Qnunc und Gärten, durch den schwimmenden Mondschein in sein Haus. Dann 3oqen wir uns die Stiefel ab und legten die Jagdgerate bereit. Cr ging in die Ehekammer, ich legte mich in der Stube daneben aus das Sofa. 9 tzj., Bäuerin kam bald, schnaufte rote em Eber und fd)ne (djon tm
Misth bist- du zu Hause?" Der ließ sein Schnarchen durch das ftarös 'rasseln daß es der Frau seltsam zumute wurde. Schweigend trat 9 in s:p Kammer. Und nun fing da ein Numoren an. Misch gähnte und orgelte. Das Bett knarrte. Wie aus "efstem Schlafe ausschreckend iraate er erstaunt und gleich wütend: „Wo Reibst du dich des Nachts herum?" Die Bäuerin fiel in das Solo mit gutem Ält. Ähre Sache schien E so wohl begründet denn der Bah fang die längeren Partien und nab schließlich in einem kurzen Schlußsatz das Motto des Duetts „Ich will mein Vergnügen auch einmal haben. In zwei Stunden holen u>r den Bären, der "vom Westgrat auf die Lichtung wechselt." Sein Schnar- chen setzte dahinter eine Reihe Gedankenstriche.
Somit wäre nun alles in Ordnung gewesen. Doch ich fühlte mich ach dem Sofa nicht wohl. Das plötzliche Verstummen der Alten dünkte mich 5 böfe SBorbebeutung. Die Frau war nicht dumm, die schlucktei keine Ville ohne Gegenmixtur. Ich lag wach; es kroch mir durch bte Adern, baft daneben ein sauberer Plan im Ausbrüten stak. Und nach einiger yeit als Jekels Schnarchen natürlich klang, hörte ich die Ture geben und' die Alte aus dem Hause tappen. Da war ich meines Argwohns 0et3a, das Luder, ein totes Pferd, lag schon seil.einem Tage Mifth hatte es ausgelegt und durch den Altknecht bewachen lassen. Der Bar war in der Vornacht schon daran gewesen; ein feister Bur cheAller Voraussicht nach muhte die Sache einfach ablaufen. Nun hatte mir eie Alte die Unruhe ins Blut gesetzt. Ich weckte Misch, der em bedenkliches Gesicht schnitt, als er das Bett neben sich leer sah. Er wäre am liebsten
stand vor ihm, bas Gewehr am Riemen und seine Büchse in der anderen Hand. Ihn übermannte die Lust. Wir schritten los.
Es mochte eben Mitternacht fein, als wir an den Luderplatz kamen und uns ansetzten. Der Wald schwieg im Umkreis; die Lichtung au der das Aas lag, leuchtete im Mondschein wie Silber. Das Luder selbst ähnelte einem dunklen Fleck darin, undeutlich und stumm. Die Luft strich uns entgegen. Bei längerem Hinsehen schien es, als bewegte stch etwas am Luder, ein Fuchs vielleicht. Wir lagen, und von Minute zu Minute erregt» uns stärker die Stille. Wir hörten Laute aus Baum und Strauch, in der Luft und aus uns selbst wie ein Orchester, an bas nur uns nur allmählich gewöhnten. Es tönte einförmig tm leichten An° unb 21b- fchwellen unseres Herzschlages. , TOi_ mllrh,n
Nach zwei Stunden fuhr uns der Schreck in die Glieder. Wir wurden aus dem traumhaften Horchen fosort wach. Im Walde brach Unterholz durch ungestüme Schläge. Misch faßte ans Zielfernrohr mit einem ra ch n (Briff dann zog er die Hand wieder fort. Das war das einzige Zeichen feiner Erregung. Wir starrten hinüber zum Waldrand, woher der Lärm tönte. Nun schien es aber, als näherte er sich als knackte es an einer bestimmten Stelle, wie wenn stch em ungeschlachtes Wesen im Strauch einen Standplatz trete. Der Lärm wurde dabei schwacher brach bann ab, und in unsere Ohren drang Brummen und Schmatzen, deutlich hörbar, gute hundert Schritte weit. Und dies immer aus dem Walde. Es wurde wieder ganz still, um gleich darauf zu brummen. Dazwischen knackte manchmal ein Ast.
Misch flüsterte: „Der Kerl kommt nicht heraus!"
®ir51auerten.^Der Mo^ischein^ieuchtete hell, das herrlichste Büchsen- licht; bas Luder war gut gelegt und der Bär traute sich nicht aus beni Wald. Er trollte sich auch nicht fort; wir horten ihn brummen. Er hatte U115® jrd) fobenstarr auf die silberne Lichtung in dem Schwarz des Waldes, daß uns die Augen zu brennen anfingen. Hoch über uns m der Nacht fuhren leichte Wolken vorüber, die für wenige Sekunden den Mond verdeckten. Dann stand der Wald noch undurchdringlicher und bas Brummen unb Knacken klang brofjenb. Doch ber Bär wußte nichts von uns. Er blieb in feinem Walbplatz, rauschte im Busch unb lärmte.
Weg war er. Aber Misch staub auch schon unb schritt hinter ihm her, bebächtig, ben Stuhl erhoben in ber Faust. Ich lief mit. Alles jubelte tn mir. Nun war bte vierte Flasche vergessen.
Misch schritt geradewegs in die Schwemme. Ehe er noch tn ber Ture stand, hatte sich der Bursch in den Saal gesetzt unb laut geschrien, daß nun der gnädige Herr Iekel komme. Sie hörten es nicht. M'sch stand im Türrahmen und hielt den Stuhl noch immer erhoben. Kein Wort. Er stand Der Wirt und ich blickten ihm unter ben Armen durch. Die Knechte faßte plötzlich ein Schweigen, als hätte sie der Leibhaftige berührt. Sie starrten mit vielen großen Augen nach uns und stürzten dann Hals über Kops durch die Fenster ins Freie.
Der Stuhl in ber Hanb bes Riesen sank. Mit einem kleinen Ruck schleuderte er ihn mitten in den Saal. Beine und Lehne splitterten ab beim Aufschlag. Der Wirt beachtete es nicht, er rieb sich die Hande und sagte: „Nun ein Weinchen, meine Herren!"
Das fehlte mir gerade noch. Ich schlich hinter den Zweien her bte Treppe empor. Wir setzten uns; bie Ohren summten vom Lärm nach wie ein Bienenschwarm. Durch bas Summen brang plötzlich ein Pfiff vom Hose her; als ich ben hörte, sprang mich bie Freube wieder an. Den Pfiff kannte ich. Da pfiff Jekels Altknecht; es bedeutete: die Bäuerin hatte sich aufgemacht, den Riesen heimzuholen.
Die Gläser blieben voll. Wir tränten sie nicht. Misch sagte nur: ».Komm!" unb lief brähnenb die Treppe hinunter. Ich hinterher über
„Er frißt", meinte Misch.
„Das weiß ich auch." , , , . ... OIx»
Wie mich bie Wut brannte! Vielleicht trat bas Tier boch ins Licht, wenn es seine Beute verzehrt hatte. War die aber groß, so konnten wir ruhig davon gehen. Wir warteten. Misch slüsterte nach einiger Zeit, « wolle einfach dem Bären entgegentreten, denn es fei verdammt, sich pi« 3um Narren halten zu lassen. Ich antwortete gar nicht; auch erlchnE Sein Gerede nahm er selbst nicht ernst. Wer tritt einem fressenden Bären im Halbdunkel entgegen? .
So verging die Zeit, eine Stunde vielleicht. Unsere Wut wurde Gleichgültigkeit. Wir rührten uns nicht. Und jedes Brechen von Aesten peitschte uns durch die Adern weil wir glaubten, nun trete endlich der ^"Jn"biests^wogenbe Lauschen tönte rechtsher vom Rande ber Lichtung ein leises Geräusch. Als setzte sich ein Fuchs vorsichtig auf. Als trete et nun roieber ben Grunb. Da war kein Zweifel, es nahte em Mensch.
„Ein Wilberer!" sagte ich, unb alle Lust floß in mich zurück Wenn der Bär verloren war, so blieb dies Abenteuer. Ich kniete aus. Misch folgte Das Gewehr legte er neben sich. Mit einem Wilderer band er, der dreißig Knechte in bie Flucht jagte, waffenlos an. Plötzlich ftanb et, die große Gestalt schlaff und vorgebeugt, feine Stimme tonte hilflos:
„Meine Frau!" „ ., _, .
Die Bäuerin trat rechtsher auf die Lichtung, wandte stch der Stell« zu, wo der Bär still geworden war und fchrie mit greller Stimme. W hörten als Antwort Brechen und Knurren, das immer leiser wurde uiw zum Westgrat verstrich. Der Bär trollte sich. x
Dann drehte sich das gottlose Weib um und rief: „Wo treibt ihr eud) herum, wenn ihr ben Bären haben wollt?"
Ja, nun traten wir hervor. Ich keuchte, ich sah nicht weg als M !« tat, was er nie zu tun gewagt hatte, bie Alte in bie Haube kriegte u
Oie Bärenjagd.
Bon Heinrich ZiUich-
Äs«* dm» p« uw
— sofort fragt ihr, was für ein Stein, wie groß, wie schwer. Da sch pp ich euch ben Stein heran, lege ihn vor euch hm und sage: Bedient euch. Nun Hebt ihr um ihn und wißt eben oroemg wie vorher, aber den Stein hab" hr, habt die Wahrheit, ihr habt bie Sache. Nun geh - und seid Mücklick damit Nein, bas ist euch doch zu wenig! Seht ihr Und erzähle ich »ucb bie kleine Geschichte mit bem Bären, so schreit ihr gleich, erlogen! ^uaeaebeni Aber ihr habt etwas baoon, ihr steht nicht um einen bummen
töffÄ'K ■*» »«»*'*■»- “i<™ ■" wie ein Fahrplan.
Ich"halte "rsah^n,^ bah im Hochwalb am westlichen Graf ein Bär bauie ein altes Tier — ihr wollt schon wieder etwas wissen? Wo der Hochwald ist? Das konnte euch passen! Er liegt 'n Siebenbürgen. Sieb - bürgen ist groß, in Siebenbürgen gibt es viele Baren. So letzt w h '^Ani Abend saß ich im Dorswirtshaus, hatte den Jagdschein m ber Tasche und neben mir einen alten Jagdfreund, ben inl
Her Rieie hockte trübfinnig, weil feine Frau mit ber Pirsch nicht
nerftanben war Die Stimmung mißfiel mir. Wenn Misch Iekel mit
feiner Frau übers Kreuz geriet, schwammen Wolken auch burch meinen Tag Ich bestellte Wein, stellte .hm die Flasche vor bie Nafe, Er tmnk
2Ils eine Stunde vorüber war, hob er ben Kopf unb meinte. Roch so
eine Flafche. Seht, dies gefiel mir schon besser, roetl es immerhin em Wort war. Bisher hatte er geschwiegen. Die dritte Flasche konnte das Schicksal der Jagd entscheiden. Wurde er dabei lustig, so. hatte der Gang beute Nacht Sinn unb Zweck. Ich schenkte ihm fleißig em. Als bte Aa che nur noch zur Hälfte gelb war, sprang er plötzlich auf unb Jagte:
Der Teufel soll breinsahren unb ber Welthunb dazu! Dann setzte er sich ruhig nieder. Ich aber wußte, nun wurde die Samstagnacht gut. Die Flasche rückte ich näher an mich und versuchte, ihn über den Stareni au - tubolen. Er zog sich bie Flasche wieder heran unb trank. „Drei Flaschen! warnte ich denn mehr vertrug er nicht, ohne schußschwach zu werben. Er lachte Dies war kein gutes Zeichen. Die Flasche hielt ich wohl im Auge boch alle Vorsicht schien nichts zu nützen. Er hatte sich betrunken, wenn unten in ber Knechtschwemme nicht ein Streit losgebrochen wäre. Ihr müßt euch das recht vorstellen: Im Wirtshaus sitzen die Bauern oben im „Kasüw" und unten in der Schankschwemme bte Knechte. Diese Knechte waren handfeste Ungarn, denen das Messer locker saß, und nun hatten zwanzig oder dreißig einen Lärm angefangen, der durch das Haus dröhnte Man hörte, wie die Kerle aufeinander losgmgen. Aus Dem Fußboden stieg der Staub. Die Petroleumlampe an ber Decke schwang hin unb her.
„Schasse Ordnung!" sagte ich zu Misch.
Er trank wieder ein Glas. .
Der Wirt lief herein unb bat verzweifelt um Hilfe. Misch lachte und trank. Es schien kein Kraut gewachsen, um den Riesen heute vom Stuhl $ Derweil ging unten die Schlacht weiter. Ich stellte mich ans Fenster und sah unten im Hof dunkle Gestalten, bie sich an ber Pumpe ine Wunden wuschen. Ms ich mich umroanbte, hatte bas Schankmadchen eine vierte Flasche auf den Tisch gestellt. Ich setzte mich verdrießlich Aus dem Boden stieg der Staub dichter. Die Lampe glühte schwingend im Dunst. Ich stand wieder auf und öffnete die Tür, um ben Luftzug streichen zu lassen. Im Flur an ben Pfosten geklemmt stand ein Dienstknecht. Ich packte ihn an der Brust, zog ihn ins Zimmer. Der Bauer sah stch den Burschen an und knurrte: „Was suchst du da?"
„Gnädiger Herr, die Burschen haben mich herausgeschickt—."
„So __", meinte Misch unb hob einen Stuhl auf ben Tisch, als habe
er ein Holzscheit, „unb warum haben bich bie Burschen —?"
Da schrie ber arme Teufel: „Um zu melben, wann Sie herunter-


