und schrieb im Eiltempo mit, was aus der Antarktis gesendet wurde. Ohne aufzusehen, schob er dem Professor mehrere engbeschriebene Blätter zu. Lier nahm und las. Die ganze lange Geschichte des Elends, das die Statwn betroffen hatte. Der unerklärliche Ausbruch eines plötzlichen fürchterlichen Orkanes. Die Verheerungen, die das entfesselte Element an- Schicksale der fünf Expeditionsteilnehmer. Wie sie seit Wochen tm Maschinenraum und der kleinen Küche Hausen mutzten Wie es ihnen nach vielen Fehlschlägen endlich gelang, neue Funkgeräte zu bauen und an notdürftig geflickten Masten eine Notantenne hoch zu bringen. w
alVrr?‘LIe^-3rl.c Ia5' ihm der Funker schon wieder ein neues Blatt hin. Die dringende Bitte um Hilfe. Der Betriebsstoff für das Maschinenaggregat reichte nur noch für drei Tage.__
Die Narbt über herrschte reges Leben aus dem Hose. Aus allen Abteilungen des Werkes wurden Hilfskräfte herangezogen. Manches von dem, was im Rumpf von «St 8 verstaut war, mußte wieder ausaeladen werden Andere Dinge, die vielfach erst mit Kraftwagen aus benachbarten Städten herbeigeschafft wurden, kamen dafür hinein. Fast ununterbrochen stand die Funkstation des Werkes mit der antarktischen Station in Verbindung. Neue Hoffnung regte sich wieder in den Herzen von fünf Menschen, bie am Verzweifeln waren.--
Um die fünfte Morgenstunde begannen die Motoren von ,<5t 8' M arbeiten. Das Schiff erhob sich in die Stratosphäre und stürmte auf fünfzehn Grad östlicher Länge nach Süden.
Es blieb nicht das einzige seiner Art, das an diesem Tage das Werk verließ. Wenige Stunden später folgten ihm ,6t 9' und ,StlO' auf dem gleichen Kurs, ,6t 9' haste zwanzig Werkleute und reichliches Ersatzmaterial an Bord. In ,6t 10' flog Professor Eggerih selber mit.
Dr. Schmidt stand mit Hagemann auf dem Hof. und spähte in den dämmernden Himmel nach Norden.
„Von da müssen sie kommen, Hagemann."
Hagemann folgte der weisenden Hand des Doktors mit unruhigem Blick. „Hoffentlich recht bald, Herr Doktor. Ich will meinem Schöpfer danken, wenn sie erst hier sind."
(Fortsetzung folgt.)
Der Reiter.
Von Karl Burkert, GDS.
Das begab sich voreinst im flandrischen Land, einen Reiter gruben wir in den Sand.
Der Reiter zog mit dem Kaiser zu Feld, eine Kugel riß ihn geschwind aus der Welt. Den Tod mußt er leiden.
Und oft seither, bei Tag wie bei Nacht, ich hab an diesen Reiter gedacht.
Er war doch so ein junges Blut!
Nun schläft er lang, nun ruht er gut — dort auf der Heiden.
An einem Tag in des Jahres Lauf, am Totentag steht mein Reiter auf. Er horcht. Das war der Trompete Ton! Er sucht, er findet seine Schwadron.
Und sie reiten!
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Ein Psalm von Wolfgang Brügge, GDS.
Da ich von dir sprechen will, ist alles Leben jäh erloschen, Wünsche, Begierden und Träume jäh vergangen, ist alles Tägliche klein, so winzig klein —
Da ich dich denke, Tod, erhebt sich mein Geist in höchste, jetzte Ein- }amkeiten — weit ins Raumlose, wo du wohnst, Unfaßbarer, ewige Ma- estät. Da ich dich denke, schwindet der Staub dieser Erde, der Lärm meiner Tage, löst sich von den Fittichen meines Geistes die Fessel des Irdischen — schwinden die Lächerlichkeiten und Bitterkeiten, Rot und Lachen und Tränen.
Alles verklingt, alles versiegt — ,
Umwallt von der sammetnen schweren Kühle deiner Nahe blicke ich in idein unergründliches Auge, Tod, Erhabenster.
Du, der du wahrhaft über allen Dingen und Geschicken bist, — letztes, größtes Geschick Du, besten Macht unendlicher ist als alle Macht des Lebens. Du, besten absolute Majestät unbestritten, unangreifbar tief tm Unendlichen, in ungeheurem Dunkel leuchtet —
Du, vor dessen Thron wahrhaft alle höchsten Menschengesetze aller stärkster Menschenwille in Nichts zerfließen, vor dessen Thron Gluck und Unglück, alle und alles, sich in einem Geschick finden — . ___
Unersorschlicher, Mächtiger, dessen Hand alle Wirren des einzelnen löst —
Größer denn alles Leben auf Erden bist du —
Tod — nachtdunkel ragendes Tor in lichteste Ewigkeit.
Der Ewigkeitsgläubige und Ungläubige — sie suchen und sehnen dich einmal doch, tiefste, letzte Ruh —
Denn mag das Leben jenseits uns nicht sichtbar sein: wii-sehen dichi — "nb mir atmen dir entgegen und sind manchmal, einmal doch vollt eftter Sehnsucht, in großer Ermattung einmal doch in tteffter Dein-Ertmirtung
Unendlicher' - stärker und tiefer und gewaltiger als bas des Lebens, der Geburt, bist du, Geheimnis des Todes bleibt doch dir das nimmer zu erdenkende Geheimnis der Aufe-stehung.
Dessen Hand über alle Welt, über diese Erde bis in bie genngiten
Winkel reicht, auf besten Willen blühendes Leben jäh zerbricht — in jeder Stunde wird dir tausendfach auf biefem Stern geopfert, boch bein 6chatten, reich ist ohne Ende, ohne Grenzen —
Schrecknis aller Unfertigen unb Kleinmütigen, die nur des Lebens Oberfläche gesehen und gelebt haben und die von seinen tiefsten Tiefen keine Kunde, kein Wissen in sich tragen, durch bas sie sich befreien könnten von der Angst vor dir, nächtliche, ewig schweigende Gewalt. Und so rufen sie in dich hinein, jammernd, brüllend, bettelnd und flehend — unb ihre Herzen unb Gesichter verzerrt ein Krampf entfetzlicher Furcht, ba kein Echo kommt aus dir.
Sehnsucht großer Geister, Freund wahrer Menschen, Erlösung der Mühseligen und Beladenen — Ende eines Lebens und Anfang des Lebens — Todl
Reinholds Ende.
Von Paul Alverdes.
Der Dichter Paul Alverdes hat das leuchtende Heldentum und bas Sterben ber beutfchen Jugend im Kriege ergreifend gestaltet in dem Novellenband „Reinhold oder die Verwandelten". (Albert Langen/Georg Mueller Verlag, München; in Leinen gebunden 4.— RM.) Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages bringen wir daraus nachstehenden Ausschnitt zum Abdruck.
... Gegen Mittag zuckte Reinhold eine Kugel durch die linke Brust. Es war, als schwinge ein Unsichtbarer eine eiserne Stange gegen ihn und schmettere ihn zu Boden. Er sprang jedoch gleich wieder auf, und nun zeigte sich, baß die Kugel, von der Seite heranfliegend, über dem Brustbein eingedrungen, und unter dem Muskelfleisch über die Rippen fahrend, auf der linken Seite wieder herausgegangen war.
„Nicht einmal die Lunge kaputt", frohlockte Stubbe, als Reinhold in feinem Unterstand saß, und verband ihn sorgfältig unb kunstgerecht. „So", sagte er abschließend, und knöpfte ihm den Rock wieder zu, „jetzt gehst du nach Haufe, unb wenn ich dir etwas sagen soll, bann kommst bu nie wieder hierher, denn hier ist es boch nichts für dich."
Auch Korripes, ber hinzutrat, zeigte sich erfreut. „Na, Reinhold", sagte er neidlos, „nun hast bu es ja überstanden." Es war das erstemal, baß er ihn mit seinem Vornamen anrebete. „Wir machen es hier ja auch nicht mehr lange", fuhr er fort, „benn sie haben uns erkannt und schießen uns, einen nach dem andern, weg". Im Begriffe, wieder an sein Geschütz zurückzukehren, blieb er aber noch einmal unter der Tür stehen. „Du könntest mir vielleicht —", sagte er verlegen. „Du könntest mir vielleicht das schöne Messer hinterlassen; bu brauchst es ja wohl doch nicht mehr."
Gern gab ihm Reinhold bas Messer, unb Kampes zog es sogleich aus bem Leber unb prüfte bie Schneide mit dem Daumen. Die Klinge hatte nun doch etwas unter dem Rost gelitten, sie sah aus wie ber Leib einer Forelle, silbern, mit roten Tupfen bestreut.
Nicht lange danach, ba ein Befehl durchgegeben war, daß alle Leichtverwundeten sich nach Möglichkeit selbständig zurückzubegeben hätten, machte sich Reinhold auf den Weg. Ein Gegenangriff ber Infanterie hatte ben Feinb roieber ein Stück zurückgebrängt, unb bas Feuer schwieg für eine Weile. Es wirbelte von Gebanken burch Reinholds Kopf, allein er vermochte deren keinen feftzuhalten. Er wollte der Toten gedenken, aber zu feiner Verwunderung trauerte er nicht, als lebten sie ja noch, oder als habe er sie doch nicht verloren. Dann wieder blitzte eine ferne Zukunft durch fein Herz, doch wagte er es noch nicht, an sie zu glauben. Zuweilen lachte er vor sich hin und beschleunigte seine Schritte. Die Wunde schmerzte längst nicht mehr.
Als er in die Mulde mit den Apfelbäumen kam, traf er auf ein Rudel verwundeter Infanteristen. Sie saßen und lagen hei der kleinen Kapelle am Weg unb warnten ihn, jetzt schon den weiteren Weg über bie Höhe zu versuchen, weil auf deren jenseitigem Hang ein heftiges Sperrfeuer liege. Da beschloß auch Reinhold, hier zu warten und auszuruhen, benn nun kam eine tiefe Müdigkeit über ihn, unb er schlief ein.
Als er aufwachte, war er allein. Es ging schon auf die Nacht zu, aber es war noch eine gläserne Helle in der Luft. Er fror ein wenig. Langsam begann er sich auf alles zu besinnen, was gewesen war, aber er fand seine Freude nicht wieder. Er öffnete den Waffenrock und betastete feine Brust. Die Verbände waren troffen, und die Wunden taten ihm nicht weh. Er atmete tief, er wiegte sich in den Knien und schwang die Arme. Als er bann seinen Entschluß erkannte, erschrak er zuerst. Ader es wurde immer klarer in ihm. Unter den Apfelbäumen wandelte er auf und ab, den kleinen, weißen Sandsack in der Hand, der seine Habseligkeiten enthielt. Es war sein Waschzeug darin, das ihm inzwischen nachgeschickt worden war, ferner das Tagebuch mit den Fahnen darauf, in welches er niemals geschrieben hatte, und eine kleine in Leder gebundene Ausgabe der Tragödie „Faust" von Goethe, welche viele der Freiwilligen damals unter ihrem Gepäck mit sich führten, obwohl sie niemals Zeit hatten, darin zu lesen. Er wandelte auf und ab und fühlte die Augen des Vaterlandes auf sich gerichtet, welches alles sah.
Rach einer Weile hörte er ein Fahrzeug heranrasseln. Es war die Feldküche einer benachbarten Batterie. Er trat auf die Straße heraus und winkte. „Nehmt mich ein Stück mit", sagte er zu den Fahrern. — „Wir fahren nach vorn", erwiderten sie. — „Eben darum", sagte Reinhold und stellte sich auf den Tritt am Kesselwagen.
„Bist bu von der vierten Batterie?", rief der eine der beiden nach rückwärts, „ba soll es aber böse aussehen."
Dor dem Dorf hielt das Gefährt plötzlich, und die beiden Fahrer verneigten sich tief auf ihrem Bock. „Kopf weg!", riefen sie, denn sie hörten Kugeln über sich dahinstreichen. Reinhold sprang ab, aber er sprang wohl ungeschickt, denn ein reißender Schmerz fuhr ihm durch die Bruft, der ihm den Atem verschlug. Fast war ihm, als sei er abermals getroffen, und er muhte eine Weile auf den Knien, an einen Baum gelehnt, verharren, den einen Arm um den Stamm geschlungen, und das Gesicht an die Rind« gepreßt, wie er hingetaumelt war. In einer halben Benommen-


