rnon streicht nachdenklich seinen Bart. Da Wahabiten nach Arabien müssen, denkt er
Arm, legt
Bruce
Doktor?
(Fortsetzung folgt.)
es sind die letzten Schon kommt das
Pserd, zu beim Ton
die Totenstille:
„Langes Leben der Königin von Palmyra!" Betäubender Jubel fällt ein:
stehen leuchtendgelb gegen den lichtblauen Himmel, Höhen vor der Stadt der Jahrtausende: Palmyra. Volk entgegen, „ihr Volk aus ihrem Königreich", Röcken mit Glas- und Lederschmuck aus der braun«
den Finger an:
„Stop!" rüst sie aus englisch.
Da sieht sie die Augen des einen — er wirft sich vom ihren Füßen und hascht nach ihrer Hand ... Es ist Nassr.
„Hefter! Königin!"
Sie schließt die Augen, ihr Antlitz ist geisterhaft bleich. Die Söhne der Wüste, deren Blicken.nichts entgeht, gewahren es wohl. In scheuer Bewunderung stehen sie vor dem Schauspiel der Natur, die ein Wesen geschaffen hat, das tapfer ist wie ein Mann, geheimnisvoll schön wie eine Frau — und weiser als einer der Ihren. —
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„Frau! Was ist deine Magie? Es war ein Spiel — aber — deiner Stimme erzitterte ich, und deinen Blick kann ich nicht ertragen. Meine Stirne erniedrigt sich wider meinen Willen bis zu deinen Füßen. Deine Seele ist übernatürlich, mach kein Geheimnis daraus! Ich erkenne es an der Herrschaft, die du ausllbst — Königin, Königin der Wüste."
Sein Geiolge schließt sich zum Kreis. Nassr erhebt sich und rüst in
Faden ein schlau geteiltes Mahl mit dem Feil.d. Sie erlebt die Hellsicht dieser Menschen, die nicht schreiben können, und laßt sich besingen in einer Sprache, die inbrünstig und blumenhast ist wie keine ttn Abend»
„Tal der Gräber".
Zwölshundert Meter lang zieht sich die Säulenallee hm, von Nordwest nach Südost, längs dem Heiligtum des Tempels der Sonne, zerbrochene Kapitäle, Piedestale mit sehlenden Statuen griechische Lettern für vergessene Könige ... .
Auf die Trümmer sind junge Mädchen gestiegen, um die tadellosen Glieder gestickte Tücher gleich antiken Gewändern gewunden, über den Schleiern Blumenkränze. Nackte Kinder halten Rosengirlanden von Säule zu Säule, keines rührt sich, stumm harren sie, bis die „Melika" kommt, decken mit ihren blühenden Leibern die zerstörten Reste versunkener Jahrtausende — für eine neue Königin ...
Hinter ihr löst Pch das Spalier lebendiger Statuen zu subelndem Tanz Ein Triumphbogen beschließt den Weg, der Triumphbogen Zeno- bias, Königin von Palmyra, errichtet eineinhalb Jahrtausende zuvor als Zeichen ihres Sieges über Aegypten. Von der Höhe dieses Bogens herab fetzt das schönste Mädchen des Stammes seierlich eine Blumenkrone auf Hefters blasses blonbes Haupt.
Ianb,man nenne mir ein Volk von solcher Beredsamkeit, solcher .Natur- kenntnis und Schönheit der Ideen w,e diese Araber , ruft Mylady be« geifterf; „Lord Petersham würde vor Eifersucht sterben, wenn er Nassrs königliche Geste sähe."
Bruce betrachtet die geliebte Frau von der Seite.
Wie mag erst Ibn Saud, der König der Wahabiten sein? fragt er, und kühler Spott kommt wider feinen Willen in die Stimme.
„Ich korrespondiere bereits mit ihm!" triumphiert Hefter
hzruce kann sich nicht enthalten, die Achthundert^ Frauen ^des^^Waha^ bitentönigs zu erwähnen. Men ' wird man wohl noch zu den 5' , — wenn das alles nur gut geht!
durch die Nacht.
„Die Königin wird uns beschützen!
„Wird sie Napoleon heiraten?"
„Es lebe die Königin!"
Lieder an die Melika, im lauen Hauch der Wüste empfangen und verweht, tönen herauf zu ihr, die mit geschloffenen Augen in ihrer £utte liegt nach dem Sonnentempel, der ein Heiligtum Mohammeds ist.
„Heute versteht man, was Zenodia war", lächelt Bruce in mäßig guter Laune. v
Meryon rückt an seiner Brille und beugt sich vor:
Ach ja, Zenobia — erzählen Sie doch von ihr!
Hefter hält die beiden schmalen Hände über ihr Gesicht, man weih nicht, ob sie hört. Bruces Stimme ist weich.
Zenobia war eine Königin hier an dieser Statte, im dritten Jahrhundert nach Christus. Sie (ei gebildet gewesen in arabischer, griechischer und christlicher Literatur ... Ich glaube, Lady Hefter — er sieht sie und Meryon an -, „and) sie hatte zwei uberflu|{ige Ratgeber, einen griechischen Gelehrten und einen christlichen Bischos. Zenobia soll an der Spitze ihrer Truppen marschiert fein, mit bloßen Armen, das Schwert in der Hand, schön und keusch, wie man sagt ...Ich habe es nie geglaubt, bis heute —" , , , .
Michael Bruce steht auf. Drei schmale Palmen stehen gegen den mondhellen Himmel. Verdammt! Eine Rührung packt ihn an der Kehle, daß ihm die Stimme überschlägt.
„Was geschah weiter mit ihr?" fragt Hefter sanft.
an feiner Pfeife, ein«, zweimal. Dann fetzt er sich
„Zenobia trug ihre Herrschaft bis nach Aegypten und über halb Kleinasien Eines Tages aber kamen die Romer, Aurelian selbst, der Kaiser Zenobia verlor eine Schlacht, wurde hier in Palmyra belagert, Hob mit ihren beiden Begleitern und wurde aus der Flucht gefangen. In Ketten erschien sie im Triumphzug des Aurelian zu Rom, und ihre Tage endeten in Tibur ... Seither versiel Palmyra."
„Wie mag sie Aurelian gehaßt haben, der sie vernichtete! Ob wohl ihre Racheflüche die Wasserfälle des Anld übertönten? Ob sie eine von den Sibyllen Tiburs war, die in. die Welt riesen, Rom werde unter- ^Hefter hatte sich aufgerichtet, ihre Stimme war heiser vor Erregung. Meryon strich verlegen seinen langen, gepflegten Bart jetzt räusperte er sich. Mylady sollte sich nicht zu sehr ausregen in diesem Klima, das die Phantasie erhitze. "
Hefter zog die seinen Augenbrauen zusammen und begann neu.
„Den Namen Palmyra habe ich zum erstenmal gehört, als Georg- Brummet sich einen Spaß daraus machte, wenn er bei Parvenüs Uw, Mittagessen erschien, nach der „palmyrischen Soße" zu verlangen, ^er Hausherr tat bestürzt, natürlich kannte niemand den Namen, avec Brummst behauptete indigniert: man soupiere doch nicht mehr ohne Soße von Palmyra! ... Vielleicht gefällt Ihnen diese Geschichte besser
Valmyra, das alte Tadmor, ist nur mehr ein Dorf von fünfzehnhundert Arabern. Ader keiner der Männer fehlt, als man eine fremde Frau, die über Land und Meer gekommen ist, um die Araber zu «euer Herr- lichkeit zu führen und ihre Schatze aus der Wüste zu graben, zur Königin erklärt. —
Die Frauen von Palmyra find die fchönsten des Orients; es heißt, sie oweinen das Ebenmaß der Griechen mit dem Stolz der Araber; die Scheichs der Wüste bezahlen sie teurer als andere Frauen. Nach der Heirat allerdings ziert sie ein Bing burd) die Nase, blsweilen auch eine tätowierte Unterlippe. Meryosi und Bruce sind — neben der Be ich- tigung der Ruinen — mit der Feststellung dieser Xatfacfjen befd)afti9t- Sie werden ihrerseits von den Beduinendamen gefragt, ob die Eng- länöer einen Sultan haben, wie alt er ist und wieviel Kinder chm feine Frauen fchenken.
„Wann wirst du mit den Grabungen beginnen?" fragt Naffr die Königin. ,, v <
Sie schüttelt den Kops, unnahbarer denn je:
„Erst muß ich mir eure Stabt ansehen,« wer weiß, ob noch etwas m ^Doch,^Königin, viel Gold liegt verborgen unter dem Sand der Wüste, und keiner wird es sinden, wenn nicht du."
„Wir haben Zeit", fchließt Hefter. ,
Taae vergehen im Taumel für das Volk, wie eine Fee mit reichen I Ga?en erscheint die „Melika". bei Hochzeitssesten und Reitersp.elen, und zwischendurch sieht man sie die Ruinen prüfen — gewiß nad) bem ge Heimen Buch, bas sie verwahrt, und mit dem Kraut, das alte Steine in Gold verwandelt!
Eines Abends aber ist Nassr unruhig.
Melika, wir haben drei Spione eines Stammes gefangen, ber mit uns" im Krieg ist. Unsere Feinde haben entdeckt, daß du hier bist!
Es wird wieder Nacht. Die Sterne haben eine Schönheit, die bas Herz erzittern läßt. In ber Nähe des Sonnentempels rund um cm großes Feuer, tanzen bie Bebuinen nut ihren wilben Gesichtern.
Bierre erzählt. Er erzählt von Napoleon.
Der Kaiser ist ein übernatürliches Wesen. Seine Massen sind schrecklicher als der Blitz, es sind kleine Ballen, die platzen, wenn man es nicht erwartet. Er kann seine Soldaten schießenlassen, ohne daß sie laden ..." 1
,Lft er weit weg?" fragen die Beduinen.
Getrennt durch Wasser und Land", antwortet Pierre, „aber in diesem Jahr zieht er durch Rußland und dann weiter nach Indien.
„lieber das Meer?" fragen sie.
„Drunter durchl" antwortet er.
Das Geheul der Frauen, die abfeits lagern, bringt markerschütternd
Ader bie Beduinen sind Menschen, in deren Seele Sonne und Sturm und Wolken sich spiegeln; eines Abends läßt Nassr der Königin sagen:
„Mag sie die Tochter eines Wesirs (ein, ich bin der Sohn eines Fürsten, und heute bin ich nicht aufgelegt, mein Zelt zu verlassen; mag sie zu mir kommen, wenn sie etwas will!"
Die Beduinen murren, Nassr sei im Zorn, Unheil werde erfolgen, vielleicht fogar Rückzug! Hefters Diener (offen die Ohren hangen. Bruce tobt und Meryon entrüstet sich über solch unentschuldbares Benehmen gegenüber einer Lady. ,
Hefter nimmt keine Notiz von Nassrs Laune. So zieht er vor, am Morgen alles vergessen zu haben. Das Spiel scheint gewonnen.
Aber gegen Mittag gewahrt man verdächtige Zeichen am Horizont ... die Beduinen werden unruhig. .
„Es sind Feinde" sagt Nassr, „und ich kann nicht für dich garantieren. Bleib hier zurück, hinter diesen Hügeln bist du geschützt. Ich werde mit meinen Leuten dem Feind entgegenreiten."
Bruce und Meryon sehen sich an, verständnisinnig.
Hefter sagt zu Nassr:
„Geh, du bist frei!" und wendet sich ab.
Mit ein paar Dienern bleiben sie zuruck, allöin in der Wüste. Bruce entwirft einen Abwehrplan, man verteilt die Posten, niemand darf ab« fihen
Eine lange Stunde vergeht. Michael Bruce mustert verstohlen Hefters
ruhiges Gesicht. m .,
Dann nähert sich Angrisssgeschrei, in Sanbmolten sprengen Reiter mit baumlangen Lanzen zum Angriff eingelegt daher, in wildem Galopp. Die Pferde fcheuen, die Diener fliehen.
„Zurück!" ruft Bruce und deckt Hefter mit feinem Körper.
Ihr aber steigt eine Welle von Blut ins Gefickt, sie zieht zwei Pistolen aus dem Gürtel und jagt, ehe Bruce es hindern kann, mit verhängten Zügeln den Beduinen gerade entgegen, hebs den
Männer in kurzen
gebrannten Haut; sie machen auf Blechtrommeln ohrenbetäubenden Lärm. Andere, die mit angelegtem Gewehr bis dicht vor bie Königin reiten, um sich bann lautlos zu Bobcn zu werfen, zeigen ihre Künste, inszenieren einen Angrifs; blitzschnell werden Hefters Diener ausgezogen bis auf die Haut — nie hat ein europäischer Kammerdiener solch gesteigerte Kunst erlernt.
Hefter hält ihr Pserd und gebietet Schweigen. Scheu stehen die Araber, warten, bis bie Königin bestehlt. Dann reitet sie ein in das


