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Steigungswinkel. Und siehe da, da sind aus den Dächern jedes der beiden Jlügeltrakte auch die bekrönenden Knäufe. Dazu eine Fülle des wohlangebrachten Kleinwerkes der Zierung. Dieses, tropfen- und knollenförmig, erinnert einen sofort an ein Ziermoiiv französischer Renaissancebaukunst, reich verwendet etwa am Luxembourgvalast in Pckris. Das Ganze des Klotzes läßt an den weitausladenden orientalisierenden Justizpalast auf dem Berge in der Stadt Brüssel denken: Bald aber denken wir an gewisse, mit Schmuck überladene indische Tempel und sühlen uns bei diesem Erinnerungsbilde wohl.
Denn Bauwerke, das sind doch Hohlkörper, zu irgendeinem Zweck der Verwendung innerer Räume von innen nach außen errichtet. Diese Naturerdklötze aber und die gewissen indlsck)en Tempel sind massive, von außen nach innen aus Erde oder Fels herausmodellierte architektur- ähnliche— aber dem Wesen raumbildender Architektur völlig fremde — Gebilde: Sie gehören der Plastik an, nicht der Architektur.
Ein Naturdaumen hat hier gearbeitet, geformt, er heißt: Wasser. Der Daumen ist geführt worden von der zufälligen Schichtung der Stoffe ■ und der verschiedenen Härte der Schichten.
Aber man wird noch nicht verstehen, man wird verwundert und unbefriedigt bleiben, man wird z. B. wissen wollen, warum es bei uns solche Erdphantasiik nicht gibt.
Nun: der Baustoff dort in Dakota ist äußerst bildsamer -Um und Mergel. Auch bei uns gibt es Tone und Mergel in ähnlicher Lagerung. I’tlber es bedarf für Bildungen wie die von Dakota dann weiter eines vorwiegend trockenen Klimas mit scharf abgesetzten Wechseln. Die Tone und Mergel lösen sich unter Wasser sehr schnell, aber sie verhärten sich auch unter der Sonne sehr bald. Gibt es viel Regen zu seiner und mel Sonne zu ihrer Zeit, so ist die Bedingung für die Ausbildung solch plastischer Formen gegeben. Ein flaues Klima aber wie das deutsche mit Regen zu allen Jahreszeiten und unberechenbaren Sonnenscheintagen und -stunden würde nur flaue Formen zurücklassen, wenn es nicht das Ganze in einen Kuchen oder Brei aufköfen würde.
Also gibt es die Gebilde denn im trockenen Europa? Ja. Ich habe eines in meinen „Griechischen Landschaften" aus der Landschaft des Korinthischen Golfes beschrieben und die Mühsal eines Rittes durch solch loll zerklüftetes Gelände in Albanien erfahren, wie man in meinem „Europäischen Reifebuch" nachlesen kann.
Das Schöne in Erde und Geschichte muß sehr oft durch das Opfer des Nützlichen erkauft werden — diese Lande find äußerst unfruchtbar. „Mauvaises terres“*1 fugten schon die ersten französischen Ersorsckyer des Landes zur Zeit des französischen Louisiana-Reiches angesichts dieser merkwürdigen Landschaft des Erdballs, sie übersetzten damit nur das „mako sika“ der Dakota-Indianer. „Don Gott vergessene Gebiete , sagte mein Führer, „bad iands“ nennt sie der Amerikaner, und das ist eine stehende Bezeichnung der Erdkundigen, ein sester sachname für solche Tonwüsten auf der Erde geworden.
Präriegräser wachsen dünn auf ebener Fläche, einige wenige Baume findet man in geschützten Runsen und Risseiz, rot hängt die Beere am seltenen hellgrauen Büfselbeerstrauche.
Der graue Wolf und der Coyote streifen umher und machen Jagd auf den possierlichen „ground dog“, der murmeltierahnlich, aus dem Rande seiner Erdhöhle neugierig sitzt und, kommst du nahe, wie der Blitz in sein schützendes Loch schießt. .
Und einige Jndianerfamilien wohnen auf den Bafeln.
Wenn man nicht wüßte, daß man den Indianern das Gebiet der „Schlechten Lande" nls ,Reservation“ überlassen hat, so konnte man es annehmen, da es eben die „Schlechten Lande" sind, denn die konnte der gierige Weiße den Indianern ohne großes Opfer einraumen.
Das „mako sika“ ist nicht überall so ausgeprägt formvoll, es Hal auch flache und wellige Bereiche wie die P'neR'dge, unb ln , *, . Ridge hauptsächlich fitzen heute die etwa 8000 Menschen des 0g ? ’ ftammes des Siouxvolkes. Wir sind in der Pme Ridge Indian Reser vation. Ja, der weihe Mann war nicht fehr sreigebig nut der Bandzuteilung an die Indianer. Sie bekamen armen Boden. Aber die Indianer sind auch wenig zur Arbeit geneigt. Sie sagen, ihre 55 zu 90 Meilen große Reservation ist zu Weitläufig für sie, sie uertaufen "der vermiete gerne ihr Land an weiße Ansiedler, die sie als dw beferen ^ndmbei betrachten. Ich soll Hindenburg sagen, bittet mich „Süßes Sias> ( schenkt mir glasperlen-besticktes köstlich-weiche Mokassins) er soll deutsche Leute schicken. Denn „Süßes Gras" war in Deutschland, "l- Indianer einer Zirkusschau, und er wünscht — ach, sehr! — wieder von ei deutschen Zirkus geheuert zu werden. Und weil noch manche ai b wünschen, dürfen wir sie photographieren unb malen (wogegen sich 3- Maner gewöhnlich höchst ablehnend verhalten), m vollem Kriegsschmuck, den sie herausholen, mit dem Adlerkranz unb -schwanz. der 1 cf)onften Dekoration wohl, die menschliche Phantasie erfand: den Indianer »Jeder und „Adler-Bär", den „Messer-Chief". Ich habe mem Verspreche e^ füllt und Hindenburg und Zirkus Krone oder «arrasam mögen danach
Aber ich denke noch lieber an andere Indianer, nn Maria „Bergschaf , die Lehrerin, und Elisabeth ,,Erfchrick-nicht-vor-chren-Pferden, welche die Mokassins so perlenbunt bestickt. Besonders aber an den Alten „Er-fullt- die-Pfeise" und seine liebe alte Indianerin auf der „Roten-Hemd-^asel . „ Wir suchen den Badlands von Süden beizukommen »nd fahren mit Mister Renz (einem Nachkommen eines Stiismanberers und fe(bft»erftanb- üch einem Verwandten der deutschen Zickiisleute einem - ff Therese Renz) aus einem wagenbrecherischen Wade 50 Meilen Nord auf die Rote-Hemd-Tassl. Oben auf der Prärietafel auf den Lroßart g bmiien, 1» der gerne grau verschwimmenden Badlands öes Cheyenne- ,
River in majestätischer Einsamkeit haust das alte Paar. Eine Blockhütte 'ft fein Haus Häuser wünscht die amerikanische Regierung von den In ienern statt der Zelte; aber ein Seit ftefrt nwiften» neben dann die Sommernächte zu schlafen, unb em «chattenschtrm mibGest^PP d->ch davor. Mr. Renz ist, nach indianischer^Sitte, ^r angenommene Soh^ der Alten, unb selten habe ich größere »reude beim Wieder,eh n
Mutter und Sohn gesehen als dort oben, da Mr. Renz nach einem -unhr wieder einmal zu seiner „Mutter" kam. Auch uns Fremde nehmen bk Alten mit der größten Herzlichkeit auf, die eine Hand (die andere ist verstümmelt) kann uns die Indianerin aber nicht geben, denn sie war eben dabei, wie zur glorreichen Zeit der Bisonjagden Beeren und Fleisch in Knchensorm zusammenzukneten, damit es, getrocknet, im Winter als Nahrung diene. Ab er der Alte stapft in die Hütte und holt ein Geschenk für meine Frau: einen Beutel aus Rindshaut, von ihrer Enkelin Lucie „Bärenklau" mit Perlen bestickt. Unb wir geben als Gegengeschenk eine Büchse Ananas, Kaffee, Tee und Tabak, was wir gerade im Wagen haben. Aber dann beginnt Silas „Er-füllt-die-Pfeife" zu erzählen, in leisem, jede Silbe betonendem Sioux, das Herr Renz ins Englische übersetzt; von seinen Bisonjagden und seinem Anteil an den Kämpfen mit den Crow-Jndianern- im Norden, die in die Jagdgebiete der Sio'ux ein-, gedrungen waren. Es sind alte, bekannte Jndianergeschichten, aus dem Munde eines lebenden Indianers klingen sie freilich anders als aus Büchern. Doch wichtiger erscheint es mir, ein Dokument wiederzugeben, das, vom Tragen vergriffen, „Er-füllt-die-Pfeife" mir zu lesen gibt. Es ist ein Beitrag zur Geschichte eines untergehenden Volkes. Die Siouxindianer haben einen alten „Claim“, Anspruch auf die benachbarten Black Hills, der augenblicklich in einem Prozeß gegen den Staat in Washington aus- getragen wird. „Er-füllf-bie-Pseise" wurde vor zehn Jahren als Zeuge vernommen, er sollte aussagen, wessen er sich von der Szene der Ber- tragsschließung erinnerte. Das Schriftstück ist in Englisch abgefaßt und lautet (gekürzt):
„Ich bin 65 Jahre all. Ich bin der Sohn vom Roten Hund, Haupt- lino der Oglala-Siour-Jndianer. Ich war zugehen, als der Vertrag wegen de? Black Hills zwischen den Indianern und der Regierung gemacht wurde. Ich glaube, dieser Vertrag wurde im Jahre 1877 gemacht. Soldaten waren zugegen, und die Indianer waren auch bewaffnet. Die Häuptlinge der verschiedenen Stämme waren versammelt in einem Kreis zwischen der Hauptmasse der Indianer und den Kommissionären der Regierung. Als das Volk versammelt war, erhob sich einer von den weißen Männern und sagte, baß er vom Großen Vater (dem Präsidenten der Vereinigten Staaten) gesandt sei, die Black Hills von den Indianern zu pachten. Er frug, ob die Häuptlinge anwesend seien. Roter Hund ging umher und frug die Häuptlinge etwas. Dann sagte er: Ich habe mein Volk gefragt, ob es willens sei, den Vertrag wegen der Black Hills zu machen. Er sagte, sie feien’s, doch unter der Bedingung, daß sie den Wald der Black Hills behielten und daß für sieben Generationen die Kinder ernährt -unb bekleidet würden. Die Kommissionäre frugen, was unter sieben Generationen gemeint sei, und er sagte, daß nach indiantschen Gedanken eine Generation 100 Jahre sei. Also würde es eine Zeit von 700 Jahren betreffen. Red Dog war der erste der Häuptlinge. Red Dog war mein Vater, und oft sprach er zu mir von den Black Hills und anderen Dingen. Ich erinnere mich, daß er es mir erzählte, damit ich es behielte, und er bezog sich oft daraus. Er sagte, diese Dinge könnten in Zukunft von Wert sein. „Der gesteckte Schwanz" sprach nach dem „Roten Hund". Er frug, ob die Kinder Nahrung und Kleidung erhielten, solange als die Welt stünde? „Einziges Horn" sprach dann und machte die Häuptlinge darauf aufmerksam, daß die meisten des Volkes nach dem Norden gegangen feien und baß man warten solle bis zu ihrer Rückkehr, ehe man den Vertrag mache. Er werde nicht für den Vertrag sein zu dieser Zeit.
Der Vertrag kam zustande, aber er wurde, wie es säst die Regel mit Verträgen war, die man mit Indianern schloß, von den Weißen nicht gehalten.
Karlsbader Novelle.
Von Erwin Guido Kolbenheyer.
Copyright by Verlag Georg Müller, München.
(Fortsetzung.)
Wir müssen zurück, der Ball wird beginnen, und ich habe die Dame des'Jestes auf den Saal zu führen. Kommen Sie, Gräfin lassen Sie mich Ihre Perlen bewundern! Sv eine Schnur, das war eine Trense sur mich, ich würde sie selber ins Maul schnappen,, und Sie könnten Hohe Schule auf mir reiten." ...
Ihre Hoheit würden keine Strafe befurchten/
.'.Nein. Jeder Streich, ein Pläsirl" r
Hoheit war munter, und die Lanthiery wußte ihr zu begegnen Goethe f0[ate mit dem jungen Harrach zum chinesischen Hause. Man schien am Öen Herzog gewartet zu haben; er bat oon feiner -tarne Urlaub und schritt auf die Gräfin zu, die sofort das Zeichen gab.
Posaunen, Zinken unb Pauken. Die Gaste i>er|ammelten sich m der Mittelallee und bildeten eine Gasse. Der Herzog von We.mgr führte ine geborene Fürstin Czarloriska durch die tiefen Bücklinge hindurch, man schloß sich paarweise an und gelangte nach vielem höflichem Gedränge über die blumengeschmückte Treppe hinaus in den Böhmischen «aal Dis Augen waren vom Lichterglanz geblendet, und der .Große Putz: Atlas, Seide Gaze, Gold, Steine, Orden — kam erst letzt zur Wirkung.
Goethe tanzte gerne, wenn auch nicht allzu leicht, und die Frau Dber- ftaltmeifteiin von Stein war eine der besten Tänzerinnen Weimars gewesen; selbst Herder schloß sich nicht aus. Der Herzog bsteb sehr von der schönen Gräfin eingenommen. Er war immer etwas eifersüchtig am seinen Minister, unb bie spitzzüngige Asseburg hatte ihm ein Wort der Lanthiery hinterbracht: hätte sie ein Nerz zu verschenken, sie wurde es ^^In "der^^Allee schwand Licht um Licht in die Nacht, vieler hundert Laternen in allen Farben, die an Girlanden gehangen waren und das Laub hatten zitterii lassen. Unb schließlich erloschen bie Seueroafen in der Mitte auch. Man hörte die Diener. Sie nahmen die Behänge von den Wänden und bargen sie mit dem andern Schaugeraie in dem Billardsaal Vergeblich hatten die Karlsbader auf ein Feuerwerk gewartet. Es märe für alle gewesen; die Raketen fliegen in den Himmel, der ist für alle Es blieb noch ein Blick auf die strahlenden, offenen Fenster und ein


