Nummer 27
Montag, den 9. April
Jahrgang 193$
WnerZamiüenbläner
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Heimatgefühl. '
Von Clemens Brentano.
Wie klinget die Wellei 1
Wie wehet ein Windl O selige Schwelle, wo wir geboren sind! Du himmlische Bläue! Du irdisches Grün!
Voll Lieb' und voll Treue wie wird mein Herz so kühn!
Wie Reben sich ranken mit innigem Trieb, so, meine Gedanken, habt hier alles lieb!
Da hebt sich, kein Wehen, da regt sich kein Blatt, ich kann draus verstehen, wie lieb man mich hat.
Ihr himmlischen Fernen, wie seid ihr mir nah! Ich griff nach den Sternen hier aus der Wiege ja!
Treib' nieder und nieder, du herrlicher Rhein! Du kommst mir ja wieder, läßt nie mich allein!
O Vater, wie bange war mir es nach dir, horch' meinem Gesänge, dein Sohn ist wieder hier! Du spiegelst und gleitest im mondlichen Glanz, die Arme du breitest: Empfange meinen Kranz!
Wohlauf, Kameraden ...
Von Werner Lürmann, GDS.
Es ging zum Abend. Ein heißer Tag war zu Ende - ein Tag des Verhängnisses, der viel rotes und junges Blut hatte verströmen lassen, hin über trockenen, gierig trinkenden Waldboden im Lsonst^-alles umsonst!" stöhnte der Jüngste von ihnen auf, die' da aus ausgepumpten Gäulen die große Waldstraße entlang aeritten kamen. In seinem rechten Arm unter dem vom geronnenen Blut steif gewordenen Verband wühlte fressender Schmerz, smndertmal mehr aber brannte in seinem Innern die Schmach, und das, was da drinnen im Herzen zuckte und flammte, wollte
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Stittc große Stille lag um Pferde und Reiter gebreitet. Un- der Schlacht in ihren Ohren wck>erhallten. ÖOI
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unsichtbarer Mantel um seine Schultern, und ttet unren tu i«»
ausgedörrten Kehle reizte der widerliche Geschmack vom Pulver-
Dieser höllische Wald wollte kein Ende nehmen. An den Leibern der schnaubenden Gäule kroch das Dunkel hoch. Ein Waldkauz schrie aus der Nachtferne wie die verlassen irrende Seele eines Toten, rief klagend und echolos und schwieg.
„Seht, Kameraden! Der Abendstern funkelt bereits da droben ..." sagte einer gedämpft und hob sich ein wenig in den janken- ^el®ag S£Iang wie ein Trost durch die Finsternis, welche ihre Gemüter umfangen hielt. Der Leutnant drehte sich rückwärts tot Sattel und ließ seinen Blick hingleiten über die ernst und gläubig aufschaucnden Gesichter der Leute. Ihm mal, als müsse er die Hände über den Zügeln falten: „Herrgott! Du da droben über der Wellt Führ du alles, alles zum guten Ende! Amen!
So ritten sie hinein in die fallende Nacht un Herzen Deutschlands ... ,
O Deutschland! Heiliges Vaterland! —
Es ging auf Mitternacht, als sie bei gelblichem Kerzenlicht und hinter verhängten Fenstern beieinander laßen in der eichen- holzgetäfelten Wohnstube der Wassermühle, drunten in einem der Auslauftäler des Gebirges. Etliche der Reiter lagen schon mit müden Köpfen auf dem Tischholz und schliefen vor Erschöpfung. Draußen flössen die Laute der Nacht. Vom Muhlenwehre her rauschte gedämpft ein schlafsingendes Tönen: und der antwortete murmelnd und leise aus deu Gebtrgswaldern, deren dunkler Wall Pferd und Mann bts zum Morgenrot Schutz verhieß. Bisweilen erscholl dumpfes Hufgescharre: die Gaule standen im Hof gesattelt vor ihren Halfterringen und waren getränkt und 6e^$>en ganzen Morgen hab' tch's gehört, das Gebrumm der Kanonen!", sagte der Müller erregt aus der Ofenecke her. „Was W'1 ehi nurCru£)ig schlafen..." erwiderte Leutnant von Henners: und seine Stimme kam wie die eines sorgenden Vaters durch den mitternächtigen Raum, der ihnen einige Stunden lang Heimat bedeutete Die herabgebrannten Kerzen flackerten. Zuckenden Schein warfen sie über das Antlitz des Jüngsten, der tnt unruht- aen Schlummer auf der harten Bank lag. Ueber sein Knabenantlitz das jetzt ernst, männlich und hart geworden war, wie es sich für einen Soldaten eines ruhmreichen Regiments und einer ft-l«-r»en B-u«n°«and W-nd. önnn aufspringend, lauschend und ruhlos auf und ab schreitend, verwachte der Leutnant den Rest der Nacht. Im Morgengrauen iveckte er Der Tag begann. Ein Hundsfott, wer nicht kämpfte bis ^um letzten Atemzuge! Bis zum großen Fluß mutzte er durchhalten mit seinen Leuten! Und wenn nicht gelang mar 'hnen bestimmt zu fallen —, fte wurden fechtend fallen! Alles tur Deutschland, für seine Täler und Fluren, Dörfer und Städte, Wälder und Flüsse, Lieder und Glockenklänge, Wiesen und -6lu- men und Vogelschall... Nichts lag an ihnen, aber alles, alle-, am deutschen, weiten, schönen, geschlagenen und gesegneten Vater-
Junge mit dem verbundenen Arm war allein in der Stube zurückgeblieben. Er richtete sich gerade schlaftrunken und leise ächzend empor, als sich die Türe auftat, und tnt Rahmen die ßieftalt eines Mädchens erschien, das mit beiden Händen ein Trag- üÄt voll von geschnittenem Brot und dampfender Morgenmilch krua holdselig und so voller Anmut war die Erscheinung, dah er ivie gebannt in dies liebreizende Angesicht schauen mutzte.
Guten Morgen!" grützte ihn freundlich das Mädchen.
aitte Seifte ich: ich bin die Müllerstochter." Dann, beim Decken des Tisches, sah sie den blutbefleckten Verband und wurde blatz. „Tut s <11'0 meß du Armer?" fragte fte voller Mitleid.
Nickt so schlimm..." sagte er und schaute sie unverwandt an
Trnmnete wie der Kampfruf eines angreifenden Raubvogels.
. ^ Lebewoh Brigitte!" sagte der Junge gefaßt. Schad.um tue smtTA ittth &a§ Brot ..." Den Schmerz in der Wunde, das süße ' Erschrecken in seinem Herzen beim Erblicken ihrer Jungmadchen-


