Du lieber Gott", murmelte ich entrüstet,der Mann, den ich suche, lebt ja ..

Um so schlimmer für ihn", sagte der Sergeant.Früher oder später kommt jeder Araber in das Buch. Keiner ist noch in seinem Bett ge­storben ..."

Wir durchsuchten in den nächsten Tagen alle Cafes, alle Karawan­sereien und alle Häuser und fragten vorsichtig nach einem großen hageren, bärtigen Teppichhändler. Vorsichtig, weil Jesfries, der beste Kenner des Orients, es geraten hatte.

Wenn Sie es auffällig tun, schnappt Ihnen jemand den Händler weg die Leute sind schamlos ..." Wir standen im Morgengrauen bei den Stadttoren es gab deren fünf und belästigten alle Leute ... gingen sogar in die Moscheen. Es war umsonst. Endlich trieb Jeffries einen alten, unternehmend aussehenden Maultiertreiber auf. Ich flüsterte dem Mann den Namen Raschid ins Ohr, und er nickt« und sagt«, für zwei Franken könnte er uns eine wichtige Nachricht zukommen lassen. Jeffries warf mir und dem Araber einen triumphierenden Blick zu und gab dem Treiber vier Franken.

Als dieser das Geld hatte, meinte er, ,cher Mann" hätte beim Tor der Freude gewohnt.

Und jetzt?" schrie Jeffries erregt.Und jetzt? Sprich ... sprich ... I Es lohnt sich nicht", sagt« der Maultiertreiber düster.Der Mann ist vor fünfzig Jahren gestorben ..."

*

Am nächsten Morgen weckte mich Jeffries um 3 Uhr; er wollte um vier mit mir und dem Araber zwei arabische Notabeln besuchen. Ich hatte bis dahin keine Ahnung gehabt, daß man Besuche um 4 Uhr früh machte.

Die Araber schlafen doch wegen der Hitze bei Tag", sagte Jeffries.

Dann arbeiten sie also bei Nacht?"

Nach meinen Erfahrungen", sagte Jeffries,schlafen sie bei Nacht auch." Von den Notabeln erfuhren wir nichts. Unser Freund, der Araber, aber wußte eine Menge über Mosul und Bagdad; er kannte, wie sich her- ausstellte, fast alle Leute in diesen Städten. Jedenfalls war er, wie wir aufatmend erkannten, der einzige Mann, der uns helfen konnte. Ich sagte zu Jeffries, es wäre nur anständig und logisch, wenn wir dem Mann nähere Angaben machten, aber Jesfries wollte nichts davon wissen. Seine Namen", meinte er,man kann nie wissen, wie er es auffaßt! Sie kennen den Orient nicht ... hier braucht man nichts als Takt, viel Takt!"

Sie müssen doch wissen, wie er heißt?" fragte ich gereizt.Vielleicht bringt uns das weiter."

Wie der Alte heißt?" Jeffries macht« ein entsetztes Gesicht.Natür­lich weiß ich nicht ... aber ich kenn« ihn länger als 30 Jahre. Er hat mir niemals die Erlaubnis gegeben, ihn nach seinem Namen zu fragen."

Diesen Abend fuhren wir nach Bagdad.

In Schergart hatten wir eine kurze Nachtruhe gehalten, da der Chauf­feur unseres Wagens das Lenkrad verloren hatte. Am Morgen fuhren wir weiter und erreichten zu Mittag Bagdad die Schöne, Herrliche, Unübertreffliche, Helle. So sagten die Araber; Jeffries behauptete das Gegenteil. Der alte Araber lächelte und schwieg. Um diese Zeit liebten wir ihn bereits wie einen guten älteren Bruder.

Er ging den ganzen Tag mit uns umher, stieg in alle Teppich­geschäfte, forschte in allen Cafes und benahm sich mustergültig.

Eines Abends sagt« ich zu Jeffries:Das hält kein Mensch aus. Sicher ist dieser Teppichhändler nur eine Phantasiegestalt des verlogenen Clarke!"

Jeffries, der beste Kenner des Orients, hatte viel von seiner Zuver­sicht eingebüßt. Wir waren seit vier Tagen in Bagdad.Wir suchen ihn noch einen Tag", sagte er,und dann fahren wir zurück nach Mosul, wenn es Ihnen recht ist?"

Mir war es recht; es ist doch herzlich gleichgültig, was man im Orient treibt.

So fuhren wir nach Mosul zurück. In Bagdad gab es sicher keinen Mustafa Raschid, in diesen Tagen hatten wir alle alten und jungen bärtigen Araber Bagdads gesehen; sofern es sich lohnt«, die Leute zu sehen. Im Schatten war es 48 Grad. Der alte Araber fuhr wieder mit uns; er wollte uns in der schwersten Stunde unseres Lebens nicht ver­lassen; dies waren seine eigenen Worte. Die Hitze schien ihm zu schaden. Wer kein Thermometer hat ..." knurrt« Jeffri«s wütend.

Es war eine scheußliche Fahrt; am Abend erst kamen wir nach Mosul und stuchten. Und wieder suchten wir Raschid Jeffries, der Araber und ich. Wir drehten ganz Mosul um nichts. Am dritten ^Mor­gen saßen wir schweigend im Cafe und tranken heißeEisliinon^e .

Jesfries biß an seinen Fingernägeln, er wußte genau, daß sich Clarke wie ein Rasender gebärden würde, falls wir Raschid nicht fanden. x>ä) hatte die Absicht geäußert, am Abend weiterzufahren. Der Alte trank einen Kaffee nach dem andern, rauchte zweihundert Zigaretten und spuckt« an di« Wand. Am Nachmittag stand Jeffries auf, schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte:Jetzt hab ich's satt ... was geht mich Clarke an? Wie komme ich dazu, diesen Mustafa Raschid zu suchen. Der Araber, unser älterer Bruder, schlug die Augen auf: Allah fei Dank, daß du endlich sprichst."

Warum?" fragte Jeffries gereizt.

Wett ich der Teppichhändler Mustafa Raschid bin.

Wir sprangen auf und rangen nach Luft.Zum Teufel roarutn hast du denn das nicht gleich gesagt?"

Der Araber lächelte mild:Weil du nicht gefragt hast. Und es ist un­höflich im Orient ..." ...

Der Teufel hole den Orient und seine Höflichkeit!

in ihrer Herrlichkeit treiben immer

langlosen Fragen.Panne gehabt?

Was

.Keine Spur?

.Na, es geht so/

Du bist ganz braun ge-

verkauft?

worden."Das meiste ist Dreck, Elli. Von wem sind bte Stofen?

an das eiserne

sie sich arg

doch eigentlich einer Unwahr-

Ort, findet sie, um sich zu überzeugen, Beschäftigung sie in diesen Tagen be-

Elli, ,es ist Freund auf

Von Peter Schönlein."

Er war hier?"

Ja. Auch bei uns."

Sie atmet tief.Das ist gut."

Warum soll es gut fein, denkt sehr schlimm, wenn man von seinem heil ertappt worden ist.

Rosemarie wäscht sich, dabei stößt

aber die deutschen Lande neuen Frieden.

Dies ist ein geeigneter was für eine einträgliche

treibt, zumal es ihr immer besser und besser gelingt. Zieht ihre Bestellungen hervor und rechnet mehrmals alles durch. Aber davon wird es nicht mehr. Immerhin, es ist nicht gerade ein Mißerfolg.

Am sinkenden Abend dreht der Taubengraue seine blanke Schnauze um und fliegt durch die duftende, mückeudurchschwärmte Ebene heim. Gelb kommt der Mond hinter leichten Gewöllen hervor, rund und märchenhaft über einer vollkommen schweigen­den Welt, die von einem milchigen Nebellicht überleuchtet wird. Machtlos kämpfen die beiden Scheinwerfer gegen diese zauberische Helligkeit. In solchem Glanz kümmert sich die Fahrerin nicht darum, daß ihre Verdienste ausgereicht hätten, um Benzin und Quartier zu bezahlen. Zum Glück trägt die Firma die Spesen.

Zuerst fährt Rosemarie zum Hause Wagenschanz, weil sie so bestaubt ist, daß sie sich erst waschen möchte. Oben in der Man­sarde findet sie einen großen Rosenstrauß, dessen welkende Blüten von Elli mit Wasser besprengt worden sind. Elli steht dabei in ihrem Waschkleidchen, die Ellenbogen umgriffen, und der Blick kommt ein wenig von unten. Wie war es? tauschen sie ihre be-

öer Mann, der mit dieser Zeit fertig wird.

Roman von Waller Julius B 1 o e m (GDS.).

(Fortsetzung.)

Jedoch es gibt um die Mittagszeit in den Bergen vom Sauer­land eine geradezu feierliche Siast, drunten schräg das alte Städt­chen in der Ebene, der Taubengraue steht gehorsam abgebremst am Wege, Schlöte rauchen in der Nähe und Ferne, und viele stehen audj' ohne ihre Qualmfahne. Sie spürt in der feuchten warmen Luft den Malzgeruch von Getreide und sieht das weite Land mit seinen parzellierten Feldern im Dunst wie ein Pastell­gemälde. Reiche Zeiten kommen, arme Zeiten kommen, vielleicht Chaos und Weltuntergang für die Menschen, aber die Erde bleibt stehen und grünt und duftet, wie die Sonne es will. Die Men­schen verkrallen sich in ihren haßerfüllten Meinungskämpfen, un­möglich können sie sich in deutschen Landen brüderlich achten,

Oefchcn , es ist hier so eng. Ueberhaupt viel zu wenig Platz für zwei. Die Witwe Wagenschanz gehört in ihr Mauseloch, aber die jungen tätigen Leute brauchen Raum für sich.

Sie zieht ein hübsches Kleid an und fährt sofort zu Schönlein. Mit dem Auto, natürlich! Sehr hungrig. Die Kastanien vor der Einhorn-Apotheke stehen jetzt in so schwerem Laub, baß die Lichter der Gaslaternen nur mit ein paar Hellen Flecken das Dunkel durchdringen. Aber Peters Fenster glänzt noch wie ein Helles Auge, er sitzt an seinem Schreibtisch und arbeitet.

Rosemarie zieht bedächtig den Steckschlüssel ab. Nun gibt es viele Möglichkeiten, wie Peter sie aufnehmen wird, er kann zornig sein und sie mit Vorwürfen überhäufen. Liegt ihm das? Sie möchte es gerne erleben, daß er einmal, nur ein einziges Mal, zornrot losschimpft. (Seltsamer Wunsch!) Oder wird er etwa so tun, als ob alles in Ordnung sei?

Sie kennt ihn, genau so nimmt er sie in Empfang, mit einem halben Lächeln und mit einem Händedruck, der unter anderen Ilmständen kameradschaftlich wäre. Die braune Hausjoppe kleidet ihn gut.Glück gehabt, Rosemarie?"

Ach nee. Viel war's nicht.

Oh", bedauert er sie,leg' ab."

Bücher liegen im Musikzimmer umher, feindlich verschlosien steht der Flügel. Nun ist es aber doch wie eine Heimkehr ge­worden. Die langen Gespräche, die sie während der Reise in Ge­danken mit Peter führte, bleiben alle ungesagt, sie muß sich gegen keinen einzigen Vorwurf verteidigen, der schließlich überall so zwecklos bleibt, wie wenn man im Wolkenbruch mit einer Gieß­kanne an einem Blumenbeet hantiert.Denkst du nun anders über die Rosen, die du mir gebracht hast?"

Seine Fingerspitze streicht über ihren Scheitel, als ob da ein Stäubchen sei.Ich würde sie dir immer noch Bringen."

Oh, so gnädig." Sie zuckt mit einer» leichten Verachtung. Warum denn?"

Verhalte du dich auf deine Weise, würde ich dir mit den Rosen sagen"

Sie entwindet sich ihm ärgerlich.Ich muß noch irgendwo etwas zu essen bekommen."

Aber um diese Stunde sind die Köchinnen der Restaurants längst nach Hause gegangen.

Haben wir uns nicht gelegentlich selber eine Kleinigkeit ?" Hast du denn noch nicht gegeffen, Peter?"

Keinesfalls", meint er freundlich,seit deiner Abfahrt erwarte ich fastend und betend deine Wiederkehr."

Einfach weggehen wäre das Veste. Warum tut sie es nicht? Sie steht nervös und ungeduldig am Herd und sucht nach Worten, die ihn verletzen könnten.Ich wollte es dir sagen, aber ich