auf, unb iiberbies habe ich bis Augen voll Wasser, Eine bitte Träne rollt herab unb hängt sich unten an mein Kinn.

Gleichviel, ich gehe meinen Weg, atemlos unb trönenblinb. Neben mir taucht etwas Bläuliches aus dem Gras, aber bamlt kann ich mich jetzt nicht aushalten. Das ist vielleicht nur ein Busch auf dem Hügel, denke ich, sicher klopft mein Herz so laut, daß selbst die Büsche zu lachen anfangen. Weit vor mir sehe ich ein Tor am Aaun, das will ich iim Auge behalten. Einmal trete ich noch in einen verdammten Kuhfladen unb dann ...

Bähl" sagt das Gebüsch hinter mir ...

Ach, Sabine, blauweißes Ding, du fröhlicher Bogel in meiner Wiesel Wenn wir müde wären, hätte wir ja eine Bank unter dem Baum, einen warmen, heimlichen Platz für den Abend.

Wiegenstunde.

Von Ruth Schaumann.

Der Schlaf ist wohl ein Garten, Du stehst so dicht davor, Was mag dich dort erwarten? Der kleinen Vögel Chor?

Der bunten Blumen Flor?

Der Schlaf ist wohl ein Garten

Schon gingst du durch fein Tor.

Der Schlaf ist wohl das Wallen Von einem Strom zum Meer, Darein die Sterne fallen Und machen doch nicht schwer. Er fließt und wird nicht leer. Dein Schifflein glänzt kristallen Und schifft so sacht daher.

Der Schlaf ist meinesgleichen. Er wiegt dich auf dem Schoß. Der Mond ist am Verbleichen, Der Morgenstern steht groß, Der Tau birgt sich im Moos. Der Engel Flügel streichen Dich hell vom Schlummer los.

Der verwechselte Gast.

Ein Märchen von Hans Friedrich Blunck.

Man soll nicht aussehen wie ein alter Wassermann. Und wenn-'s schon an dem ist, soll man sich nichts darauf einbilden und gar die Nixe aus dem Wasser rufen. Am Ende geschieht's auch anderen, daß die Enttäuschte, die schon meinte, ihr Mann sei heimgekehrt, mit dem Betrüger zu Wasser fahren will.

Da war einmal ein sehr gelehrter Mann, der kam im Herbst bei seinem Freund zu Gast. Der Freund hatte einen einsamen Hof mit einem schönen Garten und einem großen Teich unter Weiden und Eschen.

Nun sah jener Fremde so ähnlich aus wie der Wassermann, der unten im Teich hauste. Er hatte ein dickes rotes Gesicht und rechte Kuhaugen, dazu ein Hängekinn und Ohren ich will nicht sagen, wie die aus­sahen. Aber er war nun einmal ein berühmter und kluger Mann, unb ber Herr des Hauses wünschte, daß es feinem Gast gut erginge.

Es war ein schöner Spätnachmittag, an dem der Fremde eingetroffen war; die Kartoffelfeuer brannten auf den Aeckern, und die Dämmerung sank so recht rot und bruun im Westen und bewirkte, daß die Gesichter im halben Schatten anders als über Tag erschienen. Und weil ber Hof- jjcrr nodj zu tun hatte und dem Gast die Welt so herrlich dämmerstill dünkte, machte er sich auf und wollte sich bis zum Abendessen am Teich ergehen, ganz allein hinter den jungen Eschen.

Auf einmal blieb er stehen, da saß die Kröte Frau Abenblank mitten im Weg und wich nicht aus. Ob er ihren Mann gesehen hätte, fragte sie, er wäre mit den Kindern ausgegangen mit allen auf einmal und so huckepack!

Der Gast erstaunte sich, aber er antwortete höflich unb sagte, daß er Öie Kinder nicht gesehen hätte. Da stand auch schon ein dicker alter ftarpfen neben ihm im Wasser, schlug einmal mit dem Schwanz, daß es putschte und der Fremde erschrak, und fragte, wie es mit einem Brett­spiel fei und wann sie sich träfen.

3er Mann bekam einen roten Kopf, er hatte immer gehört, daß v'Iche stumm feien; sicherlich steckte ein anderer in diesem Karpfen. Er beeilte sich, sagte einige freundliche Worte und wollte ins Haus zurück, um dem Gastgeber von seinem Erlebnis zu erzählen. Aber ein Weiden- bu d) beugte sich vor ihm in den Weg, und eine Stimme bat ihn, er solle doch heute abend wieder auf der Flöte üben. Und als er nun immer verwirrter nach allen Seiten Entschuldigungen verschenkte, kam ein Unterirdischer, zog seine Mütze unb fragte den Herrn Wassermann, wie es mit Tem Bild stünde, das der ihm versprochen habe. Er warf fogar mit kleinen Steinen nach dem Fremden, als der weiterlief und von nichts wissen wollte. Schließlich stand ein Damhirsch in der Gerste hinterm Gartengitter, fragte den Gast, ob niemand da sei unb auf ein paar Rechen Erbsen tarne es wohl nicht an?

Ja, wundersältig war alles, was der Mann erlebte, und eigentlich war es so drollig wie schön. Als er sich zum Haus heimwenden wollte bedachte er, ob ihm solch ein Abend wohl noch einmal beschieden sei, unii weil er Mut hatte, meinte er, es sei vielleicht besser, sich noch ein weich umzusehen.

Wenn sie dich mit dem aus dem Wasser verwechseln, dachte er, dann wird am Ende auch eine schöne Nixe in der Nähe fein. Abenteuerlustig blieb er am Rand des Teiches vor den Mummeiblumen stehen uni redete, was ihm gerade einfiel.Frau", sagte er,du kannst mir mai meinen Hut 'rauflangenI" Was geschah? Die Mummeln öffneten sich, uni eine kleine Hand warf einen breiten grünen Hut herauf, gerade aus seinen Kopf. Es tropfte ein wenig, dann war der Filz zundertrocke» Und meinen Mantel auch", sagte der Gast nun übermütig.

Kaum zu glauben, wieder öffnete es sich zwischen Schilf und Blum», und ein Mantel flog herauf und dem Mann geradewegs um die Schub lern.Wart eben", redete es aus dem Wasser,ich komme mit!"

Das hatte der Besucher nicht gewollt, er versuchte, den Weg am Teich rasch zu Ende zu gehen. Aber am Wehr stand im Nebel schor eine hübsche Dirn ganz wie andere auch, nur daß ihr Haar ein wenig schillerte. Die nahm den Mann beim Arm, als gehörte es sich so, uni redete gleich mit ihm.Ich wußte ja gar nicht, daß du schon $uriid seist", sagte sie.Ist recht, daß du an mich denkst, wir wollen über bi-t Wiesen." Sie wartete nicht erst auf Antwort.Die Leute tanzen im Krug", fuhr sie fort,wir wollen zuhören!"

Jetzt bekam der Mann aber doch Angst, er wußte nicht recht, wie et sich dem entziehen sollte; es schien ihm auch alles so sonderbar »erquer und verdreht, und was er sah und hörte, war s-o anders, als es sonst in dev Welt zugeht, daß er am liebsten in seinem Bett hätte liegen mögen. Er hatte indes wirklich den Hut auf und den Mantel des Wasser, manns an, und er sah, daß nun, wo die Frau neben ihm schritt, ein feiner Nebel vor ihnen herschwamm und hinter ihnen blieb. Nur, tue sie an den verglimmenden Kartoffelfeuern vorüberkam, wich die Nixisch- aus, zog ihn zur Seite und seufzte.

Es wurde dunkler auf den Wiesen und auf dem Weg, den sie gingen. Tanzen möchte ich", sagte die Frau auf einmal und blieb stehen;Höch du, wie die Menschen tanzen?"

Sie waren jetzt auf der Brücke, die über den Bach ins Dorf führte. Eine Laterne glanzte und der Mann sah, daß es ein hübsches Sing war, das neben ihm schritt, aber vor den grünen Augen und dem grünen Haar hatte er Furcht.

Warum erzählst du mir nichts?" fragte die Nixe eifersüchtig.Bist du stumm geworden, ober hast du eine von den Menschen im Sinn? Sie hielt ihn" eifersüchtig fest.Weißt doch, daß mir jetzt weitergeher dürfen, es gibt Jank!"

Nein, davon wußte der Mann ja nichts, aber weil der Weg breit und eben und wirklich die Musik vom Dorfkrug deutlich zu vernehmer war, hielt er es für gut, ein Tänzlet» zu versuchen, da brauchte ei nicht weiter Rede und Antwort zu stehen. Gleich hatte er dem Fräuleir den Arm untergeschoben und tanzte auch schon.

Wie das Ding ihn zu drehen und zu führe wußte, so etwas hach er noch nicht erlebt.Tanz ich nicht besser als die von den Menschen?' flüsterte die Frau, und er nickte eifrig, das mußte er wohl zugeben t Aber zu sagen wagte er es nicht. Da zog sie ihm den Mantel von bei Schulter und warf ihn in den Bach.Du bist ein Langweiler heul', jagte sie,hör nur, wie die Menschen spielen!" Es war jetzt, als [ei der Krug ganz nahe und die Musik dicht vor seinen Ohren.Raschen rascher", verlangte das Ding und wirbelte den Gast, daß ihm schier bei Atem ausgehen wollte.

Auf einmal brach die Musik ab, der Mann hielt schnaufend mit Drehen ein, ihm war so wunderlich wie verliebt zu Sinn, er überlegte schon, ob er sich nicht zu erkennen geben sollte. Am liebsten hätte er die junge Dirn in den Krug gebracht und wer weiß wie lange mit ihr ge­tanzt. An den Freund, det zu Haus auf ihn wartete, dachte er nicht mehl.

Gerade da setzte die Flöte wieder ein und gleich danach die Knie­geigen und auch die hohe Fiedel.Komm", sagte er,wir wollen laufe» und dabei sein."

Hier sollst du tanzen", drängte die Wasserfrau,drüben hältst du» mit der anderen!" Dabei riß sie ihm den großen Hut ab er hindert- sie wohl. Im Augenblick aber, wo sie fein Gesicht jetzt nahe hatte, er­schrak sie doch.Wie siehst du nur aus?" fragte sie, und:Wer bist du", schrie sie. Dann, ehe er ein Wort erklären konnte, fühlte ber Tänzer einen Stoß, daß ihm Hören und Sehen verging.

Er wollte sich wehren, griff nach dem Hut und versuchte, die gram festzuhalten. Aber die hatte ihn umklammert und zog ihn geradeswegs zum Brückenrand.Wer hat das gewagt", hörte er, sah das Wasser des Baches und hatte auf einmal eine elende Angst, daß er darin er­trinken wurde. Da riß er sich mit einem Ruck frei und tat fieber Sprünge zurück, bis in die Nähe eines Kartoffelfeuers das glüht« eben aus.'

Dorthin konnte die Frau ihm nicht folgen; sie blieb noch eine Weil« wie em Nebel auf der Straße, bann sank sie über bas Geländer itt den Bach; das Wasser gluckste, als sei ein großer Hecht hochgesprungen.

Der Mann erzächlt aber, das Tanzen wäre so schön gewesen, er tourb 5 gern noch einmal wagen. Als er abends spät bei feinem Freund' afj und dem alles zu erklären suchte, meinte er auch, es sei doch ab­sonderlich, wie man ihn für einen Wassermann hätte ansehen können- , A bevn Hut. den er in der Hand behalten hatte, nodi einmal oussetzte,' lachte der Wirt aus vollem Hals. Denn der andere war geroifk etn gelernter ßerr, aber es konnte schon angehen, daß man ihn und- auch sonst diesen oder jenen von den Menschen mit dem Herrn aus dem: Teichgrund verwechselte. So wie es dem schönen Fräulein zugestoßen war- Der Hut verschwand über Nacht, niemand kann sich erklären, wie er aus dem Haus gekommen ist.

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