Ausgabe 
7.9.1934
 
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also durch die Einwirkungen des Milieus, erworben hat, müssen irgend­wie aus dem Erbgut stammen, das seine Vorsahren ihm übermittelt haben.

Wenn es sich, wie hier, um eine fürstliche Persönlichkeit handelt, so darf von vornherein als selbstverständlich angesehen werden, daß unter den Vorsahren alle Nationen des abendländischen Europa er­scheinen. Denn die Fürstenaristokratie, die vom frühen Mittelalter an bis ins 20. Jahrhundert über Europa herrfchte, trug ein stark inter­nationales Gepräge. Alle Fürsten Deutschlands, Skandinaviens, Eng­lands, Frankreichs, Spaniens, Italiens und der westslawischen Gebiete, ja sogar Rußlands, waren durch unzählige Zwischenheiraten aufs engste miteinander verschwägert und verwandt. Nur die Dynastien der Balkan­halbinsel und die spät emporgekommenen Häuser, wie die Napoleoniden, nehmen eine abgesonderte Stellung ein. Dieser internationale Charakter der Ahnenschaft tritt um so stärker hervor, je weiter man die Vor­fahren zurückverfolgt.

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Wir wenden uns nun der wichtigsten Frage zu, dem Anteil der verschiedenen Nationalitäten an dem Blute Friedrichs des Gro­ßen Etwas über die Hälfte der Ahnen Friedrichs des Großen, immer bis zur 13. Generation gerechnet, war deutschen Blutes, etwa ein Viertel Franzosen, etwas über ein Achtel Slawen, während der Rest sich auf Skandinavier, Angelsachsen, Kelten, Bretonen, Italiener und Spanier verteilt. Die Größe des französischen Blutanteils erklärt sich daraus, daß Eleonore D e s m i e r ausschließlich französische Ahnen hatte; außerdem ist ein weiterer starker Zustrom französischen Blutes auf Louise von Coligny, die Großmutter der Gemahlin des Großen Kurfürsten, zurückzuführen. Der slawische Einschlag geht, abgesehen von Verheiratungen mit den Häusern Mecklenburg und Pommern, auf die Vermählung des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg mit der Piastin Sophie von Schlesien-Ltegnitz zurück; dessen Mutter, Magdalene von Sachsen, hatte ebenfalls eine überwiegend slawische Ahnentafel, da ihre Mutter, Barbara von Polen, aus dem littauischen Hause der Jagel- ionen und ihre väterliche Großmutter, Sidonie von Böhmen, aus dem Hause Podjebrad stammte. Das normannische, keltische und angelsächsische Blut stammt meist aus dem Hause der Stuarts durch Elisabeth Stuart, die Gemahlin des Winterkönigs Friedrich von der Pfalz, von der Friedrichs Mutter abftammte. Italienisches Blut ist in die deutschen Fürstenhäuser im 15. Jahrhundert hauptsächlich, eingeströmt durch die Heiraten von fünf Töchtern des Herzogs Barnabo Visconti von Mailand und drei bayerischen, einem österreichischen und einem württembergischen Fürsten, sowie durch die Heirat von Cäcilie Carrara von Padua mit dem Kurfürsten Wenzel von Sachsen-Wittenberg. Auch Friedrich der Große stammt von allen diesen italienischen Frauen ab.

Es läßt sich ohne genauere statistische Untersuchungen nicht feststellen, ob der fremdländische Blutanteil bei Friedrich dem Großen erheblich stärker war als bei den meisten der gleichzeitig lebenden deutschen Für­sten. Daß sie alle einen sehr starken französischen, slawischen, italienischen und, soweit die katholischen Fürstenhäuser in Betracht kommen, auch spanischen Einschlag hatten, ist ja allgemein bekannt.

Ich habe schätzungsweise festgestellt, daß Friedrichs große Gegnerin Maria Theresia in der 13. Ahnengeneration einen fast ebenso starken romanischen Blutanteil hatte wie dieser selbst. Aber ein großer Unterschied ist dabei zu beobachten, den ich für besonders wichtig halte. Bei Maria Theresia strömt das romanische Blut durch viele kleine Kanäle ein; bei Friedrich findet in der 5. Generation ein konzentrierter Einstrom rein französischen Blutes durch Eleonore Desmier statt; ich möchte eine solche Erscheinung alsB l u t e i n b r u ch bezeichnen. Ich halte es für wahrscheinlich, daß ein so starker Zufluß fremden Blutes in einer nahen Generation stärker wirkt als ein allmähliches, sozusagen tropfenweises Hineinsickern in vielen Adern und langen Zeiträumen. Denn daß König Friedrichs Persönlichkeit einen starken Einschlag fran- zösi cher Art ausweist, einen stärkeren als etwa diejenige Maria The­resias, dürfte nicht zu bestreiten sein. Ich meine damit nicht in erster Linie seine Vorliebe für französische Sprache und Literatur die ja zweifellos zum großen Teil durch Zeitstimmung und Mode bedingt ist, sondern bestimmte Züge seines Wesens selbst. Seme Neigung zu Spott, Sarkasmus und Ironie, zu geistreichen Antithesen ru mehr logisch durch­sichtiger als tiefer Beweisführung, die stark skeptische Geisteshaltung überhaupt, aber auch sein ausgeprägter Smn für ästhetische Gebens- gestaltunq und seine bewundernswerte geistige Beweglichkeit unterschei­den ihn stark von den meisten seiner deutschen Zeitgenossen und rucken ihn näher heran an die romanische Welt. Auch der mangelnde Fomi, n- sinn, die Unberührtheit von allem, was an deutscheGemutlichke.i enn nett, könnte mit in dieser Blutzusammensetzung begründet sein. Ja selbst in der Körperbefchasfenheit und Physiognomie kann man den starken französischen Einschlag durchfühlen.

Die Ahnen Friedrichs des Großen gehören bis zur 13. Generation beinahe ausschließlich dem höheren und niederen Adel an Von den kleineren franaöfifcben Familien, die unter den Ahnen Eleonore Desmier und der Luise von Coligny Vorkommen, stammen einige aus dem oberen SBüraertum Unter den deutschen Ahnen findet sich keine bürgerliche Familie Der größte Teil der deutschen Ahnen gehört zu den allen freien Geschlechtern bie im früheren Mittelalter ben «e«enftan{ > Mbeten. ß» findet sich aber unter ihnen auch eine Anzahl D01?. 5!°ie dem Stande der Ministerialen entstammen also ursprunglich unsreien U fprungs sind. Zu ihnen gehören mit Sicherheii die H°" " Bolande Falkenstein, Hunolstein, Dolchen, ©tert, gronberg am launus, Dalberg, Gymnich, Beyer von Boppard Reifenberg Schonforst Bechtolsheim, Reuß, Erbach, die Rheingrafen. Wahrscheinlich auchRo^machern,^^, tingen, Büren, Hollenfels. Bei den kleinen französischen 5°mtl en mage ich im einzelnen nicht zu entscheiden ob ste dem hohen oder dem "-v, ren Adel zuzuzählen sind. Es kann daher aud) ferne menstellung über die Standeszugehorigkeit der Ahnen versucht

schon

Arm

Tür^

warten."

Wenn du stehst, daß der Sattelgaul ruppig wird und ich den heb', spring' abI"

Willst' Ihn umschmeißen?"

Das Volk wacht auf.

Roman von Walter von Molo.

lFortsetzung.»

Mich freut das Leben nicht mehr", sagt ein Postillion zum andern, er läßt den Arm aus die Tischplatte sinken.Ich vertrag' das fremde Gequatsche nicht mehr! Mein Jung' heult jeden Tag, wenn er von der Schule kommt! Wie soll ihn auch sein Gott verstehn, wenn er jetzt pol­nisch zu ihm beten muß."

Eklich waren schon unsere Junkers", spricht der Bereiter, trüb ver­wundert schüttelt er den Kopf.Sie sollen jetzt aber im Preußischen gar nicht mehr prügeln?" Der Postillion nickt.Viel zu verdonnert, viel zu verdonnert waren unserem König seine Generalei" sagt er.Ich weiß nicht, warum uns der König eigentlich abgetreten hat? Das war doch nicht recht von ihm" Unsicher, vorwurfsvoll blickt der Aeltere in die Augen des jungen Kameraden.Ihr wart aber alle für die Universal- monarchiel"Weil uns die Franzosen den Himmel auf Erden ver­sprochen haben! Wir haben doch geglaubt, jetzt tarn wirklich die Gleich­heit und die Brüderlichkeit. Hat sich was! Das hat doch niemand von uns wissen können," schreit gequält der Bursche auf,daß es so kommt?" Die Stimme sinkt.So hat sich's keiner vorgestellt."

Wenn ihr euch gewehrt hättet, wär's nicht so geworden." Gefoltert springt der Bereiter vom Schemel in die Höhe.

Hatten, hätten!!... Meinst du", fragt er kleinlaut,es bleibt so?" Nachdenklich krümelt der Postillion die Brotreste auf dem Tisch zu-

JawohU"

Das ist aber erst einer?"

Man muh anfangen! KommI" Der Bereiter schlägt auf die klinke. Sie treten in den Hof, tief verneigen sie sich vor dem polnischen Grafen neben der scheckig gestrichenen herzoglch warschauischen Kutsche.

Durch Erntefelder, unter weitem Himmel schreiten zwei Männer.

Der Minister Stein muß doch ein sehr gefährlicher Mann gewesen sein", spricht versonnen, kopfschüttelnd der Provisor.Napoleon hat chm ja wie einer Großmacht den Krieg erklärt?"

Wer ein Volk erheben will, muß allen unterdrückten Teilen des­selben Freiheit, Selbständigkeit und Eigentum geben."

Der Provisor steht, er starrt den alten Pfarrer an. Der geht geruh- fam, den Kops gesenkt, längs der hängenden Aehren weiter.

Warum meinen Sie, hat der Napoleon eigentlich des Steins Ent­lassung verlangt?" , a, ...

Ich habe den erbuntertänigen Arbeiter befreit, nur die freie Arbeit ernährt und erhält ein Volk."

Es ist, als spräche die Luft.

Der Bauer muß Herr sein auf freiem EigentumI Nur der freie Mann verteidigt gut und treu feinen Herd!"

Ihr meint, der Napoleon hat gefürchtet, daß ihm der Stein das Landvolk aufwiegelt?" ......... m

Auch der Bürger muß von jeder Vormundschaft befreit fein! Nur freie Arbeit in Werkstatt und Gemeinde schafft Größe und Stolz." Der alte Geistliche wendet den Kops.So sprach Stein!" sagt er schlicht, er nickt.Steins Gesetze werden Napoleon werfen."

Unruhig, scheu mißt der Provi or ferne, hügelansteigende Büsche.

Wo ist Stein?" flüstert der Provisor.

Der alte Mann steht, ehrerbietig kreist sein Arm durch die Luft Ueberall," spricht der Greis,überall, überall, wo Gott ist. Ich fühle ihn! Er wächst!"

Leise rauschen auf die Getreidehalme. In einem Lufthauch, der von ferneher kommt, heben sie die erntereifen Köpfe.

Nehmen Sie, Herr Kamerad," fragt ein Oberst in einer Reitbahn -U Stuttgart, ,^hren Ausspruch zurück, daß der ehemalige preußische Offizier, der jetzt unser Kamerad ist, ein Glücksritter sei?"

Verneinend, trotzig schüttelt der württembergische Offizier den Stopf.

Hch verlange für die Beleidigung meines Unglückes, hier mein Brot suchen zu müssen, Genugtuung! Die ruhmvolle preußische Armee ist m mir beschimpft! Ich erbitte das Kommando!" Sie legen aus, die Duel­lanten bringen aufeinander ein, ein Hieb trifft den Preußen, zwei Hiebe sitzen in feinem Kopf, die Nase ist durchschnitten, in aurquirlenber Raserei ber Wut, blutüberströmt bringt ber Preuße auf seinen Gegner ein. Wie toll, mit roirbelnben Hieben jagt er ben Württemberger bie Reitbahn hinunter, vergebens springen bie Sefunbonten bazwischen, zer­hackt, blutüberströmt, ohnmächtig stürzt ber Württemberger zu Boben.

Der Preuße taumelt, auch er fällt. '

Lachen Sie nicht!" brüllt ein württemberglscher Leutnant einen französischen Hauptmann an, ber zusieht,Ihr seid schulb, daß wir uns zerfleischen!"

Monsieur?"

Ich stehe totaliter zu Ihrer Verfügung!

Ruhe'" befiehlt ber Oberst; er erinnert:Unsere Majestät ist Kaiser Napoleons Berbünbeter!" Die Duellanten kommen zu sich; sie sehen sich an, sie strecken sich Langsam bie Hünbe hin. Tieses Schweigen ist in ber Reitbahn. #

Wirr steht eine Frau. In ihren Ohren schrillt ber Aufschrei ihres Mannes: ,Lch konnte bie Steuern nicht zahlen! Meine Kriegsobllgatio-

sammen.

Vielleicht bie Oesterreicher? ..."

Wegwerfend schnippt ber Bursche mit ben Fingern.Die denken nur an sich; wir müssen uns selber helfen!"

Schwer greift sich der Postillion am wackeligen Tischbein hoch.Wir müssen jetzt einspannen", sagt er seufzend.Der Herr Gras wird sch""