Ausgabe 
20.3.1939
 
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) Der Großvater des Verfassers.

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Von I. W. von Goethe.

Ich weih, daß mir nichts angehört Ats der Gedanke, der ungestört Aus meiner Seele will fließen. Und jeder günstige Augenblick, Den mich ein liebendes Geschick Von Grund aus läßt genießen.

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Ein Künstlerbesuch bei Goethe im Lahre 1826.

Von Geheimrat Professor Dr. Rudolf Hübner.

Zur Gießener Goethe-Festwoche stellt uns Geh. Rat Hübner, der von 1913 bis 1918 als Ordinarius für Rechts­geschichte und Deutsches Bürgerliches Recht an der Lud- wigsuniversität wirkte, den folgenden Beitrag zur Ver­fügung.

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Der Maler Julius Hübner* war im Jahre 1821als fünfzehnjähriger "MI hüngling" aus feiner schlesischen Heimat nach Berlin übergesredelt, von ci »l hjottsried Schadow in die Gipsklasse der Akademie ausgenommen worden jinb dann sehr bald in das eben neubegründete Atelier Wilhelm Schadows, ic8 eben aus Rom Zurückgekehrten, eingetreten. Als nun dieser im Herbst 826, als Direktor der dortigen Akademie, nach Düsseldorf ging, folgten hm alle feine Schüler dahin. So auch Hübner, der unter ihnen nach dem rühen Tode zweier älterer Genossen die Stelle des Aeltesten einnahm und >ch im Lauf der Jahre die des dem Meister am nächsten stehenden Freundes rwarb. Er fuhr zusammen mit seinen vertrauten Malerbrüdern Theodor nldebrandt, Carl Sohn, Carl Friedrich Lessing, deren Bildnisköpfe er pätet (1839) aus dem in der Berliner Nationalgalerie befindlichen Gruppen- wrträt vereinte. Sie machten die Reise,wie es damals noch Sitte war, iiit einem Fuhrmann, Hauderer oder Zauderer genannt, langsam genug, her mit einem Genuß uyb Vergnügen", das er niemals vergessen hat. M Hildebrandt und ihn bildete den Höhepunkt der Reise der Aufenthalt n Weimar, wo ihnendas Glück zuteil wurde, den alten Goethe persönlich u begrüßen". Sie hatten beide gute Empfehlungen, Hildebrandt einen Brief von Goethes Neffen, Staatsrat Nicolovius, und ihm selber hatte Bettina von Arnim ein Schreiben mitgegebcn,denn sie hatte mich sehr ,ern". In diesem Briefe hieß es, der Ueberbringer sei Maler;unter Hun­gerten der neuen Generation habe er sich aus die würdigste Weise hervor­getan". Besonders erwähnte sie sein erstes BildBoas und Ruth",das m meisten von Kunstverständigen und vom Beisall der bloß schaulustigen Wenge erhoben" werde und das berechtige,größere Ansorderungen an ie Zukunft zu machen". Sie wünschtedieser jugendlichen Natur",daß Dr aller Vorteil zukommen möge, den die Zeit der Ewigkeit nur immer pbzustreisen vermag; Dich zu sehen gilt für einen solchen Vorteil". Darum orderte sie Goethe dringend auf,ihn zum Sprechen zu bringen. Er wird Dir manches sagen, was Du in einer so jungen Natur nicht erwartetest; eine Anschauungen sind unschuldig und tief philosophisch; der höchst ein- ache Plan seines Lebensweges kontrastiert ganz poetisch mit der mannig- ciitigen Fühlbarkeit seines Geistes. Ich kenne ihn wenig, aber dieses alles toatb ich bald inne. Ich bitte Dich, ihm die Komposition des Charon zu feigen, die über Deiner Tür hängt. Ich habe ihn aufgemuntert, Dir seme Vortefeuille zu zeigen, in dem Du eine Komposition aus dem Ariost finden soirst, die von großer Schnellkraft der Imagination zeigt". Diese Zeichnung, »ach der Signatur 1825 ausgeführt, nahm Hübner mit, um sie Goethe zu kerehren; sie liegt noch heut in den Goetheschen Sammlungen. Das nach Dr in den folgenden Jahren ausgeführte OelgemäldeRoland befreit die brinzessin Isabella aus der Räuberhöhle", ein Hauptwerk der älteren Düsseldorfer Historienmalerei, war in der Berliner Kunstausstellung des wahres 1828 zu sehen. Der alte Schadow, ein strenger Kritiker, hob es zn- iimtnen mit Hübners gleichzeitig ausgestellten GemäldenDer Fischer «ach Goethe" undRuth und Naämi" rühmend hervor.

Hebet seinen Besuch bei Goethe, den auch dieser in fernem Tagebuch zum 30. November 1826 vermerkt, hat nun Hübner in seinem Alter, m- pvischen längst (seit 1841) in Dresden als Professor der Historienmalerei m der dortigen Akademie heimisch geworden und seit 1871 Direktor der Dresdener Gemäldegalerie, in dem. anmutig geschriebenen Erinnerungsblatt »Aus meinem Leben", das er in der schlesischen ZeitschriftDer Rübezahl" 1872 veröffentlichte, eine anschauliche Schilderung gegeben. Da diese Zeit­schrift wenig zugänglich ist, erscheint ein Wiederabdruck des Berichtes an lies er Stelle gerechtfertigt. Er lautet:

Wir (Hildebrandt und er) hatten beide natürlich nichts Eiligeres zu Am, wie wir uns eben in dem berühmtenElephanten" etwas restauriert rnd den besten Rock angezogen hatten, als den alten Herrn aufzusuchen und unsere Briefschaften an den uns empfangenden Herrn Kammerdiener Icmütigft abzugeben. Unser bescheidenes Aeußere mochte diesem Alter ego ies großen Mannes wenig imponieren, denn er versicherte uns mit herab­lassender Miene, daß Seine Exzellenz, für heute durch reisende Engländer Ipmb andere hohe Fremde so in Anspruch genommen seien, daß wir unmöglich ; Vorkommen könnten, doch wollte er huldreichst unsere Briefe abgeben und I rahm Kunde von unserer Existenz im Elephanten. Als wir aus der Türe amten, sahen wir uns beide betrübt und beschämt an und gingen mit ge­lenkten Ohren zu unserrn Elephanten zurück. Es fehlte nicht, daß wir von unfern minder begünstigten Kameraden mit hellem Hohngelachter emfe= langen wurden, und wir lachten dann von Herzen mit. Aber wir waren noch ; nitten im Lachen, da, o Wunder, tat sich die Türe auf, und unser gestrenger berr Kammerdiener trat mit gänzlich veränderter Miene ein, um uns zu lagen, daß Seine Exzellenz unsere Briefe gelesen und uns eme «tunde vor Disch empfangen würden, trotz Engländer und hoher Reisender. Und nun iam das Lachen an uns beide, denn offenbar hatten unsere Empfehlungs- lchreiben dies Wunder gewirkt. Zur bestimmten Stunde standen wir pünkt­

lich vor dem Haufe, und der Herr Kammerdiener Wartete schon und sch-ck uns sofort in ein Zimmer, dessen Türe sich geräuschvoll hinter uns schloß. Wir standen allein und einer Menge interessanter Dinge gegenüber, die unsere Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nahmen da ein leises Geräusch hinter uns und, o Schrecken, der prächtige alte Herr stand lächelnd da und weidete sich an unserer naiven Verwirrung, auf die es wohl ein Wenig abgesehen schien. Aber die Aengstlichkeit war bald verschwunden, der alte Herr, mit den prächtigen Augensternen, die immer ganz rund und unbedeckt vom oberen Augenlide blitzten, und mit dem unwiderstehlichen Lächeln in den feinen Mundwinkeln, hatte bald unser ganzes Herz gewonnen. Und als er nun gar so ungezwungen freundlich sprach, wie wir beide mit ihm auf dein Sosa faßen, und uns die ganze zukünftige Herrlichkeit des rheinifchen Lebens schilderte, der wir entgegengingen, im Gegensatz zu dem trocknen Berlin, das et nicht sehr zu lieben schien, da ging alle schüchterne Scheu auf in herz­lichen Worten, und wir fchwatzten mit ihm fo recht von Herzen ungezwungen, wie kecke Burschen, die soeben ganz übermütig ins Leben hineinspringen. Und das gefiel dem alten Herrn sichtlich, und er mochte wohl an feine eigene Jugend gedenken, wie er uns zutrauliche Wichte so vor sich sah; hatte er doch überdies die Maler von jeher besonders lieb gehabt und wäre gar gern selber einer geworden. Die Minuten flogen nur zu schnell, und als die alte Stutzuhr die Eßstunde schlug, da erhob sich der herrliche Alte und verab­schiedete uns mit den gütigsten Worten und dem herzlichsten Händedruck. Uns war zumute, wie nach entern prächtigen Feuerwerke, wenn die letzte Feuergarbe von Raketen und bunten Leuchtkugeln die Lust mit farbigen Zügen durchstrahlte und nun alles in Schweigen und Dunkel versinkt I

Die geräuschlose Tür (sie gingen bekanntlich alle nicht in Angeln, sondern schoben sich in die Wand) öffnete sich und der Alter ego streckte fein fchlaues Gefichte herein und winkte uns aus dem verlorenen Paradies heraus mit einer sprechenden Gebärde, der wir mechanisch folgten. An der Tür des Hauses aber empfing uns der gute Eckermann, Fausts liebenswürdigster Wagner, um uns zu sagen, wie sehr der alte Herr sich mit uns Grünschnäbeln gefreut hätte, und wir müßten ihm versprechen, von Düsseldorf zu schreiben. Wir versprachen und hätten in dem Augenblick alles und noch viel mehr versprochen, aber freilich vom Halten war später nicht die Rede. Das neue Leben am grünen Rheinstrom hatte uns so gepackt und so in seine frische Wogen von schaffendem Genuß gezogen, daß zum Schreiben nicht mehr die Zeit blieb. Das war nicht recht, aber als der alte Herr jung gewesen, war's ihm genau ebenso gegangen, und damit tröste ich mich noch heute."

So mag Julius Hübner diese unvergeßliche Begegnung oft genug erzählt haben, und fo ließ er die Erzählung drucken. Aber Wie es so leicht zu ge» schehen pflegt: mit der Zeit hatten sich die Eindrücke ein wenig verschoben, und schließlich hatte das Erinnerungsbild eine Gestalt angenommen, die nicht mehr ganz mit der Wirklichkeit übereinstimmte. Das stellte sich heraus, als er fein Schristchen dem alten Jugendfreund und Reifegefährten Theodor Hildebrandt fanbte, der damals als ein durch lange Krankheit gebrochener Mann in feiner Vaterstadt Stettin lebte. Hildebrandt dankte ihm herzlich, bemerkte aber dabei, daß, wenn er eine Kritik machen müßte, er alles aus­führlicher wünschte,z. B. was uns Goethe über bie Künste sagte: .rechts Künstler und Handwerker zu fein und uns nicht viel in gelehrte Bücher zu vertiefen' (womit er Ernst Förster meinte), und wie er uns Peter Vischer mit dem Schurzfell nannte. Auch wäre zu erwähnen gewesen. Wie Du Goethe die Zeichnung zum Rasenden Roland gegeben", wozu Hübner hin- zusügt, das hätte er allerdings auf den Wunsch Bettinas getan und zu bemerken vergessen. . L,

Dann aber schickte ihm Hildebrandt etwas ipäter em Blättchen, das er in seiner Brieftasche aufbewahrt hatte. Daraus hatte Hübner damals unter dem frischen Eindruck des Erlebnisses den Anfang eines Berichts über den Besuch niedergeschrieben. Und hier heißt es nun folgendermaßen:

Hinter Köfen erhebt sich fo ein Sturm, der uns den Staub in die Augen bläst, daß wir in Eckartsberga einen Wagen nehmen müssen, der uns bis Weimar bringt." (Soweit Hildebrandt.)Wir warten am Morgen noch peinlich auf unsere Sachen, die mit der Post ankommen sollen, und gehen alsbald zum Dr. Eckermann, der uns sehr artig und freundlich empfängt und unfere Briefe an Goethe und unsere Meldung bei ihm übernimmt. Kurze Zeit darauf erscheint er im Elephanten und bestimmt uns die Zeit von ¥22 Uhr zur Audienz; schon hierin liegt für uns Auszeichnung, weil es eigentlich außer der gewöhnlichen Sprechzeit Goethes ist. Wir feljen uns noch unterdeß den Cranach an (das Altargemälde in der Herderurche), und es naht nun die bedeutsame Stunde; wir rüsten uns und ziehen mit Gaben beloben wie die heiligen Könige, Hildebrandt mit feinem Paket, ich mit meiner Zeichnung (Roland) nach seiner Wohnung. Es empfängt uns bald sein geweihter Flur, mit Bratengeruch erfüllt. Vergebens spähen wir nach Bedienten, endlich gelingt es mir, in der Küche ein wunderhübsches Mädchen aufzuspüren, die sehr willig uns ihr folgen heißt. Durch ein wunderliches Mißverständnis führt sie uns erst hinauf zu dem jungen Herrn von Goethe, und wir hören draußen vor der Türe stehend, Wie er fich verleugnen läßt. Dies ist uns sehr egal und sogar lieb; wir gehen, nachdem wir die nette Iris bedeutet haben, mit ihr ein Stockwerk tiefer und treten in ein Zimmer ein, um Goethe zu erwarten, der aber in bemfelben Moment, für uns übet raschend, uns in dem Rücken, zur Tür hereintritt. Wir wenden uns, und Welch ein Anblick! Nicht unrecht vergleicht ihn Freund Hildebrandt mit dem ge­alterten Löwen I Ewig unvergeßlicher Anblick des Mannes, der ferne Zeit schuf, die Hülle des göttlichen Geistes zu sehen, der eine ganze Welt von Gedanken schuf! Mögen uns unauslöschlich die Züge des gottbegabten Dichters bleiben! Wir unterhalten uns ..."

Hier hört", so fügt Hübner auf dem Blatt, auf dem er sich die alte gleichzeitige Notiz abgeschrieben und das er in sein Handexemplar des Schriftchens eingeklebt hat,die Aufzeichnung auf. Ich habe mit Erstaunen gesehen, wie mir das Faktum doch im Laufe der Jahre sich zu einem Mythus gestaltet hat, den ich für unumstößlich hielt! März 1873. Julius Hübner.

Das ist das richtige Wort: man hat hier ein handgreifliches Beispiel für die jedem so leicht begegnendeMythisierung" eigener Erlebnisse, bei der, Wie hier, unter Umständen von der tätigen Phantasie sogar ganz neue unwirkliche Gestalten (der gestrenge Herr Kammerdiener") geschaffen und wirkliche (die nette Iris") vergesfen werden. Und wieviel unmittelbarer und kräftiger als die späteren geben die gleich niedergeschriebenen Worte