Nummer 50
Montag, den 17. April
jahrgang 1959
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„Mit mir? Und von welchem Punkte?"
„Sie sollten es eigentlich erraten und ist auch nicht schwer. Ich spreche ’ckiirlich von einem Verhältnis, meinem Verhältnis."
„Verhältnis!" lachte Botho. „Nun, ich stehe zu Diensten, Rexin. Aber «f«n gestanden, ich weiß nicht recht, was speziell m i r Ihr Vertrauen w trägt. Ich bin nach keiner Seite hin, am wenigsten aber nach dieser, •ine besondere Weisheitsquelle. Da haben wir ganz andere Autoritäten, kne davon kennen Sie gut. Noch dazu Ihr und Ihres Vetters besonderer
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ehrlich befrage, so handelt sich's in meinem Falle nicht um das Uebliche, sondern um einen Ausnahmefall."
„Glaubt jeder."
„Kurz und gut, ich fühle mich engagiert, mehr als das, ich liebe Henrietten, oder um Ihnen so recht meine Stimmung zu zeigen, ich liebe die schwarze Jette. Ja, dieser anzügliche Trivialname mit seinem Anklang an Kantine patzt mir am besten, weil ich alle feierlichen Allüren in dieser Sache vermeiden möchte. Mir ist ernsthaft genug zumut, und weil mir ernsthaft zumut ist, kann ich alles, was wie Feierlichkeit und schöne Redensart aussieht, nicht brauchen. Das schwächt blotz ab."
Botho nickte zustimmend und entschlug sich mehr und mehr jedes Anfluges von Spott und Superiorität, den er bis dahin allerdings gezeigt hatte.
„Jette", fuhr Rexin fort, „stammt aus keiner Ahnenreihe von Engeln und ist selber keiner. Aber wo findet man dergleichen? In unsrer Sphäre? Lächerlich. Alle diese Unterschiede sind ja gekünstelt, und die gekünsteltsten liegen auf dem Gebiete der Tugend. Natürlich gibt es Tugend und ähnliche schöne Sachen, aber Unschuld und Tugend sind wie Bismarck und Mottks, das heißt rar. Ich habe mich ganz in Anschauungen wie diese hineingelebt, halte sie für richtig und habe vor, danach zu handeln, soweit es geht. Und nun hören Sie, Rienäcker. Ritten wir hier statt an diesem langweiligen Kanal, so langweilig und strippengerade wie die Formen und Formeln unserer Gesellschaft, ich sage, ritten wir hier statt an diesem elenden Graben am Sacramento hin, und hätten wir statt der, Tegeler Schießstände die Diggings vor uns, so wllrd ich die Jette freiweg heiraten: ich kann ohne sie nicht leben, sie hat es mir angetan, und ihre Natürlichkeit, Schlichtheit und wirkliche Liebe wiegen mir zehn Komtessen auf. Aber es geht nicht. Ick) kann es meinen Eltern nicht antun und mag auch nicht mit siebenundzwanzig aus dem Dienst heraus, um in Texas Cowboy zu werden oder Kellner auf einem Mississippidampfer. Also Mittelkurs ..."
„Was verstehen Sie darunter."
„Einigung ohne Sanktion."
„Also Ehe ohne Ehe."
„Wenn Sie wollen, ja. Mir liegt nichts am Wort, ebensowenig wie an Legalisierung, Sakramentierung oder wie sonst noch diese Dinge heihen mögen; ich bin etwas nihilistisch angeflogen und habe keinen rechten Glauben an pastorale Heiligsprechung. Aber, ums kurz zu machen, ich bin, weil ich nicht anders kann, für Monogamie, nicht aus Gründen der Moral, sondern aus Gründen meiner mir angeborenen Natur. Mir widerstehen alle Verhältnisse, wo knüpfen und lösen sozusagen in dieselbe Stunde fällt, und wenn ich mich eben einen Nihilisten nannte, so kann ich mich mit noch größerem Recht einen Philister nennen. Ich sehne mich nach einfachen Formen, nach einer stillen, natürlichen Lebensweise, wo Herz zum Herzen spricht, und wo man das Beste hat, was man haben kann, Ehrlichkeit, Liebe, Freiheit."
„Freiheit", 'wiederholte Botho.
„Ja, Rienäcker. Aber weit ich wohl weiß, daß auch Gefahren dahinter lauern und dies Glück der Freiheit, vielleicht aller Freiheit, ein zweischneidig Schwert ist, das verletzen kann, man weiß nicht wie, so hab ich Sie fragen wollen."
„Und ich will Ihnen antworten", sagte der mit jedem Augenblick ernster gewordene Rienäcker, dem bei diesen Konsidenzen das eigne Leben das zurückliegende wie das gegenwärtige, wieder vor die Seele treten mochte. „Ja, Rexin, ich will Ihnen antworten, so gut ich kann, und ich glaube, daß ich es kann. Und so beschwör ich Sie denn, bleiben Sie davon. Bei dem, was Sie vorhaben, ist immer nur zweierlei möglich und das eine ist geradeso schlimm wie das andre. Spielen Sie den Treuen und Ausharrenden oder was dasselbe sagen will, brechen Si« von Grund aus mit Stand und Herkommen und Sitte, so werden Sie, wenn Sie nicht versumpfen, über kurz oder lang sich selbst ein Greuel und eine Last sein; verläuft es aber anders und schließen Sie, wie's die Regel ist, nach Jahr und Tag Ihren Frieden mit Gesellschaft und Familie, dann ist der Jammer da, dann muß gelöst werden, was durch glückliche Stunden und ach, was mehr bedeutet, durch unglückliche, durch Not und Aengste verwebt und verwachsen ist. Und das tut weh."
Rexin schien antworten zu wollen, aber Botho sah es nicht und fuhr fort- „Lieber Rexin, Sie haben'vorhin in einem wahren Musterstucke dezenter Ausdrucksweise von Verhältnissen gesprochen, ,wo knüpfen und lö en in dieselbe Stunde fällt', aber diese Verhältnisse, die keine sind, sind nicht die schlimmsten, die schlimmsten sind die, die, um Sie noch einmal zu zitieren, den .Mittelkurs' halten. Ich warne Sie, hüten Sie sich vor diesem Mittelkurs, hüten Sie sich vor dem Halben. Was Ihnen Gewinn dünkt, ist Bankrott, und was Ihnen Hafen erscheint, ist Scheiterung. Es führt n i e zum Guten, auch wenn äußerlich alles glatt abläuft und keine Verwünschung ausgesprochen und kaum ein stiller Vorwurf erhoben wird. Und es kann auch nicht anders sein. Denn alles hat seine natürliche Konsequenz, dessen
iesjenerZamilienblätler
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
»„Ja."
Rexin fühlte was von Nüchternheit und Ablehnung heraus und schwieg igermaßen verstimmt. Das aber war mehr, als Botho bezweckt hatte, te-shalb er sofort wieder einlenkte. „Verhältnisse. Pardon, Rexin, es gibt lI);er so viele."
„Gewiß. Aber so viele ihrer sind, so verschieden sind sie auch."
Botho zuckte mit den Achseln und lächelte. Rexin aber, sichtlich gewillt, ' nicht zum zweitenmal durch Empfindeiei stören zu lassen, wiederholte fr in gleichmütigem Tone: „Ja, so viel ihrer, so verschieden auch. Und ? wundere mich, Rienäcker, gerade Sie mit den Achseln zucken zu sehn. ! dachte mir ..."
„Nuy denn heraus mit der Sprache."
„Soll geschehn." , t ,
Und nach einer Weile fuhr Rexin fort: „Ich haben die hohe Schule " chgemacht, bei den Ulanen und schon vorher (Sie wissen, daß ich erst * dazukam) in Bonn und Göttingen, und brauche keine Lehren und «tschläge, wenn sich's um das Uebliche handelt. Aber wenn ich mich
ömingen Wirrungen
Noma« Son Theoöo» Fontane
14. Fortsetzung.
Und wie das Programm war, so wurde es auch ausgesührt. Die Gasuhr in der Kaserne schlug eben zwölf, als er sich in den Sattel hob i tut) nach Passierung erst der „Linden" und gleich danach der Luisenstrahe, ! säüeßlich in einen neben dem Kanal hinlaufenden Weg einbog, der v-iterhin seine Richtung auf Plötzensee zu nahm. Dabei kam ihm der Tag uteber in Erinnerung, an dem er hier auch herumgeritten war, um sich $ut für den Abschied von Lene zu gewinnen, für den Abschied, der ihm |t schwer ward, und der doch sein mußte. Das war nun drei Jahre. Was kg alles dazwischen? Viel Freude; gewiß. Aber es war doch keine rechte freubc gewesen. Ein Bonbon, nicht viel mehr. Und wer kann von ■ Lllßigkeiten leben?
Er hing dem noch nach, als er auf einem von der- Jungfernheide her mch dem Kanal hinüberführenden Reitwege zwei Kameraden heran- tiinmen sah, Ulanen, wie die deutlich erkennbaren Tschapkas schon von : k.-nher verrieten. Aber wer waren sie? Freilich, die Zweifel auch darüber nuten nicht lange währen, und noch ehe man sich von hüben und drüben )3 auf hundert Schritte genähert hatte, sah Botho, daß es die Rexins Viren, Vettern, und beide vom selben Regiment.
„Ah, Rienäcker", sagte der Aeltere. „Wohin?"
„Soweit der Himmel blau ist."
„Das ist mir zu weit."
„Nun dann bis Saatwinkel."
„Das läßt sich hören. Da bin ich mit von der Partie, vorausgesetzt, ! d:ß ich nicht störe ... Kurt ( und hiermit wandte er sich an seinen jüngeren i Begleiter), Pardon! Aber ich habe mit Rienäcker zu sprechen. Und unter Inständen ...."
.....Spricht sich's besser zu zweien. Ganz nach deiner Bequemlichkelt, kozel", und dabei grüßte Kurt von Rexin und ritt weiter. Der mit Bozel «! geredete Vetter aber warf sein Pferd herum, nahm die linke Seite niben dem ihm in der Rangliste weit vorstehenden Rienäcker und sagte: Jtun denn also Saatwinkel. In die Tegeler Schußlinie werden wir ja i vZhl nicht einreiten."
„Ich werd es wenigstens zu vermeiden suchen", entgegnete Rienäcker, »irftens mir selbst und zweitens Ihnen zuliebe. Und drittens und letztens «n Henriettens willen. Was würde die schwarze Henriette sagen, wenn fr ihr Bogislaw totgeschossen würde, und noch dazu durch eine be= kunbete Granate?"
„Das wiird ihr freilich einen Stich ins Herz geben", ermiberte Rexin, Mb ihr und mir einen Strich durch die Rechnung machen."
„Durch welche Rechnung?" .
„Das ist eben der Punkt, Rienäcker, über den ich mit Ihnen sprechen teilte." ,


