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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang (932 Montag, den 22. August NummeHö
Requiem.
Von Conrad Ferdinand Meyer. Bei der Abendsonne Wandern, Wann ein Dorf den Strahl verlor. Klagt sein Dunkel es den andern Mit vertrauten Tönen vor.
Noch ein Glöcklein hat geschwiegen Aus der Höhe bis zuletzt.
Nun beginnt es sich zu wiegen,
Schaum war wenig zu bemerken, außer in unmittelbarer Nähe der Felsen.
„Die entferntere Insel", sagte der alte Mann, „wird von den Norwegern Vurrgh genannt. Die in der Mitte liegende heißt Moskoe, eine Meile weiter nördlich liegt Ambaaren. Dort drüben sind Jslesen, Hotholm, KeildHelm, Suarven und Buckholm; weiter weg, zwischen Moskoe und Vurrgh, Otterholm, Flimen, Sandflesen und Stockholm. Das sind die richtigen Namen dieset Orte. — Aber warum man sie überhaupt benennen mußte, ist mehr als Sie und ich verstehen können. Hören Sie irgend etwas? Sehen Sie irgendeine Veränderung des Wassers?"
Wir waren nun seit etwa zehn Minuten auf dem Gipfel des Helseggen, den wir von innen her aus den Lofoten bestiegen hatten, so daß wir vom Meer nichts sahen, bis es von der Höhe aus plötzlich sichtbar wurde. Während der alte Mann sprach, hörte ich einen lauten, langsam anschwel-
Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!
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Oer Sturz in den Malftrom.
Erzählung von Edgar Allan Poe.
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Wir hatten nun den höchsten Gipfel der Klippe erreicht. Wahrend einiger Minuten schien der alte Mann zu erschöpft, um zu sprechen.
„Vor kurzem noch", sagte er, „hätte ich Sie auf diesem Wege so gut führen können wie mein jüngster Sohn; aber vor drei Jahren hatte ich »in Erlebnis wie es noch keinem Werblichen Men^chei^ geschehen lji, ober wenigstens wie es noch keiner überstanden hat, um davon erzählen zu ■önnen — und sechs Stunden Todesangst haben mir Leib und äectc zer-
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! Herzog ® Miet Sie halten mich wohl für einen ganz alten Mann, aber das btn
unter uns in die See." v ™ .
Ich sah verwirrt auf eine weite Strecke des Meeres deßen Wage^ ^ tmtensäwarr war daß es mich sofort an den Bericht des nützlichen w graphen vom Meer der Schatten erinnerte. Lün öderes emsameres Pano^ cama tonnte die menschliche Einbildungskraft nicht °usdenke'i. !bechts und inks, soweit das Auge reichte, erstreckten sich, wie Schutzwehren der Erde, Reihen schrecklicher, schwarzer, schroffer Klippen, deren D f h Brandung, die heulend und schrillend ihre ^ißen gespenstigen Kamme nuswarf, nur noch mehr heroorgehoben wurde. Gerade denBorgebirge gegenüber, auf dessen äußerster «pitze wir standen, etwa a entfernt, war eine kleine öde Insel im Meere zu sehen 0-c
Lage war durch die wilde Brandung, die fie umgab furchtbar
iroei Meilen näher am Lande erhob sich eine anber ■ «emere bteUW« ierrissen, kahl und an mehreren Stellen nut Klumpen bunif 0 -I i landen war. _
Zwischen der entfernteren Insel und dec Küste hatte ber ^^E^ganz ungewöhnliches Aussehen. Obgleich zur Zett eine sie f I , wehte so batz eine Brigg die in einiger Entfernung unter boppeit g rafflem Gaffelsegel lag, dauernd ihren ganzon Rumpf untertauchte d ß -nan ihn nicht mehr sah. war hier gar keine eigentliche 1^nung sondern »»s Wasser schlug wild nach allen Richtungen, auch gegen den Wind. Vo
ich nicht Weniger als ein Tag hat genügt, um dieses einst pechschwarze Sans: „6- , fiaar ,u bleichen meine Glieder zu erschlaffen und meine Nerven zu chwächen so daß ich jetzt bei der geringsten Anstrengung zittere und mich viel W '. vor dem Schatten fürchte. Wissen Sie, daß ich kaum über diesen kleinen " " T"‘l Abhang sehen kann, ohne schwindlig zu werden?
„Der kleine Abhang", über dessen Rand er sich so sorglos zur Rast itiebergetoorfen hatte, daß der schwerste Teil seines Körpers.uberhing, während er nur dadurch vom Fallen bewahrt wurde, daß er sich mit dem Ellbogen an seiner äußersten schlüpfrigsten Kante auf,tutz^, dieser klein. Abhang erhob sich als unüberbrückbare Steilwand aus jchwarzem glan- Senbein Felsaestein von etwa 1500 bis 1600 Fuß aus einer Welt von Klippen unter uns. Nichts hätte mich näher als höchstens sechs Ellen an ; ihren Rand locken können. Ich war tatsächlich so "regt durch die gefahr- ' irfje Stellung meines Gefährten, daß ich der Lange nach hmfiel m ch an dem Gebüsch ringsum festhielt und nicht einmal wagte, nach dem > _
-nufwärts zu schauen; dabei kämpfte ich vergeb ich mit nur um mich von Dem Gedanken zu befreien, daß die Grundfesten des .Berges durch . ®ut des Stromes gefährdet seien. Es dauerte lange bis^lchden notigen Mut zusammenbrachte, um mich aufzurichten und in dis cherne zu blicken.
Sie müssen diese Einbildungen überwinden , sagte der Führer,^,,denn :ch habe Sie hierher gebracht, um Ihnen die beste Aussicht auf ben o^am platz des erwähnten Ereignisses zu bieten und um Ahnen die ganze Gerichte zu erzählen, während Sie die Stelle vor ^gen Hatzen.
I Wir lind fetzt" fuhr er in der ihm eigenen umständlichen Art fort, .genau Über der norwegischen Küste, auf dem 68 Grad "«dücher Brette m ber großen Provinz Nordland, in dem °den Gebiet ber ßofo en Der Berg, auf dem wir stehen, ist der Hel,eggen, der wolkige. Jetzt ncht.n f Sie sich ein wenig auf — halten Sie sich am Gra; fl> ^aürtel chwinülig werden — so — und nun blicken Sie über den Dunstgurtet
lenden Ton, wie das Brüllen einer Büffelherde auf amerikanischen Prärien; und zu gleicher Zeit fiel mir auf, daß die Bewegung, die die Seeleute das ^Stoßen" des Meeres nennen, sich rasch in eine nach rechts gewendete Strömung verwandelt hatte. Zusehens erreichte diese Strömung eine furchtbare Geschwindigkeit. Jeden Augenblick nahm ihre Eile, ihr überstürztes Ungestüm zu. Nach fünf Minuten war die ganze See bis nach Vurrgh hin in unbezähmbarer Wut; aber zwischen Moskoe und der Küste hielt der Aufruhr feine Wut an. Hier brach plötzlich das weite Bett der Gewässer — in tausend widerstreitende Kanäle eingeengt und getrennt — in krampfhafte Zuckungen aus und stürzte sich wallend, zischend, brausend, in riesigen unzähligen Wirbeln kreisend und alles fortreißend und in die Tiefe ziehend, nach Osten, mit einer Schnelligkeit, die das Wasser sonst nirgends annimmt, außer in jäh abstürzenden Fällen.
Nach wenigen Minuten kam eine neue gründliche Veränderung über die Szene. Die ganze Oberfläche wurde etwas ruhiger und die Strudel verschwanden nach und nach, während gewaltige Schaumstreifen sichtbar wurden, wo bisher überhaupt keine zu sehen waren. Die Streifen, die sich über einen großen Raum ausdehnten und sich vereinigten, nahmen schließlich die drehende Bewegung des überwältigten Wirbels in sich auf und schienen den Kern eines anderen, größeren, zu bilden. Plötzlich, ganz plötzlich, trat dieser in deutliche und begrenzte Erscheinung in einem Kreise von mehr als einer Meile Durchmesser. Der Rand des Strudels wurde durch einen breiten Gürtel glänzender Gischt umschlossen, aber kein Teil davon glitt in den Schlund des furchtbaren Trichters, dessen Inneres, soweit das Auge es erspähen konnte, ein glatter, glänzender, pechschwarzer, in einem Winkel von fünfundvierzig Grad zum Horizont geneigter Wafserwall war, der sich in schwindelnder Hast drehte, mit schwingender, rasender Bewegung, und nach allen vier Windrichtungen ein furchtbares Getöse schickte, halb Schrei, halb Heulen, wie selbst der mächtige Niagarafall in seinem Ringen ihn nicht zum Himmel sendet.
Der Berg erzitterte in seinen Tiefen und der Felsen wankte. Ich warf mich auf mein Gesicht und klammerte mich in äußerster Nervenerregung an das schwache Gras.
„Das", sagte ich schließlich zu dem alten Manne, „das kann nichts anderes fein als der große Wirbel des Malstromes." „So nennt man ihn manchmal", sagte er, „wir Norweger nennen ihn den Moskoestrom nach der Insel Moskoe in der Mitte."
Die bekannten Berichte über diesen Wirbel hatten mich durchaus nicht auf das Schauspiel vorbereitet, das ich nun sah. Der von Jonas Ramus, der vielleicht der ausführlichste von allen ist, kann nicht im entferntesten einen Begriff geben, weder von der wunderbaren Schönheit noch von dem Grauen des Schauspiels, noch von dem verwirrenden Eindruck des Nie- gesehenen, das den Beschauer erschüttert. Ich weiß nicht, von welchem Gesichtspunkt aus der Versafser es sah, noch zu welcher Zeit; aber es kann weder vom Gipfel des Helseggen aus, noch während eines Sturmes gewesen sein. Immerhin mögen einige Stellen seiner Beschreibung bezüglich der Einzelheiten anerkannt werden, obgleich ihr Ausdruck viel zu schwach ist, um ein solches Schauspiel zu schildern.
„Zwischen den Sofotten und Moskoe", sagte er, „beträgt die Tiefe des Wassers etwa 35 bis 40 Faden. Aber an der anderen Seite, nach Ver (Vurrgh) zu, nimmt sie so stark ab, daß sie nicht für die Durchfahrt eines Schiffes genügt ohne Gefahr, an den Felsen zu zersplittern, was auch bei ruhigstem Wetter vorkommt. Wenn Flut ist, rast der Strom mit tobender Schnelligkeit die Gegend zwischen Lofoten und Moskoe herunter. Aber bas Heulen seiner heftigen Ebbe kann kaum mit den lautesten und schrecklichsten Wasserfällen verglichen werden, denn der Lärm ist mehrere Meilen weit zu hören, und die Wirbel ober Schlünde sind von solcher Ausdehnung und Tiefe, daß jedes Schiff, bas in bie Nähe ihrer Saugkraft kommt unvermeiblich verschlungen unb in bie Tiefe gezogen wird, wo bie Felsen es in Stücke zerschmettern und, wenn die Wasser sich zu- rückziehen, seine Trümmer wieder heraufgeworfen werden. Aber diese Zeiten der Ruhe entstehen nur beim Wechsel von Ebbe unb Flut und bei stillem Wetter, unb sie bauern nur eine Viertelstunbe; bann kehrt die Wucht nach und nach zurück. Wenn der Strom am ungestümsten ist, und


