Oer Schmied.
Von Ludwig Uhland. Ich hör' meinen Schatz, Den Hammer er schwinget. Das rauschet, das klinget, Das dringt in die Weite Wie Glockengeläute Durch Gassen und Platz.
Am schwarzen Kamin, Da sitzet mein Lieber, Doch geh' ich vorüber. Die Bälge dann sausen. Die Flammen aufbrausen Und lodern um ihn.
Dichtung der Nordmark.
Von Erich Langenbucher.
„Wenn andere Völker durch anderes geeinigt worden sind, dann hat uns immer der gemeinsame Boden zusammengehalten. Denn hinter den dörflichen Dingen, hinter dieser oft so ärmlichen und hilflosen und immer einfachen und anspruchslosen Welt, die nicht reden, die sich immer nur offenbaren konnte, liegt das Geheimnis aller deutschen Dinge: die eine Gewißheit von der Untrennbarkeit des Ganzen und die andere, daß die Untrennbarkeit nur möglich war und weiterhin aufrechterhalten werden konnte durch die Erkenntnis des Plans und der großen Ordnung, die ihr innewohnte." Dieses Wort aus dem Buch „Das ebene Land" von Friedrich Griese umschließt gleichzeitig das Gesetz seines Schaffens. Griese geht es in allen Werken um Mecklenburg und seine Menschen; weil Grieses Kunst aus ewigem Volkstum kommt, wird sie zugleich Dichtung des Volkes überhaupt: ihr geht es um Deutung ewiger Gesetze und volkhafter Werke, denen Landschaften und Menschen unterworfen sind. Griese ist der Sohn eines kleinen Bauern, er wurde in Leehsten in Mecklenburg geboren. Später war er Lehrer in Strahlendorf und Kiel. Durch eine Schenkung des mecklenburgischen Staates ist es ihm möglich, ganz seinem Werk zu leben, lieber sein Werk sagt er: „So bin ich fast mit all meinen Büchern aus Erfahrung und Ueber- lieferung zwangsläufig zum Künder lebendigen deutschen bäuerlichen Lebens geworden". Diese Gewißheit wird uns aus allen Büchern Grieses, es ist gleichgültig ob wir seine Frühwerke „Ur" und „Feuer" betrachten, seine großen Romane „Der ewige Äcker" oder „Das letzte Gesicht" und den ewig gültigen Gesang von den Kräften der Erde in „Winter", die Erzählungen „Das Korn rauscht", „Die letzte Garbe" und „Die Wagenburg". Auch dort, wo Griese in die Vergangenheit zurückgeht, stehen sie unter dem gleichen Gesetz („Das Dorf der Mädchen"). Seine Leistung steht neben dem Werk Stehrs, Emil Strauß' und Wilhelm Schäfers.
Als vor einem Jahr das Werk „Eira und der Gefangene" des jungen Heinrich Eck mann erschien, standen wir staunend vor der Lauterkeit, der Kraft der Sprache und der Ehrlichkeit des Willens, die aus. des Dichters erstem Buch uns ansprach. Nur wxr den Dichter kennt, wird dieses Buch ganz verstehen können, und der wird auch nicht ungeduldig warten auf neue Bücher, er wird wissen, daß Eckmann Weiterarbeiten wird nach dem Gesetz, nach dem er angetreten. „Ja, und ich schreibe in meiner freien Zeit, die ich mir aus allen Ecken zusammensuchen muß. Ich will es nicht. Es steht mir in meinem Beruf (Eckmann ist Gärtner) oft genug im Wege. Aber ich muß es, kam nie davon los, fing schon als Junge damit an, behielt aber alles still für mich, begriff es wohl selber nicht." So reifte in der Einsamkeit sein erstes Buch von dem Mädchen Eira und dem Kriegsgefangenen in Wales. Es wurden wenig Bücher geschrieben, die so keusch und rein vom schönsten Geschehen des Lebens berichten, von der Liebe. Erzählungen seiner schleswig-holsteinischen Heimat vereinigte er in dem Bändchen „Die rote Katze" (beide bei Westermann in 'Braunschweig). „Ein Buch über Mühe und Arbeit des Bauernlebens" wird Eckmanns nächstes Werk sein, und wir glauben dem Dichter, wenn er von diesem Buch sagt: „... und ich nehme es bitter ernst mit dieser Arbeit, um des bitterernsten Lebens willen. Je weiter ich gehe, desto schlichter und einfacher wird mein Leben sein. Dasselbe wünsche ich mir auch von meinen Büchern, damit alles klarer und schöner werde und jeder Mensch mich verstehen und mir glauben kann, was ich sage".
Heinrich Eckmann wurde 1936 mit dem „Schleswig-Holsteinischen Literaturpreis" ausgezeichnet, den für das Jahr 1937 Hans Ehrte erhielt. Rügen und Pommern find die Stätten, in den Ehrkes Vorfahren lebten. Er wurde in Demmin geboren. Kaum zweijährig kam er in ein holsteinisches Dorf und wuchs in die Landschaft hinein. Gedichte und Dramen waren seine frühen Ärbeiten. Die Erzählung „Der Stumme" ist sein erstes Prosawerk, eine schmale Erzählung um Schuld und Sühne: Jonas Frohmer geht in ein Leben der Sühne, das schwerer zu tragen ist als die Schuld. Der Dichter stellt diesen Menschen in das tätige Dasein, ^gibt ihm damit einen letzten Sinn, der wie. der Glanz der Abendsonne über einem harten Tag liegt.
Es wären in dieser ersten Arbeit über die Dichter der nördlichen deutschen Landschaften noch viele Namen zu nennen. So Ulrich Sander, Hans Franck, die Frauen Gerda von Below, Marie Biers und Lydia Kath; möge sie beendet sein mit dem Hinweis auf einen Menschen, der sich mit seinem ersten Werk als Dichter erwies: Wilhelm Gerd Kunde, dessen Erzählung „Das Mädchen Karina" im letzten Herbst erschien. Kunde ist Lehrer, Liebe und Begabung führten ihn zur Musik, hier wurde er durch einige Arbeiten bekannt.
Der Begriff „Heimatdichtung" wurde in vergangenen Jahren viel mißbraucht, wandte man ihn doch an für jeden Versuch, der vorgab,
Sine Landschaft und ihre Menschen gestaltet zu haben. Heimatdichtung ist mehr, und es ist gut, daß gerade die Dichter der Nordmark das mit ihren Werken so deutlich machten. Sie waren es, die hinwegfühnrn von der Beschaulichkeit heimatlicher Erzählungen, sie gaben die Deutung ihrer Landschaft und deren Wesen, sie ließen sich von der Weite d» Landschaft erfüllen, sie entdeckten, mit Gustav F r e n s s e n zu sprech^ in der Heimat die große, ernste, feierliche Natur, das Leben eines tätigen, tüchtigen Volkes. Mag es die Nähe des Meeres, der Kamp) mit ihm fein, die sie die Stimme der Landschaft mächtiger hören lieg als andere, dieses Meer wird es auch sein, daß ihren Blick weitete und sie hinlenkte auf die Blutsgemeinsamkeit der germanischen Völker: biejes Wissen um die Weite, die Nähe der Heimat und die Ferne der Fremd« machte sie zu Kündern deutscher Art.
Helene Voigt-Diederichs ist eine jener Dichterinnen, in deren Werk wir das immer wieder erleben. „Schmerz und Seligllit, Weg und Umweg, Glauben und Werk all meiner Tage: immer sind |ie auf dem Urgrund der Kindheit beheimatet geblieben. Und so mußte es auch, nicht dem Stoffe, ober zuinnerst dem Wesen nach, das Leben meine: Bücher sein." Die Heimat ist Schleswig-Holstein; dort liegt, nahe einet ins Land schneidenden Meeresbucht, das Gut der Eltern. Das Geschütz reicht viele hundert Jahre zurück, mit der Mutter der Dichterin kam Hamburger Blut in die Familie, so mischen sich in ihr bäuerliches fiebere- gefühl mit dem schweifenden Geist Hamburger Kaufleute. Ihrer Heinnl schrieb Helene Voigt-Diederichs in dem Buch „Auf Marienhosf" eines der schönsten Werke, die wir von „droben" besitzen. Wenn der Rahmen dieses Buches auch eng ist, eben der Marienhosf, durch Haltung uib Geist weist es in eine größere Gemeinschaft. Genannt seien weiter tie zahlreichen Novellen der Dichterin, kleine künstlerische Gebilde von lieber- zeugungs- und Darstellungskraft. Sie sind in den Bänden „Schleswig- Holsteiner Landsleute", „Blut", „Nur ein Gleichnis", „Mann und Frau', „Der grüne Papagei", „Vom alten Schlag" und „Schleswig-Holsteiner Blut" gesammelt, kleine Skizzen vereinigt sie in „Äus Kinderland', Gedichte in „Unterstrom", epische Werke schuf sie in den Romanm „Dreiviertel Stund vor Tag", dem Roman eines jungen Mädchens, u»b dem Roman „Ring um Roderich".
Aus dem Kirchdorf Barlt in Dithmarschen stammt Gustav Freii ö s e n, der sich einen „Prediger deutscher Frömmigkeit" nennt. Der $ai>: war Tischler, die Mutter Tochter eines Landarbeiters. Gustav Frechst« war Pfarrer bis er nach dem Erfolg feines „Jörn Uhl" dies Amt nieber- legte. Dieser Pfarrer ist ein Kämpfer, ist ein harter Mann von Anfang an gewesen. Dem „Jörn Uhl" folgten bald die Romane „Hillig-i- l e i" und „Peter Moo r". Es ist fast überflüssig, die Bücher d« Dichters aufzuzählen, denn sie sind in mehr als zwei Millionen Exemplaren im deutschen Volk verbreitet. Einige sollen noch genannt werbet, weil wir möchten, daß sie auch in Zukunft zu unserem Volk sprechet. Da ist die Geschichte des aufrechten Bauernsohnes „TO eine bst Prahle r". Meins wird in seinem klaren Vorwärtsstreben ein AblÄ der in Fressens Heimat lebenden Menschen. Dann die herrliche Seftalt des „Pastors von P o g g s e e", der Roman der „D r e i ® e t r tu em', die Erzählungen „Der brennende Bau m", „Die B r ä b e c', „Lütte Witt" und „Dummhans", nicht vergessen seien „Klarn! Hinrichs Baas", ein Roman, und die beiden Bände „0 r ü bot- leie n", deren zweiter Band „M öwen und Mäuse" benannt rouriti und die der Dichter als Erlebnisse und Bekenntnisse bezeichnet.
Zum Erlebnis der Nordmark gehört auch das Erlebnis der beherrsch: den Städte. Da ist Hamburg, das immer wieder in Ludwig 3tilgens’ Büchern lebt. Sein Vater war mehr als dreißig Jahre lorj Arbeiter im Hafen, und dem Jungen prägte sich die Arbeit dort tief ei.i. Später wurde ihm Hamburg das Tor zur Welt. Er arbeitete selbst ia Hafen, war Lehrling und Geselle. So verstehen wir sein Wort: „alt meine Träume, meine Gedanken ranken sich nur um Hamburg — mehr Heimat", das Jürgens in seinem Roman „Stadt im Seewinl' schrieb. Daß von dieser Heimat die Sehnsucht hinausgeht auf die Meer-, ist der notwendige zweite Schritt, daß der Weg immer wieder zuriioi- führt in die Stadt am Meer, ist das Bekenntnis. Sein Buch „Keha- w jeder" ist dieses Bekenntnis, auch dann, wenn es die Heimat jellol dem Glaubenden schwer macht („Unser täglich Brot"). Sein reifstes W: :> schuf Jürgens in dem Roman „Anna-Susann a", in der GesckMü eines Hamburger Mädchens, das den Vater und den Geliebten in tu:t Ferne weiß, das allein seine Sehnsucht im Herzen trägt, die stark genug ist, um sich für den Geliebten zu bewahren.
Neben Ludwig Jürgens wären noch andere zu nennen, so Alor:I Wähl, der zu den Jungen gehört und in seinem Buche m m o ro i n versorgt" einen Hamburger Roman schrieb, der mit Ironie uns tragischem Humor ein sattes bürgerliches Leben darstellt, das erfd)ütte<t wird durch den Donner des Krieges, das ein erstes Ahnen spüren W von einem Größeren, Kommenden. Auch Hermann Claudius, m.- holsteinschem Bauern- und Pastorengeschlecht, der Urenkel des Wamst- deker Boten, lebt in Hamburg seit feinem siebten Jahr. „Hinterhäutiy sogenannte Terrassen waren mein Knabenrevier" erzählt er. 6etrt! stärksten Schöpfungen sind seine Gedichte. Ebenso muß Alma Roggsi erwähnt werden, wenngleich ihre Heimat nicht Hamburg ist, wie oiM Margarete Boie, die als Berliner Kind in die norddeutsche Landschm hineinwuchs, und in deren Büchern immer wieder das ßantr an Küste und deren Menschen uns begegnen. Rudolf Kien au, der Dicht:-< bruder Gorch Focks ist Hamburger wie auch Georg Büsing, dem dm- Stadt nach langer Wanderung Heimat wurde. Ein Wort von ihm morz diesen Bericht absch'äeßen: „Das brausende Leben der Großstadt. W, Wald am mächtigen Strom, Deiche unter weitem Himmel, die ’ebniK gende Einsamkeit des Moores, und nachts die Schreie der Schiffssirem - denen man lang nachhorcht, und die immer wieder Fernweh wem > ohne daß wir von der schwermütigen und gradlinigen Landschaft »»> Nordens loskommen, weil es schön das Erlebnis „Stadt" in einer fiam. schäft deutet.
Verantwortlich l)r. Hans Thtzriot. — Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerei, D. Lange, Gieße»


