Oer Kriegskommissar des Königs.

Roman von Friedrich F r e k f a.

Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. £)., Berlin, (Fortsetzung.)

Man soll nicht aus seinem Stande heruntersteigen!" lehrte der Vater.Wenn du nicht ein studierter Mann wirst, wie ich, so sollst du wenigstens ein Mann fein, der etwas darstellt in der Stadt, ein guter Bürger! Gelehrtenstand und Handelsstand stehen näher zusammen als Gelehrtenstand und Handwerkerstand."

Aber wir sind doch alles Menschen!" meinte die Mutter beschwich­tigend.

Das ist eine neumodische, weichliche Lehre!" rief der Bater.Was heißt Mensch sein"? Mensch sein heißt: nackt sein und das Leben haben! Ziehst du das Standeskleid an, dann bist du jemand; denn das Kleid macht den Mann!"

Wieso?" forschte Theodor.Es steht doch geschrieben: Vor Gott sind alle Menschen gleich!"

Freilich", erwiderte der Vater,vor Gott sind alle Menschen gleich; aber hier aus der Erde stehst du nicht vor Gott, sondern vor dem König. Und da hast du Richtung zu nehmen in Reih' und Glied, wo du von Staats wegen hingehörst. Wir alle im Staat« sind da wie ein Regiment Soldaten. Jeder hat seinen Platz. Ist er tüchtig, darf er vorrücken; und er hat ehrlich zu sein in seinem Stande dann bleibt er ehrlich als Mensch und kann später vor dem Richterstuhl Gottes gut bestehen."

Hatte der Vater seine Stimme erst einmal erhoben zum Predigerton, dann gab es keine Widerrede. Er wölbte dann seine Brust heraus und stand da mit gespreizten Beinen in der Paradestellung der preußischen Grenadier« von Potsdam, wie eine Mauer, und keiner wagte bann, etwas wider den Riesen zu sagen. Es war ein denkwürdiges Gespräch, das die beiden Brüder Fritsche ihr Leben lang nicht vergaßen. Das Kalenderblatt zeigte den 7. Februar, als sie an diesem Tage schlafen gingen.

In der Nacht wurde Heinrich in der Kammer, di« er mit seinem Bruder teilte, geweckt durch einen starken Rauch und große Hitze. Als die beiden erfdjrocfen aus den Betten [prangen und die Tür aufrissen, schauten sie in lodernde, hüpfende Flammen. Sie stürzten ins Schlaf­zimmer des Vaters und rüttelten den Mächten Mann, der einen festen und gesunden Schlaf besaß.

Der Datei war mit einem Satze draußen und erkannte, daß das Feuer schon von unten herauf die Treppe ergriffen hatte. Er rief den Jungen zu:Rettet euch, Kinder! Schnell hinab ich will die Mutter holen!" Di« Pfarrerin schlief nämlich in einer warmen Stube auf der anderen Seite des Treppenplatzes, da sie im letzten Jahr zart geworden war und das Schlafen in der ungeheizten, kalten Kammer nicht vertragen konnte. _ .

Die beiden Brüder ergriffen also Kleidungsstücke und, was zur Hand war, und stürzten eiligst die Treppe hinab, deren Geländer schon $u glimmen begann. Sie tarnen glücklich durch den Hausflur ins Freie ohne große Verletzungen; nur war ihnen die Haut an einigen Stellen verbrannt. Draußen trafen sie zwei Mägde und einen Knecht, die, vom Feuer geweckt, alsbald geflüchtet waren. Die Flammen schlugen schon an den Fensterstöcken empor, und roter Schein waberte auf dem hart­gefrorenen Boden des Hofes.

Droben tat sich ein Fenster im ersten Stock auf. Der Vater schrie: Holt schnell eine Leiter! Lehnt sie an!"

Alle hasteten nach dem Viehstall, wo die lange Leiter stand, und die beiden Mägde, die Brüder und der Knecht, schleppten sie gemeinsam her­bei Droben stand der Vater und hielt die vor Schreck ohnmächtig ge­wordene Mutter im Arm in die freie Luft hinaus. Mit dieser Last stieg er auf die Leiter, während die Flammen ihm bereits die Haare ver­sengten. Glücklich erreichte er den Erdboden.

Alle Hausbewohner waren gerettet. Sie folgten dem Beispiel des Pfarrer, der sich aus die Knie warf und Gott dem Herrn für die glück­liche Errettung dankte. .

Inzwischen war das Dorf munter geworden. Der Küster sttetz ins Feuerhorn und läutete die Glocke. Der Vater übergab die Mutter einigen grauen die sie ins Schulzenhaus trugen. Er leitete die Rettungsanstal­ten Zum Glück hatte sich der Wnd gedreht, und es gelang, Viehstall und Kornscheuer vor den Flammen zu schützen. Aber das Wohnhaus brannte bis auf den Grund nieder, und außer den wenigen Kleidern, die die Kinder mitgenommen hatten, wurde nicht das mindeste Stück gerettet Versicherungen gab es damals noch nicht, und so war der Ver­lust der Familie sehr bedeutend: Der größte Teil des kleinen Vermögens, daß sie durch Fleiß und Sparsamkett erworben, ging in zwei Stunden uerloren.

Jetzt zeigte es sich, wie beliebt der Pfarrer war, beim es kam alsbald Äilfe von den Rittergütern ringsumher. Kindern und Frau wurde Unter­kunft angeboten an drei, vier Plätzen, Kleider und Seinen wurde ge­schickt und alles wäre gut gewesen, wenn nicht der Vater, vergiftet durch den Rauch einer heftigen Lungenentzündung zum Opfer gefallen wäre. Der Arzt aus Solberg, den der Herr von Wedell selbst abholte, erklärte schon am dritten läge, nur ein Wunder könne diesen kräftigen Mann retten

Mit der Ruhe und dem Mute eines wahren Soldaten und Christen hatte der Vater fein Leiden ertragen. Er legte dem Arzt auf, ihm nichts $u verhehlen, sondern die strengste Wahrheit zu sagen. Da erklärte der alte, erfahren« Arzt, der Tod sei wahrscheinlich und würde wohl in den nächsten vierundzwanzig Stunden erfolgen.

Nun schickte der Pfarrer Fritsche feinen Sohn Heinrich hinüber zum nächsten Amtsbruder, daß der ihm das Heilige Abendmahl reiche und ihn zum Tode vorbreite. Um sich versammelte er bi« Mutter und die vier Kinder denn auch Christine und Friedrich Wilhelm waren herbeigeholt worden Er nahm Abschied von seiner Frau und bat sie um Verzeihung, wenn er sie durch Heftigkeit und befehlshaberisches Wesen mitunter be­trübt Hütt«, und dankte ihr für die Liebe und Treue, di« sie ihm während

)er Türbalken wurde durch zwei Säulen gestützt und mit einem Rund- loben überspannt, wodurch ein Halbkreis, dasTympanon", entstand, im die Festigkeit und Massigkeit dieser Anlage zu steigern, zugleich aber :ud) um den Ausgang zu verbreitern und reicher zu gestalten, wurden len Portalpfeilern drei ober vier abgestufte Säulen vorgestellt, die sich nit Nischen und Bogen zu einem schön gegliederten Vorra um erweiterten. Di« Möglichkeit zu einer Schmückung dieses Portals, der wichtigsten stelle in der Fassade, war so gegeben. In dem Halbkreis thronte der i-gnenbe Christus ober der göttliche Weltenrichter; seines Ornament spann ich um die einzelnen Bogen und legte die Flächen in weiche geheimnis- icUe Schatten, während die konstruktiven Teile scharf und klär hervor- taten. Alles strahlt in farbigem Glanze. Aus den schön geschwungenen Wölbungen leuchten die wenigen Figuren des Tympanons in weihevoller Hlorie. Das Ganze gemahnt in feinem weit gespannten Rhythmus an lie strahlende Klarheit und den mächtigen Umschwung des Firmaments, immer kühner wird in den späteren romanischen Portalen das dekorative Element; immer weiter lassen sie ihre Bogen ausschwingen. Alles drängt nehr und mehr zu einer reicheren figürlichen plastischen Ausstattung, zu uner plastischen Belebung dieser stolz sich wölbenden Welt. Unter fran- ösischem Einfluß wird dieser Schmuck zum ersten Mal in der Gallus- Sforte des Basler Münsters durchgeführt und damit der entschei- lenbe Schritt zur Dekoration der Gotik getan, lieber dem Türbalken sind sie klugen und die törichten Jungfrauen dargestellt, die von nun ab an so fielen Portalen auftreten. In den Nischen der Portalpfeiler sind Apostel largeftedt, als Führer zu Christus. Das Tor selbst wird umrahmt von linem Aufbau aus Säulen und Nischen, in denen wieder Figuren und Szenen angebracht sind.

Das eigentliche Portal, das sich so einfach-feierlich, nachdrücklich ein­übend, Ehrfurcht und Schweigen gebietend öffnete, weicht nun einem freieren, schlankeren, heiter und vielgestaltig geschmückten architektoni- chen Aufbau. Der plastische Schmuck hat nichts Kleinlich-Nebensächliches nehr, erhält etwas Monumentales. Bei Portalen, die direkt französischen Ä>rn nach geahmt sind, treten die Spitzbogen auf, die eine architekto-

Teilung der Tür zur Folge haben, so daß ein Pfeiler in die Mitte gestellt wird und nun an die Stelle des halbkreisförmigen Tym- ;anon zwei kleine Lünetten und eine große treten. In dieser Verbindung ton gotischem Schmuck und der alten romanischen Grundform sind nun linige der herrlichsten Portale entstanden, die alle Intimität und alle Fracht der beiden Stile vereinigen: die zu Straßburg, zu Frei- 1 u r g i. S., zu Bamberg. Wie wunderbare steinerne Altarschreine issnen sie ihre Gewände in ihrer verwirrenden Fülle des Bildwerks, als sollten sie die Arme breiten zum Empfang. Aber sie bieten gleichsam inr das Präludium der Seligkeit. Darum sind an all diesen Toren haupt- ljchlich Gestalten und Szenen dargestellt, die die Vorbereitung des Er- ösungswerkes schildern, Adam und Eva, die ersten Sünder, die Propheten inb Sybillen, die Christum verkünden, die heiligen drei Könige, die fegende Kirche und die besiegte Synagoge; Petrus darf nicht fehlen, der lie Himmelstür aufschließt. All die vielen Geschichten und die frommen Männer aus Altem Testament und Mythologie, die das Heil voraus- :f>nen, voraus deuten sollen, finden hier Platz. Aber als ernstes Gegenbild it das Weltgericht ausgerichtet; Vergangenheit und Zukunft, das Suchen ach dem Heil von Anbeginn, der dunkle Drang der Guten und die Strafe der Bösen grüßen ernst und bedeutungsvoll den Kirchgänger ...

Hatte in den letzten Werken des Uebergangsstils, so z. B. an der Samberger Adamspsorte, die Plastik die Architektursormen | ifcUig überwunden und die vornehmste Wirkung des Portals an sich ge- liffen, so wird in der reifen Gotik die Harmonie zwischen den konftruk- toen Bau gliedern und den schmückenden Statuen wieder hergestellt Der I chlanke Höhendrang des Spitzbogenstils läßt auch das Portal wachsen mb schließt es durch breite Statuenreihen ab; mit der Auslosung der Wand schließt sich eine Verbreiterung der Eingangsanlage, eine sichere, elegantere Gliederung, eine Fortsetzung in hohen Fenstern, die mit dem Portal zu einer hoch emporstreb enden, fein umrahmten und -erschwenderisch verzierten Fläche zufammengeschlossen werden. Daneben treten sehr zierlich und glanzvoll geformte Vorbauten und Hallen auf. Der Klick verliert sich in diesen mächtigen Portalgewölben tn einem Netz l'inen Maßwerkes, gleitet an ungeheuren Figurenmassen entlang, Sie ins der Höhe her ein tiefsinniges Bilderbuch, eine gelehrte ®n3qflopabie tu5 Stein vor ihm ausbreiten, ober schwebt in dem Gewirr der Limen nit den sich im Dunkel verlierenden Bogen empor, erschauernd vor den Geheimnissen des Himmels und träumend von seinen Wundern. Allmah- Ich wird dann das Portal völlig seines eigentlichen Zwccks der Em- tüngsbetonung, entkleidet, ganz in vefsnung und Schmuck aufgelöst wie 'in Fenster ohne Glas. Die Umrahmung ist alles; !»« Tur se bst nichts tiehr. Mit spielerischer Virtuosität wird ein rauschendes Fortiistmo der Mnien geschaffen. Die Plastik und Kleinkunst hoben td) polfcg aussben Kunden der Architektur befreit und treiben em selb ständig-tolles regel­est s Spiel. ... . .

f Di« Renaissance erst läuterte diese ausgearteten, uberwuchern^n Schmuckorgien der Spätgotik, die sich in den Portalen am stärksten ge- t leigt, zu einer ernsten geschlossenen Würde. Di« ^^^ch^Doch^as seier- Silafter getragen über denen sich ein Rundbogen wölbte. Bod) Bas feier lche und mystische Element einer religiös bedeutungsvollen Umgang ?forte ging in diesen nüchtern klassischen Porten «rloren Erst das barock schuf wieder malerisch belebte reich geschmückt P - , e örem theatralischen Aufbau, ihrer leidenschaftlichem Wucht, ih en ge chwungenen Formen einen gewaltsamen und doch > i Kirchen-

gen Eindruck machen. Das Rokoko bagegen machte aus dem Sirren, I [ertal einen spielerisch niedlichen $00^011, eme to et e ffo [=

NS.-«-. L snrtft s

tefiÄS, s»

L Säulenwerks" ba er sich zurücksehnte nach Der Blütezeit öeuqajw «nd Kunst.