schasterin."
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Die Griselle zpckt zusammen. Ihr Gemüt, obenauf frech, sinkt nun wieder in gerissen gespielte Demut, und im Unterfinken gibt es ihr einen Ruck: Himmel, da liegt ja Theophil, und niemand weiß wer er ift' Alle halten ihn für Beauvisage, alle — nur Labatut nicht. Uno jetzt bemerkt die Griselle, wie Labatut auf Theophil starrt. Sie räuspert sich, und Labatut schaut auch wie erwartet auf. Ihre Augen flehen: Schweige, ich bitte dich, schweige! ' m
„Und dieser Beauvisage ich mitschuldig!" schließt Baernburg und befiehlt: „Heben Sie den Kerl auf!" .
Kutschbach und Winter stellen Theophil aus die Beme. Irgendein Rest von Disziplin zwingt Poiporence, obwohl er keine Kopfbedeckung trägt, auf französische Art militärisch zu grüßen, indem er die Rechte an jene Stelle führt, an der sonst das Käppi fitzt.
Lassen Sie die Possen!" sagt Baernburg. Labatut hat das dumpfe Gefühl, daß er nun nichts mehr verschweigen dürfe, auch wenn die Griselle mit beinahe flatternden Blicken darum fleht.
Und darum sagt auch er etwas: „Dieser Mann ist nicht Beauvisage!
Und da geht wieder ein Engel durchs Zimmer, so still ist es, und wieder ist es ein böser Engel.
„Kommen Sie einmal näher!" befiehlt Baernburg.
Theophil gehorcht. Im Grunde seines Herzens fühlt er sich jetzt wohl. Endlich ist jemand da, der ihm wieder befiehlt! Es gibt eben Fälle, tn denen man einen Vorgesetzten braucht. Denn der liebe Gott, den man infolge Fehlens einer unmittelbaren höheren Instanz in persönlichen Dingen zu bemühen pflegt, gibt seine Befehle nicht immer deutlich, was freilich wiederum daran liegt, daß man es gar nicht deutlich Horen will.
„Wer sind Sie?" fragt Baernburg. .
„Trainsoldat Theophil Poiporence vorn dritten Trainbataillon!
Zwar stottert Theophil bei Nennung seines eigenen Namens, aber er wird verstanden.
„Er ist mein Bräutigam!" erläutert die Griselle.
Labatut wundert sich, daß die Griselle, der man zärtliche Beziehungen i zu dem wirklichen Beauvisage nachsagt, einen richtigen Bräutigam hat.
„Wir haben uns gestern verlobt —", erläutert die Griselle und setzt schnell hinzu: „Und deshalb wollte ich bei ihm bleiben!"
„Wir haben also eine der Spionage verdächtige Engländerin vor uns, das heißt, wir haben sie nicht! Wir haben die Magd Griselle, die ihr zur Flucht verhalfen hat, und haben einen französischen Trainsokdaten, der sich in Zivilkleidern in der Maske des Hausherrn bei dieser Griselle herumdrückt, endlich steht vor uns der Maire von Mereville, der zweisellos für diese Ann Moreland nur deshalb gebürgt hat, um ihre Verhaftung zu verhindern!" t m .....
Diese Schlüsse wiederholte Baernburg dem Maire aus französisch. Labatut schwört, daß er Miß Moreland niemals für eine Spionin geholten hat, sonst hätte er natürlich nicht gebürgt. Jetzt sehe er freilich ein, daß fein Glaube an ihre Unschuld falsch gewesen sei.
„Haben Sie hier ein Gefängnis?" fragte Baernburg.
„Zwei Zellen, aber sie werden als städtische Geräteschuppen verwendet", zittert Labatut.
„Alle Geräte raus, geprüft, ob die Zellen dicht sind, diesen Poiporence und den Maire in die eine Zelle, die Griselle in die andere Zelle und Wachtposten davor!" befiehlt der Hauptmann.
In einer Viertelstunde sitzen die drei Verdächtigen fest.
„Ich bin sicher, sie stecken alle unter einer Decke!" meint Baernburg.
Er läßt das Haus Beauvisage durchsuchen, man findet Theophils Uniform, sonst nichts. Auch in der Mairie wird jede Ecke durchstöbert, aber kein Fund stützt den schweren Verdacht der Spionage.
Natürlich trägt Ann Moreland alle Geheimnisse im Kopf; wenn man nur diesen Kopf erst hätte!
Und Baernburg schwört, daß er nicht ruhen wird, bis Ann Moreland so sicher in seiner Gewalt ist wi« der Maire, die Griselle und Poiporence.
Die Fenster der Zellen sind nur noch Scherben, die lose in den Rahmen hängen und bei jedem Windhauch flirren.
Gitterstäbe kreuzen einander, rostig zwar, doch fest. Aber Gitter ohne Fensterscheiben schützen nicht vor der Kühle eines Herbstmorgens.
Poiporence allerdings spürt den Frost nicht, da er innerlich geheizt hat.
Germaine Griselle bekommt einen alten Mantel gereicht. Nur Labatut friert in den Tag hinein, der vorsichtig herankriecht wie eine graue Katze.
Labatut friert auch an der Seele. Denn wehmütig begrabt er seine Leidenschaft und flucht dem Herzen, das den Verstand verraten hat.
Die Postkutsche verließ Blisseron nach einem Ausenthalt von wenigen S'unden.
fragte Kelling. . . ™ „„
Der Wachtmeister hatte schon bei der ersten Begegnung auf dem ’ <ege nach Mereville erkannt, daß hier ein heimliches Feuer schwelte.
Und da er Kelling herzlich zugetan war und genau wußte, wo ihn der Schuh drückte, humpelte er aus Kameradschaft durch den Spukwald der Verwirrung mit. ., ...
Ach, man konnte die Sache betrachten von welcher Seite man wollte, es irrlichterte rings. s ...
„Ich habe keine Erfahrung in Frauen mit leichtem Lebenswandel, erwiderte Krätke vorsichtig.
Er bedauerte seine brave Vergangenheit. Wäre er ein verliebter Kavalier ein Don Juan gewesen, wie hätte er das Dickicht der Unsicherheit Zurückhaltung und Tränen, das um die rätselhafte Person gelagert war, durchforscht! Und, bei Amor! Er hätte die Fäden entwirrt.
Kelling grollte: „Und unflätig ist sie gewesen, aber so sieht sie auch nicht aus!" ..
Krätke erinnerte zaghaft an eine alte, übrigens wie manche üprta)- roörter nicht immer zutreffende Redeweise: „Stille Wasser sind tief. „
„Entweder hat man uns belogen und sie ist keine Engländerin oder, vollendete der Wachtmeister die Betrachtungen Kellings und tippte auf Den Ausweisungsbefehl, „das da ist Schwindel!"
„Mit Stempel und Unterschrift?" Der Premierleutnant schwenkte das Papier wie der Feind das weiße Tuch bei der Kapitulation Er fapitu- lierte auch: „Ich will sie nicht mehr sehen! Wenn sie abtransportiert werden muß, weg mit ihr, mit oder ohne Feldpost!"
Der Wachtmeister schwieg. Aber nach einer Weile sagte er n|ug. „Schade!" . , ,
Ob der Wachtmeister ihm etwa ein zärtliches Rosenspiel nut eine fraaroürbigen Person zutraue, fragte Kelling. ..
Krätke schob solchen Verdacht fort: „Ich meine nur, es wäre !chiea)i. herauszubekommen, wer ihr nun eigentlich aufgefeffen ift, ob fte un. beschwindelt hat — oder den Hauptmann Baernburg! Um der Wah yei willen!" Krätke. ™ ...
Donner, das war kein schlechter Vorschlag! Sagen zu können: ,.2» liebes Fräulein, uns machen Sie keine Flausen vor!" Sagen zu könne „Herr Hauvtm-ann, die Sache ist Jo‘ statt ,fo‘, bitte gehorsamst, kleinen Irrtum graderücken zu dürfen!" Nein, kein schlechter Dorfchi Kelling mar lehr zufrieden mit Krätke, . ■
„Aber daß die Person ein schlechter Mensch ift, darüber bin ich m klar", beharrte der Wachtmeister vorsorglich. ,
Daß Krätke den Oberlehrer nicht vergessen formte und immer nmr austeilen mutzte! dachte Kelling. Aber da fannte Krätke ihn fcfjlemt, ,TO er glaubte, eine hinoeroorfene Meinung könnte ihn davon obbrrng „ in diesem trüben Wasser einmal auf den Grund zu gehen und nach Wahrheit zu tauchen!
Aber Krätke kannte seinen Borgefetzten nicht schlecht, sondern 9u*v'"„ wußte, datz er durch einen kleinen Widerspruch — durch so ein nnnD'ig ■ Wort mit Widerhaken — leichter zu lenken war als durch die nüchtern, oder feurigsten Vorstellungen.
Wie überhaupt ein Charakter, der aus ruhiger und vergnügsame. Liebe einen Menschen betrachtet, auf freundlichen Umwegen mehr err als der liebevollste Polterer. s,n
Es ist ein Irrtum, daß poetische Naturen ein Wohlgefallen an Unordnung haben und darum der Merger ihrer Umgebung sind.
Krätke jedenfalls hätte am liebsten den Stundenplan seines siums in angemessener Weise ins Kriegerische übertragen, wenn mctji u militärische Dienst den gewohnten zivilen Tageslaus an Drbnungsg । weit übertroffen hätte. h. „jj*
Wenn aber der Wachtmeister einer Sache gegenüberftanb, Die■ . ‘ . einzureihen und nicht Fisch und Fleisch war, fielen In fein sonst ruj y Gemüt die Gifttropsen einer steten Beunruhigung. ,
„Auf dem Befehl steht", grübelte er laut, „Germaine Griselle, 1
Sf« feTirfe nicht auf derselben Strecke zurtlS, sondern schlug einen Sogen über Blaincourt, Arelles und Chateaurouge nach Beauvillers, denn *° Keine^lebende'Fracht, unversehens befohlen, störte den Rückweg. Wenn her ßanbSmann an 'bie geheimnisvolle Begleiterin dachte, rührte sich n0<2lnn ‘5DtonretonbeI,®e' fid) unterdes ausgeweint. Kelling schenkte ihr fein Wort mehr er befahl Krätfe, bie Germame Griselle (er betonte ben Namm) ach ein Ammer zu führen. Der Wachtmeister bebeutete Ann bei dieser Gelegenheit, daß sie sich bis zu der zweifellos tn ben nächsten Tagen möglichen Weiterfahrt als Gefangene zu betrachten habe. Wenn sie ben Versuch mache zu entfliehen, werbe sie erschossen.
Es erschien ihr, als fei biefe Drohung nicht ernst gemeint, aber bann hörte sie wie ber Wachtmeister ben Schlüssel von außen herumbrehte, sie war in ber Tat eine Gesangene, schlimmer als tn Mereville.
Sie war bie Gefangene bes Mannes, von bem sie Hilfe ermattet hatte. Aber sie erinnerte sich auch, daß sie froh gewesen war, als er so schnell daoonritt und sie ihm ihre Bitte nicht ans Herz legen fonnte, benn ihr Gemüt verwirrte sich in feiner Nähe.
Ach sie ahnte nicht, bah sich auch Kellings Herzschlag beschleunigte. Als Krätfe roieber zurückfam, fragte ihn ber Premierleutnant: „Haben Sie sie untergebracht?" Dabei wußte er, daß es eine überflüssige Frage war.
Kellina ärgerte sich über ben Ausweisungsbefehl. Die Beschreibung der Person war mangelhaft. Aber doch so deutlich, daß sie im Widerspruch zu allem stand, was er von ihr wußte ober vielmehr zu wissen glaubte.
Wie aber tonnte er Zweifel fetzen in ein gewissermaßen amtliches Papier? Nach biesem Papier war sie Germaine Griselle, Wirtscha tenn, leichten Lebenswandels verdächtig, unflätigen Benehmens angetlagt!
„Sieht sie aus wie eine, die einem leichten Lebenswandel huldigt?
Ann Moreland lst eine Spionin, die im Mantel verführerischer Hilflosigkeit auftritt. . „ . , „ . . . „
Diese gespielte Hilflosigkeit rührt natürlich den Gockel Labatut, sie benutzt bas geschickt. . , v
Und nun ist bieses gefährliche Weib auf dem Weg irgendwohin mit seiner Ausweisungsorder, mit der ihr die Deutschen noch dorthin helfen, wohin sie will, und er, Baernburg, hat die Order unterschrieben!
„Wo ist Ann Moreland?" fragt Baernburg.
Labatut, der in heiterer Gewißheit, die angebetete Erscheinung hier zu sehen, auf einen anderen Empfang gehofft hat, bringt kern Wort heraus. Das Herz sprengt fast die gestickten Blümchen von der Weste, so Jtart®o?a3a,eSn)enn wir bas wüßten!" gibt sich Baernburg selbst Antwort. „Ihre Engländerin ist eine gefährliche Spionin!"
Labatut stottert, daß er bas nicht glaube. Dann fallt sein Blick mit erschrecktem Erstaunen auf die Griselle.
Die Morekanb, ober wer weiß wie sie heißt — hat bie Ausweis- papiere mit der Griselle getauscht!" erklärt Baernburg.
Labatut sagt noch immer nichts. Was ist das für eine Nacht!
Eine treue Magd, die bei ihrem Herrn bleiben will! fahrt Baernburg fort und mustert die Griselle, „aber wir werden es Ihnen an-


