Ausgabe 
6.8.1934
 
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Palen nie gelassen habe. Aber auch heute noch, zwischen zwei Seiten Erzählung, greife ich nach dem Pinsel. Erst, wenn meine Zeichnungen iinb Gemälde fertig sind, sehe ich ihre Unzulänglichkeit ein. Solange ich tkiran arbeite und die Farben wachsen lasfe und wachsen sehe, finde ich fL- ausgezeichnet. Auf alle Fälle machen sie mich glücklich; ich freue mich, nenn ich malen kann. Und dieses Glück kann ich weder durch schrift- sbllerische noch durch irgendeine andere Arbeit erreichen. Ich habe früher euch Glasmalerei gelernt. Ich bossiere auch; da ich aber schwer Lehm Mammen und frisch halten kann, wird nie viel daraus. Meine Ge­mälde stellen gewöhnlich Bauern und kleine Leute dar, keine Salon- Menschen. Mein Malen ist Erzählen. Ich schwärme für Pieter Brueghel Md Fra Angelico, bewundere die Bilderbogen, Holzschnitte, Kirchen- !öfter, Hinterglasmalereien, Teller-, Bier- und Milchkrugmalerei, alte ushängeschilder und Zeichnungen von Kindern unter zehn Jahren."

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Wir sahen: die Liebhabereien unserer Dichter sind durchaus keine Spielereien. Jeder gibt sich mit Ernst und voller Liebe seiner Neben- dibeit hin. Sie alle brauchen dieses für die Welt unsichtbare Werk aus innerer Nötigung und Neigung. Sie finden darin Ruhe und Entfpan- n.mg von ernster dichterischer Arbeit. Freude an derLiebhaberei" ist wohl zutiefst, die sie treibt, sich einem andern Element willig hinzu- n igen. Es sind ihre Feierstunden, Ruhepunkte nach getaner Arbeit am kört.

Ihnen zusehen zu dürfen, ist für den Freund ihrer Dichtung stilles Mck. Denn nirgends anders als beim Dichter spürt man so sehr die jjreube über ein Gelingen in einer solchen Nebenbeschäftigung. Und was i| es denn, was uns immer wieder zu denschönen Künsten" hinzieht? Jie Freude am Miterlebendürfen. Wir, die wir teilhaben, können weiter nchts tun, als ihnen zu danken für Stunden aus ihrem Alltag, Stunden allerdings, die für uns festlich waren.

©er deutsche Wald.

Von Dr. Jürgen Schäfer.

Eine Landschaft in ihrem uralten Verweben von Höhen und Tiefen, »n Wäldern, Weiden und Seen, ist der Urgrund, aus dem ein jedes iolt wächst. In feinem geschichtlichen Antlitz trägt es die Grundzüge dieser Urheimat und wenn es neue Lebenskraft schöpfen will, dann kehrt e« zu ihr zurück und erneuert sich aus dieser natürlichen Quelle seines Werdens. Wohl wandelt sich diese Landschaft, wenn die Schicksalswege I |nes großen Bolkes durch sie hindurch führen, aber sie tauscht den Sruber der Unberührtheit gegen eine von Menschenhand gestaltete reiche annigfaltigteit ein, die ihre Schönheit nicht mindert, sondern erhöht; ihre Grundelemente bleiben indes unverändert und aus ihnen erneuert |iy immer wieder ihr Antlitz in taufend Jahreszeiten. So ist die Kraft iks deutschen Waldes durch die Menschengeschichte, von der er Kunde gibt, nicht gebrochen und als ein Volk von taufend und aber tausend wumen herrscht er über Deutschland, im Tageslicht mit Myriaden von |tÖttern und Nadeln in festlichem Grün aufleuchtend, um in der feier- lihen Stille der Nacht auf den Höhen bis in die Sternbilder zu greifen.

Man hat uns einWaldvolk" genannt, das in einemWaldland" tot, und in allen Sagen und Geschichten des Volkes ist der Wald leben­dig. Der Baum in feinem ruhigen unbeirrbaren Wachstum weit über ein Menschenalter hinaus war unseren Vorfahren sichtbarer Ausdruck dr Schöpferkraft ihrer Götter; Eiche, Linde und Esche waren heilige Säume. Der Altar des Allvaters Wuotan wurde unter einer mächtigen Girije errichtet, und Yggdrasil, der Weltbaum der nordischen Mythe, der hmmel und Erde niiteinanber verband, war eine gewaltige Esche. Nur birt, wo Flüsse ihre Wege gegraben und wo Niederungen und Sumpf« k ib sich ausbreiteten, war bas bichte Netz ber Wälder zerrissen, die !mm den Platz für Ansiedlungen freigaben. Noch durchzogen ihn keine ürenzen, wenn auch der Markwald als Gesamtbesitz den fein Bereich ^herrschenden Stämmen Sicherheit, Kraft und Würde verlieh. So frei nie für den Vogel war der Wald auch für den Jäger. In den ersten Ü: künden über Waldbesitz, wie jene des Frankenkönigs Theodorich II. »im Jahre 608, der dem Kloster Moormünster im Elsaß besondere Rechte über den das Kloster umgebenden Wald einräumte, ist noch fein Jagdverbot ausgesprochen. Auch das Brennen von Kohle im Wald war jedermann freigestellt, der keinen Brandschaden anstiftete. Die Bann- forfte, die in vielen alten deutschen Rechtsbüchern, auch im Sachsenspiegel, schrieben werden, sind die ersten Hegewälder. Der König wollte Schutz­herr des Wildes sein und grenzte Wälder ein,da den wilden Thieren trieb gewirkt ist, bey königs bann (on ben bern, wölfsen unb süchssen) . T» gab es im alten Sachsenwalb brei solcher Bannforste, bie Halbe zu ine, ber Harz unb bie Magethaibe ober Preitinische Haibe. Im übrt= Jen aber galt nach bem Grunbsatz, baß nur Arbeit Besitz schaffe, Walb mb Wilb aber ohne Zutun bes Menschen wachsen, der Wald als All- jiineinbefit), und er wurde durch Gesetze vor allem gegen Brände ge­stützt. Dennoch erforderte die Erweiterung des Lebensraumes des Vol­le; die Ausrodung immer neuer Waldgebiete, wobei zumeist die Bäume .tiiifad) abgebrannt wurden. Eine böhmische Verordnung schützte die ; Biibjeite des Erzgebirges gegen die Ausrodung aus einem sehr gewich- > tijen Grund:Diese Waldungen sollen besonders geschont werdens hieß ts da,weil sie wegen der Höhe und Menge von Bäumen dem König­lich Böhmen zur Zierde und Brustwehr dienen". Karl der Große setzte 5'öfter, Forestarii, und Waldhüter, Custodes nemorum, ein, bie auf ber» kaiserlichen Gütern wohnten. Durch bie unaufhaltsame weitere Aus- ttiung ber einst fast unbegrenzten Wölber erhielten bie einzelnen Lanb- stasten ihr besonberes Gepräge, unb die verbleibenden Wälder gelangten : «kwählich in den Besitz der Fürsten und Klöster, die den Reichtum dieses L sitztums erkannten, es hegten und auch neue Wälder antegten.

Der Kulturwert des Waldes in seiner großen Mannigfaltigkeit war ntbedt worden. Die alten Städte waren noch ganz aus Holz gebaut, «d viele Hausgeräte, Webstühle, Wagen, Brücken, Waffen und Schiffe Bi ren ebenso aus Holz. Auch die Künstler bedienten sich des Holzes als lites kostbaren und schönen Materials, wovon die zahlreichen Holz­

schnitzereien aus dieser Zeit Zeugnis ablegen.Holz war so unerschöpf­lich, daß man es brauchte wie Erde oder Wasser." Die Verarbeitung der Waldhölzer zu Kulturwerten verminderte schließlich den Walbbestand in Deutschland bis auf einen Bruchteil dessen, was er einst ausmachte. Dennoch steht heute Deutschland, bas auf einem Viertel feiner gesamten Bobenfläche Walb trägt, an britter Stelle in ber Reihe ber europäischen Länber, währenb Englanb nur noch über ein Zehntel Walb verfügt. Walb ist Mittelalter, Walb ist ber Rest bes Naturzustanbes", auch wenn er sich, tausenbfach erneuerte unb verwanbelte unb wenn er auch von Menschen längst gepflegt, ausgerichtet unb in Grenzen gelegt würbe. Ueberbies kommt ihm eine unermeßliche klimatische Bebeutung zu; er, ist Winbschutz unb als Sammler bes Regens ein Mittler zwischen Him­mel unb Erbe. Dem Wilb bietet er Obbach, Beeren, Pilze unb Heil­kräuter wachsen in seinem Schatten, unb bem Wanberer ist er ein uner- fchöpslicher Lebensguell.

In ber vom Menschen bewahrten Walblanbschast finb die Unter­schiede des Baumbestandes besonders ausgeprägt. Immer noch ragen mächtige Eichen und Buchen auf wie vor Jahrtausenden, aber neben ihnen stehen Birken. Erlen, Fichten unb Kiefern; Laubwalb unb Nabel- roalb teilen sich in bie Herrschaft. Die Buchenwölber ber Offfeetüfte sind von besonderer Schönheit, die Kiefer steht in den sandigen Ebenen Norddeutschlands, in der brandenburgischen Mark und in der Heide, die Fichten sind im Thüringer Wald, im Harz, im Fichtelgebirge heimisch, die Weißtanne liebt bie Höhen des Schwarzwaldes, des Wasgenwaldes und des Bayerischen Waldes. Jeder dieser Bäume hat seinen Sänger. Hölderlin preist die Eichbäume:

Aber ihr, ihr Herrlichen, steht, wie ein Volk von Titanen, In der zahmeren Welt unb gehört nur euch unb bem Himmel, Der euch nährt unb erzog, und der Erde, die euch geboren. Keiner von euch ist noch in der Menschen Schule gegangen, Und ihr drängt euch, fröhlich unb frei, aus kräftiger Wurzel Untereinanber herauf unb ergreift, wie ber Abler bie Beute, Mit gewaltigem Arme ben Raum, unb gegen bie Wolken Ist auch heiter unb groß die sonnige Krone gerichtet. Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen."

Von einer Buche erzählt Eduard M ö r i k e:

Rein und glatt, in gediegenem Wuchs erhebt sie sich einzeln, Keiner der Nachbarn rührt ihr an ben (eibenen Schmuck. Rings, soweit sein Gezweig ber stattliche Baum ausbreitet, Grünet ber Rasen, bas Aug still zu erquicken, umher;

Gleich nach allen Seiten umzirkt er ben Stamm in ber Mitte; Kunstlos schuf die Natur selber dies liebliche Rund.

Zartes Gebüsch umkränzei es erst; hochstämmige Bäume, Folgend in dichtem Gedräng, wehren dem himmlischen Blau. Neben der dunkleren Fülle des Eichbaumes wieget die Birke Ihr jungfräuliches Haupt schüchtern im goldenen Licht."

Und alle Bäume bes Walbes finb so von Preisliedern der Dichter um- klungen. Eichendorff singt dem Wald das Abendlied:

Alles geht zu feiner Ruh, Wald unb Welt versaufen, Schauernb hört der Wandrer zu, Sehnt sich recht nach Hause, Hier in Waldes grüner Klause, Herz, geh endlich auch zur Ruh!"

Die zauberhafte Schönheit des Waldes liegt nicht nur in der Eigen­art des einzelnen Baumes; in Gruppen, in geschloffenem Bestand mit bem reichen Wechsel ber Farben unb Lichter, ist das Volk ber Bäume vielleicht von noch gewaltigerer lebenbiger Pracht. Zu allen Jahres­zeiten hat ber Walb ein anberes Antlitz; im Frühling flammt er im ijeUen Grün ber jungen, sich entfaltenden Blätter auf, ber Sommer flutet mit feinen Lichtwolken über bas bichte Blätterdach, aus dem der Duft der harzenden Hölzer und blühenden und reifenden Früchte auf« steigt, dann färbt ber Herbst bie Blätter mit feiner reichen Palette, braungelb bie Buche, leuchtend hell bie Birke, dunkelbraun bie Eiche, und endlich nimmt der Winter den Wald in feinen weichen weißen Märchenmantel. Dort ruht der Wald vor neuer Auferstehung wie feit Jahrtausenden, um wieder weit die Bogen seines grünen Zeltes auf­zuschlagen, durch die Eichendorffs schönstes Waldlied schallt:

O Täler weit, o Höhen, O schöner, grüner Wald, Du meiner Lust und Wehen Andächt'ger Ansenthaltl"

Katarina kann sich nicht entscheiden.

Roman von Viktor von Kohlenegg.

Copyright 1932 by August Scherl G. rn. b. H., Berlin.

((Fortsetzung.»

Ja, Wil!" Sie erhob sich rasch. Sie ließen Peter zahlen. Sie liefen unter den tropfenden Bäumen hin. Drüben im Saal waren die Kondi­toren beim Tanzen.

Kat lief dicht neben Wil.Sagen Sie, Wil: Kennen Sie Johnny Scribles?" fragte Kat nah an feiner Wange, als sie rasch vor Peter hergingen, wobei sich ihre Schultern unb Hänbe berührten.

Scribles? Warten Sie mal, kleine Kat!" sagte Wil leise.Macht in Theatergeschäften, Konzerten, Tanz wie Dem Namen nach, Kat. Was ist mit ihm?"

Ach, nicht sehr viel: Er hat an Spilte gefabelt!" sagte sie sroh- lockenb.

Will Sie festmachen, Kat?"

Da hätte sie plötzlich schreien und sich Wil ohne verständigen Grund | leidenschaftlich und in einer schmerzhaft-heißen und selig-ungestümen « Wandlung an den Hals werfen mögen.