feine Wut durch einen Sturm erhöht wird, ist es gefährlich, sich ihm auf eine norwegische Meile zu nähern. Laote, pachten, Schiffe stno hmweg- qetragen worden, wenn sie sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachten, bevor sie in seine Nähe kamen. Es geschieht auch häufig, das; Wale dem Strome zu nahe schwimmen und durch seine Heftigkeit überwunden werden; dann ist ihr Heulen und Brüllen bei dem fruchtlosen Kämpfen um Befreiung unbeschreiblich. Als einst ein Bür versuchte, von Lofoten nach Moskoe zu schwimmen, wurde er vom Strom gefangen und herunter- aezoqen und er heulte so furchtbar, daß man ihn an der Küste horte. Große Mengen von Kiefern und Fichten, die von der Strömung ver- fdilunqen wurden, erscheinen wieder in so zerrissenem Zustande, als ob Stacheln auf ihnen gewachsen wären. Dies beweist zur Genüge, daß die Tiefe aus klippigen Felsen besteht, zwischen welche;, sie hm- und her- aewirbelt wurden. Dieser Strom wird von Ebbe und Flut des Meeres geregelt da immer alle sechs Stunden das Wofser hoch steht und wieder tief. Im Jahre 1645 raste er am frühen Morgen des Sonntags Sexa- gesima mit einem solchen Lärm und einer solchen Wucht, daß die Hauser an der Küste zusammenfielen." .. . .
Ich konnte nicht verstehen, wie es überhaupt möglich fein sollte, die Xiefe des Wassers in der unmittelbaren Nähe des Wirbels festzustellen. Die 40 Faden" müssen sich nur auf Stellen des Kanals dicht an der Küste von Moskoe oder Lofoten beziehen. Die Tiefe in der Mitte des Moftoestromes muß unermeßlich groß [ein, und einen besseren Beweis dafür kann es nicht geben, als einen Seitenblick m den Abgrund des Wirbels von der höchsten Klippe des Helseggen. Ms ich von dieser Spitze auf den heulenden Phlegethou heruntersah, mußte ich lächeln über die Einfalt mit der der ehrliche Ionas Ramus als eine kaum glaubliche Sache die Anekdoten von Walen und Bären wiedererzählte, denn mir jchien es tatfächlich ganz selbstverständlich, daß das größte Schiff aller Verkehrslinien wenn es unter den Einfluß diefer todbringenden Anziehungskraft gerät,' ihr so wenig Widerstand bieten kann wie eine Feder dem Orkan, und sofort leibhaftig verschwinden muh.
Die Versuche, das Phänomen zu ergründen, von denen mir einige beim Durchlesen ganz glaubhaft vorgekommeu waren, machten mir nun einen ganz anderen, unbefriedigenden Eindruck. Die allgemeine Ansicht ist daß dieser Wirbel sowohl als die drei kleineren bei den Ferroe-Jnseln keine andere Ursache haben als den Zusammenprall der steigenden und fallenden Wogen bei Ebbe und Flut gegen eine Reihe von Felsen und Riffen, die das Wasser so einpressen daß es sich wie em Wasserfall herabstürzt; so muß der Fall um so tiefer sein, je höher die Flut steigt, und die natürliche Folge alles dessen ist ein Wirbel oder Strudel, dessen wunderbare Saugkraft durch weniger bedeutende Versuche genügend bekannt ist. Das sind die Worte der Encyclopädia Britannica. Kircher und andere glauben daß sich in der Mitte des Bettes des Malstromes ein Abgrund befinde, der durch die Erdkugel hindurchdringe, und an einer entfernteren Stelle münde — in einem Antle toirb ziemlich bestimmt Der Botkni che Meerbusen genannt. .
Diese Ansicht, so müßig sie an und für sich ist, war doch biejemge, die meiner Einbildungskraft am wahrscheinlichsten schien, als ich hinblickte; und als ich sie meinem Führer gegenüber erwähnte, war ich ziemlich überrascht, daß dies zwar die allgemeine Aufsassung in Norwegen, aber doch nicht die [einige fei; was aber die frühere Ansicht betreffe, so gestehe er daß er sie nicht begreifen könne, und hier stimmte ich ihm zu, denn so'schlüssig sie auch auf dem Papier scheinen mag, so wird sie doch ganz unverständlich und sogar widersinnig inmitten des donnernden Abgrundes.
„Jetzt können Sie den Wirbel gut sehen", sagte der alte Mann, „und wenn Sie um diese Felsspitze Herumkriechen wollen, so daß Sie in ihren Schutz kommen und das Heulen des Wassers nicht hören, so will ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die Sie überzeugen wird, daß ich etwas vom Malstrom wissen muß."
(Fortsetzung folgt.)
Glücksritter unter der Mitternachtssonne.
Besuch bei lappischen Goldwäfchern in Finnmarken.
Von PerSchwenzen.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Zwei Tagereisen mit Flußbooten stromaufwärts von der bunten Lappenstadt Karasjok liegt das erste Goldwäscherlager. Die Erde dieser Ufer weist einen gleichmäßigen Goldgehalt auf, zu schwach, um Reichtum zu schasfen, zu viel, um keine Hoffnungen zu wecken.
Der Forstverwalter von Karasjok fuhr uns flußaufwärts bis zur Sommerstadt Assebakte, von wo wir ein Lappenboot nehmen wollten. Assebakte! Das ist eine wunderliche Sache. Dieses Nomadenvolk hat auch hier in Karasjok nicht ohne einen Rest des Wandertriebes auskommen können. Wenn die Renntierlappen im Frühsommer mit ihren Zelten und Herden in die Berge ziehen, bann macht sich die „seftwoh- nenbe" Bevölkerung, bie Flußlappen, mit Kinb und Kegel auf, mit Haustier und Hausrat, um — 50 Kilometer weit stromaufwärts in bie Sommerstabt Assebakte zu ziehen, wo jeher ein kleines Anwesen hat, entsprechend kleiner als der Winterplatz in Karasjok ... Hier also wohnt der Peer Soleng. Er war gleichsam zuständig für Fremdenverkehr und dergleichen. Er sprach ein fließendes Norwegisch. Er war einem Sektenprediger in die Hauptstadt gefolgt, hatte eine Bibelschule besucht, war mit vielen Kenntnissen heimgekehrt und gehörte nun zu den Bevorzugten, die als Wahlkandidaten und Dolmetscher eine wirtschaftlich und moralisch gehobene Stellung innehaben. Peer Soleng zeigte sich menschlich und machte einen annehmbaren Preis aus. Während wir in seinem Blockhaus zwischen Hunden und Kindern auf dem Bettrand sitzen und Kaffee trinken, macht er mit feinem Schwager das Boot fertig. Er hat — eine weitere Konsequenz der Bibelschule — einen ordentlichen Außenbordmotor. Wir knattern davon, die Sommerstadt, die Föhrenwälder verschwinden, zart über hellem Sandbruch leuchten Birkenwälder. Dies lappische Flußland erinnert an thüringische Uferlandschaft, an hessische Berge — nur daß Birke und Moos das deutsche Grün mit Weih und Silbergrau versetzen.
Oft wird das Wasser so flach, daß Soleng die Schraube nur den Wasserspiegel peitschen läßt, während der Schwager, vom Bug des langen Kanus stakend, uns durch schmale Furten lotst.
Gegen Abend erreichen wir die erste Etappe unserer Reise: ein kleines Blockhaus die staatliche Schutzhütte. Sie ist leer. Eine Hausordnung besagt daß die Fahne zu hissen und pro Kopf für Uebernachten 1,50 Krone zu deponieren fei. Holz ist am Kamin und Ofen gestapelt, Geschirr im Schrank Birkenreiser und Renntierfelle in den Bettstellen, alles ist von - anderer, herber Wohnlichkeit, wie es diese Welt der Weite und Ein- amteit paßt.
Peer Soleng schraubt seinen Außenbordmotor ab und montiert ihn an der Bettstelle. Das macht man hier so, nicht etwa, um ihn in Sicherheit zu bringen — nein, er wird hier ganz einfach deponiert. Denn ab morgen müssen wir durch die Stromschnellen am Ufer entlang staken und können keinen Motor brauchen. Da wird er eben ans Bett geschraubt und kann schlafen, bis wir übermorgen zurückkommen. In her staatlichen Blockhütte ist noch nichts verschwunden — wohin denn auch?
Die Weiterfahrt am nächsten Tage hatte ihren besonderen Reiz. Das von uns gemietete Boot fuhr nämlich — ohne uns. Während die beiden Männer mühsam längs des Uferranbes gegen bie Stromschnellen statten, bürsten wir uns hügelauf, hügelab einen Weg suchen. Am Nachmittage langten wir am Golbwäscherlager an; eine „Gamme (Erbhutte) und zwei Zelte. Ein alter Küchenherb stand im Grase und streckte sein langes Ofenrohr wie eine Prothese in den Himmel. Eine primitive Esse mit Blasebalg sah auch nicht viel munterer aus. Das also war das Lager. Es war leer. Wir gingen dem Klang der Spitzhacken nach zur Arbeits- stelle Diese ganze Goldwäscherei sieht nicht viel anders aus als eine im Bau befindliche Dränierungsanlage. Etwa in zweihundert Meter Lange ist der Boden aufgehackt, die Männer stehen tief im Erdreich und brechen Stein rohen Wurzeln. In Schulterhöhe ist eine hölzerne W a s s e r - leitung gebaut, bie an einen höher gelegenen Bergfee angeschlossen ist, im Augenblick aber trocken liegt. Am Boben der kastenförmigen Rinne sind Rippen und kreisrunde Vertiefungen zu sehen. Der Vormann her Gemeinschaft, die sich hier im goldenen Sommerglück versucht, heißt John Balto — für einen Lappen ein wahrhaft goldgräberischer Name! Er erklärt uns bie Arbeitsvorgänge. Wenn genügend Erde gelockert ist, so zieht man die Schleuse oben am See. Das Wasser fließt reißend in bie Rinne. Man schaufelt nun zwei Tage lang Erbe in den künstlichen Bach. Das Wasser löst die Erdteile auf und spült sie in den Fluß hinaus. Die schwereren Metallteilchen aber, der Erzstaub, mit Gold ver- mischt sinkt herab und setzt sich in die Rippen und Locher des Rinnenbödens. Nach zwei Tagen stellt man bas Wasser ab, und bas Goto fällt aus bem Erzstaub mit Hilfe von Quecksilberlösung heraus.
Um ben Golbgehalt eines für bie Anlage in Aussicht genommenen Gelänbeteiles zu bestimmen, wäscht man eine Stichprobe in der Pfanne. John Balto füllt zwei „Pfannen", einfache Blechschüsseln, bis an den Rand mit der rötlich-kleberigen Erde. Wir gehen damit zum Fluß hinab. Dieses Goldwäschen in her Pfanne ist eine ausgezeichnete Geduldsprobe. Man hockt da auf einem Stein im Wasser und läßt die Pfanne vorsichtig voll Wasser laufen, um es ebenso vorsichtig auszugießen. Mit bem abfließe n,den Wasser folgt bie aufgelöste Erbe, Grus und Lehm mit, während der schwarze Erzstaud zu Boben sinkt. Steine werden vorsichtig in der Pfanne abgespült und weggeworfen. Mit ungeheuerer Präzision muß man zum Schluß Löffelportionen über ben Raub her Pfanne ein- unb ausfluten lassen, bis eine ganz bünne schwarze Schicht Eisensand zurückbleibt, barunter bas Golh — wenn überhaupt! — verborgen liegt. Drei Pfannen Erbe habe ich in ben Fluß hinausgewaschen, ehe ein, zwei Gold- punkte im schwarzen Staub erglänzten.
So reich wie bie früheren Golbgräber in Alaska und Kalifornien können bie guten Lappen hier nicht werben, wenn auch bie bescheibenen Ansprüche dieser Leute, die während des Sommers ja kaum etwas m ihrer Abgeschiedenheit verbrauchen, reichlich befriedigt werden. Sie b'ben ausgerechnet, daß sie pro Kopf und Tag zwifchm dreizehn und fünfybn Kronen verdienen, da können sie sich immerhin im Winker bald ein Holzhaus in Karasjok leisten, zweistöckig und gemalt wie das vom Lehnsmann ober Pfarrer.
John Balto unb feine Leute sind sehr zufrieden. In der Gamme beim Abendessen zeigen sie mir einen kleinen Beutel, die bisherige Ernte. Es sind die Arbeitstage von fünf Menschen, einen ganzen Sommer lang, aber ich kann sie mit ben Händen umsch'ießen. Stumm hin — Gold ist eine sichere Sache, es wird nicht ranzig, wie Ziegenmi ch, es kann nicht weglaufen, die Beine brechen ober krank werden wie bas Renntier, es kommt kein' Pilz unb kein Wurm, ber es frißt, meint John. Unb Diebe? — frage ich. Die fünf blicken mich verstänbnislos an.
„Hier gibt es hoch keine Diebe ..." sagt der alte Biti schließlich „Hi" kommen nur Leute aus Karasjok herauf, unb bie kennen uns hoch, sind gute Freunhe. Unb bie Norweger, ja, hu mußt schon entschuldigen, die kommen ja nicht so oft, daß man sich fürchten müßte, sinh ja alle feine Herren, bie hierher kommen ... aber ba oben am Meer, wo sie bau'm unb immer neue Menschen aus bem Silben kommen — ba müßte man wohl nachts mit bem Gewehr im Arm schlafen. Hier liegt bas Golbsäckchen in ber Gamme unb nicht einmal ein Hunb bewacht es."
Bei biefen Zeiten ber Arbeitslosigkeit, bie auch in Norwegen empfindlich fühlbar ist, müßten bie Goldufer der Finnmarkenflüsfe eigentlich wen mehr Leute anlocken. .Denn immerhin ist hier doch bei verhältnismaM geringen Spesen ein ertragreicher Sommer zu erhoffen. Nur die enorm n Entfernungen, die Umständlichkeit des Reifens in den weglosen Gebieten läßt es erklärlich erscheinen, daß nicht schon weit mehrere bas Los ocj Arbeitslosen im Süden des Landes mit dem des Glücksritters unter der Mitternachtssonne vertauschten.
Die Heimkehr durch bie Stromschnellen geht mit reißender Geschwindigkeit. Senkrecht hüpfen bie Wellen, weit höher als bie Borbwand o ’ langen Kanus, ohne jeboch ins Boot zu fchlagen. Der Kiel schürft u


