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ans einer bi cf en Wolke.
—? Wie kommst du darauf? Ich weiß es nicht/
„Hei
Verantwortlich: Dr. HanS Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'fche Univerfitäts-Vuch. und Steindruckerei, 2t. Lange, Sieben.
Nikodem ipn.sierte wieder prinzlich nervös umfier, lieft achtlos Maaretteiw'che fallen, ein Knabe in Hellen Pumphosen, der durch feine Musik ah gelegentlicher Raserei neigte; ein blasser, schöner.
Katarina lachte; zu spät.
Katarina erhob sprach Re und hielt „Ich werde mit Mama rachsüchtig.
„Oh, tut das! Wiedersehn, Nikol Wir sehen uns noch mal?" „Ganz gewiß!" versicherte der, hart entschlossen. „Ich gedenke, diesmal längere Zeit in Berlin zu bleiben."
Sie nickte mit einem holdesten Lächeln und entschwebte. Der gelehrte Großherr folgte ihr mit rötlichem Nacken.
Das Erröten älterer, cholerischer Truthähne! dachte Nikodem Glod feindselig und gequält, nahm nervös eine frische Zigarette und lieft sich, erquickt anfstöfinend, in den Sessel fallen. „Was ist los, Tonte Margot?" Louis — ?"
„Sprich nicht ,Louis', Niko!" verbot die Fürstin-Mutter.
„Völlig unerlaubt! Ein imposanter, muntrer Herr ... Stark und rauh vor der Welt und vermutlich eine süße und weiche Seele."
Die Mama war plötzlich noch dickere Unterlippe. Niko war ein reizender, genialer Mensch; sie liebte und bewunderte ihn. Aber waS ging dos ihn an? Er war in Katarina verliebt, immer wieder rasend verliebt; je öfter er hier war, desto mehr. O nein — das nicht! Das niemals! dachte auch die Mama. Ein Wohnsinn! Da unten schnatterte der grofte Wagen; dort fuhren sie jetzt ins Weite. Die Mama trat ans offene Fenster und winkte ernst und zärtlich.
„Gott segne euch!" betete Niko im Psefferkornschen Plüschsessel.
„Ein Mann, der bloft schwere, aufreihende Arbeit im Leben
sich. „Erwarte mich nicht zu zeitig, Mama!" den Blick der weißhaarigen Dame fest.
Nikodem in der Stadt frühstücken!" sagte die „Du bist heut unser Gast, Niko!"
„Ich habe es nie Begriffen. Er geht mit einem Zollstock auf die Auktionen. Er iftt auch jeden Morgen nüchtern drei rote Radieschen. Vielleicht hängt es damit zusammen?"
' '■ Louis lachte rauh und lose; die Mama lachte
gekannt bat" berichtete die Mama voll Anerkennung.
bedauerte Niko. „Will sie ihn heiraten?" fragte er leise,
Mko 'b?k6 stehn und streichelte zart über die Hand Tante Maraots Fch versprach mich, wie ein Mensch. Durchaus verab- schcuungsw'ert! Ich renne hierher, um demütisi zu kmen. und zu boten Ans! Wegen Hasselbrrnk geschlossen! Was tun wir
N-m. wo »»-
weiteres nicht tot. Wir meinen auch nicht laut. Wir vummein ein biückien Tante Margot. Ich war ziemlich lange nicht in Berlin, viel zu lang? Nicht Läden ansehen! Siehst du: Ich gehe manchmal in meinen Kniehosen in die teuersten Geschäfte, g j bieterisch das Feinste vorlegen, freue mich nut Hansen uno Augen und gehe unter Segenswünschen der Verkäufer und Chefs wieder raus. Ich will gar nichts haben. Kennst du das, Taute ^Sie^ lachte mütterlich und bezaubert. „Ja, wir gehen, Niko! Ich werde mich rasch umziehen, mein lieber Niko. Dann jrufi- stücken wir im Freien, oder wo du willst. Wir fahren auch fjma9Bofinr6eT Ihnen — dieser Herr von Glod?" frogte der Professor eine Weile später im Wagen, das Gesicht Katarina zu- Öeil(Sktf(6üttene den Kopf und antwortete nahe au seiner Wange. Der Wagen schmetterte eben auf freier Bahn. Sie erzählte ihm von Nikodem. .. c*.. „
Dann waren sie draußen zwischen den lenzgrünen Feldern, die silbrig im frischen Winde schauerten. Der Atem ging leicht im frischen Wind. Der Blick schweifte frei, und das Blut summte ruhig mit der Stimme des Motors. Es war em heiterer und glückhafter Gesang. Die andere Welt lag dahinten und war vergessen. Nur, was vor ihnen lag, galt und war frisch und neu.
Sie lächelte in der wohligen Wärme ihres Bluts, als dachte ste° So ist es gut! So gut soll es sein und bleiben! Und er blickte ernst mit einem starken, gesammelten Glanz tm Auge, in die iVerne Er sah jetzt ihr Lächeln. Sie neigten sich zueinander mt Sprechen. Aber noch hübscher waren die Hausen, wenn ste sich zurücklehnten, ein schweigend zueinander gehörendes Paar.
Als der Wagen nach einer langen, unbegrenzt langen Zeit einmal eine Kurve zu kurz nahm, sank Katarina für eine Welle weich und ohne Widerstrebeli mit der Schulter an ferne unerschütterliche Schulter. Sie lächelte wieder. Und der Glanz semes Auges wurde hell und hart. Da legte er behutsam die Hand auf ihre Hand, die auf der Decke neben der seinen lag. Legte schützend ferne starke Hand auf ihre Hand. Er hatte stch so etwas Aehnliches schon öfter, auch heute morgen ein paarmal, vorgestellt; schon öfter vorgestellt.
Katarina überließ ihm die Hand, die er zuletzt, demütig entschlossen, hinter dem umgestülpten Handichnfileder an die Lippen führte, was ihn, wie noch nichts un Leben, erschütterte. Eine freundschaftliche Geste und Huldigung? Die amüsante Warze auf der linken Backe über dem noch menschlicheren Grübchen schien 8U Katarina Gugernell nahm, als sei nichts geschehen, nach einer Weile ihre Hand wieder an sich. Und die beiden großen Leute ruhten stumm, und wie ermüdet von einem langwierigen Ge- schefin, tm Wagen aus.
„Sie sind wundervoll, Katarina! Ganz wunderbar! Das Herrlichste, das ich je gesehen und erlebt habe! Ich muß vthnen dav '"^Sie schwieg. Sie hatte so etwas wohl schon öfter im Leben zu hören bekommen. Dann blickte sie ihn ruhig und klar an.
Eine Frau, die lacht! blitzte es ihm grimmig durch den Sinn. Und doch plötzlich, wie ihm schien, eine ernste und willig stark ergriffene Frau... Er nahm wieder kühn und fest ihre Hand.
VI.
Die beiden Vettern batten ihren Kral in der Meraner Strafte dicht nnterm Dach, zwei Kammern nebst Atelier mit Bunten Holz- möfieln und grellen Holzfratzen von der in an'vruchsvollen Kreisen geschützten Südsee; davor lag eine Pnpvenküche, die unverzüglich aus die Bodentreppe führte. Den gröfteren Teil dieser Annehmlichkeiten muftte der AtelierfieRtzer Dagofiert bezahlen, was dem energischen Diez nicht auszureben war.
Diez Sorte in seinem Einbettzimmer, das zugleich Arbeitszimmer war, norm Spiegel gegen einen nicht vorhandenen Sandsack' schwirrende Uppercuts, Kinnhaken, Schwinger, Gerade, seine ständige Moraenübung. Diez traf im Geist kunstgerecht fremde Gesichter und Rippen, wgs die Sache ungemein würzte.
So reagierte er jeden Morgen Aerger und Unannehmlichkeiten ab. Er lebte zwar nach dem ehernen Grundsatz: Das Leben kalt, hart und spöttisch onfnifen! Ausgezeichnete Grundsätze, die aber niemals ohne einige Reizbarkeit gefaßt zu werden pflegten. Es war ihm in seiner Jliaend, fern von Berlin, nicht gut gegangen, was ihn zäh und selbstbewußt, aber auch etwas diinnhäutig gemacht batte, bevor der sagenhafte Onkel Louis am Tulpenweg in , fein Leben eingegriffen hatte. Als Primaner Schreiber in einem Bersichernngsbüro, Zeitschriftenkolportenr. als Student Helfer 'n einem Fabriklager Reporter einer Provinzzeitung. Louis' HUfe . war niemals von Diez und feiner Mutter erbettelt worden; stolze , und empfindliche Leute überlassen so was dem Schicksal.
, (Fortsetzung folgt.)
Katarina kann sich nicht entscheiden.
Roman von 93iftoi von Kohlenegg.
Copyright 1932 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
(Fortsetzung.)
Er stand hinter ihrem Sessel. Er hatte die Hände aus die Rückenlefine aestützt, so daß sie etwas von seiner Warme, Utut und Kraft, ein Vibrieren spürte. Ein ^iner Schauer stieg über ihren Rücken. O nein, das nicht! Es wurde nicht beachtet.
Wundervoll, Nikol" rief die Mama. „Wir sollten euch nach- her begleiten!" rief sie angeregt. „Louis wird uns Einladen. Es wird ihm selbst Freude machen!" Die Mama verlor etliche Zoll Fürstlichkeit. , ,, ,
«?ifn Glod lag, wie ein gutes Kind, still Msnnimengefaltet in einem Sessel und beobachtete scharf, wie ein Panther. „Ist nicht für Familienensemble, der hohe Herr?"
„Ich kann es dir nicht sagen, lieber Niko. Ich bin dankbar, wenn er mir einen freundlichen Tag bereitet.
„Ohne Zweifel. Ein umgänglicher Herr, der hervorragende Mann? Ein Treuhänder des Lebens? Ich habe übrigens in einer Stunde höchst dringliche Besprechungen^, log er und sah lässig nach der Uhr unter der Manschette. „Da ist er schon " Seine Majestät der Herr Professor!" Es hatte eben draußen stark und t'C^@rC n^or es in der Tat, mit einem Berg von Nelken im Arm. Erika ließ ihn ehrfurchtsvoll ein.
„Oh, wie entzückend, lieber Herr Professor!" rief die Mama.
Er verneigte sich. Die Mama erinnerte ihn immer wieder von weitem an eine ältere, gepflegte Zigeunerin. Doch er verbot sich stets diese Feststellung. Er sah auf die unbefangen mit den Brauen lächelnde Katarina, die blühende Saftweide der Augen.
„Herr Nikodem von Glod, Vetter meines verstorbenen Mannes!" stellte sie vor. . 9/z
„Erfreut! Sie leben in Berlin, Herr von Glod?
„Nein. Ich bin in Geschäften hier. Hin und wieder in Geschäften", plauderte Nikodem, mit glitzernden Augen.
„Sie sind Mitarbeiter des Hauses Vanderlip in Frankfurt?
„Vertrete meine eigene Branche, wenn ich so sagen darf.
„Herr von Glod ist Musiker", sagte Katarina mit hellen Augen, die zu zürnen und zu lachen schienen, und klingelte nach Erika.
„Ich hörte viel von der berühmten Pirre-Galerie, Herr Professor. Sie soll geistig ebenbürtigen Leuten nicht ganz verschlossen sein?" plauderte Niko Glod unbefangen weiter. Der breite, schwere Mann ärgerte und reizte ihn; von einer tiefer nagenden Pein und Qual zu schweigen. „
Louis Hasselbrinks starker Oberkörper schwankte humorvoll Bereitwilligkeit. ,,, , _ , „
„Mein Onkel Heinrich Vanderlip ist auch Sammler. Aber er sammelt bloß alte Winterlanöschaften von einem bestimmten mittleren Format. Wohl ein Seelendefekt!" beharrte Niko Glod.
„Es gibt solche ernsten Spielarten", sagte der Professor.
sefiniaer Teufel mit schwarzem Pelzhaar und unheimlich glühenden Augen „Ein alter, dicker Gockel!" sagte er, aufrichtig gehässig; seine Lippen waren schmal und qualvoll verzerrt.


