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Brief sein, wenn man die Fußspuren auf dem weichen Boden befrachtet so viele Spuren von einem kleinen Frauenfuh!
Uebrigens wäre ich längst wieder hier an der Arbeit, wenn ich nur Holz für meine Bank austreiben könnte. Ich will fie natürlich kunstgerecht machen, ordentlich mit einer schrägen Lehne und einem gehobelten Brett für den Sitz. Allein der Schreiner ist plötzlich wie besessen hinter jedem Stück Laden her. „ . .......
Er läßt mich keinen Augenblick aus den Augen, immerfort schielt etS nach mir hin und spreizt die Borsten seines Bartes wie ein Igel in seinem ledernen Gesicht. Nein, dieses Brett muh ich liegen lassen, das ist Eschenholz, das andere auch, und die Pfosten braucht er alle für feinen ^eU®o3uPlfann so etwas überhaupt gut sein, sagt er, eine Bank unter dem Baum? Das zieht nur Leute an, die laufen dann ins Gras und möchten Blumen pflücken, Margueriten, versteht sich, und blaue Glocken, und aus diese Weise liegt schließlich das halbe Heu auf dem Mist. DM will ich auch noch Kieswege anlegen, kreuz unb'quer, einen Springt brunnen mitten im Kornfeld? , .
Nein ich sollte mir anderswie Luft machen, meint der Schreiner, auf einen Spielhahn gehen, die balzen um diese Zeit. Merkwürdig, er» klärt er, was die Schildhähne betrifft! Gewöhnlich find sie wie ander« Vögel, gar nicht dumm auf ihre Weife. Aber in jedem Fruh,ahr ist der Teufel mit ihnen los! ......
Das ist Geschwätz. Ich habe jetzt keine Lust, mit der Kugelbuchse auf nassen Aimböden zu hocken, stundenlang im Morgengrauen, außerdem müßte es wenigstens ein großer Hahn sein, Auerhähne sind nicht auf ^^Der^Schreiner ist ein alter Bär, grob und eigensinnig, aber ich rede jetzt mit dem kleinen Michael, der versteht mich sofort. Eine Stunde spater haben wir alles beisammen und durch die Busche geschleppt. Bier lärdiene Pfosten vom Zaun des Pfarrers, einen Laden von der Jauchenpumpe, nicht übermäßig sauber, aber sonst noch wie neu, und einen Truhendeckel für den Sitz. Dieser Deckel ist kunstvoll auf Rahmen gearbeitet und mit Blumen bemalt, mit Tulpen und Rosen und einem Herzen, das rot und geschwollen ist wie ein Kürbis, vor lauter Liebe.
Michael bohrt in seinen Taschen und bringt Nägel an den Tag Nägel von jeder Art und Form. Zierstiste von Polstermöbeln und solche mit breiten Messingköpfen, Hufnägel und dicke fünszolttge, wie man sie auf den Zimmerplätzen bekommt, wenn man geduldig ist und den richtigen Augenblick abwartet. Daraus versteht sich der kleine Michael, es gibt keine Zeugtruhe weit herum auf den Tennen, in der er nicht Befcheil» "^Wir spitzen die Pflöcke mit dem Beil und putzen sie mst dem Reis» mesfer, Michael setzt sich hin und nimmt jeden Pfosten zwischen emS Knie, damit er die richtige Führung hat, wenn ,ch ihn mit dem Schlaget in die Erde treibe. Das ist das Schwierige an dieser Arbeit, die oiev Säulen müssen genau im Winkel stehen, senkrecht die vorderen, ein wenig schräg die rückwärtigen; und wenn eine Wurzel im Wege ist, chufsea wir in die Hände spucken und auf paffende Weise fluchen, ehe wir bett Pfahl drehen und rütteln und in die richtige Lage bringen
Dann stehen wir eine Weile und betrachten unser Werk. Wir haben beide keinen Bart, um ihn dabei durch die Hand zu ziehen, aber es >st trotzdem kein Zweifel, daß wir unsere Sache verstehen, große Worte machen wir nicht. Nein, verständige Burschen sind wir, Michael wischt feine Nase in den Aermel, wie jebermann, und was mich anbelangk, ich würde niemals etwas mit grüner Tinte auf gewes Rapier fdjretben.
Und jetzt treibe ich den letzten Nagel in das Ditzbrett, mitten durch ^Unbjcfet hm ^Michael mich verlassen. Es war schon am Morgen voy Krapfen die Rede gewesen, und als vorhin die Egglocke anschlug. oer- schwand er plötzlich. Michael weih noch nicht, daß es Dinge trn ßebert Ut die man nicht fassen und bei Namen nennen kann unb die gleich» moht schwerer zu ertragen sind, als eine leere Kvapfenfchusfel. Er lebt seine fröhlichen Tage, manchmal geraten ihm Prügel dazwischen, da war er doch vorher vergnügt gewesen und ist es nachher wiederr und wenn ihn einmal etwas innerlich schmerzt, so kommt auch das von greifbaren Dingen her, von frischem Brot und gestohlenen Dorrt,rschew, 9 Ja so einfach ist das Dasein für Michael, warum wird es nur so schwer' gemacht? Das muß ein Ende nehmen, ich bin nicht der schlechtes^ unter den Burschen hier herum. Dielleicht werde ich doch m dieser Nach, auf die Almen gehen. Ich will in der Hütte am offenen Feuer sitzen, ent Mann in Gedanken, ein «infamer Mann, der nichts mehr besitzt als “"sÄht? j?ÄnUein bißchen für mich singen und, di« Well betrachten. Sicher sind schon ein paar Knospen am Kirschbaum aufgebrochem Unb lväter dächte ich mir etwas aus, em Wort, ober einen Vers, der mk gefiele, und den ich den ganzen Abend lang fo für mich hmfummett könnte. Wenn der Baum blüht, sänge ich,
wenn der Wind geht, mußt du am Fenster stehn, und dein Hemd wird wie ein schneeweißes Segel wehn, braunäugiges Mädchen ... , ,
2lber ich kann nicht fingen und Verse machen, vor mir stehr das blatt» roeieelt?am8‘ba habe ich nun eine Bank unter bem Ahorn gezimmert, irr schlafender Nacht arbeitete ich dort und sparte keine Muhe, Gott mag wissen was geschieht, wenn es bem Pfarrer einfaUt, nach feinen Psostett iU suchen. Nirgends in der Welt gibt es eine Bank, auf der nian fb paradiesisch sitzt, mit Tulpen und Rosen unterwärts Aber nein, id) batte ebensogut einer, Sauerdornbusch dorthin pflanzen können. Das verdrießt
->-» ***** ©emWit und Breite, und nur der Hut sollte fieser in der Stirn sitzen, es ist schwierig, ein bedeutendes Ansehen zu gewinnen, Scharfe und Ernst in den Blick zu legen, wenn man mit blankem Angesicht gegen M.nb maSier^ muß.'Dieser Wind läuft mit wie «in narrischer
I Hund zwischen die Beine, er zieht an meinen Hosen und blaff da- Hemd
Dicht fo sehr mit meiner 'Arbeit hätte beeilen müssen D°n ganzen mittag sitze ich auf meinem Hügel, und es selchieht nichts. Niemals Kommt unter den Baurn und fchaut sich um und schlagt $ den Kopf zusammen vor Verwunderung. Eine SttNiben habe ich freilich in der Stube verbracht, ich mußte ja die Schaufel zuruckbringen, außer dem fror ich erbärmlich in meinem nassen Schuhzeug. Und trotzdem war ich vergnügt. Ich fang aus bem Fenster und nahm fairem llu^s Hem »us der Truhe, ein blauweißes für diesen Tag, fo vergnügt »wr ich.
Das alles fällt mir jetzt wieder ein wahrend ich da sitze, h Uf los uno bekümmert und blaugestreift wie ein Verbammter. Schließlich h ch Len Briefumschlag aus der Hosentasche.und trag« ihn über das Fed Zurück, mag er dort bleiben! Es liegt mir nicht? daran, immerfort die, Lächerliche Schrift zu betrachten. Ist er etwa nicht lächerlich em Mensch, irgendein Eduard oder Leopold, der seine Briefe mit Aimer Tinte Ichreibt? Jawohl, ich knülle den Umschlag zusammen und werfe ihn in '©ras, hier fand ich ihn ja, genau in diesem Züstond. . einem
Aber es muß vielleicht doch ein befonbers kostbares Stuck
^^Gegen"Morgen"such« ich Werkzeug aus her Tenne, es ist schon hell genug, wenn ich jetzt anfangen will, den Platz vor bem Ahorn herzu- richten. Ich werde ihn ganz eben machen, vielleicht auch noch ein wenig Erde aufschütten, damit später wieder Gras darauf wachsen kann, etn dicker Rasen, wie ich ihn oft in Gärten gesehen habe.
Dann nehme ich das Maaß für den Sitz, nicht zuviel, was d.° Lange betrifft, bohre Löcher mit der Rennstange, wo die Pfosten stehen sollem und arbeite flott und tüchtig in der frischen Morgenluft. Zuletzt mache ich Iben Platz noch sauber. Ich sammle Späne und Wurzeln und was sonst da herumliegt, ein paar bunte Wollfäden, em Stuck, Papier, arat, ) einen leeren Briefumschlag im Gras. „Sabine steht darauf geschr
Für Fräulein Sabine
Meinem Grefchen.
Don EduardMörik«.
Drunten in des Kaufmanns Warenhalle Sehnte sich ein Kleidchen fchon feit lange (Ohne daß es drum, versteh' mich eben. Was man sagt, ein Ladenhüter wäre), Sehnte sich aus des Gewölbes Schatten An das Tageslicht, in Lust und Sonne, Einem guten Mädchen ober Fräulein, Das fo um bie vierunbbreißig stünde. Angeschmiegt vom Hals bis auf die Knöchel, Sich mit ihr im Zimmer, durch den Garten Und auf Markt und Straßen zu bewegen. Ei, da kamen wir zur guten Stunde, Sahn der schönen Ware eine Menge, Mit noch schönsten Worten angepriefen, Ausgebreitet vor uns auf den Tischen.
Doch dies Kleidchen sprach zuletzt bescheiden: „Wählet mich! Dem. heißen Sommer bin ich Und dem kühlen Herbst gerecht, an Farbe Mild, und linde fallen meine Falten.
Nehmt mich mit! Ihr tauftet nicht zu teuer. — Nun, in kurzem war der Handel richttg, Und hier ist es, dir zum Dienst gewidmet.
Sieh! Es fremdet noch, beschämt, ein bißchen, Ungewiß, ob es gefallen werbe. •
Doch es barf durch manche stille Tugend Hoffen, mit der Zeit sich wert zu machen: Fühlt es doch in bem und jenem Stücke Sich voraus der lieben Herrin ähnlich.
Wenig wird es dich ins Schauspiel locken, Su Konzert und Prunkvisiten wenig;
her könnte Dorf und Wald es reizen. (Wundershalb nur möcht' es dieser Tage Gleich einmal die Eisenbahn versuchen.) Aber ach, was will ein armes Kleidchen Heut' bedeuten in des Mannes Händen, Der dich gar zu gern, 0 Allerbeste, Um und um in feine Liebe hüllte, Daß du, nur in diesem Aether wandelnd, Dich wie heute fühlest alle Tage!
Oie Bank am Ahorn.
Don Karl Heinrich Waggerl.
Ich ßege in der Dunkelheit mit meinen einfältigen Gedanken. Morgen! denke ich, ober sonst etwas Freundliches, Gras, Warme, Wind unter dem Baum. Es ist dort wirklich ein hübscher Platz, fallt mir em. Ich will mit dem Schreiner ein Wort reden, ein wenig Holz zusammen- uchen, etliche Pfosten und Bretter. Und bann konnte ich eine Bank unter dem Baum aufschlagen, eine breite Bank im Schatten vor dem Korn, aber nicht zu weit von den Büschen.
Die Nächte sind voll von erregenden Geräuschen. Ich liege Mete stunden fang wach und horche. Das Wasser lärmt im Brunnentrog, irgendwo klirrt ein Fenster, und bann lacht jemand — bas kommt von weither, dieses zutrauliche Mädchenlachen. Katzen jagen sich mit sioll'schern Geschrei, es klingt wie Mord, wie eine schauerliche Bluttat, nachts auf
Hoch im lichten Himmel schwebt der Mond, er greift mit weihen Fingern durch mein Fenster und rührt alles an, den Wasserkrug, «m Bild an der Wand, das Bild einer Frau, di« plötzlich aufwacht und ver-


