an die Idee bekannt, wie dieser geiaaltige Ueberwinder von Grunzenow, des Tumurkielanbes, des alten germanischen Zauberbergs und Nippen-

Bett ist entfernt, doch wohl verwahrt. Ich bin ein wenig traurig. Aber Fräulein Margarethe macht eine Bewegung mit der Hand. Da verstehe ich gut, wer mit diesem Manne unaussprechlich köstliche Jahre verlebt hat, der will an sein Ende nicht erinnert werden.

Doch da liegt auf einer kleinen, mit Samt bekleideten Stufe unter blumengefüllten Vasen die Totenmaske. Hier ist er endlich ganz. Der Bart ist zurückgedreht unter das Kinn. Es ist noch einmal der junge Raabe wie er sich im Kreis von vier Freunden uns darstellt auf einer alten Daguerretypie. Nur, freilich, hier ist der Vollendete, mit der wüten­den Kühnheit und Verwegenheit seines Lebens schaut er geschlossenen Auges der Ewigkeit entgegen, die er sein ganzes unendlich schweres Leben gesucht hat von der Sperlingsgasse bis Altershausen. Dies gipserne Ab­bild ist nur Geist. Man möchte hinknien. Aber Pathetik war ihm immer verhaßt. Er war immer nur fürs Handfeste.

Ein heiterer Mensch ist Wilhelm Raabe,der Humorist", ganz gewiß nicht gewesen. Er hatte nur den Mut, mit frischen Augen in eine Welt zu schauen, durch die der Schüdderump rumpelt. Das ist das Gewaltige, das ist, was ihn, den Schüler, über feine Meister: Jean Paul und Karl Leberecht Jmmermann, erhebt.

Da liegt er in letzter Vollendung. Gar nicht froh, der angebliche Humo­rist. Aber das eben ist das Erschütternde, daß er das große Lachen in seiner Seele festhielt und also ein Weiser wurde und also der gute Geist seines zerfahrenen Volkes, der Mächtige, dem von einigen Gnaden erlaubt wurde, zu lächeln, obschon er über sein Werk Abu Telfan als Motto setzte:Wenn ihr wüßtet, was ich weiß: ihr würdet wenig lachen und viel weinen." >

Zehn Minuten dachte ich zu schauen, wie es nun bei Raabe aussieht. Eine gute Stunde wurde draus. Es ist zu viel, was einen da anspringt. Schließlich gehe ich doch. Es ist schwer. Ein Handkuß, und ich stehe auf der Straße, gegenüber dem Platz, der mehr ein Anger ist. Ich bin be­trübt und selig.

Gott segne dich, du sächsische Maid, meine kleine Landsmännin, daß du mich in dieses" Erlebnis hineingestoßen hast.

Und heimgekehrt, greife ich nach dem Brief und den zwei Kärtlein, die der Gewaltige dem dummen Jungen schrieb, und der Erwachsene spürt: Dies ist wahr.

Das Grab in der Wüste.

Von Alexanber von Keller.

Am 23. August 1937 fand der australische Buschpolizist MacJntyre hundert Kilometer südlich von Bitter Springs, in der australischen Wüste, das Skelett eines Menschen. Der Tote tag einige Meter von der großen Telegraphenlinie entfernt, die ganz Australien durchzieht. Augenscheinlich war er einer der Goldgräber oder Prospektoren, der hier ntedergebrochen und von den Ameisen, der Sanitätspolizei der Wüste, gefressen worden war. Aus einem winzigen Metallplättchen, das neben den Knochen lag, war ein Name eingraoiert:Arthur Grave, Dublin".

MacJntyre tat das, was man in solchen Fällen in der Wüste zu tun pflegt er grub mit vieler Mühe ein Loch, legte die Knochen hinein, errichtete über dem Grab ein Steinhaufen und ritt weiter. Da ein austra­lischer Buschpolizist für seinen Patrouillengang drei Monate braucht, kehrte MacJntyre erst gegen Ende November nach Port Sarmin zurück und erstattete die Anzeige. Die Behörde nahm den Fall zur Kenntnis. Damit wäre der Fall Arthur Grave abgeschlossen gewesen, hätte MacJntyre nicht die Gewohnheit gehabt, Zeitungen zu iefen, die aus England tarnen.

Anfang Dezember las er dieSingapore Mail" und sand eine ganz kurze Notiz. Sie lautete:Mrs. Arthur Grave ist heute, von Sidney kommend, hier eingetroffen und im Rasfles-Hotel abgestiegen." MacJntyre dachte nach Arthur Grave ist doch der Mann, den er in der Wüste gefunden hatte. Wie in aller Welt kam eine Frau, die den gleichen Namen führte, nach Singapore? Und zwar aus Sidney? Und in diesem Augenblick hatte MacJntyre das unbestimmte Gefühl, daß hier irgend etwas nicht stimmte. Wie konnte man aber Nachforschungen pflegen, wenn wie in diesem Falle aber auch schon gar nichts bekannt war?

Zehn Tage brauchte MacJntyre, um herauszubekommen, daß man Ende Mai 1936 in Southport einen Mann gesehen hatte, der sich Arthur Grave nannte. Er war augenscheinlich Prospektor gewesen. Ein Neger erinnerte sich, daß dieser Grave später nach Hawley gegangen war. MacJntyre ritt nach Hawley. Zuerst konnte sich niemand an einen Mann namens Grave erinnern; als aber der Polizist den Mann ungefähr beschrieb (er hatte die Beschreibung von dem Neger in Southport be­kommen), erinnerten sich einige. Unter ihnen auch der Gastwirt Tom Cadwell.

Cadwell war aber einer der Menschen, die selbst etwas auf dem Kerb­holz hohen und sich daher scheuen, viel über andere zu reden. Anderseits mußte gerade dieser Cadwell eine Menge über den toten Grave wissen, denn wo soll ein Mann in einem so elenden Nest, wie es Hawley ist, anders hingehen als in Gasthaus? MacJntyre kannte die Leute von Cab- wclls Art. Er drängte nicht. Er fragte nicht. Er saß nur jeden Tag von sieben Uhr früh bis elf Uhr nachts im Gasthaus. Die Folge war, daß die meisten Leute das Gasthaus mieden, denn vor den. Buschpolizisten hat man im Innern Australiens eine große Angst. So entschloß sich Cadwell schließlich, doch zu reden.

Grave, berichtete er, war nach Hawley gekommen, um hier einen Mann namens Dooley zu treffen.Was er von dem wollte, weiß ich nicht", sagte Cadwell,aber er war sehr aufgeregt. Einmal hörte ich, wie sie über eine Frau sprachen, denn sie erwähnten beide den Namen Edith."

Wie sah denn dieser Dooley aus", fragte MacJntyre enttäuscht.

Wie ein Mann schon aussieht, wenn er dreißig und nicht gerat« häßlich ist", entgegnete Cadwell.War fast ansehnlicher als Grave - was aber nicht viel besagen will. Dieser Dooley hatte übrigens einige. Briefe bei sich, die er Grave zeigte. Und jedesmal, wenn dieser di« Briefe las, bekam er einen roten Kopf. Müssen scheußliche Dinge darin gestanden haben.Und dann", so berichtete Cadwell weiter,hatten si« eines Tages eine Karte von Norbaustralien vor sich ausgebreitet, uni Dooley schien dem anderen etwas erklären zu wollen. Am nächsten Tag« entfernte sich Grave um fünf Uhr früh und wurde nicht mehr gesehen."

Und was ist aus Dooley geworden?" fragte MacJntyre.

Der Wirt zuckte die Achseln.Er hat behauptet, er würde nach Java fahren. Aber einer meiner Freunde hat ihn bald darauf in Sidney gesehen.

Bisher hatte MacJntyre instinktiv gehandelt. Jetzt aber war er fast sicher, einem Verbrecher auf der Spur zu sein. Dooley war der Mörder Graves, das stand für ihn fest.

Um Dooley zu finden, mußte er aber in einem gewissen Kreis nach ihm forschen. So fuhr er nach Port Darwin. Cadwell hatte ihm nicht nur eine Beschreibung Dooleys gegeben, er hatte ihm auch ein Bild des Mannes übergeben; demzufolge mußte Dooley ein wirklich hübscher Mann sein. In Port Darwin ging der Polizist von Gasthof zu Gasthof und zeigte allen das Bild Dooleys, aber niemand kannte ihn. Endlich kam er zum Hafen, und als der Hafenmeister das Bild gesehen hatte, schlug er sich auf die Stirn.Das ist der Mann!" sagte er und erzählte dem verblüfften Polizisten eine seltsame Geschichte, die sich Mitte Mai 1936 abgespielt hatte. . . , .. ,

Der DampferPresident Malcolm" war avisiert gewesen, als dieser Dooley am Pier erschien. Er war allein. Als der Dampfer endlich fein« Passagiere ausbootete, befand sich unter diesen eine junge und hübsch« Frau, auf die Dooley sofort zuging. Die beiden schienen sich zu kennen. Dooley sprach lange mit der Frau und zeigte ihr auch einige Bries«. Die Frau weinte später lange; bann ging sie aufs Schiff zurück. Das Schiff fuhr nach Sidney. Dooley aber flieg in einen Wagen und fuhr nach Süden.

Etliche Tage später", erzählte der Hafenmeister,kam ein zweiter Mann. Es muß dieser Grave gewesen sein. Ich war leider krank, unb mein Stellvertreter hatte die erwähnte Geschichte nicht gesehen. Grave fragte ihn eindringlich, ob er nicht eine Frau gesehen habe, die so unii so aussah, und der Mann sagte natürlich nein. Woraus Grave ziemlich verzweifelt nach Darwin zurückging ..."

MacJntyre war sehr enttäuscht. Da konnte alles möglich sein nach einem Verbrechen sah es aber nicht aus. Er wollte aber nicht nach­geben, ehe er ganz klar sah. So ritt er unverzüglich entlang der großen Telegraphenlinie nach Süden. Und diesmal hatte er Glück.

In Port Darwin Camp sand er einen Chinesen, der Zimmer ver­mietete; bei dem schien Grave, auf.seinem Weg in die Wüste, gewohnt zu haben. Den Namen Grave kannte der Chinese nicht, denn .es ist nicht Sitte, daß man sich in der Wüste anmeldet, aber der Mann, der bei ihm wohnte, hatte zwei Briefe verloren ober weggeworfen und dec Chinese hatte sie aufgehoben ... Sie waren allerdings nicht vollständig- Beide wiesen eine weibliche Handschrift auf. In einem war der Satz zu lesen:Ich fahre demnach über Bitter Springs zu Harry; er ist im Wächterhaus XXVII/5. Es tut mir leib, baß es so kam, aber ich trag* keine Schuld ..." Im zweiten stand:Ich bin nicht abgeneigt, nochmals mit Dir zu reden, obwohl es keinen Zweck hat."

MacJntyre ritt eilends nach Port Darwin zurück und rief Singe­pore an. Er hatte dort einen Bekannten, den Polizeisergeanten Duss Diesem erzählte er alles, und Duff übernahm die Arbeit in Singapore.. Duff war ein geschickter Mann. Er suchte die Frau auf, die sich Mrs. Arthur Grave nannte. ,

Als er sich legitimiert hatte, erzählte sie ihm freimütig, daß sie nun­mehr nach England zurückkehre, um zu heiraten. Sie war mit Arthur Grave verheiratet gewesen. Er war nach Port Darwin vorausgesahren, um eine Goldmine zu kaufen, und sie war ihm nachgekommen. I« Darwin fand sie aber nicht ihren Mann, wohl aber einen seiner Freund«, einen gewissen Dooley, der ihr berichtete, Grave sei nach Sidney ge­fahren und bitte sie, ihm nachzukommen. In Sidney bekam sie bann eine Depesche an Grave, ö*es Inhalts, er habe sich mit einer Tänzerin an» gefreundet und könne nicht mehr zu ihr zurückkommen. Er willige aber in eine Scheidung ein. Der Mann, den sie nunmehr heiraten würde, sei ihr Jugendfreund Dooley.

Als Duff die Ergebnisse seiner Nachforschungen MacJntyre kabelte, setzte sich dieser in ein Flugzeug und flog nach Singapore. Er traf Mrs. Grave und Dooley im Hotel. Die Unterredung war sehr kurz. MacJntyre legte Mrs. Grave die Briese vor, die er in Port Darwin Camp ge­sunden hatte, und die Frau war wie aus den Wolken gefallen. Sie hatte die Briefe niemals geschrieben, gab aber zu, daß ihre Handschrift aus­gezeichnet gefälscht war. MacJntyre nahm sich nun Dooley vor, uni> dieser brach nach kurzem Verhör zusammen.

Er hatte Mrs. Grave geliebt, als sie noch lebig war. Später halle sie Grave geheiratet. Als dieser nach Australien fuhr, schien für DooleiD die Gelegenheit günstig zu sein. Er folgte Grave und überredete ihn. nach Söuthport zu gehen. Als dann Frau Grave kam, erklärte er ihr. ihr Mann sei nach Sidney gefahren unb bitte sie, nachzukommen. 'Dan» schrieb er einige Briefe; fälschte dabei die Handschrift der Frau, unt» sandte sie an Grave. In diesen Briesen erklärte die Frau, sie liebe eine» der Telegraphenwächter der großen Linie und begebe sich zu ihm.

Grave folgte ihr, und Dooley begleitete ihn eine Strecke weit. Er fälschte eine Landkarte, zeichnete falsche Wasserlöcher ein und nahm Grave den Kompaß. Ehe er ihn verließ, nahm er ihm noch bas letzte Wasser. Grave verdurstete in der Wüste, unb Dooley hatte nun freie Bahn.

MacJntyre. brachte ihn nach Perth, wo er lebenslänglich eingefperrt wurde.

Derantwortitch: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Vrühlsche Univ erst tätSdruckerei ».Lange. Gießen.