Herr werden mußte, tu %Ic Ihn die gewaltige Kundgebung versetzt hakte. Er rang mit den Gedanken, die er in Worte umsetzen wollte, die aber dann so kristallklar und packend zum Ausdruck kamen, so daß er sofort die Tausende in seinen Bann geschlagen hatte. Seme mächtige Stimme hallte weithin über den Platz, so daß seine Rede auch ohne Lautsprecher, die es damals noch nicht gab, bis in die letzten Reihen deutlich zu ver-
zu bringen, aber einige Gedanken aus der Fülle besten, was er feinen Zuhörern zu sagen hatte, und die bleibenden Wert haben, sollen aus der Vergessenheit herausgeholt werden.
Er dankte zuvörderst herzlich für die Begrüßung, die von einer Großartigkeit sei, wie sic noch niemals einem deutschen Minister der Neuzeit zuteil geworden sei. Mit leiser Ironie fügte er hinzu „auch mir nicht, so lange ich im Dienste war". Er lehnte den Dank für seine Person ab, die Anerkennung gelte dem Werk an dem er mitgearbe,tet habe Es kann der Einzelne, wie ich z. B., den Strom der Zeit nicht Herstellen, er kann auf ihm das Staatsschiff steuern nach feiner Ansicht und Ueber- zeuoung, steuert er es mit Glück, so hat er seinem Lande gut gedient, steuert er es mit Ungeschick, so fällt er in Vergessenheit. Den Strom, den ich meine, das Drängen der deutschen Ration nach Einheit, nach dem Leben einer großen Ration in der/Mitte von Europa, war langst vorhanden, wie ich geboren wurde. Er machte sich kenntlich in den Freiheitskriegen er wurde aber gleichsam galvanisiert von den Bewegungen in dem westlichen Nachbarlande in den Jahren 1830 und 1848. Aber es gelang ihm nicht den Durchbruch, die volle Fahrt zu gewinnen. Ich möchte, um als Jäger zu reden, sagen: .Der erste Versuch brannte von
der Psanne'."
Er gab nun in wundervoller Klarheit ein Bild von der Entwicklung des deutschen Gedankens, zeigte, daß es notwendig war „daß alle deutschen Stämme den Hammer schwangen, der unsere Einheit geschmiedet hat. Es war notwendig, daß alle zugeschlagen haben, daß sie sich alle mrt Genugtuung und mit Stolz ihrer Beteiligung an dem Krieg erinnern, bet bem wir uns das Deutsche Reich und die deutsche Kaiserkrone aus den französischen Bataillonen herausgeholt haben."
Er bewies die Notwendigkeit des Krieges mit Frankreich: „So lange Frankreich Elsaß besah", sagte er, „war Straßburg mit seiner starken französischen Macht stets eine Bedrohung, gegen die wir uns nicht rasch genug wehren konnten, wie die Pfalz und die Badenser leider ja vielfach erfahren haben. ." „Ich habe in meiner politischen Zeit stets die Sorge gehabt daß wir mehrere Großmächte gleichzeitig uns gegenuberstehen haben 'würden, Koalitionen, denen damals unsere Militarkraft noch nicht gewachsen war. Heute glaube ich, würde sie es fein, ich hoffe zu Gott. Der Fürst schilderte eingehend, daß für die Herstellung des Deutschen Reichs ein gewisses Maß von Diktatur und konzentrierter Gewalt notwendig war, denn es sei ein altes Sprichwort: „Um einen Eierkuchen zu backen, muß man Eier entzweischlagen", und das ginge nicht immer ohne Verstimmung ab. Er habe sich dadurch viele Feinde schaffen müssen. „Daß. diese mich noch hassen, ist mir befriedigend. (Bravo)... Die Teilnahme an meinen Arbeiten ist in dem Südwesten Deutschlands stärker gewesen als im übrigen Deutschen Reich. Gott erhalte sie, die Herzlichkeit der Süddeutschen. Der Verstand ohne Leitung des Herzens irrt doch häufiger, als er selber a n n i m m t."
„In der auswärtigen Politik find wir Deutsche in der Mitte von Europa. Wir find auf Zusammenhalt angewiesen mehr als irgendeine andere Nation und wir haben leider weniger Anlage dazu wie andere Nationen. Die anderen Nationen sind fügsamer als wir. Bei uns ist die Meinung eines jeden oft schwerer zu bekämpfen, als es bei Polen, Romanen und Slaven der Fall ist. Aber wir müssen zusammenhalten, wenn wir nicht verlorengehen wollen ... Die Einheit ist die erste Bedingung, und das Parteiwesen ist eine bedauerliche Sache. Ob es gelingen wird, es zu bekämpfen, das gebe Gott, aber ich fürchte es heißt auch: Naturam ex- pellas furca tarnen usque recurret." (Treibst du Natur mit dem Knüppel auch aus, sie kommt doch stets zurück.)
„In der inneren Politik macht sich die Selbständigkeit der Parteien mit derselben Energie fühlbar, wie die des Individuums. Jede Partei glaubt, daß fie die Alleinherrschaft für sich im Deutschen Reich erwerben kann und lehnt es deshalb ab, den ihr nahestehenden Parteien irgendeine Konzession zu machen, und doch wiederhole ich den Satz: Das ganze Verfassungsleben ist eine Reihe von Konzessionen, die man sich gegenseitig zu machen hat. (Bravo.) DieextremenunsererParteiensind in Deutschland nicht regierungsfähig, wir können weder eine katholische noch eine evangelische Theokratie in Deutschland vertragen. (Zustimmung.) Wir müssen uns als weltlicher Staat regieren. Zu ruhiger Dauer und sicherer Regierung können wir nur dann kommen, wenn wir auf jede extreme Richtung verzichten, nur zu einer Regierung im Sinne der Durchschnittsanschauungen der gebildeten Deutschen — ich sage ausdrücklich der gebildeten Deutschi n — kommen, denn von unten herauf können w i r nicht regiert werden, denn die Jagd nach Stimmen ist stärker, als die vernünftige Erwägung dessen, was zu tun ist. Das ist das Unglück. Ich habe, als ich noch Minister war, versucht, durch eine Verschmelzung der mittleren Parteien diesem Uebelftanbe einigermaßen abzu- helsen. Man kann ja nicht über alles einig werden, aber doch über vieles, und über das, worüber man einig werden kann, sollte man doch nicht zögern, sich zu einigen ... 'Aber nichtsdestoweniger glaube ich, daß alle diejenigen, denen an einer Befestigung unserer verfassungsmäßigen Zustände liegt, daran arbeiten sollten, diese Grenzgräben zwischen den verschiedenen Fraktionen, zwischen den erhaltenden, reichstreuen Fraktionen zu verflachen und wo möglich zum Verschwinden zu bringen. Wir können nur auf diesem Wege den Reichstag, der ein Brennpunkt unserer nationalen Einheit sein soll, auf der Höhe der Autorität erhalten, die ihm verfassungsmäßig zugedacht
stehen war.
Es ist aus Raummangel nicht möglich, die ganze Rede im Wortlaut au bringen, aber einige Gedanken aus der Fülle dessen, was er seinen
war. Sobald der Reichstag ohne eine feste Majorität oder Bündnisse von Fraktionen beieinander ist, so können die acht oder neun selbständigen Faktoren nicht hindern, daß der Reichstag mehr und mehr in seinem Ansehen im Lande und bei feinen Wählern zuruckgehi, und das würde ich für ein großes Unglück hatten. Wir brauchen den Reichstag, wir müssen ihn stützen und fördern, und das können wir nur, wenn wir eine Verschmelzung der gesamten Parteien, die den gebildeten Bürgerstand, wobei ich den höchsten Bürger des Reichs nicht ausschließe, umfaßt, wenn es uns gelingt, dies anzubahnen bei den Wahlen und auf dieser Basis eine wirkliche Verfassung s- mäßige Regierung zu bilden. Wenn der Reichstag in Mißkredit kommt wegen innerer Unverträglichkeit und Mangel an Selbständigkeit, wie ich dies in den letzten Jahren befürchtete, würde das eine große nationale Kalamität fein. Denn der Reichstag f oll der Brenn- punkt unserer nationalen Einheit sein..."
Nach der mit brausendem Jubel und begeisterter Zustimmung aufgenommenen Rede des Fürsten sprach noch Fabrikant Thorbecke, Mannheim, der sich um das Zustandekommen der Feier große Verdienste erworben hatte. Seine Worte klangen in einem Hoch auf Graf Herbert Bismarck und seine junge Gemahlin aus.
Zum Erstaunen aller erhob sich hierauf der Fürst nochmals, um im Anschluß an die Worte Thorbeckes sein Verhältnis zu Oesterreich klar zu legen und den Gerüchten entgegenzutreten, als sei er, der Schöpfer des Bündnisses, neuerdings ein Gegner desselben. Nach herzlichen Dantes- warten des Grafen Herbert fand die erhebende Feier mit einem Hoch auf Kaiser und Reich ihr Ende.
Dei Fürst mischte sich bann unter die Festteilnehmer, dankte Herrn Thorbecke nochmals herzlichst für die gewaltige Kundgebung und tränt aus dem ihm dargereichten Maßkrug mit den Worten: „Ich trinke den Krug auf Ihrer aller Wohl", und mit einem schelmischen Seitenblick auf den ihn betreuenden Leibarzt Dr. Schweninger: „aber nur di- üblichen sieben Schluck".
Non den Taufenden, die dieser eindrucksvollen Kundgebung vor 40 Jahren beiwohnten sind viele, sehr viele nicht mehr unter den Lebenden — von den drei Freunden sind zwei auch schon gestorben, den lieben lebenden werden aber die herrlichen Stunden in Herz und Seele geschrieben sein, denen aber, die nicht dabei waren, der heutigen Generation. mögen die Worte des Altreichskanzlers, die heute noch ihre volle Gültigkeit haben, eine ernste Mahnung fein. L. G.
Bayerische Seen.
Von Käte Brandel-Elschner.
Der Starnberger See.
Er liegt von München genau nach Süden, zwischen der Großstadt und- dem Gebirge. An Föhntagen scheint die schneebedeckte Kette der Alpen so nahe, als fliege sie gleich hinter dem blauverhangenen Südufer auf Bewaldete Hügel, Gärten mit weißen Villen, herrliche Sommersitze von. Münchener Künstlern liegen dicht um den langgestreckten blaugrünen See.
Starnberg, Feldafing, Possenhofen, Tutzing sind die sauberen Orte, die sich am Westufer entlang ziehen. Berühmte Fremdenorte find es heute mit erstklassigen Hotels, — die ehemals kleinen verträumten Fischerdörfer. Vor Feldafing liegt, heute noch wie mit Märchenzauber überspannen, die Roseninsel. Im versallenen Schloß steht einsam die weiße Büste jener unglücklichen Königstochter, die ihre Liebe zu Ludwig II. als österreichische Kam serin vergessen sollte. Weit über dem See, unter dem Ostufer bei Schloß Berg, bezeichnet ein Kreuz im Wasser die Stelle, an der ein tragisches Konigsleben zu Ende ging. Schwimmend wollte der junge bayerische Köniz das Ziel feiner Sehnsucht, die Roseninsel erreichen. Der Tod stellte fidj zwischen ihn und die junge Kaiserin Elisabeth. Vom Mythos umsponnen, lebt heule (ein tragisches Geschick noch im Herzen des Volkes.
Sieht das Westufer heule die internationale Wett in den Kurorten versammelt, besonders am schönen Feldafinger Golfplatz, so konnte sich das langgestreckte Ostufer den Frieden reiner Ländlichkeit bewahren. Weitere Uferstreifen dienen als Campingplätze für Wochenendfahrer und Wassersportler. Das riesige Bad am Südsee bei Seeshaupt trägt den stolzen Namen Lido. Ein Lido-Zug führt am Wochenende die sonnenhungrigen Städler an diese schönen Gestade.
In drei wundervoll gelegenen Klubs ist der Segelsport am Starnberger See beheimatet. Zu den Regatten, die neben Jollen und Kieljachten: seegehende Kreuzer im Rennen sehen, kommen Segler aus vielen anderen Revieren, vom Wannsee bei Berlin, vom Bodensee, vom Zürichsee aus der Schweiz und von österreichischen Gewässern.
Rur 25 Kilometer von München entfernt, ist der Starnberger See auf prächtigen Autostraßen schnell zu erreichen. Rast- und Zielpunkt von Tausenden, so grüßt er von weitem schon aus seinen grünen Uferbergen.
Der Ammerfee.
Er ist noch weniger von der Kultur heimgefuchl, als fein Bruder von Starnberg. Wenn auch uralte Klöster seine bergigen Ufer krönen, Andechs und Wartaweil bei Herrsching, Stätten ältester Pilgerfahrten, wenn landeinwärts trutzige Burgvesten liegen, — die Uferorte sind kleine Dörfer geblieben, die mehr den stillen Wanderer locken, als den hastigen Reisenden.
Unendlich mild ist der Ammersee mit seinen Ufern, seiner durchsichtigen Lust, seinem Glockenklang von Kirche zu Kirche, seiner Ruhe und seinem warmen Wasser. Er ist vorzugsweise das Segelrevier der Augsburger, das Dorado der Paddler und Kanufahrer. Auf biedere Art sind die meisten bei Hotels und Gaststätten eingestellt. ..
Von München aus erreicht man zu Bahn ober Auto das Ostuferstadtchen Herrsching in einer knappen Stunde. Es liegt an einer Bucht, von der aus die ganze Seebreite zu überblicken ist. Bei Weslsturrn, wir er manchen Sommer auftrat, bietet sich an der Uferstraße ein grandioses Schauspiel haushoch anrollender Wogen, die in wuchtigen Brechern DampfschifssteS und Mole iiberbrausen.
Ein wundervoller Blick ins Hochgebirge tut sich an klaren Abenden vom Nordende des Sees, von Stegen aus auf. Ein Mpenglühn, wie es schone» am berühmten Rosengarten in den Dolomiten nicht leicht gesehen nnrO1-


