großen Ueberraschungen gufommen wie Engel aus Innen und Außen; wie Kinder, die das Dunkel jener Abende, die dem einen Abend ooran- gingen, fürchteten und liebten; di« fühlten, wie klein in jenen Dezembertogen, die das Fest vorbereiteten, der Kreis der Lampe war und wie immer geheimnisvoller die Stube ringsum sich verlor, so daß man gar nicht sagen konnte, wo ihre Wände waren, und ob man nicht an einem runden Tisch mitten im Wald« saß ... Bis dann das Dunkel sich in Glanz verwandelte, so daß man auch die geringsten Dinge glänzen sah."
1 (Aus einem Brief Rilkes.)
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„So war in Not und Nässe Weihnacht gekommen. Der Dauwind schnob durch die Felder, die Dorsgassen taten ihr weites Maul aus, armer Leute Kindern die Schuhe zu verschlingen oder wenigstens ihnen ihre kalte Nässe in dieselben zu gießen
(Jeremias Gott Helf: „Der heilige Weihnachtsabend .)
„... schon war Weihnacht draußen in der Stadt. Schnee siel, es kam Frost, und in der scharfen, klaren Lust erklangen durch die Straßen die geläufigen oder wehmütigen Melodien der italienischen Drehorgelmänner, die mit ihren Sammetjacken und schwarzen Schnurrbärten zum Feste herbeigekommen waren. In den Schaufenstern prangten die Weih- nachtsausstellungen. Um den hohen gotischen Brunnen auf dem Marktplatze waren die bunten Belustigungen des Weihnachtsmarktes aufgeschlagen. Und wo man ging und stand, atmete man mit dem Dust der zum Kauf gebotenen Tannenbäume das Aroma des Festes «in."
(Thomas Mann: „Buddenbrooks".)
„... Es war der vierundzwanzigste Dezember, und alle die jungen Damen, welche Pantoffeln und Zigarrentaschen und Polster und Kissen für den Rücken gestickt hatten, — die Seelen der Männer, der jungen und alten, zu fangen, nach dem Wort des Propheten Ezechiel im dreizehnten Kapitel Vers siebzehn und achtzehn, waren fertig mit ihrer Arbeit und erwarteten ihrerseits die Dinge, die da kommen sollten. Es warteten sehr viele Leute — große und kleine — auf kommende gute Dinge. — der Himmel war am Morgen und Mittag so blau, wie man es sich nur wünschen konnte, die Sonne bestrahlt« glitzernd die weihe Weihnachtszeit und färbte sich erst am Nachmittag blutrot, als sie in den aufsteigenden Nebel hinabsank. Es schien, als ob die Sonne es wisse, daß hunderttausend Christbäume auf ihren Niedergang warteten, und es schien, als ob sie gutmütig froh ihren Lauf beschleunigt«. Um fünf Minuten nach vier Uhr war das letzte Stückchen feuriges Gold hinter dem Honzont versunken — der heilige Abend war da, war endlich gekommen, nachdem sich Millionen Kinderherzen solange nach ihm gesehnt hatten. Um suns Uhr läuteten alle Glocken im Lande den morgigen Festtag ein, und die Kuchen waren fertig; es wunde Fried« in der Brust auch der scheuer- eifrigsten Hausfrau. Um sechs Uhr stand >eder festlich geschmückte Tannenbaum in vollem Lichterglanz, und wer noch froh und gluck ich sein konnte, der war es gewißlich in dieser Stunde, inwelchersich das Himmelreich derer, die da sind wie die Kinder, auch den trübsten Blick ■öffnet und das dunkelste Herz hell macht. ,
(Wilhelm Raabe: „Die Chronik der Sperlingsgasse .)
... Am Weihnachtsabend holte Markmann Littauer drüben bei den Seen 'einen mächtigen Fickstenboschen. Felix war ge
schickt worden, um ein ganz klein wenig Kunstschnee und um viele Kerzen. Frau Christin« machte aus wenig Dingen und unter primttioen Voraussetzungen etwas wie Weihnachtsgeback. Der Baum stand mb em gemeinsamem Wohnraum, die Menge Kerzen brannte daran und gab ein Licht wie man es in Achtsiedel nicht gewohnt war. Rauh und salsch- tönenb, nur manchmal zu einem ganz reinen Akkord zusammenfindend, fanaen die Männer Weihnachtslieder aus einem zersetzten Kirchenbuch, das^ irgendwie, wahrsechinlich durch Frau Christine eingeschmuggelt war- den war. Und bis zur Mitternacht standen sie ruhelos so herum.
Neue Kerzen steckten sie an, und neue Lieder sanden fte. au
ber großen Blechschüssel Christines Backwerk, und >ed«r wollte her schma-
. cymil pfnxis aaiH ßie-bes f-aaen ... Kalt n>ar 'dle und wind'H. Die paar Sterne di« sich manchmal durch das jagende Gewölk wagten wunden bald wieder zugedeckt... Dann sangen auch sie, so gut es eben geben wollte mit den rauhen Stimmen, das Lied von der stillen Nacht, der heiligen Nacht. Das gleichförmige Brummen im Haus wurde still, als,burcb die Fenster die ersten paar Töne erklangen. Die zwei >^eisch- mann waren von der Tür abgewendet und sahen die anderen nicht herauf "eten Dre" Strophen, soweit sie den Text aus dem Gedächtnis noch wußten, 'angen sie Keiner klatschte Beifall sie «°ren °uch ° zufr.edem So war ihnen das Weihnachten geworden nach der Art der ^'"'(Mis dem Siedlerroman „Achtsiedel" von Josef Martin Bauer.)
Um diese Zeit saß in ihrer einsamen Stube neben dem Kochofen, Äte L HSWE
zwei gebraut hatte, allein auszuschlurien. Der Teller mit lyrem oe^ nen Nachtmahl war beiseite «"Eut em S^erHo igkuch
ä « »mää Äwwa Ss fS*AIÄ »* - Haubenbänder neben ^geröteten Km flocke ^jh^chtsbefcherung".)
..... Weihnachten kam. Wir hatten einen Baum In der Stubeneck« stehen mit weißen Kerzen, und darunter lagen Bücher, die wir uns geschenkt, auch Lebkuchcn, Aepsel und Nüsse. Wir summten: „Still« Nachh heilige Nacht" vor uns hin, brauten einen steifen Punsch und glitten bann auf den Schneeschuhen in die Christnacht hinaus... Sie war klar un> heilig.. ."Von weit her läuteten die Glocken zur Mette. Wir nahmen für eine Vaterunserlänge di« Kappe ab und beugten uns über di« Skistöcke und feierten den Mythos der göttlichen Geburt. Dann stiegen wir wieder zu dem Hof hinauf und sprachen leise und innig noch einmal aus der Ofenbank unser ganzes Leben durch bis zum Morgengrauen... Ein« milde Trauer zog durch unser Gemüt, weihnachtlichem Duft entströmt und der Gebundenheit kindlicher Erlebnisse an dieses Fest."
(Hermann Eris Busse: „Peter Brunnkant".)
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„... Er war ausgestanden und hatte einen Fensterflügel aufgestohenr der Wind sauste; unter den Sternen vorüber jagten die Wolken; dorthin, wo in unsichtbarer Ferne ihre Heimat lag. Er legte fest den Arm um sein« Frau, die ihm schweigend gefolgt war; seine lichtblauen Augen lugten scharf in die Nacht hinaus. „Dort!" sprach er leise... Und er griff di« Hand seines Kindes und preßte fi« so fest, daß der Junge di« Zähn« zulsammenbiß.
Noch lange standen sie und blickten dem dunklen Zug der Wolken nach Hinter ihnen im Zimmer ging lautlos die alte Maad umher und hütet» sorgsamen Auges die allmählich niederbrennenden Weihnachtskerzen.. *
(Theodor Storm: „Unter dem Tannenbaum".)
Heilige Nacht.
Volksweise.
Zu Bethlehem waren einst Hirten zur Nacht, Die hüteten dort ihre Herde,
Da sah'n sie den Himmel in glänzender Pracht, Und Engel stiegen zur Erde.
Der himmlischen Scharen sroher Gesang
Bei Bethlehem auf der Flur erklang: Ehr« sei Gott in der Höhe!
Der Engel des Herrn zu den Hirten spricht: „Der Heiland ist heute geboren!
6 freuet euch, Menschen, und fürchtet euch nicht, Gott hat ihn euch selber erkoren.
Nun eilet alle nach Bethlehem hin, Zu sehen das Kind mit liebendem Sinn: Friede, Friede auf Erden!"
3um Stalle eilten bi« Hirten nun, Zu sehen das göttliche Kind.
Sie sinden's in einer Krippe ruhn, So lieb und freundlich gesinnt.
Ihr Herze entbrennt, als das Kindlein sie sehn, Was ist doch in dieser Nacht aeschehn?
Den Menschen ein Wohlgefallen!
Das Kindlein, wisset, heißt Jesus Christ, Das hat uns gar Schones gebracht.
Die Nacht das liebe Weihnachtsfest ist, — Das hat uns bas Christkind gemacht.
O Christkind, wie bist du so himmlisch gut!
Ach, was es doch an uns Menschen tut:
Es hat uns den Himmel erschlossen!
Ewige Weihnacht.
Erzählung von Karl Neurath.
Es begab sich, daß ein Gebot ausging von den neuen Machthabern, alle Welt müsse geschätzet werden. Du waren aber viel« unter den jungen Bauern, die wollten keine Kriegsdienste tun für die roten Teufel, die Elend über das Land und die Menschen gebracht hatten, und sie schlossen sich zusammen und kamen überein, in die Steppe zu gehen oder in die Taiga, den unermeßlichen Wald im Osten, um sich dort vor den Haschern zu verbergen. Unter ihnen war auch ein Mann, der hieß Jewgenis Pawlowitsch, ein schlichter Zimmermann, aber fleißig und redlich wie einer. Er war unlängst getraut worden mit Arina, der Tochter eines kleinen Bauern, und sie hingen mit großer Liebe aneinander. Die Frau war guter Hoffnung, aber dennoch beschwor sie ihren Mann solang, bis er einmiUigie, sie mitzunehmen auf die Flucht. Des waren die anderen unwillig, denn sie befürchteten, daß das Weib sie aufhalte auf ihren Wegen und ihnen gefährlich wäre. Sie redeten ein aus ekrogemj, ft« bei Den Eltern zu lassen, aber er wollte sein Wort nicht brechen und beharrte aus seinem Vorsatz. Aber ba er lieber allein in der Wildnis sein wollte als mit unzufriedenen Kameraden, beriet er sich mit Arina, seinem Weibe, und sie kamen überein, ohne die anderen und ganz für sich allein ihr Heil in den Wäldern zu versuchen.
Und er machte sich auf, da es Abend war, rüstete heimlich seinen Esel der sonst die gefällten Stämme zu Tal brachte, — die beiden munteren Pferdchen, die früher diesen Dienst getan, hatte er an die Sowjets austiefern müssen — setzte sein Weid darauf und verschwand mit ihr in der Nacht. ...... .. . .
Stunde um Stunde zogen sie dahin und waren fröhlich miteinander, denn di« Wege lagen hell im Mondschein, und die Sterne glitzerten freundlich und gesellig vom blauen Himmel. Ader allmählich wurde Arina chweigsamer. Sie kannte die Gegend nicht mehr, und auch Jewgenis hielt oft den Schritt an und fragte sich wohin er ihn wenden solle. Das Eselein aber griff wacker aus, und er stapfte treulich neben ihm her, streichelte ihm manchmal sein« dampfenden Nüstern oder fein prustendes Maul gab auch Arina, seinem Weibe, hin und wieder ein gutes Wort, unb redete sich immer erneut Mut und ©ottoertrauen ein.
Arina, die seit früher Jugend bas Reiten gewohnt war, hatte ichon


