Regi» erwiesen. Die Öffentlichkeit ist jetzt fester denn je davon überzeugt, daß England eine enorme Verstärkung seiner Luftwehr so nötig habe, wie das liebe Brot. Und wenn in dieser Woche das Unterhaus nochmals über die Vorlage berät, wird der Boden ausgezeichnet vorbereitet sein. Wer will den „Zufall" schelten, daß die Luftschlacht just in dem Augenblick begann, als im Oberhaus der Mißbilligungsantrag der Opposition eingebracht werden sollte und das Propellergesumm die Erinnerung an eine Zeit wachrief, die man in der Themsestadt in Verbindung mit dem Nordost-Pakt, dem Barthou-Besuch und den letzten Ereignissen in Oesterreich gerade jetzt tagtäglich beschworen hatte —?
Eine Frage aber beschäftigt jetzt wieder alle Gemüter. Sie lautet: Gegen wen eigentlich muß England rüsten?! Gegen Deutschland? Diese Gegenfrage ist in jedem Falle „bündig" und „genügend". Aber das französische Schreckgespenst, wonach Deutschlands Industrie im Monat 2500
Maschinen bauen könne, ist doch nur für Parlamentsreden und Pressepropaganda zu gebrauchen. Der „Fachmann" — und dazu gehört jetzt tast die gesamte britische Jugend, soweit sie in der königlichen Luftflotten-Reserve Dienst getan hat — lächelt darüber, ebenso wie die englischen Admiräle über die stanzösische Behauptung, die „Dunkerque" sei gegenüber der Bedrohung durch das deutsche Panzerschiff „Deutschland" nötig geworden ... Zudem hat Lord Londonderry erst dieser Tage erklärt, daß eine Umstellung vom zivilen zum militärischen Flugwesen mindestens eine Zeitspanne von drei bis vier Jahren erfordere! Also — damit ist es nichts. Rußland und Italien kommen wegen der Entfernung als ernsthafte Gegner nicht in Betracht — zumindest nicht für schwere Bombenflugzeuge. .
Die Forderung der „Parität" mit dem stärksten Nachbarn kann sich daher wohl nur auf Frankreich beziehen. Dieses Frankreich ist zur Zeit offiziell noch der gute „Freund" und Bundesgenosse. Aber — wie sagte doch Lord Londonderry —: Eine Hauptstadt, d i e sich nicht selb st verteidigen kann, ist eine Bedrohung des Friedens und geradezu eine „Einladung an die Nachbarn!
Aber — er hat dabei nicht von Deutschland gesprochen--1
Wien und Berlin.
Vor der Erteilung des Agrements für Herrn von Popen.
Wien, 31. Juli. (DNB.) In gut unterrichteten Kreisen wird jetzt bekannt, daß die Erteilung des Agrements an Herrn von Papen am Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche erfolgen soll. Entgegen anderslautenden Gerüchten einer gewissen Auslandspresse soll die österreichische Regierung keineswegs die Absicht haben, die Erteilung des Agrements an Bedingungen politischen Charakters zu knüpfen.
Die gestern beschlossene Entsendung des Gesandten T a u s ch i h wird jetzt in allen diplomatischen Kreisen als ein deutliches Zeichen für die Absicht der Regierung bewertet, jetzt so schnell wie möglich wieder zu einer Aufnahme < normaler Beziehungen und zu der Wiederherstellung einer entspannten Atmosphäre mit
Deutschland zu gelangen.
Jedoch soll die österreichische Regierung beabsichtigen, über einige Fragen eine Klärung von deutscher Seite herbeizuführen, wobei man jedoch den Standpunkt vertritt, daß es sich hierbei lediglich um formale Fragen handele, die bereits in der Zwischenzeit ihre Klärung gefunden haben. Es wird der Standpunkt vertreten, daß eine Klärung dieser Fragen wenigstens nach Lage der Dinge jetzt durchaus möglich erscheine und diese Fragen keine ern st haften Schwierigkeiten für die Wiederherstellung der von allen Seiten gewünschten normalen Beziehungen bilden. Man glaubt daher, daß der neue deutsche Gesandte Herr von Papen unmittelbar nach der Erteilung des Agrements seinen Posten in Wien antreten wird.
Ein Kommentar
-er Wiener „2Reid)6pofP.
Wien, 31. Juli. (DNB.) Die christlich-soziale „R e i ch s p o st" schlägt heute einen ruhigeren Ton an. Das Blatt befaßt sich an leitender Stelle mit der Entsendung des Vizekanzlers von Papen nach Wien, wobei es Vorwürfe gegen den Gesandten Dr. Rieth erhebt, der seine Aufgabe, das wirkliche Oesterreich in Berlin zum Verständnis zu bringen, nicht verstanden habe. Er habe in der schwersten Krise, die jemals die geistigen Zusammenhänge des deutschen Gesamtvolkes ergriffen habe, nie objektiver Beobachter und Mittler sein können. Mit dieser harten Kritik an dem bisherigen Gesandten will das Blatt offenbar die nach seiner Meinung Herrn von Papen in Wien obliegenden Aufgaben umreißen. Die Persönlichkeit des Nachfolgers, des Herrn von Papen, für die Oesterreicher durch das sympathische Auftreten auf dem Klagenfurter christlich-sozialen Parteitag bekannt, sei durch die seitherigen Ereignisse seltsam umnebelt worden. Viele Fragen knüpften sich an
die Ankündigung seiner Wiener Mission. Gewiß könnte ein aufrechter Mann, der Oesterreich und die österreichischen Menschen gutwillig und vorurteilsfrei zu verstehen bereit und fähig sei, der auch in Berlin den gebührenden Einfluß besitze, viel dazu beitragen, daß der unheilvollen Zerklüftung innerhalb des deutschen Volkes Einhalt getan werde. Für den Einzug von Papens in der Metternichgasse, dem Sitz der deutschen Gesandtschaft, glaubt jedoch das Blatt eine Reihe von Vorbedingungen stellen zu sollen.
Quertreibereien in der italienischen Presse.
Mailand, 31. Juli. (DNB.) Die Dienstagmorgen-Presse beschränkt sich im allgemeinen auf die rein berichtende Wiedergabe der österreichischen Ereignisse, denen allerdings nach wie vor lange Seiten mit Berichten von seltener Ausführlichkeit gewidmet werden. Der neuen Regierung werden weiterhin anerkennende Worte gewidmet, neue Gesichtspunkte treten kaum zutage. Nach wie vor schenkt man der Ernennung v. Papens in Wien besondere Aufmarksamkeit. Der bekannte Vertreter des „P o p o l o d ' I t a l i a" in Wien, M o r - re.ale, schreibt dazu in seinem Blatt, daß „die Gefahr der Ankunft von Papens auch in katholischen Kreisen sehr tief empfunden werde". M o r - reale sucht diese seine tendenziöse Behauptung unter Beschwörung der österreichischen Bischofskonferenz zu stützen. Er empfiehlt weiterhin dem Vatikan und den europäischen Großmächten Erwägungen, ob man nicht — was Wien nicht tun könne — Berlin wissen lassen solle, daß die Entsendung von Papens anstatt die Wiederaufnahme normaler Beziehungen zu erleichtern, diese nur noch schwieriger mache (!)
Ein Leitartikel der „Gazzetta de Popolo" sagt in schulmeisterlichem Tone, man erwarte von Deutschland, wenn es wirklich wieder zu normalen Beziehungen mit Oesterreich kommen wolle, daß es erstens die Unabhängigkeit Oesterreichs respektiere, zweitens an der Konsolidierung des Friedens und des europäischen Wiederaufbaues mitarbeite.
Donk des österreichischen BundeS- prösidenten an den Reichspräsidenten.
Berlin, 31. Juli. (DNB.) Der ö st e r r e i ch i - sche Bundespräsident hat dem Herrn Reichspräsidenten auf sein Beileidstelegramm anläßlich des Anschlages auf Bundeskanzler Dollfuß wie folgt geantwortet: „Für die Kundgebung herzlicher Anteilnahme an dem schweren Unglück, das Oesterreich durch das Hinscheiden seines Bundeskanzlers Dollfuß getroffen hat, bitte ich Ew. Exzellenz, meinen aufrichtigen Dank entgegenzunehmen. Bundespräsident Miklas."
Hinrichtung der beiden Dollfuß-Attentäter
Wien, 31. Juli (DNB.) Die beiden hauplange- klckgten im Prozeß wegen der Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, Otto planetfa und Franz hol; weber, find vom Standgericht zum Tode verurteilt worden. Die Aburteilung der übrigen Teilnehmer erfolgt erst in der nächsten Zeit. Das Urteil des Standgerichts steht zunächst in keinem Zusammenhang mit der Erklärung der Ursprünge und Zusammenhänge des Aufstandes. Es handelte sich um die ausschließliche Aburteilung der beiden Personen, die als die unmittelbaren Attentäter auf den Bundeskanzler Dollfuß vom Gericht erklärt worden sind.
Hingerichiet
Wien, 31. Juli. (DNB.) Die Hinrichtung an P l a n e 11 a und Holzweber ist Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr im Hofe des Landesgerichtes durch den Strang vollzogen worden. Das an den Bundespräsidenten gerichtete Gnadengesuch der Verteidigung war a b g e l e h n t worden.
Die Beweisaufnahme.
Wien, 31. Juli. (DNB.) Vor dem Militär- gerichtshof wurden am Dienstagvormittag in der Verhandlung wegen der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß die militärischen Sachverständigen vernommen.
Generalmajor Pummerer sagte aus, daß insgesamt 69 Stück Steyr-Selbstladepistolen, ein gewöhnlicher Trommelrevolver und 4600 Schuß 9-Millimeter-Munition im Bundeskanzleramt aufgefunden worden seien, jedoch könnten nur zwei Waffen mit Sicherheit als a b g e s ch o s s e n betrachtet werden, darunter die Waffe des P la netto.
Von einem anderen Sachverständigen wurde sodann die Todesursache des Bundeskanzlers mitgeteilt. Dollfuß ist danach durch zwei Schüsse getroffen worden-, der erste drang sechs Zentimeter unterhalb des Kinns in die Halsgegend ein. Das Gefckoß hat den Hals abwärts durchschlagen, drang durch den Halswirbel durch, durchschlug das Rückenmark und ist unter dem Scheitel der Achselhöhle
ausgetreten. Die Verletzung war unbedingt tödlich.
Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Bundeskanzler bei entsprechend rascher Pflege hätte gerettet werden können, erklärte der Sachverständige, daß der Bundeskanzler zwar langsam verblutet und durch die hierdurch hervorgerufene Schwache verschieden sei, daß jedoch auch bei sofortiger Pflege nur das Leben verlängert, nicht jedoch hatte gerettet werden können. Der zweite Schuß drang durch einen Teil des Halses ein und habe weiter zum Tode beitragen können. Es war ein sogenannter Prellschuß, bei dem durch eine Bewegung des Körperteils das Geschoß wieder herauskam. Der zweite Schuß wurde auf eine Entfernung von einem halben Meter abgegeben. Mit der Verletzung war die Lähmung der Arme, Beine und des Rückens verbunden, über die sich der Sterbende beklagte.
Generalmajor Pummerer zeigte dem Gericht das tödliche Geschoß, das eine neunfach wirkende Energie gehabt habe. Der Sachverständige erklärte ferner auf Grund der Puloerwirkung, daß der erste Schuß aus einer Entfernung von 15 bis 20 Zentimetern abgegeben worden sei. Die Beweisaufnahme wurde dann geschloffen.
Oie Anklagerede des Staatsanwalts.
Nach einer halbstündigen Unterbrechung der Ver- handlling ergriff der Staatsanwalt Dr. Tuppy das Wort zu seiner Anklagerede. Er erklärte u-a.: „Die Anklagebehörde legt den beiden Angeklagten das entsetzliche Verbrechen des H o ch v e r - r a t s und einem von ihnen das entsetzliche Verbrechen des Mordes zur Last. Beide Angeklagten sind angeklagt wegen des Verbrechens des Hochverrats, begangen dadurch, daß sie am 25. Juli etwas unternommen haben, was auf eine Empörung und einen Bürgerkrieg im Innern angelegt war, insbesondere durch Besetzung des Bundeskanzleramtes und die Gewalttaten, die dort verübt sind." Der Staatsanwalt schilderte noch einmal die Ereignisse von der Fahrt aus der Turnhalle bis um 19 Uhr abends. Er brachte vor, daß die Angeklagten, als sie sahen, daß irgendeine Hilfe, die sie von
außen erwarteten, ausgeblieben war, ihr Unternehmen als erfolglos erkannten und daß es dann zur Uebergäbe und Festnahme kam. Es fei eindeutig, daß es auf einen Bürgerkrieg abgestellt war. Gegen diese Feststellung sei nichts zu sagen. Legal, so sagten zwar die Angeklagten, übernahmen sie die Regierung. Der Bundespräsident stehe hinter ihnen. Aber die Angeklagten sind ja keine unintelllgenten Männner. Wie wäre es denkbar, daß sie auch nur eine Sekunde hätten glauben können, daß ein solches Unternehmen legal sei. Sie können nicht gedacht haben, daß der Bundespräsident sich ihrer Hilfe bedienen würde, um sich der Regierung entledigen zu können. Die beiden Angeklagten haben in diesem Unternehmen eine führende Rolle gespielt. Holz- weber hat zweifellos, wie er auch zugegeben hat, — er beruft sich auf einen unbekannten Leiter, den er nicht nennen kann oder will — im Hause selbst eine führende Rolle gespielt. Der Bürgerkrieg ist ja die Folge des hochverräterischen Unternehmens. Wir wissen ja, so und so viele Tote sind im Lande zu beklagen. Ein Fünkchen hätte genügt, und wir hätten fremdes Militär, fremdes Volk und fremde Mächte in unserem Lande. Ist der Bürgerkrieg nicht das furchtbarste und schlimmste? Das aber haben diese Männer zu verantworten. Dem Angeklagten P la netto legt die Anklage auch das Verbrechen des Mordes an Bundeskanzler Dollfuß zur Last. Planetta hat den tödlichen Schuß abgefeuert. Auch das Sachverständigengutachten und eine Zeugenaussage haben den Beweis erbracht. Die eigene Darstellung des Angeklagten ist so ungereimt und so unmöglich, daß sie nicht geglaubt werden kann. Die beiden Angeklagten haben mit besonderem Nachdruck daraus hingewiesen, daß ihnen gewissermaßen Verzeihung zuteil geworden fei. Davon kann nicht die leiseste Rede sein. In der ganzen Welt gibt es kein Gesetz, das eine solche Verzeihung ermöglichen würde. Durch unsägliche Gewalttaten ist dem Minister das Versprechen abgepreßt worden. Dieses Versprechen soll moralische Bedeutung und Kraft haben? Der Staatsanwalt beantragte sodann, die beiden Angeklagten schuldig zu sprechen.
Oie Verteidigung.
Nach dem Staatsanwalt sprachen die beiden Verteidiger. Besonders bemerkenswert waren die Ausführungen des Verteidigers von Holzweber, Rechtsanwalt Dr. Erich Führer. Er sagte u. a.: Es gibt zwei Ideologien in Oesterreich, die eine tritt für die Unabhängigkeit Oesterreichs ein, die andere will einen inneren Zusammenhang mit dem deutschen Volk und dem Deutschen Reich. Diejenigen, die für den Anschluß eintreten,' lieben ihr Vaterland nicht minder und weniger leidenschaftlich als die Vertreter der Unabhängigkeit. (Hier erteilt der Vorsitzende dem Rechtsanwalt eine Rüge). Die beiden Angeklagten sind mit Leo Schlageter vergleichbar, der den Opfertod für das deutsche Volk gestorben ist. (Hier wird dem Vcrleidiger wieder eine Rüge erteilt). Der Gerichtshof, der unter dem Vorsitz eines Offiziers zusammengetreten ist, ist an das Soldatenehrenwort, das den Anführern gegeben wurde, gebunden. Es steht einwandfrei fest, daß den Angeklagten freies Geleit zugesichert und diese Zusicherung gegeben wurde, als der Tod des Kanzlers bereits bekannt war. Aber noch ein anderes Wort verpflichtet den Gerichtshof. Der
Wunsch des Kanzlers besagre, es solle kein Blutvergießen mehr sein, Dr. Rintelen solle Frieden machen.
Das letzte Wort der Angeklagten.
Hierauf sprachen die beiden Angeklagten einige Schlußworte. Planetta sagte: Ich bin kein Mör- der, ich wollte Dr. Dollfuß nicht töten, ich bitte Frau Dollfuß um Verzeihung.
Holzweber erklärte: Ich bin an dem Mord unschuldig. Es war der ausdrückliche Auftrag gegeben worden, es dürfe kein Blut fließen. Wir glaubten, daß Dr. Rintelen sich im Bundeskanzleramt befinden werde, als wir eindrangen. So wenigstens war uns am Tage vorher gesagt worden. Ich kann nur noch das eine sagen, ich habe aus glühender Vaterlandsliebe gehandelt.
Oie Urteilsbegründung.
In der Begründung des Urteils gegen Planetta und Holzweber heißt es u. a.:
Der den beiden Angeklagten zur Last gelegte T a t b e st a n d des Verbrechens des Hochverrates sei einwandfrei erwiesen. Die Angeklagten seien Mitglieder "■ der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, seien geständig, an der Aktion auf das Bundeskanzleramt teilgenommen zu haben, und es sei ihnen bekannt gewesen, daß die Negierung gefangengesetzt werden solle. Es seien insgesamt 150 Personen in das Gebäude eingedrungen, womit bereits das Tatbestandsmerkmal der Empörung gegeben sei.
Die beiden Angeklagten hätten als Rädelsführer mitgewirkt. Was das dem Planetta zur Last gelegte Verbrechen des Mordes anlangt, so sei er selbst g e st ä n d i g , auf den Bundeskanzler geschossen zu haben. Für die Tötungsabsicht spreche insbesondere der Vorgang selbst, die Verwendung einer absolut tödlichen Waffe aus ganz kurzer Entfernung. Der Gerichtshof habe daher die Tötungsabsicht als erwiesen angenommen. Bei Planetta sei auch erschwerend die Konkurrenz von zwei Verbrechen, der Umstand der Abgabe von zwei Schüssen, sowie die Wichtigkeit der Persönlichkeit des Bundeskanzlers für das ganze Vaterland an» geiehen worden. Als mildernd habe seine Unbescholtenheit gelten können. Bei Holzweber seien erschwerende Umstände nicht zu verzeichnen. Als mildernd könne das Geständnis und die Unbescholtenheit angesehen werden.
Wie Holzweber und planetta starben.
Wien, 31. Juli. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Holzweber und Planetta wurden nacheinander hingerichtet, erst Holzweber, der nach der Verkündung der Abweisung des Gnadenantrages rief: „Ich sterbe für Deutschland! Heil Hitler!". Auch Planetta rief vor der Hinrichtung: „Heil Hitler!" — Dazu wird noch bekannt, daß beide Angeklagten eine außerordentlich ruhige Haltung einnahmen. Sie baten um geistlichen Beistand, und bald erschienen ein katholischer und ein protestantischer Geistlicher im Gefängnis, mit denen beide zum Tode Verurteilten lange sprachen. Personen, die bei der Hinrichtung anwesend waren, erzählen, daß beide wie wahre Männer gestorben sind. Holzweber wiederholte, schon den Strick um den Hals, immer wieder den Ruf „Heil Hitler!" Er sagte es solange, bis ihm sterbend der Atem in der Kehle erstickt wurde.
Neue schwere Kämpfe in Kärnien.
Ein Bericht von der südslawisch-österreichischen Grenze.
Belgrad, 1. August. (DNB. Funkspruch.) Die „23 rem e" veröffentlicht einen telephonischen Bericht ihres Korrespondenten aus Unter hau« bürg von der südslawisch-österreichischen Grenze über die Lage am Dienstag.
Danach dauerten die Kämpfe zwischen Aufständischen und Bundestruppen in Kärnten auch während des ganzen Dienstag an. Es soll sich dabei sogar um die blutigsten und verlustreichsten Kampfhandlungen gehandelt haben, die im verlaufe des ganzen Aufstandes in Oesterreich zu verzeichnen waren. Die Anfständischen und die Bundestruppen hätten zahlreiche Tote und Verwundete zu beklagen.
Das Gefecht wurde durch ein Manöver der Bundestruppen eingeleitet, die die Stellungen der Aufständischen scharf an der südslawischen Grenze angriffen, um sich dann i n scheinbarregelloser Flucht zurückzuziehen. Die Aufständischen fielen auf dieses Manöver herein und machten sich sogleich zur Verfolgung auf. Der Zweck des Manövers bestand darin, die Aufständischen von der Grenze fortzulocken, da die Bundestruppen aus Sorge, ihre Schüsse könnten auf südslawischem Gebiet ein sch lagen, nicht ihre volle Feuerkraft entfalten konnten. Die Aufständischen gerieten jedoch bei der Verfolgung in einen Hinterhalt und wurden auf beiden Flanken angegriffen. Sie ergaben sich aber nicht, sondern verteidigten sich den ganzen Tag.
Das Manöver der Bundestruppen scheint schließlich mißglückt zu sein, weil die Aufständischen neue Verstärkungen erhielten und sich mit dieser Hilfe aus der Umklammerung befreien konnten.
Der Berichterstatter der „Vrerne" erklärt weiter, daß die Aufständischen über keinen Nachrichtendienst verfügten, was ihr größter Nachteil gegenüber dem Bundesheer fei. Abteilungen, die im Laufe des Kampfes angestrengt wurden, mußten über b i e Grenze nach S ü dflawien , um nicht in die Hände der Bundestruppen zu fallen. Im Laufe des Montag und Dienstag seien etwa 350 Aufständische in kleineren Gruppen nach Südslawien übergetreten, wo sich jetzt rund 1200 Kärntner befinden. Sie seien in Kroatien auf drei Orte aufgeteilt, nämlich auf Warasdin, Belovar und Boschega. Sie könnten sich frei bewegen, dürften aber die Orte nicht verlassen. Sie hielten gute Disziplin, so daß sich das Leben in den Lagern und der Verkehr mit der Bevölkerung reibungslos abwickele.
Die „Vreme" berichtet ferner von der Grenze, daß am Dienstag im Westen Kärntens eine große Aufstandsbewegung begonnen habe.
Es seien nunmehr auch dort heftige Kämpfe im Gange Die Aufständischen versuchten einen konzentrischen Angriff auf Klagenfurt.
Prag warnt vor einer Habsburger Restauration.
Prag, 31. Juli. (DNB.) Wie die dem Pra- ger Außen mini st erium nahestehende „L i - 0 o oe No v in i" berichtet, vermutet deren Wiener Korrespondent, daß die Regierung Schuschnigg eine Lockerung der italienischen Orientierung mit sich bringen werde und daß das neue Kabinett in 'der Habsburger Frage zwar eine abwartende Haltung einnehmen aber das Ziel, den Prinzen Eugen zum Staatsoerweser zu machen und die Habsburger zurückzuführen, keinesfalls aus dem Auge gelassen werde.
Noch scharfer als die Wiener Meldung bringt diese Gedankengänge eine redaktionelle o t e H u n g u a m e des bekannten Journalisten des Blattes, Hubert R i p k a , zum Ausdruck, der als fest annimmt, daß das Bundesheer zwar nun 'Äln Oesterreich habe, es fei aber zweifelhaft, ob dies eine Stärkung Oesterreichs fei.
Die Regierung Schuschnigg bedeute nicht nur eine Verstärkung der austro faschistischen Bestrebungen, sondern auch der monarchistischen Tendenzen. Schuschnigg liebäugele mit einem katholischen Deutschen Reich unter der Führung der Habsburger.
Dollfuß sei ein schlauer Realist gewesen, was ein eXhS1! lUr Habsburger Restaurationsplan * h°b°. „Man muffe nun abmarten, ob der
Nachfolger Dollfuß einen gefunden Menschenver
stand entwickeln werde, um zu wissen, was möglich und was unmöglich sei. Deswegen werde es gut fein, schreibt Ripka, daß man in Wien und auch nach allen übrigen Seiten hin schon jetzt mit aller Entschiedenheit den Standpunkt der Kleinen Entente betont:
ftein Anschluß, aber auch nicht die Habsburger Restauration. Es wäre das ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man hofft, daß die kleine Entente irgend etwas an dieser traditionellen Politik ändert. Niemand, nicht einmal ihre besten Freunde, können sie dazu bewegen, eine Habsburger Restauration zuzulassen, die Mitteleuropa noch größere Verwirrungen bringen würde als bisher. Dollsuh wußte das. hoffen wir, daß der neue Kanzler auch in dieser hin- ficfjf in der Politik seines Vorgängers weiterschreiten wird.
Das tschechische nationalsozialistische „Ceske Slovo spricht von einer neuen Lage in x 2 r° p “• Gs erinnert an die Worte Beneschs, daß die österreichische Frage eine europäische sei. Daß öu Tschechoslowakei bereit sei, der U »r!1 n Q Mussolinis zu folgen und daß das österreichische Problem zu einem für beide -Leue annehmbaren Kompromiß führen müsse, wenn nicht ein folgenschwerer Zusammenstoß er* folgen solle. Heute, sagt das Blatt, sei es so weit.


