GietzenerKmiliendiätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Nummer H
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«en leeren, wie ausgestorbenen Marktplatz hinunter. In den letzten (Zir hlen der Sonne leuchteten die gelben Mauern, die grünen Jalousien S/ip Uotnornon fimMten hi<» hohen Blech-
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pMt IM Man soll seine Kinder nicht nur nicht in dem Eh stand zwingen, .irM ■ | Mit?rn auch nicht nein sagen, wenn die Dummheit nicht grad zum j)im= Ai! imlßchreit... Na, was meinst? Wird die Kaiserin ein Einsehen haben?
Nr Regenschori lächelte. Hatte Brand also endlich begriffen, daß iltfK11 !Wn die große Liebe nichts half? Er [agte: „Könnt schon frin, Brand. -Lilli ‘Uli ten hat der Rabenau und in hoher Gnad is er auch. Die Kaiserin tat II i X : J . r . r • < •• LL nf L ™ t. 1t.«. X • A Qt ff t \ i
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>er Regenschori lehnte wieder im Fenster. Ein letzter Lichtsächer brach <nis den Wolken, glühte in den Fenstern des Schlosses und erlosch. Aus ’ ier liefe der schon dunklen Stube kam die Stimme des Brand: „Wim- m ... Meinst, daß die Kaiserin ein Einsehen minder List Hütt, wenns
Leutnant von Rabenau gleich mitbringen tat?"
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ii< xhon freuen, Wenns ihn wiederhütt... Aber ob ihr die Lifl recht ist, ’Simb?! ...Du hast doch selber glagt, daß die Kaiserin schon eine andere Mmage mit dem Rabenau vorhat... Und wie willst denn das uber-
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Ja, und was is, wenn die Kaiserin befiehlt, daß die Lifl den Franzl leimt’? Dann kann der Kirndorfer auch nicht nein sagen. Und was ein I»etand ohne Liebe ist, das weißt ja selber..." Tiber Regenschori seufzte. Und ob er das wußte!
fine Weile blickte Brand noch auf den Platz hinunter, über den ein fliter mit einem Handpferd trabte. Dann trät er ins Zimmer zurück.
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!im|:t machen, daß der Rabenau freikommt?" „Drum will ja die Lifl zum Herzog fahren." „Wenns aber nicht die Permission kriegt für die Reise: „Man müht halt mit dem König selber reden können..
„Bist jetzt närrisch, Brand? Hast doch g'hört, daß der König für eine Audienz jetzt nicht zu haben ist."
Der Kerzelmacher erhob sich, trat wieder ans Fenster und sah zum Schloß hinüber, in dessen Fensterreihen schon die Lichter schimmerten. Eine Weile lächelte er still vor sich hin. Dann wandte er plötzlich den Kopf und sagte: „Ich mein, ich könnt ihn dazu bringen..."
Am nächsten Vormittage rannte auf dem kleinen, steinernen Brückenbogen, der über den grünlich schimmernden Wassergraben zum Schloßtore führte, der Leutnant von Leskow mit dem Adjutanten des Königs zusammen. Der Adjutant lachte: „Mir scheint, die schöne Demoiselle hat auch Ihnen den Kopf verdreht. Wollten Sie am Ende zu mir?"
„Freilich. Was denn sonst?"
Der Adjutant hob in gespielter Verzweiflung die Hände: „Lassen Sie mich bloß mit der Geschichte in Frieden, Leskow! Ihnen zulieb habe ich es gestern abend noch versucht, Ihrem Wiener Fräulein eine Audienz zu verschaffen. Aber der König hat nur gallig abgewinkt. Ich habe es Ihnen ja gleich gesagt."
Leutnant von Leskow schien nicht gehört zu haben. Er fragte unvermittelt: „Glauben Sie, daß der König heute abend Flöte spielt?"
Der andere schüttelte den Kopf und lachte: „Mon dieu, Leskow, sind Sie manchmal komisch! Daß Sie musikalisch sind, weiß ich. Aber wie kommen Sie von der Demoiselle plötzlich aufs Flötenspielen?"
„Ist mir bloß so eingefallen. Aber glauben Sie, daß er spielt?" „Wahrscheinlich. Das ist doch nichts besonderes."
„Wann glauben Sie denn, daß er spielt?"
Der Adjutant wurde ärgerlich: „Wie soll ich denn das wissen? Nach den Rapporten von der Armee wahrscheinlich... Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, daß er heute morgen schon den Kammerdiener nach den Noten gefragt hat ... Stellen Sie sich doch da auf den Dorfplatz! Dann werden Sie es ja hören. Ist immer noch gescheiter, als den König mit dieser Wiener Demoiselle und ihrem Leutnant zu molestieren..."
Leskow ging mit ihm noch über den Platz. Dort trat er in den Garten des Schulmeisterhauses. Der Adjutant sah ihm kopfschüttelnd nach. War schon ein verrücktes Huhn, dieser Leskow!
Am frühen Nachmittage, als er am Fenster des königlichen Vorzimmers stand, sah er ihn unten aus dem Platze mit dem Kammerdiener des Königs reden. Der Adjutant lachte. Jetzt versuchte wohl der kleine Leskow die Audienz durch den Kammerdiener zu erwirken! Vielleicht gelang es ihm. Der Offizier trat ins Zimmer zurück, sah auf die Wanduhr. Wie langsam heute die Zeit verging! Wie lange der König heute wohl noch arbeiten würde? Er griff nach einem Buch und las. Nach einer Weile sah er wieder schläfrig auf den Platz hinaus. Drüben im Schulhause schlossen sie eben die Fenster. Bei dieser Hitze. Die waren wohl närrisch? Der Adjutant las weiter.
Gegen Abend ritt der König aus. Aber allein. Als er wiederkam, aß er in Eile, setzte sich bann von neuem an den Schreibtisch. Der Adjutant seufzte. Also hieß es immer noch warten. Endlich schellte es aus dem Zimmer des Königs. Wenigstens gab es was zu tun. Der König diktierte einige Briefe. Draußen dunkelte es schon. Als Friedrich fertig war, übergab er dem Adjutant noch die Post: „Die Stafette nach Schweidnitz rettet morgen früh... llebrigens sag Er! Es sind doch Fremde in Schmirschitz? Was sind das für Leute?"
Der Adjutant wollte antworten. Vielleicht war das eine Gelegenheit, Leskows Schützlingen dach'noch zu helfen. Da war Hufschlag unten auf dem Platze zu hören. Der König trat ans Fenster. Drei Reiter ritten über die Brücke, faßen ab. Es war schon dunkel. Man sah sie nicht deutlich. Einer der Reiter ging auf das Tor zu. Man hörte den Präsentiergrisf der Posten. Friedrich sah sich um: „Eine Offiziersstafette? So spät noch? Seh Er nach, was sie bringt!" Der Adjutant ging.
Der König begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Blieb einen Augenblick stehen. Hatte es mit Zielen was gegeben? Er sah im Geiste die viertausend Wagen als endlose Schlange sich durch die Schluchten des mährischen Hügellandes winden. Die Türe ging. Ein Major stand vor ihm. Friedrich hob den Leuchter, um besser zu sehen und das Regiment zu erkennen. Der Mann war scharf geritten. Der Blick des Königs senkte sich prüfend in die Augen des Offiziers. Er stellte den Leuchter auf bett Tisch zurück unb fragte: „Nun? Was läßt Herr von Zielen mir sagen?" „(Euer Majestät, heule nachmittag brei Uhr hat ber kaiserliche General von ßaubon nördlich von Domslabil ben aus bem Gebirge nieberfteigenben Wagenzug angefallen..." Der König hob kaum merklich bie Brauen. Also doch! Was würde er hören? Der Major meldete weiter: „Nach hartem Kampfe wurde Laudon abgewiesen und bis auf die Höhen von Dom- sladll verfolgt. Nur einundzwanzig Wagen gingen verloren. General von Zielen hofft, morgen abend im Lager zu sein."
Der König lächelte erfreut: „Merci! Ruh Er sich jetzt aus! Zuruck- zureilen braucht Er heute nicht mehr." Der Major trat ab.
"d ™ Wimmer lachte. War also ber Kerzelmacher enblich so weit. Er brehke ’■ sich am: „Sa brauchst bir aber schon gar keine Sorgen z' machen. Dafür ¥* ttritt schon die «ielgratterin g’forgt haben, baß aus ber Mariage ntx mehr M tritt. Gift kannst braus nehmen, baß jetzt ben ganzen Tag ihre Tafel . 'ersne gleich' an ber Labentür hängt. Schon beshalb is g’fcheiter, wir Wn nach Wien zurück. Sonst verfaul bir bas Suber noch 's ganze
Dann verschaffen Sie ihnen wenigstens die Erlaubnis, zum Herzog Braunschweig reifen zu dürfen!
Geht auch nicht. Und was will denn das Madel überhaupt noch in (Schoeidnitz oder beim Herzog? Der Rabenau ist ja roteber gesund. Da hn sie doch beruhigt nach Wien zurückfahren."
Mon dieu, sie liebt ihn eben."
Das kann ich mir denken. Sonst wäre sie ihm nicht bis zu den Preußen ratigefahren. Aber daß der König sich auch noch um die Arnouren eines eieftigenen Leutnants kümmern soll, können Sie wirklich nicht verlangen, sie, Leskow, es geht nicht."
Nit diesem Bescheide ging der Leutnant zu Brand und Wimmer. Der "etelmacher war eben nach Hause gekommen. Man sah es ihm an, daß eit sich sorgte. Er hörte schweigend zu, als der Offizier berichtete und dann ti odj hinzufügte, daß es auch schwer halten dürfte, die Erlaubnis für einen tulleren Aufenthalt im Schmirschitz zu bekommen. Es tue ihm leid. Er ' litt, der schönen Demoiselle und dem Herrn Vetter, um drei Ecken herum, en bie Freude gemacht. Aber es gehe eben nicht.
Us ber Leutnant gegangen war, trat Branb ans Fenster und sah auf
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v Den Leutnant von Rabenau gleich mitbringen tat r
„ Wimmer fuhr herum, trat an den Tisch, setzte sich Brand gegenüber: 3 jrjje ..Achab glaubt, baß bu von der ganzen G'schicht nix wissen willst?
fr er Kerzelmacher nickte: „Bin auch heul nicht dafür. Die Kaiserin hat i ifyi recht: ein jeder soll bei seinem Leisten bleiben. Aber besser als Unehr 11 it).1 vertanes Leden is immer noch. Ich hab viel nachdachl drüber, Wim-
des Schlosses. Jenseits der steinernen Brücke funkelten die hohen Blech- i wen der Grenadiere. . „ , . , .
«immer trat neben bes Kerzelmacher: „Is halt ein Pech, baß der Jjtr eg von Braunschweig nicht im Lager ist ..." Brand nickte. Der Wnschori sprach weiter: „Am gescheitesten is, wir fahren wieder z
Ä M.Ab'er wenn die List doch zum Herzog will!"
W Das hat doch jetzt wirklich keinen Zweck mehr."
W Nr Kerzelmacher hob die Schulter: „Vielleicht doch, Wimmer ... Und l,e is, wenn ich mit der Lifl nach Wien zurückfahr! Soll’s jetzt den Kirn-
I er kerzelmacher von Sankt Stephan Kn heiterer Liebesroman von Alfons v. Lzibulka
<loptzright by J. <s. dofta’fdje Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart
24. Fortsetzung.


