innersten Raum führte ein drei Meter langer Schacht in die Tiefe, in dem Fragmente von Steinsarkophagen lagen, die denen gleichkommen, die Barsanti'in dem Königsgrabe im Jahre 1891 fand. Außerdem kam ein prächtiger Alabasterschrein zutage, der von vier, an den Ecken sitzenden Geiern, beschützt und für die Eingeweide und das Herz Echnatons be­stimmt war. Doch auch dieser Schrein ist nicht benutzt worden, weil keine Spur jener schwarzen, harzigen Masse in ihm zu entdecken war, wie sie beispielsweise die Kanopen (Steingefäße; Urnen) Tutanchamons auf­wiesen. Unter den weiteren Funden wären erwähnenswert: schone teils guterhaltene Vasen und Kelche aus Granit und Alabaster, mit Namen und Kartuschen früherer Pharaonen. Merkwürdigerweise befinden sich auch darunter Gegenstände, deren Gravierungen und Reliefs aus alte Gottheiten Hinweisen. Wie z. B. von Katzen umgebene Hatorkopfe Kopse der Uräusschlange, und andere Fragmente, die von größeren Bildwerken stammten, die Echnaton aber, soweit er konnte, vernichtete, in der Hoff­nung, mit ihnen auch jeden Zusammenhang mit der alten Lehre zu unterbinden. An der Nordgrcnze wurde das große Tor, und oberhalb desselben ein großer Saal aufgedeckt, beide mit Wandmalereien ge­schmückt die teilweise gerettet werden konnten. Gegenüber diesem Tor stieß man auf Ruinen, die wohl zu dein Palast gehörten, der Nofretete nach dein Tode ihres Gemahls angewiesen wurde. Die neuesten Ent­deckungen erstrecken sich auf das Stadtzentrum, das Viertel, in dem sich der kleine Tempel und die königlichen Paläste befanden. Der Teinpel ist bis auf die Grundmauern zusammengesallen. Auf den einzelnen Mauer­steinen findet man noch die Worte eingepreßt:Hat Aton (Hous des Atons). Mit dem Tempel in enger Verbindung standen zwei größere Bauten, von denen der eine Wohnsitz der Priesterschaft war der zweite deren Wirtschaftsräume und die Tempelbäckerei enthielt. Unweit des Tempels wurde ein schon von Flinders Petrie ausgedeckter Bau einer nochmaligen Untersuchung unterzogen. Dabei ergab es sich, daß man es höchstwahrscheinlich mit dem königlichen Privatsitz zu tun hatte, der durch eine lange Brücke, die bis zur Hauptstraße durchfuhrt, mit bem offiziellen Palast verbunden mar. Im ersteren entdeckte man einen Raum, den man qIg ein Maleratelier erkennt, in dem sich Echnaton in feinen Muße­stunden als Maler betätigte. Jedenfalls hatte der Herr dlests Raumes den Fußboden als Palette benutzt, wie Farbenspuren noch bezeugen Außerdem fanden sich aber noch auf ihm Pinsel, bemalte Paletten und Fischgräten, die wohl zum Entwurf auszufuhrender Muster Renten. Sehr lustig ist unter den Funden, die in einigen Verkaufsladen geniach. wurden, eine Karikatur, die den unrasierten Komg mit struppigem Bart ^Zu^'Vervollständigung des der Vergangenheit entwundenen Bildes sei noch der wichtigen Arbeit gedacht, die bis zum Kriegsausbruch von der Deutschen Orieiitgesellschast unter dem Gründer und ehemaligen langjährigen Leiter des Deutschen archäologischen Instituts in Kairo, Ge­heimrat Borchardt, geleistet wurde. Ihm als Mitarbeiter stand zeit­weise Professor Hölscher zur Seite, der fetz unter der Flagge des Chicaöo-house" die Aufdeckungen der Tempel und Palastanlage Ram­ses III in Theben leitet, während Geheimrat Borchardt seinenfoge- nonnten Ruhestand" mit weiteren Forschungen verbringt. Wenn dieser i große Gelehrte von Anfang an die Hoffnung hatte, m Amarna eine altägyptische, noch nicht ganz zerfallene Stadt aus dem «onde der Wüste ans Tageslicht zu bringen, so ist ihm das über Erwarten gelungen. Es führt zu weit, hier alle feine Erfolge auszuführen. Es muh eine prächtige, lebensfreudige und die neue Kunst atmende Epoche gewesen stm, m d e der Nachwelf ein Einblick geschasst wurde. Die aus Lehmziegeln und Holz erbauten Häuser standen vielfach in Gärten. Ihre fronten waren nut leuchtenden Farben bemalt und mit in der Sonne glitzernden Einlagen verziert. Die Privathäuser entsprachen gewiß in jeder Beziehung den An- Ivrüchen ihrer Bewohner. Sogar mit Badeeinrichtungen waren sie ver- leben^ Der Hausaltar stand an bevorzugter Stelle und war derart, daß der Eintretende nach Osten gerichtet war. Unter der Fülle guterljaltcnet Gegenstände die gefunden wurden, sei die Gipsbüste der Königin Nofretete ch^ber Werkstätte des Bildhauers Putmus erwähnt, und der berühmte Klappaltar der wohl als Urbild des christlichen Altars gedacht werden kann^ Nicht einmal die Flasche für die Blumenopser fehlte, und ein zum Opfer notwendiger Wasserbehälter, der seitwärts eingemauert ist. Nur das Altarbild stellt die Sonnenfcheibe dar, deren in Hande ausloufenöe Strahlen eine Szene aus dem königlichen Familienleben beleud)ten, m der die Königin Nofretete nicht fehlt. Daß ihre leichtzerbrechliche Bu die in dem verhärteten Schutt gefunden wurde, der Nachwelt erhal.cn blieb sahen die Ausgräber als ein Wunder an; fie erklären es dcuurch, daß das Kunstwerk in weichen Nilschlamm gefallen sei.

Stine.

Roman von Theodor Fontane. (Fortsetzung.) .

Hierauf zog fie sich in der Tat zurück und ging in bie Küche wo sie das Nötigste für die Komödie zu finden hoffte. Die Pittelkow folgte. Bald danach aber erschienen beide wieder in Front der Wohnung, wo man sofort die nach der Nebenstube führende Flügeltür öffnend, innerhalb eben 'dieser Türöffnung ein tariertes Plaid auszuspannen und in etwa Aianneshöhe zu befestigen begann. Dahinter nahm setzt Wanda ihren Stand und druckte das Plaid gerade weit genug herunter, um bequem darüber fortsehen zu können. Und nun verkündigte fie: »Audish und Holofernes Trauerspiel in zwei Akten von Tussauer, ohne Musik. Wir beginnen mit dem ersten Akt (.sehr gut ..merkwürdig) ober, was das- ieihe (naen will mit der Zeltgasse des Holofernes. .

link? nach dieser Ankündigung schnellte das Plaid wieder in d,e Hohe, und an Stelle von Wandas brünettem Gesicht er|d)ien eine mcif}getleibete Kartosfelprinzessin mit rotem Turban und rotem Siegelack-Mund. Natür­lich Judith Diese verneigte sich, geschickt dirigiert vor dem Publikum, sah abwechselnd nach links und rechts, wie wenn fie jemanb erwarte, und begann bann in etwas heiserem Ton:

Er ist es, Holofern, ber schwergeprüfte Mann,

-zch fxh sein großes Schwert unb einen Klunker brau.

aroften Funb von Königsmumien unb ihren Schätzen aus Theben nach Sairo aus ihrem Versteck bringen sollte, da wissen noch alte Leute in Luror zu erzählen, zu welchen Protesten sich bie Dorfbevölkerung hm- rcihen ließ. Die Leute folgten bem Regierungsschiff mit seiner wichtigen ßnbung lange Strecken an ben Nilufern, wobei sich bte grauen bie Haare rauften ihr Klagegeheul ausstiehen, unb bie Manner, wie es bei Trauerkundgebungen üblich ist, ihre Gewehre abschossen. Soweit reicht der Fanatismus heute nicht mehr. Die letzte Bestimmung über bie Ver- wenbunq bes Gebäudes würbe aber allseitig als befriedigende Losung ber Streitfrage begrüßt. Daß durch diesen Beschluß ein neuer Streit entfacht werde der diesmal die Aegyptologen auf den Plan rief, unb in deren Kreisen zu Differenzen führt, war eine neue Ueberraschung. Das kam aus folgender Veranlassung:

Bevor die Königsmumien zu ihrem neuen Bestimmungsort geschasst wurden, hielt man es für zweckmäßig, fie einer eingehenden Unkr= (uchung zu unterziehen, die unter dem Vorsitz des gegenwärtigen Ge- iieralinspektors des Museums, des Engländers Dr. Engelbach, ausge- fiiiirt wurde. Nach völliger Uebereinstimmung der Kommission wurde nun estgestellt, daß einige Mumien nicht in die Särge gehörten, m denen sie lagen, andere aber nicht diejenigen sind, für die man sie bisher hielt. Das traf vor allein auf Amenophis IV., den Satten der No-

Dieser" Pharao der sich später Echnaton, das heißtder dem Aton genehme" nannte, ist einer der interessantesten Gestalten des,neuen Reichs". Er war es, ber mit Aton, bem Sonnengott, bie monotheistische Staatsreligion einführte, bie kein Bildnis bes Gottes bulbete, unb da­durch sich die gesamte Priesterschaft des Amon zu Feinden wachte. Um sich den Anfeindungen der Priester zu entziehen, schuf er nördlich von Theben, in Tel ei Amarna, eine neue Residenz, in die er sich mit feiner Familie und feinen Getreuen zurückzog. Dort ftarb er wahrend einer von den Amonpriestern angezettelten Revolte. Wo, und ob er in Tel el Amarna begraben war, ist die offene Frage. Man nimmt m- delsen verschiedentlich an, daß (eine Mumie von seinen Anhängern heimlich fortgebracht und versteckt worden ist. .

Im Jahre 1907 entdeckte ber Amerikaner Theodor Davis auch in Theben in einer kleinen Gruft Reste ber Grabausstellung Echnatons unb feiner Mutter Test, außerdem einen Sarg mit einer Mumie. Die Experten, Mr. Weigall unb Dr. Eliot Smith, bie den Fund untersuchten, erklärten die Mumie sei die desKetzerkönigs . So wurde der Refor­mator genannt, nachdem (ein zweiter Nachfolger unb Schwieger ohn, Tutanchamon, unter bem Drucke ber Priester bie alten Gotter wieder zu Ehren brachte, obwohl Dr. Eliot Smith ber Ansicht war baß der Knochenbau dieses Körpers einem jüngeren Manne angehoren konnte, als Echnaton bei feinem Tode war. Daß der Sarg aber Echnatons Königssarg sei, darüber war ihrer Meinung nach kein Zweifel.

Die Experten, die im Dezember v. I. im Auftrage der Regierung die Mumie untersuchten, bleiben dagegen bei ihrem Ergebnis Mr Unter­suchung, daß weder die Mumie noch der Sarg das geringste mit ( Echnaton zu tun haben. Sie stimmen mit dem Befund von Dr. Eliot Smith insofern überein, daß der Körper, der eines etwa um zehn ; Jahre jüngeren Mannes fei, dessen Schade! aber bie tform eine Wasserkopfes hat, mit bem ber Religionsstifter, aber stine Na^ folger, behaftet war. Was hingegen ben «arg anbetrifst kann es nach ber Entzifferung ber gefunbenen Inschrift bem Geliebten Gchnatons nur ber Sarg einer bem König sehr nahestehenden ^er,on ein. «leW eines feiner Schwiegersöhne, der ein Nachsolger wurde (und das wäre Smenker"), aber nie der Sarg Echnatons. Wer hat nun Recht? Westen Mumie ist es, und westen Sarg?

Der Aelteste ber im ßanbe lebenben Aegytologen, .Mr. A. H. Sapec, erklärt dazu, daß er nie geglaubt habe, bie von Davis Munbene Mumie fei Echnatons Körper; benn er hatte bas von W>rsant nn Jahre 1891 geöffnete Königsgrab in Tel el Amarna Mfammen mit DarestY besichtigt unb barin Zwar Lappen von Mumienbinden »nd Reste von Totenaaben aeiehen aber meber einen Sarg noch eine JJlumie. Dann be,uch?e er aber auch halb nach ber '^^ung jene ®ft 'ln in ber Davis bie erwähnten Funde gemacht hatte. D°rt war a U e rb i n g ein Sarg mit einer Mumie. Der Sarg konnte aber wieder nicht der Echnatons fein, ober feine Mumie war es nicht, met be: Sarg fiir f viel zu kurz war, so baß ihre Fuße h°rausragten D^e Frage nach bem Verbleib besverpönten Ketzers wird indessen noch komplizierter.^ seinem WerkTutachamon" (deutsch F. A. ^997 ' in

Carter, daß unter den Hauptfunden, dst Davis im Jahre 1) Theben machte, bie Mumie unb ber prächtige Konigssarg Echnatons ermähnt werben müssen. Aber in ber Vorrebe zu biefem Werk geben« Profelfor Steinborf Leipzig bie,es Pharaonen mit folgenden Worten. WSÄ feine Laiche vielleicht in ben Ntt geworfen. Nur wenige Stücke seiner Grabausstattung, darunter der prach g Königssarg, mürben in einer kleinen Gruft ""Tal der. 9 9

borgen." Geheimrat Borchardt, der Gründer und lang ahi'ge ehemalige Leiter des heutfdien Archäologischen Instituts in Kairo, ist aber oer Ansicht, daß bas Grad beim Tobe Echnatons noch unvollendet war, und er niemals darin gelegen habe. . . ..._ Duxch-

Der Streit um die Mumie Echnatons hat jetzt zui einer ne ® forschung der StadtTel el Amarna und schon ZU Lebzeiten ^be Grünbers angelegten Königsgraber geführt. Das aeweihte

nordöstlich vomLichtort", so nannte er ferne neue,!bem Mton gewebte Erab7s^si^b^e?bröckelü' Der'' Stück, mtt dem ü^rZogen ^waren.^ft NakL SWe L Ättter^uL^^nb^^tit ein 70 Meter langer, stellenweise bis 10 Meter bre.er SJuttJugrf emer genauen Untersuchung unterzogen. Die oberste b; aufgeworfen Schutt her, ben Barsanti seinerzeit be. ®^XnTüae « w bem

hatte. Aber darunter stieß man auf e.ne große Grabanlage.