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fierr ich war nicht überrascht, den Kanzler auf diesen grünen Wegen zu finden. Ich war daraus gefaßt, seiner srüher oder später ansichtig zu werden, wie er diese Straße fahre; denn die Zierfeste wurde von seinem Knechte gehütet, und ihre maurische Bauart, dl« ausländischen Baume des Burqaartens, das jagdfreie Wild ringsherum hatten mich langst über den Erbauer ins Gewisse gebracht. Daraus hatte auch der König am ersten Tage erraten, wer hier etwas Liebes versteckt hatte.
Ich will mich nicht besser machen, als ich bin. Es ergötzte mich, diesen Vater der Weisheit und tiefen Gelehrten auf etwas Menschlichem zu betreffen, und daß ihm Herr Heinrich, der einzige der es ungestrast durfte, ins Gehege gekommen, das ließ mich in Sicherheit lachen Luch ist es seit grauen Zeiten angenommen, daß in Buhlschaft und Liebes- wette Kleriker und Gelehrte ausgestochen werden von Fürsten und
Sicherlich jedoch ließ ich von meiner Wissenschaft gegen Herrn Hein- rief) nichts merken, weder mit einer schlauen Anspielung noch mit einem lustigen Gesichte; denn es gibt Grenzen, Herr, im ge ahrlichen Umgänge eines Knechtes mit einem König, selbst dem leutseligsten. In der Stille meiner Gedanken ergötzte mich -in Tun, das ich für einen fürst liehen Mutwillen hielt; aber ich verwickelte mich in einen Greuel und in eine Torheit, die Herrn Heinrich di« Krone; das Leben und — wehe — seiner Seele Seligkeit gekostet hat.
Versteht, Herr, ich meinte, der Kanzler hatte sich eine reife, suh« Traube aus irgendeinem besonderen aquitanischen Weinberge m den englischen Nebel herübergeholt, und wenn er nun an ihr die gefaulten D°ercii entdeckte, schiebe er sie gleichgültig und höchstens, als ein Zärtling, mit etwas Ekel auf die Seite. Schon sah ich ihn, wie er, seinen König und Schöpfer als Nebenbuhler findend, mit einer höfischen, leise verächtlichen Miene aus den Schranken trat.
Dergestalt gewahrte ich in diesem Verrate wenig Uebel und kein«
®C schadenfroher Neugier blickte ich aus meinem Versteck zu dem langsamen Reiter hinüber, der seit wenigen Tagen aus Canterbury zu- rückae kommen war, wo ihm die Pfaffen des Königs zu tun gegeben hatten, und der jetzt feine Nächte in Windsor über den wahrend seiner Abwesenheit liegengebliebenen Geschäften zubrachte. Bei dem gleich mäßig milden «scheine einer griechischen Ampel schrieb er unermüdet, so daß der König, wann er aus unruhigem Schlafe auffuhr, über den Hof hinweg den für ihn und das Reich Sorgenden erblicken konnte.
Aber ist er's? Ist dies der verschlossene Kanzler mit den kalt prüfenden Blicken und den Staatssorgen, fragte ich mich verwundert, oder em andächtiger Ritter und Pilger nach dem Heiligen Grale? — Ihr kenn«! die Mär von dem Kelch mit dem kostbaren Blute, der, unter süßem Getön vom Himmel sinkend, auf Montsaloatsch sich niedergelassen hat« — In den blassen, träumenden Zügen lag eine selige Güte, und das- Antlitz schimmert« wie Mond und Sterne. Sein langes Gewand von violetter Seide floß in priesterlichen Falten über den Bug des silberfarbenen Zelters, der, sonst nach dem feurigen Schalle der Zinken und- Pauken zu tanzen gewöhnt, heute langsam den weichen Pfad bejdjntr und den zierlichen Fuß hob wie nach dem Tone der Flöten, welche du verborgenen Waldgötter spielen. ...
Ich entsetzte mich ob der Frömmigkeit, mit welcher der Scheinheilige mf sündige Buhlschaft ritt — ganz anders als mein fürstlich frecher und ininncdurstiger Herr —, und doch übermannte mich ein Mitleid mn: dieser getäuschten Andacht und dann eine plötzliche Furcht, der Blasse dort, dessen Wesen mir von jeher eine mir ungewohnte Scheu angehaucht hatte, möchte den Raub feines Heiligtums an uns, meinem Somfl und mir, insgeheim, aber unerhört und grausam rächen.
In diesem Augenblicke zeigte sich die senkrechte, tiefe Staatsfalt« wieder zwischen den seinen Brauen des Kanzlers. Herr Thomas trte»1 fern Pferd an, nicht von Ungeduld befallen, sondern von einer aul- steigenden Sorge, wie mir schien.
Wieder stand die Sichel eines neuen Mondes am Himmel, als ich zum andern Male auf diesen Wegen vom Tag ereilt wurde. Der Komfl hatte gegen Mitternacht von seiner Buhle Abschied genommen, den» es stand seine Reife nach der Normandie bevor, mich dann aber, am der Grenze des Forstes angelangt, wieder zurückjagen lassen mit o« Botschaft, er begehre sie noch einmal zu umfangen und werde morgen
nicht wieder wahrgenommen.
Der Sachse blickte den König mit flehenden Augen an und stammelte, das könne ihn das Leben kosten.
,Dei meinem Königswort, das soll es nicht. Mich kann das Gebot, das zu erhalten, nicht angehen!' drängte Herr Heinrich und setzte seinen Fuß über die Schwelle, während er mir einen Wink gab, draußen zu verharren, r ... .. r,
Aescher in seiner übergroßen Bestürzung wußte nicht, wohin zuerst sich wenden, bis ihn mein Herr mit majestätischen Worten zurechtwies: .Schließe dies Tor und melde deiner Herrin den Besuch und die Gnade ihres Königs!'
Ich setzte mich wartend nieder und lehnte den Rücken gegen die Mauer. Mir war behaglich zumut in der Abendkühle und die Rast nicht unlieb. Das Abenteuer schien mir ergötzlich. Ich lachte unter meinem Bart Über Herrn Heinrichs letzte erhabene Rede und lobte es in meinem Geiste, daß der Herr diesmal, in Anbetracht seines Hungers und seiner reifen Jahre, nicht als singender Troubadour vor der Pforte geblieben, fondern der Dame des Schlößchens, kurz und gut, seine Würde und königliche Herrlichkeit offenbaren ließ.
Ich elender Tor!
Als sich nach geraumer Zeit die Pforte wieder öffnete und Herr Heinrich aus dem Bürglein trat, war es, obwohl das Jahr in der Sommermitte stand, tiefe Nacht geworden. Der Sachse schritt uns mit der Fackel den schmalen Pfad voran, auf welchem wir bald einen einsamen Meierhof erreichten, wo man uns Pferde und einen Führer gab.
Als wir im Frührot in das Tor der Burg einritten, aus welcher gestern der König zur Jagd gezogen war, und ich ihm den Bügel hielt, gab er mir aus leuchtenden Augen einen Blick, und während feine Linke mir den Mund zuschloß, warf mir feine Recht« eine mit Edelsteinen besetzte Spange zu, die er sich vom Hute gerissen.
Das Gold, das er im Beutel trug, hatte er alles dem alten Aescher in di« Hände geschüttet.
Das war der Anfang. Aber von der Sonnenwende jenes Jahres bis zu feinen fallenden Blättern habe ich den König oft durch jenen friedlichen Forst begleitet und den Ritt häufiger noch allein gemacht, um feinen Besuch anzusagen oder die Zeichen feiner brünstigen Liebe, seltene Perlen des Meeres, und was der Erdenschoß Kostbares gibt, seiner verborgenen Buhle zu überbringen. Ohne daß ich diese je erblickt oder den Burghof betreten hätte! Nur an der Pforte verkehrte ich mit dem alten Aescher, der freilich jedesmal, wenn er meiner ansichtig wurde, erbärmlich seufzte, aber weder den Gehorsam weigerte, noch je zurückwies, was aus der königlichen Hand auf seine ©eit« fiel.
Ich hatte strenges Verbot, auf diesen Pfaden mich bei Tageslichte blicken zu lasten; auch gehörten sie zu den einsamsten, die ich je geritten bin. Keiner lebendigen Seele bin ich darauf begegnet, als etwa im Morgengrauen einem atzenden Wilde und zweimal, da ich mich verspätet hatte, einsamen Waldsahrern.
Der Mond hatte gewechselt seit Beginn dieses Abenteuers, als eines Tages mein brauner Hans sich einen Hinterfuß verstauchte. Ich liebte das Tier wie einen Bruder und blieb bei ihm in der Meierei zurück, bis ich um dasselbe außer Sorge sein konnte. Dann schlug ich den Rückweg zu Fuß ein. Rasch eilte ich von binnen. Es war Rarer Tag, als ich eine weite, grüne, von spottenden Echostellen umgeben« Lichtung durchschritt, an deren Ende ein dort beginnender Felsweg vom Huftchlag eines Pferdes erklang. Ich schlug mich schnell ins Gebüsch und legte mich auf den Bauch die Augen fpähend auf den langen Wiesenpfad gerichtet. Und ich erblickte dort den arabischen Schimmel des Kanzlers, von feinem Herrn langsam und lässig gelenkt. Das schöne Tier schnoberte wollüstig und sog mit geöffneten Nüstern die Morgenluft und den Wald- geruch ein.
der erhobenen Rechten beschattend, unverwandt in die untergehende Sonne hinaus. Ich hob mich auf den Zehen uno reckie oas Haupt über feine Schulter empor, und was ich erblickte, erschien mir als eine Der» blendung und Zauberei, di«, in den nächsten Augenblicken zerfließen
Auf einer goldgrünen Waldwief« stand ein ochlüßchen, wie ich Irines- qleichen wohl im Königreiche Granada gesehen hatte. Es war von hohen, glatten Mauern aus gelbem Stein umgeben, über welchen ein« kleine, blauschimmernde Kuppel emporstieg und schlanke, dunkle Bauspitzen ragten, die ich Zypressen genannt hätte, wären wir unter einem südlicheren Himmel gewesen. r ... . ... . .
Das zierliche, feste Bauwerk war frisch und neu und glanzte tm letzten Lichte wie ein Juwel.
Ser König verlor kein Wort, sondern ging mit raschen Schritten auf die schmale Pforte zu und klopfte mit dem Griffe feines Schwertes an. Nichts regte sich drinnen. Nun begann auch ich gegen das Holz des tief in einer Mauerwölbung verborgenen Tores zu hämmern. Da glaubt« ich in der schmalen Spalte eines Seitenfensterchens ein altes Gesicht erscheinen und verschwinden zu sehen, und bald darauf wurden die Riegel geräuschlos zurückgezogen.
Ein grauer Sachse öffnete und bog stumm und zitternd das Knie vor dem König. ,Du, Aescher?' sprach chn Herr Heinrich an und fuhr ungeduldig lachend fort: »Du wirft deinen König doch Nicht draußen stehenlasten? Ich bin naß und hungrig! Wem gehört denn dieser schmucke Schrein? Dem Kanzler? Oder stehst du nicht mehr m seinen Diensten? — Bei Sankt Jörg, ich muß glauben, der strenge Herr habe sich mit einer Waldfei eingelassen! Welche Melusine hat ihm zu Lust und Ruhe dies da hingezaubert? Flugs, melde mich ihrer elfischen Lieblichkeit!
Nun erkannte auch ich den Alten und erinnerte mich, daß ich ihn einst in London mitten im Trosse des Kanzlers an unsrer Bognerwerkstatt vorübertraben sah. Dort war er mir aufgefallen durch sein schwermütiges Aussehen und feine schwarzen, zusammengewachsenen Brauen unter weißem Haupthaar. Am Hofe hatte ich ihn hinter Herrn Thomas
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Nach ausgerichtetem Auftrage ritt ich müde und schläfrig ducch-oem , schon herbstfeuchten Wald zurück. Während mein schreitender Gaul M gelben Blätter von den Zweigen strich, hatte ich trübselige Gedank-m über die Vergänglichkeit des irdischen Wesens, wie sie mir gewohmW sind, wann ich die bleichen Lichter der Zeitlosen auf den Wiesen erbna<-
Ein Helles Gewieher in nächster Nähe erweckte mich aus meinen Schwärmerei. Nach einer Wendung des Pferdes erblickte ich einem gefältelten Gaul, der an das Gehege des Meierhofes gebunden stan^ Ich gleite vom Pferde, führe es ins Dickicht und spähe, geräuschlos rückgeschlichen, über den hohen Zaun des Gehöftes. Drinnen verkeyrm mit dem ihn mißtrauisch betrachtenden Meier ein hagerer, gehariilscstm Gefell, der mir erst den Rücken zuwandte, dann aber mitten tm spräche rasch den Kopf drehend, gerade in der Richtung des Schwächens, den scharfen Haken seines Raubvogelgesichtes zeigt«. W '* kannte den Geier, suchte meinen Gaul und setzte ihn in Galopp, nm mand anders umkreiste das Lustrevier meines Königs als der manne Malherbe, mir verhaßter feit Hildes Entführung als 1«". Kriegsknecht auf dem Passionsbilde zu Allerheiligen, welcher unser Herrn und Heiland ins Gesicht speit, und gegen den ich schon Kindesbeinen einen befonberen Grimm verspürte. Der Kanzler baue Verworfenen aus seinem Gefolge entfernt, und es verlautete, er 9« bei Frau Ellenor Dienst und Gunst gesunden. Ich sah, was ba oeou stand. Erfuhr Frau Ellenor das Versteck der Waldelfe, so wettet« keinen Pfennig auf ihr zartes Leben.
(Fortfetzung folgt.) »


