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Verantwortlich: Dr. Hans Thhriol. Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.

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den, die sie sonst leicht trübte.

(Fortsetzung folgt.)

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Promenaden in den Waldberaen an und zierte sie durch freundliche Ruhe- i sjke und Denkmale, als sei ihm Karlsbad erblich und eigen.

Allein nicht ohne Nachteil patzt sich ein Gemeinwesen dem Behagen anspruchsvoller Fremder an, die zur Heilung ihrer Leiden auch den □efeüiqen Genuß suchen. Man gab nicht nur um eines leichtfalligen Ge­winnes willen sein Haus hin und zwängte das Leben der Familie ein, man gewöhnte sich nicht nur daran, di« rasche Hand verschwenderischer Kavaliere den üppigen Putz der Damen und die Weitläufigkeit der Dlener- icbakt alsZeichen einer vornehmen und bewundernswerten Lebenshaltung zu betrachten, sondern man stellte die eigene Tätigkeit ganz unb gar tn &en Dienst jenes Gönnertums, das, lüstern und verwohnt, nur von beson­derer Gefälligkeit und Kunst angezogen wurde.

Die Frauen bereiteten ihr Haus für die Fremden und hatten zierlich gesetzte Worte zu brauchen gelernt, und die Männer, wo nicht ihre Arbeit der einten Notdurft des Lebens diente, waren Werkmeister eines Gewerbes geworden, das nicht mehr für die Heimat bestimmt war. Man lebte und schaffte für Menschen, die kamen und gingen und forttrugen, für Stände, denen man sich unterordnet fühlte. Es gab Garkoche, die es mit den Meistern berühmter Küchen aufnehmen konnten, sie nannten sich Traiteurs: in den Erfrischungsräumen des .Goldenen Elefanten oder des ,Pomeranzenbaumes' konnten Weine gereicht werden, gut und teuer und nicht für die Kehlen der Karlsbader: die Zuckerbäcker der beiden Sale waren auch von weitgereisten, die ihr« Herrschaft begle'teten, nicht zu übertreffen. Zu ihnen kamen noch zahlreiche P efferkuchler und auch die Wachszieher, deren Kerzen Bälle und Schmausereien festlicher machten, deren Fackeln nächtliche Gasfationen der Kavaliere begleiteten, die mit Hall und Schall das Tal füllten und aufgestörte Schläfer an die Fenster­gardinen trieben. Doch derlei Bereiter eines guten Biffens und Helfer festlicher Gelegenheiten gab es überall. Was Ruf und Zuspruch über Karlsbad hinaus auf den Märkten von Prag, Leipzig Wien gewonnen hatte, war ein Feingewerbe mancher Art, das feinen Meistern den Ehren­namen eines Künstlers mit gutem Rechte eintrug. Ein Drittel der Bürger­häuser barg solche Werkstätten, und es gehörte zu den anregenden Zer­streuungen der Badegäste, frei einzutreten, die Künstler bei ihrer Arbeit zu beobachten, nicht fetten auch Unterweisung zu nehmen und selbst Hand anzulegen. Besonderen Rus genossen Kunsttischler, Zinngieher, Büchsen­macher, Eisenschlosser, Messerschmiede und Schwertfeger.

Ganz Karlsbad war ihr Schauladen. Denn in den Stockwerken der Häuser standen die saubergearbeiteten, zierlichen Politurmdbel, geschmack­voll mit verschiedenen Holzarten ausgelegt und berändert, zur Miete; die Hausfrau und ihre Töchter bestellten die Tische der Fremden mit fernem Porzellan und einem Zinn, dessen silberne Weitze und anmutige Guß- formen berühmt waren, und sie legten ein Tafelzeug auf, dessen argent hachö der feinsten englischen Platenierkunst nichts nachgab. All dies Gerat war heimische Arbeit, auch das Porzellan stammte aus der Nähe. In den schönsten Wumen des Hauses stand, was an Besitztum kunstvoll und edel bereitet war, und lockte die Lust zu Kauf und Bestellung. Zur Musterung, zur Miete stand es und wurde im Gebrauche der Fremden ihnen, d,e es gemacht hatten und befaßen, fremd. Auch die Werkstatt der Väter, die Seel« der Bürgerwohnung, war voll von dem Geiste, der eines Lebens Kunstfertigkeit und Schaffentreue für den Gönner feilhält, der irgend­woher kommt, in einer Laune des Wohlgefallens bezahlt und fortnimmt, ohne des Meisters weiter zu gedenken. Was da gefchmiedet, damasziert, gefeilt, graviert, mit Gold und Silber ausgelegt, geschnitzt, geschliffen und gedrechselt wurde, war für die andern bestimmt, die Vorübergehenden, die keiner Mühe Dank bewahrten. Und das Spielerische der Galanterie haftete allem an, mochte das Gerät noch so gediegen erstellt fein.

Unter solchen Betrachtungen geleitete Goethe den Herzog durch die Gasten. Sie blieben vor manchem Hause stehen und sahen durch die Fenster auf die fleißigen Hände über den Werktischen.

Das Siedlertum, das ihnen noch im Blute steckt, mag die Leute so willfährig machen", meinte Goethe.Sie haben sich nicht aus Bauern zum Städter entwickelt, haben nicht erst den Boden gewinnen müssen, haben nur das Haus auf der Scholle erhalten. Alle Beharrlichkeit und Treue des Volkes liegt in der Erde. Es soll kaum ein Dutzend Generationen her sein, seit die ersten Badstuben gebaut worden sind, und die Leute, die sie offen gehalten, haben ihr Stück Heimat verlassen fremder Gäste, fast des Trink­geldes wegen. Ein Dutzend Geschlechter tft eine kurze Frist, und die Be­wegung des Kommens und Gehens zugleich mit dem Begehren, schnelle Wochen bei guter Laune zu vertun, ist ihnen allzu eindringlich vor Augen gestellt. Sie haben die bäurische Schlichtheit und die Eindeutigkeit des Charakters nicht gewinnen können."

Der Herzog lächelte. Er verstand den lehrhaften Unterton des Men­tors [einer Sturmzeiten. Auch er fand nicht mehr den ungeteilten Bei­fall des Herren Geheimrates van Goethe. Seine Winterreise zum Pots­damer Alten, der feiner Gruft entgegenstöckerte und doch das starke Zei­chen eines überstaatlichen Willen blieb, und feine Reife im Mai zur Truppenrevue nach Magdeburg war ihm zuwider gewesen, dem Minister, Poeten und Partikularisten, der in jeder Bindung eine Gefahr für das Individuum sah, des Freiheit ihm über allem stand dem Bürger Goethe, dem ein Verlangen nach umhegter Uebersichtlichkeit im Blute stak und die Weite einer geeinten deutschen Nation uferlos schien. Allein vergaß der Mentor nicht bei all der trefflichen Moral über ein erbmäfjiges Ver­hängnis etlicher Siedlergenerationen, daß mit anderem Blute ein Erb- mäßiges von Militärs überkommen fein konnte? Er hätte ihm gerne die Kürafsierftiefel feines Inhaberregimentes mit Filzpantoffeln vertauscht, die an Weimarischen Kaminen gewärmt werden sollten, schöngeistige Kon- ventikel behaglicher zu machen.

Sie kamen von dem Messerschmiede Damm ,Zu den drei Staffeln', dem Nachbar des Goethischen Logis, die ,Wiese' aufwärtsschreitend, an eine Nadlerwerkstätte, deren es in Karlsbad bei zwanzig geben mochte. Das Haus hieß ,Zum guten Hirten', und dem Herzog fiel der Name des Meisters, Pittroff, auf. Goethe vermutete, daß hier ein Vorvater, der unter dem Gefolge des Zaren Peter gestanden habe, an der Tepel zurück­

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geblieben fei. Sie traten ein und wurden gefällig an die Werkistck geführt. Man schnitt ein Stück Stahldraht zurecht, steckt« a.. beii« Enden je von der Windung eines Spiraldrahtes so viel, als für bei Nadelkopf genügte, und schlug den Kopf mit einem jammer fest, der dem Fuß getrieben wurde. Dann wurde das Drahtstuck in der Mit» geteilt und man gab die beiden Nadeln zum Schleifen und Poliere, weiter. An den letzten Tischen wurden die fertigen Stucke nach ihm Größe geordnet und in sauberen Reihen durch buntes Glanzpapier gehe, tet, das man zu Briefen faltete. Die Hurtigkeit und Sorgfalt der Wen statt gefielen dem Herzog und er zeigte Lust, selbst einmal zuzulangli, vielleicht auch durch jene Vermutung Goethes gereizt es em wenig den werktätigen Zaren gleichzutun, besten Gedächtnis hier hoch in Ehren stan Meister Pittroff wußte sich schlicht und unbekümmert zu geben, lockte hohe Herrschaft nicht aus der kommoden Haltung und pflegte deren Weh- gefallen an seiner freudigen Urtümlichkeit. Es gelang dem Herzog, un merklich und geschickt beholfen, ein Nadelpaar, allem er steck e es zu Enttäuschung des Meisters lachend in feinen Rockaufschlag, ließ mo4 einen Taler auf den Schleiftisch fallen, aber der Taler war keine Em schädigung für das entzogene Erinnerungsstück

Meinst du, daß er uns erkannt hat , fragte der Herzog, als die Tu wieder ins Schloß gefallen war.

Er hat Sie erkannt, er kennt ja auch mich. Sie wissen sich zu fuhren, unsre lieben Karlsbader." * m ,

Am .Goldenen Greifen' kamen sie an bi« Fenster der Madame Paul, einer Prager Marchande de modes, die mit ihren bunten Waren für bei Sommer zuzog. Goethe wußte von ihrer Geschicklichkeit zu erzählen. |e n^rmöge mit ihren Mamsellen noch in letzter Stunde vor einem Balle ein Kleid zu ändern und aus das modischeste zu putzen. Man sah in den bette Fenstern allerlei Hübsches zu Hut und Gewand: Bänder, Flore, W d'Jtalie, Halstücher, Schleier, Volants, Gürtel, Hauben, Schnallen bah und Verlognen, Joujou, aber auch gebiegenere Goldware, Flacons mit Wohlgerüchen, Chignon- und Frisierkämme, Putzfedern, Handschuhe, rafols und Parapluis und hinter den Fenstern zwischen den hohen Hal und Haubenstöcken die frischen Gesichter der Mädchen, die unter Geschwas und blanken Seitenblicken auf die Kavaliere ihr hurtiges Nadelwril führten. Etliche zierliche Herren- und Damenstöcke, die in einer Fensiet' ecke lehnten, erinerten den Herzog an ein Vorhaben.

Er hatte feinen Denen ablegen müssen, um sich dem strenge gehütete Brauch des Ortes zu fügen, der keine Waffe an der Hüfte duldete, uiw wollte einen Badestock kaufen, den man hier auchbei großem Putz trug. Vielleicht hielten ihn die Betrachtungen ab, die Goethe über die Unmort einer Allerweltsgefälligkeit angestellt hatte, bei Madame Paul emzutrete und deren Mamfellenvolk näher zu besichtigen. Er wandte sich von W Fenstern, und ein leises Gefühl ließ ihn gewahr werden, daß er mal nur der Weimarer Wochenstube entflohen, sondern auch seinem GoetP in einer versteckten Anwandlung gefolgt war. Er hatte in Weimar bru Abschied versäumt, und aus den letzten Grußworten, die ihm von Jem gesandt worden waren, klang ein rätselvoller Ton, als könne der Abfchtt« auf lange gelten. Es waren zehn Jahre einer lauteren Menschen« gewesen über all der glatten Fläche seines Hofes. ,

Karl August hatte nahebei einen Kaufmann im Gedächtnisse bei bir .Schönen Königin'. Dort wurde alles geführt, was man brauchte. 3ir Herzog griff einen Stock von dickem spanischem Rohr mit Goldknauf ans dem Bündel, das der Kaufmann ihm diensteifrig in beiden Armen autruj. Im Winkel hatte er aber auch etliche schlanke Barouchepeitschen bemerk Er mochte seinen Begleiter an jene Zeit erinnern wollen, da man unter den himmelnden Augen des Hofstaates mit Klappern und Klirren uni Stimmenhall durch die Weimarer Gassen auf den Platz gesprengt root und vor dem Gewölbe des Riemenschneibers, umstanden von der ttäffeu' den Meute, die Goethen schon damals auf die Nerven ging, Hetzpeitsche« probiert hatte. Er wies auf die Peitschen, winkte dem Kausmanne hinaus und lieh di« Peitschen vor den erstaunten Gesichtern der Kiirgäste, bi« « weitem Bogen auswichen, über die .Wiese' hinknallen, nötigte auch bei« Minister etliche auf, so daß dieser mit gespreizten Beinen Stellung nehm«« unb feinem Herrn nachtun mußte. Goethe begriff, baß es bermaten nidjl weiter auf tiefsinnige Betrachtungen ankäme, und fügte sich ohne St1 denken, bis die besten Stücke ausgewählt waren.

Der Herzog wünschte noch einen Büchsenmacher zu besuchen. Es soll» . «H über ein Dutzend in Karlsbad geben, und Brühl hatte sie ihm selbst irot DMis Werkstätten von Dresden, Halle und Leipzig gepriesen.

Bei den Lusthäusern in der Alle«", sagte Goethe.

Ich habe zwei Läden gesehen", bestätigte der Herzog.

Wir gehen zu Meister Roscher. Er ist berühmt, Sie werden eo freut fein." .

Und der Herzog fand ein lautes Gefallen besonders an den fusiis Un L vent, die Meister Roscher mit unübertrefflicher Kunstfertigkeit herzi?m stellen vermochte. Es waren Windbüchsen, deren Rezipient im Kolben lag, fie vermochten ohne neue Ladung vierundzwanzig Schüsse zu repetieren. Der Herzog geriet in Eifer, denn er wußte, daß in Oesterreich eigen« Kompanien mit Windbüchsen ausgerüstet würden. Er sah sich gleichsam im Arsenal der Armee, gegen die ein deutscher Fürstenbund Stellim! nehmen sollte. Er prüfte sachkundig die Arbeit des Laufes und der 3« tammer, Lauf und Rezipient waren aus Kupfer geschmiedet, sie bedurfte« besonderer Sorgfalt, um die Gefahr des Platzens beim Laden url Schießen zu verringern. Man versprach ein besonderes Stück während W Aufenthaltes zu fertigen, daß es noch im Schießhaufe auf dem Wiefen- berge erprobt werden könne. Da der Herzog den Schmuck selbst anzugebe« wünschte, empfahl man ihm einen Büchsenschiftter in der Prager Gass«, der der geschickteste Bildhauer sei. So gingen sie zunächst in die Werk statt des Meisters Roscher unter der Andreaskirche unb würben bau« von diesem selbst zu bem Schiftler geführt. Es war ber Vormittag ver­gangen, unb die Laune des Herzogs an der Seite seines ruhevoll blicken­den Freundes über Peitschen unb Waffen frei von ber Ungebuld gewor-