Ausgabe 
13.8.1934
 
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das Preußische Geheime Staatsarchiv die Veröffentlichung der Akte» zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Pofen und Westpreußei, vor eine politisch äußerst wichtige Arbeit, da mit ihr tue vielfach falschen Darstellungen von polnischer und französischer Seite aktenmaßlg richt,g- aestellt werden sollen. Die ersten Bände dieser Veröffentlichung erscheinen in Bälde. Im Verein mit anderen Instituten und unter besonderer Berücksichtigung des Ostraumes überhaupt hat sich das Archiv tue Aus­gabe gestellt, eine grundlegende Erforschung der geschichtlichen Be- Ziehungen zwischen Deutschland und Polen vorzunehmen. Das >m Bor- iabr erschienene WerkDeutschland und Polen" war ine erste Frucht dieses Vorsatzes. In Gemeinschaft mit mehreren Historikern werden zu- Feit auch die Akten über den Verlust des deutschen Ostens, über die Waffenstillstandsverhandlungen von 1918 und 1919 u"duber die Vor­geschichte des Versailler Diktatfriedens für die Veröffentlichung bearbeite,. So wuchs und wächst die Fülle der Ausgaben dergestatt fast von Tug zu Tag, und wäre damit allein schon die ungeheure Notwendigkeit dieser Behörde osfenkundig, so wurde dies im Verlauf der nationaI(03ta 111111djc, Revolution mit einem Schlage auch einer großen Deffentlicptett vor Augen geführt. Bald nach dem 30. Januar brach eine Arbeitsflut ohne­gleichen über die Archive und über das Preußische Geheime Staats­archiv herein. Die in dem Nationalsozialismus wurzelnde starke Be­tonung der Verbindung mit dem Boden und die hieraus erwach ende, chließlich gesetzmäßig verankerte Schafsung der Erbhofe erweckte in zahllosen Männern des deutschen Bauerntums den Wunsch, nunmehr ihe Geschichte ihres Hofes und ihrer Sinne zu erfahren.

Durch das nationalsozialistische Beamtengesetz und andere Gescheh­nisse und Maßnahmen sahen sich viele deutsche Volksgenossen veranlaß!, den Nachweis ihrer arischen Abstammung zu bringen, ober erbringen S« müssen. Da vielfach die örtlichen Quellen, wie Kirchenbücher, Fami- lienaufzeichnungen, Gemeinderegister versagten oder Lüsten auswleseii. 0 strömte eine fast alle anderen Ausgaben erstickende Fülle von Arbeiü in die Archive. Hinzu kommt, daß auch in vielen ringt unmittelbar interessierten Kreisen die Anteilnahme an Vergangenheit und Famili, ungeheuer gestiegen ist. t .. . r, .

Der Laie beruhigt sich bei dem Gedanken, daß em genügen!) starke- Beamtenheer all diese Aufgaben schon bewältigen wird. Weck gesehli Die Anzahl der wissenschaftlichen Beamten und Anwärter der gesamten Archivverwaltung, die unter der Leitung des Generaldirektors Pro,esso» D Dr Brackmann all diese Arbeiten für Volkstum und Stad zu bewältigen haben, beträgt nur etwas über sechzig Personen; in jeöeir. Archiv befindet sich außerdem nur ein Sekretär, der die Büroarbeit b<- sorgt. Dieses angesichts der Arbeitsfülle erschreckend geringe Per om - macht die Gefahr wahrscheinlich, daß eine weitere sehr wichtige Ausgab« allmählich in den Hintergrund tritt, nämlich die Erfassung weiterer piu Volkstum und Staat wichtiger Registraturen und Sammlungen. Denn wir besitzen zwar bereits im Reichsministerium des Innern einen amb lief) bestellten Sachverständigen für Rafseforfchung, aber wir besitzen noÄ immer nicht das schon im Hinblick auf dieses Gebiet wichtige Gesch welches sämtliche irgendwie für die Geschichte und Heimatkunde, fiin Rasse Volkstum und Staat bedeutsamen schriftlichen Unterlagen unten feinen Schutz stellt. Nur ein derartiges Archivalien-Schutzgefetz vermox zu verhindern, daß, wie es sogar heute noch vorkommt, Staats-, Rom munal- und körperschaftliche Registraturen der Einstampfung anheim- fallen, anstatt den Archiven übergeben zu werden.

Je lebendiger jeder einzelne Volksgenosse Mit der Nation suhlt um lebt je stärker der staatspolitische Schwung aller, desto mehr roerotrr wir die Archive in ganz neuem Lichte betrachten und erkennen, daß |ut bester Spiegel unserer Vergangenheit und lebendigste Quellen unsere«! Seins sind.

Fränkischer Bilderbogen.

Von Friedrich Schnack.

Mainfranken ist eines der lieblichsten und innigsten deutscheir Bilderbücher, mit heiteren Farben, Tälern, Flüssen und Gründen, femm Flächen, Linien und Höhen. Wer ins Mainland reist, reift ins Wem, land: dort gehen die Sinne auf, denn in Franken gibt es Schones M sehen. Klangvolles zu hörest und Edles zu empfinden Wer einmal, etnw in einem gutgeratenen Frühling oder in einem abgeklärten Herbst, öir zierliche Landfchaftsbuch auffchlug, wird die geschauten Bilder nicht ®i^ der aus dem Gedächtnis verlieren, und wer als echtburtiger Sohn M» dort in die Ferne geht, vergißt sein wein- und obstreiches Heimatla« nie: die fränkische Erde ist, nach einem zutreffenden Wort eines em heimischen Schriftstellers, schwer und anhänglich. Ja, triebe es ihn Ounr sieben Meere, wie den Würzburger Liedermeister Max D a u t h ende 1 der unter Palmen auf Java an Heimweh litt: in den äußersten Landern der Erde wird ihn das Gesicht Frankens gegenwärtig fein, Das gellem- Antlitz seiner Erdmutter: mehrals goldene Pagoden gilt ihm S)einuw 9ra$ßer also nach Franken fährt, reift in eine festlich geftimmte unil harmonische Landschaft. Weinlaub überschwillt die Hänge des Wlamtau bekränzt die anmutige Traubenstraße; Gärten, Schlösser, Kirchen, Burg - und Bögen spiegeln sich in der Welle des behaglichen Flusses. Die tW ist würzig vom Blütenhauch der (Bärten und der Wiesen, unb immr hängen Erlebnisse mainauf, rnainab von reichen geschichtlichen Erb rungsroerten, mit deren Vielfalt und Buntheit sich nur wenige beuts-Y«' Lande messen können.

Das unterfränkische Volk, soweit es die Rebe hebt, fleißig »en Wein zusprechend, ist zwar nicht fo beweglich und aufgeräumt wie rheinische und wie es der Geist der Traube vermuten ließe: es hangt am Alten und liebt die ungrüblerische Behaglichkeit, dennoch ist es reg«, gemütsreif und phantasievoll. In seinem Blut ist die Kraft der ­tung mächtig, der Drang zu Schönheit und Kunst: es hat viele D>m Maler und Bildhauer hervorgebracht. Sein Wesen schmückt, malt, p 8_- Die Werke aus fränkischen Händen hervorgegangen, sind fein unö 3le lich, leicht und sogar schwelgerisch. Der Wein wirkt hindurch mit |eituw

gar keinen Zweck, daß du dich in den Abgrund des Verbrechens hmab- schleuderst, Philander; ich will dich da nicht haben, und ich werfe dich mit starker Hand in die Ebene deiner Bestimmung zurück. Bleib bet deinen Leisten und schreib zur Strafe bald dieLieder an eine Blonde" ab, damit sie wieder eine anständige Verfasfung bekommen.

Oes Staates Haustruhe.

Don Will Reifferscheid t.

Archiv, eine Gedankenverbindung, eine Mischung aus Staub, muffigen dunklen Zimmern und einem hüstelnden, schmalbrüstigen, schief- bebrittten Männlein wachst sofort aus unferem inneren Auge zur Em heit. Und vor allem Papier, Papier die Wände hinauf und hinunter. Gelbfleckig und schlecht riechend. Ueber dem Ganzen der Verdaast von etwas Unnützem. Ein Laienirrtum und nicht einmal ein schöner- Es soll Kulturen und Völker gegeben haben (und noch geben), ine keine Archive kannten. Sie werden dafür andere Sorgen gehabt haben. Uns aber uns Abendländern vor allem befahl das Schicksal, das Leben als eine immerwährende Kette zu sehen, «Iso auch das Sein von Nation, Sippe und Familie, und deshalb vor jebem Schritt in das Morgen, das Gestern zu befragen, auf daß die Kette nicht abreihe durch Will­kür oder Nichtwissen, Gewachsenes nicht unnütz zertreten werde.

Aus diesem Urgrund eine Unzahl von Aufgaben und Verrichtungen, die sich bis jetzt aber zumeist in Stille vollzogen, so daß der Laie tu um zu klarer Vorstellung von Zweck und Nutzen der öffentlichen Archive gelangte. Wie gesagt, bis jetzt, - seit einem Jahr etwa gibt es viele tausend Volksgenossen, die dankbar der latfadje gebenden, baß eine Preußische Archivverwaltung, ein Preußisches Geheimes Staatsarchiv ^Jn feiner heutigen Form geht bas staatliche preußische Archiowesen auf den Staatskanzler Hardenberg zurück, der schon barna s, als bie romantische Geschichtsforschung nach den Urkunden und QueUen unseres Volkes zu suchen begann, das Geheime Staatsarchiv bewußt der vater­ländischen Geschichte, der Wissenschaft dienstbar gemacht sehen wollte. Selbstoerstänblich war bas Preußische Geheime Staatsarchiv, wie alle derartigen Institute, ursprünglich zustärkst als eine Verwaltungsbehörde gedacht und gewissermaßen als Vergangenheitsquelle für die Belange der übrigen Behörden. Die einzelnen Staatsorgane hatten bas Be­dürfnis, alle ihr Reffort betreffenben unb nach gewisser Zeck aus bem laufenben Verkehr herausgenommenen Papiere, als da ftnb Rechts- unb Befitztitel, Manuskript über politische unb verwaltungstechnische Verhandlungen u. a. m. übersichtlich unb georbnet an einer bestimmten Verwaltungsstelle zu wissen, von wo sie jeberzeck zu etwaigem Gebrauch zurückqeholt werben konnten. Dergestalt ist bas Preußische Geheime Staatsarchiv ein Teil bes gesamten Verwaltungsapparates mit helfen Einzelbehörben es in bauernber lebenbiger Verbindung steht; dw Fach­referenten bedienen sich feiner bei der Aufstellung einer Ueberftdjt ober eines Vortrages, die außen- und innenpolitischen Funktionäre bes Staates beziehen, hier ihre Unterlagen für Denkschriften unb Formu­lierungen auf jebem Gebiet. Doch über biefe ursprüngliche Aufgabe greift das Archiv weit hinaus. Wenn ber Laie erfährt, baß bie uder- wieqenbe Mehrzahl aller preußischen Staatsarchive räumlich-heute kaum noch ausreicht, fo wirb er anfänglich erstaunt fein. Denn außer dem Haupthaus in Dahlem, wo neben bem Zentral-Archw auch bie Pro­vinzialarchive für Brandenburg und die Grenzmark sowie das Heeres- archiv untergebracht find, verfügt die Archivverwaltung noch über eine weitere Anzahl von Provinzialarchiven, und zwar in Königsberg (Ostpr.), Stettin (Pommern), Breslau (Schlesien), Magdeburg (Sachsen), Han­nover, Osnabrück und Aurich (Hannover), Munster (Westfalen), Düssel­dorf und Koblenz (Rheinland), Marburg unb Wiesbaben (Hesien-Nafsau). Dazu für bie Hohenzollernlanbe ein Archiv in Sigmaringen. All diese Archive aber haben seit 1918 riesige Abgaben an den behördlichen Aktenbergen des 19. Jahrhunderts in sich aufgenommen, die an Umfang die Bestände aus den weiter zurückliegenden Jahrhunderten weit über­treffen. Sie nehmen aber auch die Hinterlassenschaften von Politikern, Feldherren, führenden Beamten, Forschern unb anberen für Volk unb Staat bebeutfamen Persönlichkeiten auf. Ferner bergen sie bei sich private Familien- unb Abelsarchive, Lanb-, Stabt- unb Kirchen-Registra- turen, sowie Spezialsammlungen, etwa solche über Wappen- unb Siegel- tunbe usw. . m 1

Schon seit vielen Jahrzehnten werben bte Archive von Privat­personen aller Kategorien in Anspruch genommen. Wie oft muffen Rechtsanwälte unb Synbici, Vertreter von Kommunalbehorden m den Archiven nachschlagen, um in bestimmte Rechts- und Besitzftreitigkeiten Klarheit zu bringen, denn wenn alle anderen Stellen versagen, ist es nur noch hier möglich, etwas über Wege-, Mühlen- und Fijchereigerecht- fame Aufschluß zu erlangen. Unaufhörlich ziehen die Wissenschaftler, vor allem die Historiker herbei; Professoren, Studenten, Forscher für Stadt-, Heimat- und Familiengeschichte. Bei all diesen liegt die Last ber Arbeit nicht etwa allein auf bem suchenben Wissenschaftlern, fonbern ZU einem guten Teil auch auf bem betreffenben Archivbeamten. Denn Bucher- Fataloge wie etwa in ben öffentlichen Bibliotheken sink) beim Preußischen Geheimen Staatsarchiv angesichts ber Art unb Fülle bes Materials eine Unmöglichkeit. So muß also fast jeber fudjenbe Gast erst geprüft unb bann beraten werben, in welcher ber vielen taufenb Abteilungen bes Archivs er bas gewünschte Material zu finben vermag. Dazu bie Ueder- zahl ber einlaufenben Anfragen, auch frember unb auslänbifcher Archive, die alle ber Beantwortung harren. ______

Das Archiv hat sich aber niemals damit begnügt, sich aufsuchen zu lassen, sondern ist ben Suchenben nach allen Kräften entgegenge­kommen. Kein Geringerer als Bismarck ist es gewesen, ber bie Wichtig­keit der archivarischen Quellen wohl verspüren!), unmittelbar veranlaßte^ daß eines ber größten literarischen Unternehmen, biePublikationen aus den preußischen Staatsarchiven" in Angriff genommen würben, von denen bis jetzt 93 Bände erschienen sind. Bismarcks Wegweisung ist bis auf ben heutigen Tag lebenbig geblieben; seit einigen Jahren bereitet