Nummer 38
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Der Mensch liegt in größter Not, Der Mensch liegt in größter Pein, Je lieber möcht ich im Himmel sein. Da kam ich auf einen breiten Weg, Kam einer und wollt mich abweisen, Ach nein, ich ließ mich nicht abweisen: Ich bin von Gott, ich will wieder zu Gott, Der liebe Gotte wird mir ein Lichtlein gebe«. Wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben.
Ist mein und dein verschwunden. Was Gottes, ist auch sein.
Das urchristliche Psingstwunder ist zeitdauerndes Zeugnis für: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllet ward, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah iah ein Brausen 00m fummel, als eines gewaltigen Wrndes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilet, als wären sie feurig, und er setzte sich auf einen geglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fing en an zu predigen mit fremden Zungen. Da nun diese Stimme g sch ), kamen die Menschen zusammen und wurden bestürzt, denn es hörte ein jeglicher sie in seiner Sprache reden. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unteretnander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie Horen wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen m Mesopotamien, und die in Judäa und Kapvadozien, Pontu8 und Asien, Phrygien und PamphyUen, Aegypten, midan den Enden Libyens bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Kreter, uno Araber,- wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten
Siebener Samilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Durch Ahnung nur allein Schaut er das Unsichtbare, Faßt er das Unfaßbare, Weiß in Unwissenheit.
Jaeopones Worte sind eine wundersame Ergänzung der frühchristlichen griechischen Hymne „Dem hochlautenden Geiste, dem heiligen", in welcher der unbekannte Dichter sagt:
...Lob sei ihm,
Der all dem, was lebt, was bleibt, ist einziger Ursprung. Das Geistige aber vor allem Wesen immer ihn preise Wie einen großen König, wie einen gütigen Vater.
Mit Herz und Seele, mit Zunge und mit dem Verstände Gib auch mir rein zu verherrlichen Dich, Gott Geist!
Noch inbrünstiger erwartet Symeon, der neue Theologe, baS Nahen des göttlichen Geistes: „Komm, du ewiges Jauchzen. Komm, du Licht ohne Untergang. Komm, erwartet von allen, die da elend sind. Komm, Gewaltiger, der du mit bloßem Winke alles immerwährend schaffst, umgestaltest und erneuerst. Komm, der du im Fluß der Stunden rauschest und doch unbeweglich über ihm beharrst, der du über allen Himmels wohnend doch uns Gebeugte hinieden besuchst... Komm, Freude, Glorie, dauerndes Labsal. Ich sage dir Dank, daß du, ohne dich in mein Wesen zu mengen und zu verlieren, e i n Geist mit mir, und wahrend du Gott bleibst hoch über allem, mir doch alles in allem geworden.
Alle vom Pfingstfeuer Erfaßten spiegeln besten Glanz, ein jeglicher in seiner Weise. Den einen hat der Schöpfer Geist überschüttet mit Gnaden, dem anderen gab er überströmende Gesichte, manchen öffnete er das Ohr, um den „Harmonien hinter den Gestirnen zu lauschen" sBeethoveni, oder er gibt einer Seele soviel Schicksal, daß sie tausend Leben zu leben, zu gestalten vermag. Wer möchte da nicht mit Angelus Silesius seine Seele bitten lasten.
„Gib mir die Stärke, daß ich kann Dir dienen wie ein Kriegesmann! Dein Rat regiere meine Sinnen, Daß sie recht unterscheiden können,- Verleib mir göttlichen Verstand, Daß mir dein Wille bleib bekannte
Etwa zweihundert Jahre später betete der italienische Dichter Alessandro Manzoni in seiner Pfingsthymne:
„Freundlicher Atem! Tröstender Hauch, Wir rufen dich an! Sieh nieder: In den Herzen der Traurigen spiegeln sich Trübe Gedanken wider.
Und brause, du Sturmwind, brause herein Gewaltig aus Himmelsfernen!
Dem Stolz der Großen jag' Schrecken ein, „Daß sie Gott zu fürchten lernen!"
Daß der pfingstliche Geist immer und überall der gleiche sollen die Verse aus einer „Sequenz am Pfingsttage zeigen, ein unbekannter Dichter vor etwa sechshundert Jahren Niederrhein in ein altes Kirchenbuch malte:
„Nichts ist dunkel, wenn du deutest, Nichts zu hart, wenn du gebeutest, Wenn du führst, kein Weg zu steil. Liegt auf uns des Bösen Klaue, Strömt mit deinem milden Taue Sühnend siebenfaches Heil!"
Weit zurück reicht in unserem Volke, in unseren heidnischen Vorfahren das Wissen um die „wehende Gewalt göttlichen Geistes", die man im Urlicht zu spuren begann, noch ehe in die Wurzeln unseres germanischen Volkstums die Safte zweier anderer Formbereiche eindrangen, die erhebende Botschaft des Christentums und der klärende Gehalt der Antike, ^laendes Lied das aus grauer Vorzeit stammt, wurde in den Tagen de^ Bonifatius in ein christliches Lied umgewandelt:
^°Jmmer vieler fährt des Geistes stäender Segen" über die Erde, und immer wieder wachen Menschen auf, die ihn tiefer er
Trostes" "sagt Mechthild von Magdeburg vom Pfingsttag, der ln öleleefe fällt wie »euer, das nicht verzehrt, sondern lautert und reift und zu neuen Erkenntnissen fuhrt, wie der Pfingstvlfion bar fmhamnrh der Seherin von Flandern, ersichtlich tzi, oie v SÄÄ“Sl: .» « « ÄSffißfa empfing ich den Heiligen Geist derart, daß ich plötzlich den Willen der Liebe allenthalben verstund und die Anordnungen omes Willens im Himmel nnd unter den Himmlischen und die ganze Vollkommenheit des vollendeten Gerechtseins und all d^e^chuld der Abgeirrten und das ganze Treiben ondSeni s wie er sich in Wahrheit und in Luge abimelt. seitdem fühle ) die Liebe in allem, was ich sehe und so vreles ich sehe.
Von der Erleuchtung durch den HeiligeiiGe, sind auch o e Verse des Faeovone da Todi, des Narren in Christo, erfüllt, feine Landen sLobgesängej stehen unter dem Zeichen der »Amor ehe dai forma", der formenden Liebe:
Teil nimmt er nun an allen
Der Geist durch diese Einung.
Getauscht sind Herz und Meinung, Er ruft: dies All ist mein!
Und alle Mauern fallen:
So ganz mit Gott verbunden,
pfingstgesang.
Don Martin Luther.
Nun bitten wir den heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Erbarm dich, Herr!
Du wertes Licht, gib uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Baierland. Erbarm dich, Herr!
Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Erbarm dich, Herr!
Du höchster Tröster in aller Not, hilf, daß wir nicht fürchten Schänd noch Tod: daß in uns die Sinne nimmer verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Erbarm dich, Herr!
Ewige Pfingsten.
Von Hans Sturm.


