ihnen geschlossen, atmeten die Flüchtlinge auf. In einem weiten Bogen erreichten sie die Ludwigsburger Sttahe. GegeMMitternacht sahen sie in her Nähe von Ludwigsburg zur Linken den Himmel feurig gerötet und bald die ganze Solitude aus einem Flammenmeer aufragen. Der Herzog saß mit seinen Gästen nach Besuchder flehten Opera, die auf die rus­sischen Herrschaften gemacht war", während einermagnisiquen" Illu­mination bis nach ein Uhr im Lorbeersaal an der Tafel. Trotz dem Regen waren das Schloh und die Avenue so hell erleuchtet, daß man wie die grau d. Oberkirch in ihren Memoiren erzählt denPalast iter Sonne" zu sehen glaubte.

Schiller meinte, in diesem glühenden Licht sogar das Haus feiner Eltern erlernten zu können. Er zeigte es dem Freunde und rief dann, in der Erinnerung an die, von ter er schmerzlichen Abschied genommen, tief bewegt aus:O meine Mutter!"

Während der ersten Pferderast zog Schiller ein Heft ungedruckter Gedichte Schubarts aus der Tasche und las dem Freunde -daraus vor besonders die .Fürstengruft" jene Kerfe aus den Tyrannen Herzog Karl und die Vergänglichkeit seiner Macht, von dem unglücklichen Schu­bart einst mit seiner Hofenschnalle in die nasse Kerkerwand des Hohen- aspergs geritzt ... und der Hohenasperg drohte noch ganz in der Nähe!

Als die Freunde morgens acht Uhr die kurpfälzische Grenze erreichten, rief Schiller, wie von schwerer Last befreit, hoffnungsfreudig auf den Grenzpfahl zeigend, aus: .Sehen Sie. lieber Streicher, wie freundlich die P ähle und Schranken mit Blau und Weitz angestrichen find. Ebenso freundlich ist auch der Geist ter Regierung!" Der Dichter suhlte sich be­freit von den Stuttgarter Fesseln, mit denen der Herzog seinen Gemus bezwingen wollte. Stand ihm auch in Mannheim manche Enttäuschung bevor, ähnliche Fesseln wie in der Heimat hat er nie wieder zu tragen brauchen.

man dazu nicht erst eine schwierige Kunst zu erlernen brauche; noch um 1750 mußte der Jugend besonders eingeschärft werten, daß sie sich d« Gabel bedienen müsse.

Auch dem feineren Benehmen bei Tisch wenden die Tischzuchten ih« Ausmerksamkeit zu. Da wird empfohlen, das Essen nicht in den Mund zu stopfen,gleich als wenn man eine Bratwurst füllet". Man soll nicht mit vollem Munde sprechen, nicht zu schnell effen. Man soll sich nicht gleich aufs Essen stürzen; das steht gierig aus, und man verbrennt sich den Schlund:Ganze Bissen auf einmal zu verschlucken, ist Art ter Störche oder der Schmarotzer." Hat man so viel auf einmal genommen, daß man es nicht verschlucken kann, so soll man es nicht wie-der auf den Teller speien, sondern sich wegwenden und es heimlich irgendwohin werfen. Man soll dem Genossen nichts wegnehmen, nicht dem Nachbar den Becher an­bieten, während man noch selber trinkt. Man soll, heißt es in einer Tisch­zucht, demDeutschen Cato" nicht über den Tisch hinweg, sondern auf die Erde oder an die Wand spucken. Alle derartigen Anstandslehre» fanden die weiteste Verbreitung in der berühmten Schrift tesGrasmufc Heber die Höflichkeit kindlicher Sitten", die 1530 erschien, und in jenet» grobianischen" Zeitalter voll Unfläterei und Rüpelei besonders am Platz war. Erasmus von Rotterdam verlangt u. a., -daß man nicht nachdenk­lich und träumerisch bei Tisch sitze, sondern sich an ter U nterh altu ng beteilige, aber man soll nicht übers Essen sprechen.

Wie das Benehmen bei Tisch nicht gerate den seinen Ton förderte, so war es auch mit ter ganzen Anordnung ter Tafel ter Fall. Zunächst einmal gab es besondere Speisezimmer nur in den höchsten Kreisen; bis ins 16. Jahrhundert hinein atz man gewöhnlich im Schlafzimmer oder in der Küche. Bis ins 17. Jahrhundert behielten die Herren bei Tisch die Hüte auf, und erst in ter Zeit ter großen Perücken legten sie sie ab, weil sie ihnen nun doch zu lästig wurden. Man saß meist auf Bänken, und daraus ergibt sich schon, daß das steife Auf-einand-erreihen ter Gäste die freiere Bewegung und Gemütlichkeit hemmte. Wie anders war es in ter Antike, da man in behaglichen Gruppen beieinander lag. Erst in ter \ Renaissance tarnen -die einzelnen Stühle auf, die ten Gästen eine g-ewis> e Freizügigkeit gestatteten, und es wird von Heinrich IV. von Frankreich berichtet, daß er an seiner Tafel leichte, zusammenklappbare Stühle auf« stellen ließ, damit man sich besser unterhalten und die Dischordnung nach Belieben ändern könne.

Ebenso wichtig war die Entwicklung des Tisches. Im Mittelalter kannte man nur ten viereckigen Eßtisch, dessen eine Breitseite nicht be­setzt wurde, sondern für die herantretende Bedienung f reib lieb. Erst im 17. Jahrhundert schließt ter ovale Tisch die Gesellschaft fester zusammen, und der runde Tisch des Rokoko schasst ten harmonischen Kreis für die Tafelrunde, versammelt gleichsam in einem Brennpunkt die Geister um die Mitte und läßt die Bemerkungen und Witze Hinüberschietzen. Der Boden d-es Speiseraumes war zuerst mit Stroh belegt, -dann in ter Re­naissance mit Blumen, später mit Matten und Teppichen. Die Tafel- dcloration, die bisweilen von großen Aufbauten aus allerlei Eßbarem I gebildet wurde oder auch aus künstlichen Schaugerichten bestand, erfuhr I erst in der Renaissance ihre vollendete ästhetische Ausgestattung. Aus dieser stammt das meiste, was uns noch heute am gedeckten Tisch entzückt, natür­lich mit Ausnahme des erst viel später aufgekommenen Porzellans. Die herrlichsten Gläser wechselten mit wunderbaren Arbeiten der Gold- schmiedekunst, wie sie Benvenuto Cellini geschaffen hat.

Man saß in früheren Zeiten sehr viel länger bei Tisch als heutzutage. Essen und Trinken spielten eine Rolle, die sie heute nicht mehr haben. Karl der Große, wenn er in seinen Pfalzen residierte, den ganzen Tag, Napoleon nur eine Viertelstunde! Unendlich groß war I die Zahl der Gänge und Gerichte. Im Mittelalter gab es für gewöhnlich I bei einem besseren Essen zwei Gänge, deren jeder aus vier, sechs oder neun Gerichten bestand. Ein Gang bestand aus -den Fleischspeisen, ein anderer aus Fischen und Gebackenem. Dann folgte der Nachtisch, das Konfekt". Es kam aber auch vor, daß bei Festen über hundert Gerichte I serviert wurden, und sich durch diese selbst nur teilweise hindurch zu essen, | erforderte viel Zeit. Die heute allgemein erkannten und in jeder guten Gesellschaft beobachteten Anstandsregeln bei Tisch haben sich erst im | 18. Jahrhundert in den breiteren Kreisen durch gesetzt.

Phantasien im Bremer Ratskeller.

Von Wilhelm Hauff.

(Fortsetzung.)

Balthasar hatte ihm die Schürze umgeb unten, und er neigte sich örtlich argen die Rose.Wenn nur das junge Volk hier nicht dabei wäre", flüsterte sie befchärnt, intern sie sich halb zu ihm neigte; ater unter dem Jubeln und Jauchzen der Zwölfe hatte ter Weingott fern Schürzenstipendium nebst Zinsen eingenommen. Dann leerte er [einen Humpen wieder und ward um zwei Fäuste breiter und großer und huv an mit einer rauhen Weinstimme zu fingen:

Vor allen Schlössern dieser Zeit Lob' ich ein Schloh zu Bremen, An seinen Hallen hoch und weit Darf sich kein Kaiser schämen; Gar seltsam ist es ausstaffiert, Mit schmuckem Hausrat ausgeziert. Doch hat daselbst vor allen Eine Jungfrau mir gefallen.

Ihr Auge blinkt wie klarer Wein, Ihre Wangen sind nicht bleiche. Wie prächtig ihre Kleider sein. Von lauter schwerem Zeuche;

Von Eichenholz ist ihr Gewand Von Birkenreifen ihre Band', Das Mieter, das sie zieret, I Mit Eisen ist geschnüret."

OieTischzucht".

Wie die Deutschen effen lernten.

Von Dr. Georg Kuhn.

Das Altertum hatte eine hohe Kultur entwickelt, die mit ter Völker­wanderung dahinsank. Damals ward auch saft alles vergessen, was an buntem Glanz und seiner Sitte sich um den Eßtisch versammelt halte. Wie die Menschheit beinahe mit allem vor vorn anfangen mutzte, fo mußte sie auch wieder lernen, menschlich zu essen. Diese Bemühungen um bas gute Benehmen bei Tisch, die Voraussetzung alles feineren und geistigeren Verkehrs, spiegeln sich in einer kleinen ßiteratur- gattung, den sog.T i s ch z u ch t e n", von denen mir -in der Zeit vom 12. bis zum 17. Jahrhundert aus den verschiedenen Kulturländern etwa 30 kleinere und größere Schriften kennen. Die ersten lateinischen Tisch, züchten stammen aus dem Kreise der Kloster in denen ja überhaupt im Mittelalter die frühesten Erzieher ter Menschheit auftraten. Bei der Be­urteilung dieser Anstandsregeln müssen wir uns m eine Zeit versetzen, in der es nur auf den vornehmsten Tafeln Tischtücher und für leben Teilnehmer einen eigenen Teller gab. Im allgemeinen atzen alle aus einer Schüssel und mehrere von einem Teller; man fuhr mit den Löffeln in den gemeinfameri Napf hinein, um st Hb« heften Stucte he - auszufischen. Neben dem Löffel benutzte man das Messer, denn die Braten wurden nicht wie im Altertum bereits zerschnitten gereicht, sondern jeder | fabelte sich sein Stück selbst los. Sogar ter Besitz eines eigenen Losfett galt noch bis ins 16. Jahrhundert als Luxus, undMo nta i 0"emach sich über die Schweizer luftig, die für jeden bei Tisch einen besonderen Löffel hinlegten. Infolgedessen kann man sich lebhaft vorstellen daß em ziemlich wüstes und unreinliches Durcheinander bet Tsich herrschte, und erst die höfische Sitte ter ritterlichen Kultur hob das Benehmen bei der Tafel auf eine höhere Stufe.

In dem ersten umfangreicheren Gedicht dieser Art,Des Tann­häusers Hof zücht", wird unter anderem gefordert, daß man nicht direkt aus der Schüssel schlürfen, sondern sich tes Löffels bedienen solle, auch solle man Brühen und Soßen nicht mit den Fingern, sondern mit Brot auftunken. Man soll bei Tisch möglichstwewg mitestende Laute von sich geben, den Gürtel nicht lockern, wenn ter. Dauch sich füllt, nicht mit dem Messer in ten Zähnen herumstochern ^r diesen Zweck führte man damals den allerdings schon m der Antike bekannten Za fcnjt o J ein; man hängte ihn in einem schonen.^lm um H , Q ' nebenbei zum Schmuck diente, oder hie t ihn "ls kostbare vergoldete Ge flaue in -der Hand. Der Tannhäuser fmdet es a^ höchst unschi^ich, die abgenagten Knochen wieder in die Schussel zu werfen, s g -

nicht das Tischtuch, sondern die Hand dazu^gebrauchen. Das T°iq«mu°s »ar ja damals auch noch nicht geboren. Servietten bürgerten. sich.styr langsam ein. Sie galten noch im 16. ^o^hunderis kräftige Parsü- unb man sah weniger auf ihre Sauberkeit als auf-ihre krastige^ter,^ mierung Man band sie damals um ten Hals, um d -prackit führten dadurchzu schützen. Die großen Halskrausen ter spanischen Tracht führten °uch »ur. Ersiridung tes M 'e fiS tui Löffeln wäre es nicht M e b i c -i der Gesellschaft schenne. ucn ue 9 Mühlfteinkraaens möglich gewesen, die Speisenfracht über das S allmählich ihren Platz hinwegzubugsieren. Die Gabel tesSaiier

am Eßtisch erobert. Unter den Kostbarkeiten oe -o _ gj gujt

Karl V. mit in feine selbst S/^stteEinsamke,t -ch d. brauchen,

nahm, befanden sich u.a. 12 Gabeln. Cr_mußie ' UL greffer. Im denn er war trotz seiner Abkehr von bereit E ungeheuerer tfre^ 17. Jahrhundert -bringt die ®abel £anbte ein, daß man keine

wird aber noch immer stark bekämpft. Ma verrichteten und

Gabel brauche, da die Finger diese Ausgabe viel betzer verrinne