fl» Mf erwärmen. Die Frauen, in sonntäglichen, schwarzwollenen Kopftüchern. (hoben die Kinder, die mit srostroten Bäckchen aus dunklen Kapuzen sahen, über den beglänzten Schnee des Weges in die Helle des geöffneten Kirchentores.
Der alte Riederbauer hielt mein Pferd am Zügel, während ich abfa6; jein silberweißes Haar glänzte im Schein der flackernden Schlcktenllchter, auf feiner Weste glänzten die reichen, filbernen Taler, und um ihn standen feine starken, blonden Sohne. In dem Gruß, den er uns bot, war die oute, gottgewollte Achtung vor der Herrschaft; keine Unterwürfigkeit, aber rechter Stolz und schöne Zugehörigkeit waren darinnen, und der Händedruck, bitt mir tauschten, war voll Vertrauen: ich dien dir, und du sorgst für mich, und so wivd's ja auch des Herrgotts Wille fein.
Wir führten unsere Pferde in den mächtigen, langgestreckten Stall. Warm schlug der Dunst der schweren, guten Ackergäule uns entgegen, die heute in den schönen, alten, silberplattierten Geschirren vor den bäuerlichen Kutschen gingen; und es stand auch ein Paar leichter, guter Halbblüter dazwischen, Stolz und Reichtum ihres Bauern, der zungen- schnalzend Weib und Kind mit ihnen zur Kirche gefahren hatte, den Hut im Genick vor lauter froher, treu erarbeiteter Wohlhabenheit.
Unsere schlanken Vollblüter schauten fremd in diese brave, warme Welt der Ackergäule. Die schwankenden DeUaternen ließen gespensterhafte Schatten über das Steingewölbe huschen, Spinnweben und Fledermäuse hausten unter den schweren Balken; traulich klang das tiefe Schnaufen und das behagliche Mahlen der kauenden Kiefer. Es roch nach Heu, nach rauchenden Laternen und dampfenden Pferdeleibern; von draußen tont noch immer Rufen und Kusenknirfchen ankommender schlitten.
Hamil, mein heidnischer Bruder, nun kommt die Stunde, die deine Zunge löst, nun hebt sie an, die heilige Nacht, in der die Tiere untereinander reden und Gott preisen. Sprich auch zu mir: bin ich dir jemals in einer unguten Stunde ein harter oder ungerechter Herr gewesen, so sag es mir und vergib; und bin ich, was ich hoffe, dir ein guter Freund, a denk an mich in dieser Stunde, in der das Licht wiedergeboren wird und die heimlichen Quellen wieder beginnen zu rauschen, — denk an mich in dieser heiligen Stunde, der ihr Erdverbundenen naher seid als wir. —
2Iber Hamil schwieg und sah mich mit den dunklen Tieraugen voller
In der Kirche begann die Orgel zu klingen und wir schritten in unseren schweren Reiterstieseln hinauf in unser Gestühl. Was tat das, daß einige von uns Protestanten waren? In dem dämmernden Licht, in dem barocken Goldfchimmer dieses Raumes war Platz für leden Glauben und jede Liebe. . , . . . .
Da faßen sie die Alten und die Jungen, vermodert heute M den flandrischen Gräbern, da saßen sie; lauter gute, harte Bauernkopfe, harte i Bauernfäuste vor sich aus den Knien. Der alte Rieder und der Kreuz- s dauer, der Gormer und der Mosevsepp, und der große, schone Reith- j linger von der Marienhalb, der ein paar Jahre In der Fremde gemeßen , war und -beinahe gestorben wäre vor Heimweh nach der bayerischen Ackererde und den bayerischen Bergen. Da saß die krumme alte Christel, ■ die sünszehn Kinder geboren hatte, lauter feste Bauersleute, da saß die - junge Lisbeth von Hofbauern und schielte ganz heimlich nach bem 0(61^= linger hinüber, mit dem sie ging. Und da sahen alle die sachsblonden, rotwangigen Kinder und kämpsten, an die ermahnenden Mutter gelehnt, mit dem Schlafe.
Da sah sie, die liebe, vertraute heimatliche Bauernwelt; über ihren andächtig gesenkten Köpfen jubilierten die dicken Stuck-Engelein an Säulen und Altären und neben dem schweren, bäurischen Barock der Kanzel wehten die Kerzen auf den großen Tannen, die der Riederbauer aus seinem Wald gemacht hatte. Eine mittelalterliche Krippe war aufgebaut, Herden und Hirten umringten das göttliche Kind.
Ein weißhaariger Greis amtierte vor dem Altar; und es war schön zu sehen, wie er die zitternden Knie und das Haupt beugte vor dem Glanze biefer Geburt: vor dem wiedererstandenen Licht, vor der Aus- erstehung, vor dem Leben. Die Chorknaben fangen, und der Weih- t'aU§n den Wänden ringsum hingen die tausend Opfergaben der vielen Wallfahrer, die jahrein, jahraus hierher ihre Anliegen trugen: die roärhfernen Pferde und Oechslein, die hölzernen Krücken und Hande die silbernen Herzen. — Soviel sinnfällige Bitten, soviel kindlich bargebotene Leiden — ach, Friede, Friede auf Erden, und Menschen und Tieren em tÖoM-qcfaUen! .
Standen sie draußen vor dem Tore, die Hirten und die Könige und die lauschenden Herden? Sangen sie über dem Felde, die himmlischen Heerscharen? Aus bäuerlichen Mündern klang es einfach und von Herzen demütig: Ehre sei Gott in der Höhe!
Die Orgel brauste bis unter die schwebenden Englern an der Decke, n>eit öffnete sich das schwere Tor. Unb mit schweren Arbeitsschritten, in ihren großen harten Stiefeln schritten die Bauern hinaus; die Frauen erweckten mit fünften, kleinen Stößen die entschlummerten Kinder, die ganz versunken waren in ihre Kopftücher und Kapuzen.
Ueber den verschneiten Platz strömten sie hinüber in den Krug, und da gab es noch einen guten, erwärmenden Schluck vor der Heimfahrt und für die Kinder Brezeln und Dörrobst. Wir zagen unsre Pferde aus dem Stall, die uns schon ungeduldig entgegenwieherten: es schien ihnen nun genug des Besuches bei den Vettern vom Lande!
Wieder stand der ehrwürdige, weißhaarige Riederbauer und hielt Hamil beim Zügel; er war der Aelteste der Gemeinde, dies Recht lieh er sich nicht nehmen. ,,, , . m
„Gesegnete Weihnacht!" — und hinein in den schlafenden Wald.
Und Trab — und Trab — „ .. .
Fünf nickende, schnaubende Pferdeköpfe, fünf selige Reiterherzen.
Hamil, mein Freund — „ . „ „
Ein hohe- Tor, ein verschneiter Park. In geräumiger, warmer tan- lunbuftenber Diel« bampjte der Weihnachtspunsch.
Oer Tannenbaum.
Bon Kurt Heynick«.
Er stand im Wald in herbem Moose
Und ward von Sonne und von Wettern satt.
Er sehnte sich ins Grenzenlose.
Da kam die Axt. So fuhr er in die Stadt.
Er stand mit goldnem Fuß auf weißer Decke Und war der schönste in dem engen Raum, Das Lied der Eltern tönte aus der Ecke Und lobte ihn: „D Tannenbaum".
Sein Leib war reich besteckt mit Lichtern, Ihm lagen Sterne in dem grünen Haar. Doch schiens, daß rings von den Gesichtern Er sehr bedrückt und einsam war.
Doch plötzlich fingen seine Aeste
Sich sacht in einem Kinderblick,
Und jählings schwanden für ihn alle Gäste, Und selbst die Wände traten still zurück.
Es sah ihn an mit lächelnd offnem Munde
Und mit verzaubertem Gesicht.
Es liebte ihn in dieser Stunde.
Sehr zart. Sehr fromm. Berauscht von soviel Licht.
Und er bekam des Kindes Herz zu lesen. Daß er für ewig dort zu Hause war. Da schenkte er fein ganzes Wesen.
Die Kerzen glänzten wunderbar.
Weihnachten in deutscher Prosa.
Zusammengestellt von Peter Sixt.
„Eines der schönsten Feste feiert die Kirche fast mitten im Winter, wo beinahe die längsten Nächte und kürzesten Tage sind, wo die Sonne am schiefsten gegen unsere Gefilde steht unb Schnee olle Fluren deckt, bas Fest der Weihnacht... In den meisten Gegenden wird schon die Mitter- nachtsstunde des Herrn mit prangender Nachtfeier geheiligt, zu der die Glocken durch die stille, finstere, winterliche Mitternachtsluft laden, zu der die Bewohner mit Lichtern auf dunklen, wohlbekannten Pfaden aus schneeigen Bergen an bereiften Wäldern vorbei unb durch knarrende Obstgärten zu der Kirche eilen, aus der die feierlichen Tone kommen, und die aus der Mitte des in beeiste Bäume gehüllten Dorfes mit den langen beleuchteten Fenstern emporragt.
Mit dem Kirchenfest ist auch ein häusliches verbunden. Es hat sich fast in allen christlichen Ländern verbreitet, daß man den Kindern die Ankunst des Christkindleins — auch eines der Kinder, des wunderbarsten, das je auf der Welt war — als ein heiteres, glänzendes, feierliches Ding zeigt, das durch das ganze Leben fortwirkt, unb manchmal noch spät im Alter bei trüben, schwermütigen oder rührenden Erinnerungen gleichsam als Rückblick in die einstige Zeit mit den bunten, schirnrnernoen Fittichen durch den oben, traurigen und ausgeleerten Nochthimmel fliegt. Man pflegt den Kindern die Geschenke zu geben, die bas heilige Christkindlein gebracht hat, um ihnen Freube zu machen. Das tut man gewöhnlich am Heiligenabend, wenn die tiefe Dämmerung eingetreten ist. Man zündet Lichter unb meistens sehr viele an, bie oft mit den kleinen Kerzlein auf den schonen grünen Aesten eines Tannen- aber Fichtenbaumes schweben, der mitten in ber Stube steht. Die Kinder dürfen nicht eher kommen, als bis das Zeichen gegeben wird, daß der heilige Christ zugegen gewesen ist und die Geschenke, die er mitgebracht, hinterlassen hat. Dann geht die Tür auf, und die Kleinen dürfen hinein, und bei dem herrlichen schimmernden Lichkerglonze sehen sie die Dinge auf dem Baume hängen oder auf dem Tische herumgebreitet, die alle Vorstellungen ihrer Ein- bildungskrast weit übertreffen, die sie sich nicht anzurühren getrauen, unb die sie endlich, wenn sie sie bekommen haben, den ganzen Abend m ihren Aermchen Herumtragen unb mit sich ins Bett nehmen. Wenn sie dann zuweilen in ihre Träume hinein bie Glockentöne der Mitternacht hören, durch welche bie Großen in die Kirche zur Anbacht gerufen werden, bann mag es ihnen sein, als zögen jetzt bie Englein durch den Himmel, ober als kehre der heilige Christ nach Hause, welcher nunmehr bei allen Kindern gewesen ist unb jedem von ihnen ein herrliches Ge- schenk hinterbracht hat. — Wenn bann ber folgenbe Tag, ber Christtag, kommt so ist er ihnen so feierlich, wenn sie frühmorgens mit ihren schönsten Kleibern angetan, in ber warmen Stube stehen, wenn der Vater und die Mutter sich zum Kirchgänge schmücken, wenn zu Mittag em feier- liches Mahl ist, ein besseres als an jedem Tag des ganzen Jahres, uno wenn nachmittags oder gegen Abend hin Freunde und Bekannte kommen, au' den Stühlen unb Bänken herumsitzen, miteinander reden und behaglich durch die Fenster in bie Wintergegend hinausschauen können, wo ent- weder die langsamen Flocken nieberfaUen, ober ein trüberober Nebel um bie Berge steht, ober die kalte blutrote Sonne hinabfinkt. An verschiedenen Stellen der Stube, entweder auf einem Stühlchen, ober auf der Bank, ober auf dem Fensterbrettchen, liegen bie zaubrischen, nun aber schon bekannteren unb vertrauteren Geschenke von gestern abenb herum.
Hierauf vergeht ber lange Winter, es kömmt der Frühling und der unendlich dauernde Sommer — und wenn die Mutter wieder vom heiligen Christ- erzählt, daß nun bald sein Festtag fein wird und daß er auch diesmal herabkommen werde, ist es ben Kindern, als sei seit fernem letzten Erscheinen eine ewige Zeit vergangen, und als liege bie damalige Äreude in einer weiten, nebelgrauen Ferne. Weil dieses Fest (0 lange nachhält, weil sein Abglanz so hoch in das Alter hinaufreicht so stehen wir so gerne dabei, wenn Kinder dasselbe begehen unb sich oeiruDer freuen.“ (Adalbert Stifter: „Bergkristall .)
, ... als ob wir selbst noch irgendwo die Kinder wären, die wir einmal" waren — bie wartenden frohbangen Weihnachtskinder, auf bie die


