dem Körper
las Zahlen
Sßmeihunq, Herr Professor, das scheint mir eine rein wissenschaftliche Angelegenheit zu sein, die Sie besser im Kultusministerium vor- tragen. Ich verstehe nicht recht, was mein Ressort damit zu tun hat.
„Sie werden es sofort sehen, Herr Minister. Wollen Sie d,e Gute haben, dies hier zu öffnen." Während Professor Eggerth es sagte, schob er dem Finanzminister ein kleines Paket über den Tisch zu. Der griff danach, wollte es anheben und erstaunte über das hohe Gewicht, befremdet fragte er: „Was foll das? Was ist das, Herr Professor?
Professor Eggerth reichte ihm lächelnd eine Schere. „Keine Höllenmaschine, Herr Minister. Sie können es getrost öffnen."
Unter leichtem Kopfschütteln zerschnitt der Minister die Schnur und schlug das Papier auseinander. Ein gelb schimmernder Metallwursel lag vor ihm. , . ,
„Was ist das, Herr Professor?" {ragte er noch einmal.
„Es ist Gold, Herr Minister. Gediegenes Gold aus _ jenes Boliden, von dem ich eben sprach, und ich glaube, für Gold ist doch das Finanzministerium an erster Stelle zuständig."
Wie gebannt blickte der Finanzminister auf den schimmernden Würfel, „Gold, gediegenes Gold?I"
Er griff mit beiden Händen danach, hob das Stuck mit Muhe ein wenig empor, ließ es dann wieder auf die Tischplatte sinken.
„Schwer, Herr Professor, sehr schwer ... an die 40 Pfund schätze ich.
„Richtig geschätzt, Herr Minister, es ist genau ein Kubikdezimeter Gold im Gewicht von 19,3 Kilogramm." .
Der Minister warf ein paar Zahlen auf em Blatt Papier und
„Allerdings, Herr Minister. Deshalb bat ich Sie, nachher mit mir zilsammen nach Bitterfeld zu fahren."
Professor Eggerth berichtete weiter. Er entfaltete dabei den großen Plan, um seine Darlegungen durch Zahlen und Analysen zu unterstützen. Eifrig half ihm der Minister, den großen Karton zu entfalten und auszubreiten. So sehr stand er im Bann von Professor Eggerths Darlegungen, daß er alle Ministerwürde darüber fallen ließ, lieber die Zeichnung gebeugt, folgte er dem Finger des Professors, der hier und dort aus besonders gehaltreiche Stellen des Kratergrundes hinwies.
„Durch die Analyse an Proben von 200 verschiedenen Stellen des Kratergrundes können wir uns ein ziemlich genaues Bild von der chemischen Zusammensetzung des Boliden machen", fuhr der Professor in feinen Ausführungen fort. „Den Hauptteil des gewaltigen Meteoriten bildet zweifellos reines Nickeleisen. Es ist aber von starken gold- und platinhaltigen Adern durchsetzt, in denen der Gehalt an diesen Edelmetallen stellenweise über 10 v. H. ansteigt."
Und bann zog Professor Eggerth eine Berechnung hervor und verlas Zahlen über die ungefähre Gesamtmasse des Boliden und den inut-
Das war alles, was er sagte, nachdem er d e Depesche gelesen hatte. Während Hein die Antwort des Professors verschlüsselte und zur Funk- station brachte, stand der alte Eggerth sinnend vor einem> Plan der ,n einer Ausdehnung von drei Meter im Quadrat die eme Wand des Laboratoriums bedeckte. Er stellte den Bolidenkrater dar. An 200 Stel en waren kleine Kreise eingezeichnet, und neben >edem Kreis ftanb eine Reihe von Zahlen. Es waren die Analysen der Erzproben, welche ,St 10 aus der Antarktis bei seinem letzten Flug nach der Antarktis aus dem Kratergrund mitgebracht hatte. Prüfend glitten feine Blicke noch einmal darüberhin. Dann zog er die Reißnägel, mit denen der Plan an der Wand befestigt mar, heraus, faltete ihn zusammen und machte schließlich eine kleine Rolle daraus. Dann hatte er em längeres telephonisches Gespräch mit Berlin. _
Eine halbe Stunde spater hielt sein Kraftwagen vor dem Laboratorium. Eine Rolle in der Hand, nahm Professor Eggerth m ihm Platz. Zwei mäßig große Pakete legte Hein noch in den Wagen. Noch em kurzes Grüßen und Winken, der Wagen rollte aus dem Werk und schlug die Richtung nach Berlin ein. — m t „
„Ich habe mich für Sie frei gemacht, mein verehrter Herr ^rofefior, weil Sie mir die Angelegenheit am Fernsprecher als äußerst wichtig und dringend bezeichneten", emrofing ihn Minister Schroter m Berlin im Finanzministerium. „Nehmen Sie bitte Platz."
Erstaunt blickte der Minister auf, als der andere von der Antarktis und von dem Sturz eines riefenhaften Boliden erzählte, unterbrach ihn
machte eine kurze Rechnung.
54 000 Mark, Herr Professor. Das ist das Stückchen unter Brudern wert. Dafür nimmt es Ihnen die Reichsbank sofort ab. Haben Sie noch mehr davon?" „ , ,
,Hier bei mir nicht, aber in meinem Laboratorium in Bitterfeld. Ich möchte Sie bitten, mich dorthin zu begleiten, wenn roir hier fertig sind." , , .
„Aber das andere Paket? Sie haben ja noch ems da, unterbrach ihn der Minister. , , „
..Bitte sehr, Herr Minister." Der Profeflor schob ihm das andere Paket auch hin. „Es stammt aus der gleichen Quelle, aber es ist kein @Ot,%onbern?" rief Exzellenz Schröter, während er die Schnur zerschnitt.
Ein silbergrau blinkender Würfel kam zum Vorschein.
Ist es Silber, Herr Prosesior?"
„Gediegenes Platin. Ebenfalls ein Kubikzentimeter im Gewicht von 21,5 Kilogramm." cax„. , ,
Nur mit Mühe vermochte der Minister diesen zweiten Wurfe! ein wenig anzuheben Dann lehnte er sich in seinen Gefiel zurück.
„Bitte, Herr Professor, sprechen Sie weiter. Ich bin bereit. Ihnen zuzuhören, und wenn es Abend darüber werden sollte."
Professor Eggerth sprach, und nur selten unterbrach ihn während der nächsten Viertelstunde der Minister mit einer kurzen Zwischenfrage oder Bemerkung. Er berichtete von seinen Flügen zu dem Bolidenkrater, von den ersten Erzsunden und den Ergebnissen ihrer Verarbeitung. „Aus den ersten fünf Tonnen habe ich 400 Kilogramm reines Gold gezogen .. /
„400 Kilogramm, Herr Professor ... das ist mehr als eine Million Reichsmark Gold ... das haben Sie in Ihrem Laboratorium?"
fammen. .... „ ,
„Oh, Mr. Berkoff, Sie sagen Meteoritenerz. Das ist interessant. Wie meinen Sie das?"
Während er die Worte langsam herauskaute, arbeitete sein Gehirn fieberhaft. ... Die Hauptsache in Sicherheit gebracht ... die Deutschen waren natürlich mit ihrem Stratosphärenschiff dort gewesen .. hatten von dem Erz eingeladen, was sich finden ließ ... ein Stückchen davon war im Laderaum liegengeblieben ... Mr. Haynes hatte es an sich genommen, ganz zwanglos erklärte sich jetzt dieser seltsame Fund, aber im gleichen Augenblick fühlte Garrison auch alle Hoffnungen schwinden, mit denen er hierhergekommen war.
„Das ist schnell gesagt", erwiderte Berkoff auf feine letzte Frage. Vor einem halben Jahr ist hundert Kilometer südlich von der Station ein größerer Meteorit niedergegangen. Durch eine Reihe von Beobachtungen war der Funker Lorenzen in der Sage, den Fallort recht genau festzustellen... Bei unferm nächsten Besuch hier machten wir mit unferm Flugschiff einen Abstecher zu der Stelle hin. Es muh ein ganz tüchtiger Brocken gewesen sein, der da vom Himmel fiel, alles in allem konnten wir an die fünf Tonnen Erz an Bord nehmen, bei dem hohen Gehalt an Edelmetall war es ein recht annehmbares Geschäft für uns. Schade, daß nicht mehr von dem Zeug vorhanden war."
Fortsetzung folgt.»
mählichen Gehakt an Gold und Platin. Der Minister sprang auf und ^'^Hatten"Sie"ein°pHerr Professor, mir schwindelt bei Ihren Zahlen. Trifft auch nur ein Bruchteil Ihrer Annahmen zu, so steht Deutschland vor einem Ereignis, das fein Wirtschaftsleben auf Menschenalter hinaus beeinflussen muh. Natürlich kann ich selbst in einer Angelegenheit von derartiger Tragweite keine Entscheidung treffen. Das wirb spater Gadje des gesamten Kabinetts sein. Jetzt werde ich mit Ihnen whren. ich möchte selbst die Schätze sehen, die Sie in Ihrem Laboratorium haben.
Er griff zum Telephon, führte noch ein kurzes Gespräch und ging bann mit Professor Eggerth zusammen zu besten Wagen. Wahrend das Gcsährt über die Landstraße dahinrollte, nahm bte Unterrebunoj ber beiden Herren ihren Fortgang. Professor Eggerth setzte dem Minister auseinander, wie er sich die weitere Aktion ^chte. Kuhn und gewaltig erschien diesem der Plan, allzu kühn bisweilen, doch als der Wagen nach zweistündiger Fahrt in das Bitterfelder Werk einfuhr, war der Minister bereits für die neuen Ideen gewonnen.--
Georg Berkoff nutzte die Zeit, während Garrifon mit Rudi noch unterwegs war, aus, um sich erst einmal gründlich informieren und danach einen Plan zu machen. Ein vorsichtiges Gespräch mit Wille und Schmidt gab ihm die Gewißheit, daß die beiden Gelehrten von dem Boliden überhaupt nichts gesehen hatten und nicht tm entfernteften daran dachten, die Sturmkatastrophe, von der die Station betroffen worden war, mit einem solchen Ereignis in Verbindung zu bringen. Auch Hagemann in seiner Küche hatte nichts davon gemerkt.
Bedenklicher stand die Sache mit Lorenzen. Der hatte, zusammen mit Rudi, den Meteoriten fallen sehen, aber er verschwor sich Stein und Bein daß der Absturz in einer Entfernung von höchstens hundert Kilometern erfolgt fei. Für diese vorgefaßte Meinung brachte er eine Reihe von scheinwissenschaftlichen Gründen vor, die sich ganz plausibel anhörten. Berkoff hielt es für angebracht, ihn noch darin zu bestärken. Wenn ber verteufelte Amerikaner schon burchaus suchen wollte, so sollte er wenigstens an ber falschen Stelle suchen.
Nach ber Unterhaltung mit Lorenzen machte Berkoff sich über Rubis Mineraliensammlung her und räumte die große Kiste aus. Schauderhafter Klamottenkram", kam es von seinen Lippen, wahrend er Stein um Stein herausnahm. Aber dann stutzte er. Seine Hande hatten ein Stückchen blinkendes Erz von ungewöhnlicher Schwere gegriffen. Em Zweifel war für ihn kaum möglich, er hielt ein Stückchen jenes wunder- baren Sternenstoffes zwischen seinen Fingern. Schon in großer Hohe mochte es infolge ber starken Erhitzung von dem Boliden abgefprengt worden sein, hatte danach seine eigene Bahn beschrieben und mar in der Nähe ber Station niebergefallen.
Durch einen Zufall ... einen unglücklichen Zufall ... nannte Berkoff es bei sich, hatte Rubi bas Stück gefunben. Daß auch der Amerikaner es kannte, stand außer Frage. Mit der Tatsache mußte Berkoff rechnen. Er packte die Sammlung wieder ein und zog sich in Dr. Willes Arbeitszimmer zurück, um In Ruhe über die nächsten Schritte nachzudenken.
Als Rudi und Mr. Garrison zurückkehrten, hatte er seinen Plan gefaßt. Nur durch einen riesigen Bluff konnte er den neugierigen Amerikaner unschädlich machen.
Während sich Garrison und Rudi, nach dem langen Marsch ausgehungert, über ihre Mahlzeit hermachten, setzte er sich zu ihnen und fing ein Gespräch über mineralogische Dinge an. Bei Rudi fand er damit ohne weiteres Anklang. Der sprang sofort auf, brachte die Steine, die er gesammelt hatte, herbei und breitete sie auf dem Tisch aus. Ausnahmslos waren es Brocken irdischen Gesteins von zum Teil ausfallen- den Formen und Farben. Berkoff betrachtete sie mit scheinbarem Interesse, obwohl seine Gedanken ganz wo anders waren. Mr. Garrifon widmete seine ganze Aufmerksamkeit der Mahlzeit.
„Sie scheinen weniger glücklich als Freund Rudi gewesen zu fein? fragte ihn Berkoff unvermittelt. Bevor der Amerikaner antworten konnte, platzte Rudi los. „Doch, Herr Berkoff, Mr. Garrifon hat ein paar hübsche Stückchen Erz gesunden von ber Art, wie ich auch eins in meiner Sammlung habe."
Die Bemerkung Rubis war bem Amerikaner sichtlich unangenehm. Noch suchte er nach Antworten, um den Einbruck von Rubis Bemerkung zu verwischen, als Berkofs ganz unbefangen sagte:
, Ach so, Rudi, bu meinst Meteoritenerz. Da mag wohl hier und bort noch ein Stückchen zu finben fein, obwohl wir die Hauptsache schon vor vier Monaten in Sicherheit gebracht haben."
Einen Augenblick vergaß es ber Amerikaner, ben Munb zu schließen, in den er gerade einen Bissen geschoben hatte. Dann raffte er sich zu-


