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Die güldne Sonne.
Von Paul Gerhardt.
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unfern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, fchaue den Himmel mit meinem Gesicht.
Abend und Morgen flnb Seine Sorgen; Segnen und Mehren, Unglück Verwehren sind Seine Werke und Taten allein. Wenn wir uns legen, so ist Er zugegen; wenn wir ausstehen, so läßt Er ausgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein.
Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund.
Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende; nach Meeres Brausen und Windes Sausen leuchtet der Sonne gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille hab ich zu warten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht.
Das Märchen in der Hütte.
Eine Geschichte von Selma Lagerlös.
Es war an einem dunklen Winterabend in der kleinen Hütte Skro- lycka. Kattrinna, die Bäuerin, sah da und pann, und die Katz« lag aus ihrem Schoß und spann auch, so gut sie konnte. Der Mann Jan 2üiber|hm sah am Herde und wärmte sich nut dem Rucken gegen das Feuer." E; war den ganzen Tag in Erik Fallas Wald gewesen und hatte Holz gehackt, da konnte niemand von ihm verlangen, daßer setzt, wo er daheim war, noch eine andere Arbeit E-Hmen sollte. Ruht einmal Kattrinna hatte etwas dagegen emzuwenden, dah itz ■ “) anderes tat, als mit ihrem kleinen Mädchen spielte und plauderte, bah diesen Winter in sein fünftes Jahr ging. ... . .
Kattrinna laü in ihren eigenen Gedanken da und horte Nicht Nie daraus, was de? Mann und das Kind miteinanderfchwatztem Aber auf eines hielt sie strenge. Sie konnte es nicht lewen «3an der Kleinen sagte, daß sie so schon und besonders i - . .-L
gerne. Denn wenn Klara Gulla Won als »Xhm? baft nie unö
schaffen wurde und die Menschen !>e zu ers 9 erzählen, und «T'ÄÄS-tiM rnu
haben Ziegel geschlagen und Kalk haben sie g lIW röen.
«usgerichtet, und mit sedem Tag ist der xi > > .. t re*t jst wenn B Sie haben schon gewußt, daß es unterem Denn sie
Fe den Turm bauen, aber danach haben si . Wmrnel hinauf,
hatten sich's einmal vorgenommen sie wollen v,s zum y,mm «m zu sehen, roie’s dort ausschaut. ... gott gesagt, .setzt
. .Hört einmal, ihr guten Leute', hat!aJ« ",b'hin W ÜQ9’ ich's euch aber zum letztenmal, wenn h „;chs Helsen, ich
«geht und mtt der Bauerei aushort, dannkann q m Jol^es
muh ein Unglück über euch kommen lassen. Uno oas w
Unglück sein, das ihr nie fosroerbet, und niemand kann euch bagegert helfen.'
Aber die Menschen, die haben sich gedacht, ach was, unser Herrgott wird schon langmütig sein, wie gewöhnlich. Und fle haben weiter an ihrem Turm gebaut, und jeden Tag sind sie ein Stückel höher gekommen.
Da ist aber unser Herrgott hergegangen und hat ihre Sprache ganz durcheinandergebracht. Siehst, bis zu dem Tag haben sie so gesprochen, daß eins bas anbere verstanden hat, aber jetzt roar’s damit aus.
Wenn die Maurermeister jetzt sagen wollten: .Gib mir Lehm!' Dann haben sie anstatt dessen gesagt: .Fitzliputzli Fitzliputzli,. Und wenn die Lehrlinge haben fragen wollen, was sie denn meinen, da haben sie gesagt: .Erbe, derbe, mirbe, marbe.' Na, da kann man sich nicht wundern, daß sie sich nicht verstanden haben.
Die Meister, die haben geglaubt, die Lehrlinge wollen sie zum Narren halten. Aber wenn sie sagen wollten: sprecht doch ordentlich, dann haben sie gesagt: ,UUen butten borst Na, uni) wenn die Lehrlinge fragen wollten, warum sie ein so böfes Gesicht machen, da haben sie nichts anderes herausgebracht als: .Abrakadabra?'
Und da sind sie alle miteinander zornig geworden und sind sich in die Haare gefahren und haben zu raufen angefangen.
Na, unb von bem Tag an roar’s aus mit der Freundschaft zwischen den Menschen, und niemand hat mehr daran gedacht, weiter an dem Turm zu bauen, sondern ein jedes ist für sich gegangen."
Als Jan in feiner Erzählung fo weit gekommen war, schielte er zu Kattrina hinüber. Der Spinnrocken stand stille, und es sah beinahe aus, als seien Frau und Katze eingefchlummert. Da nahm Jan seine Erzählung wieder auf. Er senkte die Stimme nur ein wenig.
„Aber unter all den anderen dort in Babylon, die an dem Turm gebaut batten, war auch ein König und eine Königin, und die hatten eine kleine Prinzessin. Und auf einmal fängt auch dieses kleine Möbel an, so närrisch zu sprechen, baß ihre Eltern und alle anberen Leute nicht ein einziges Wort verstanden haben
Da wollt' der König und die Königin sie nicht mehr auf ihrem Schloß behalten, sie haben sie fortgejagt, unb sie mußt' ganz mutterseelenallein in die große, weite Welt hinaus.
Da war sie natürlich ganz verzagt. Sie hat ja nicht gewußt, wem sie da unterwegs begegnen kann. Für einen Bären ober einen Wolf war es ja ein Kinberspiel, so eine kleine Prinzessin auszufressen, wenn sie ihm in ben Weg lief.
Aber so zart unb fein sie auch war, fo hat ihr doch niemand was zu Leid getan.
Nein, im Gegenteil, alle, denen sie begegnet ist, sind freundlich auf sie zugegangen und haben ihr die Hand gegeben und gefragt, wo sie denn hin will. Aber was sie zur Antwort gegeben hat, davon haben sie kein Wort verstanden, na, und da haben sie sich nicht weiter um sie gekümmert.
So lieb und fein wie sie war, braucht' sie nur in die Schlösser und Burgen hinaufzukommen, da haben sie die Türen sperrangelweit auf- gerissen und sie hineingehen lassen. Aber wenn sie den Mund aufgemacht und man ihre närrische Sprache gehört hat, da hat sie gleich wieder sortmüssen.
Na, und endlich, da war sie schon durch alle Königreiche gewandert, bie’s gibt, ba kommt sie eines Abends spät in einen grohmächtigen Wald, und als sie durch den Wald gegangen ist, da sieht sie eine kleine Hütte, die war so niedrig, daß sie grab noch burch bie Tür burchkonnt', unb ba geht sie hinein und sagt .Grüß Gott'.
Da drinnen sitzt die Bäuerin und spinnt, und der Bauer sitzt am Herd und wärmt sich. Und wie sie sehen, daß ein Fremdes zur Tür hereinkommt, so sagen sie auch: .Grüß Gott'.
Da hat die kleine Prinzessin eine schreckliche Freude gehabt, denn da in der Hütte haben sie akkurat so gesprochen, daß sie sie verstehen könnt'. Aber sie war sehr vorsichtig, sie hat ihnen nicht gleich alles erklären wollen.
.Wie heißt benh diese Hütte?' hat sie gefragt, um sie auf die Probe zu stellen. „
.Die heißt Skrolycka', haben sie gleich geantwortet, und da hat sie schon gemerkt, daß sie sie verstanden haben.
Und da war sie ganz wild vor lauter Freude, aber sie hat gemeint, es ist doch besser, wenn sie sie noch einmal auf die Probe stellt.
.Wie heißt denn die Sprache, die ihr hier im Haus sprecht?' hat
sie gesagt.
.Das ist die werrnländische Sprache', haben die Leute in der Hütte 8G^Unb ba ist die kleine Prinzessin zu ihnen hingegangen und hat sie gebeten, dah sie bei ihnen bleiben darf, denn hier wär' der einzige Ort auf der Welt, wo sie verstehen konnten, was sie geredet hat.
Aber wie sie zum Feuer hingekommen ist, da haben die Leute ja gesehen, daß sie eine kleine Prinzessin von Babylonien ift Und da haben sie ihr gesagt, daß sie fehlgegangen sein muß. Und sie haben ihr gesagt, es könnt' ihr unmöglich bei ihnen gefallen. Die wermländifche Sprache, die wär' ja überall, in jedem Haus, in der ganzen Gegend hier herum bekannt haben sie gesagt, sie könnt' überall hingehen, wo es ihr beliebt.
Aber die kleine Prinzessin, die hat auf diesem Ohr nicht gehört. .Nein, hat sie gefagt, .ich merk' schon, daß ich recht gegangen bin. Und hier will ich bleiben. Denn hier hat man eine Freude und einen Nutzen von mir.
.Die kleine Klara Gutta war ganz still auf Jans Schoß gesessen und hatte gelauscht, unb ihre Augen waren vor Staunen immer runber unb runber geworben. Aber als jetzt Jan zu erzählen aushorte, saß sie zuerst ganz stumm ba, bann brehte unb roenbete sie bas Köpfchen unb guckte sich alles in ber Stube an, so, als hätte sie es noch nie gesehen.
,3a jetzt tann’s ja noch so bleiben, roie’s ist, eine Zeitlang", sagte fle endlich. „Aber bis ich einmal groß bin, bann geh' ich schon roteber borthin zurück, wo ich her bin."
Jan machte ein langes Gesicht. Und bas schlimmste war, daß Kattrinna jetzt wach war unb ben Schluß bes Gesprächs gehört hatte.
„Ja, siehst bu, bas hast bu baoon, baß bu bem Möbel immer etnreben willst, daß sie gar jo was Feines unb Besonderes ift!" Jagte sie.


