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\ Ein Stofj erschütterte drrs grenze Schiff — die zwei Titanen waren 1 trinanbergeprallt. Mr. Mudlock hatte vergessen, daß mmi einem Lisberg 'weit ans dem Weg gehen muß, denn der aus dem Wasser ragende ELtbare Teil macht nur ein Zehntel des Riesen aus. Neun Zehntel lauern Mer Wasser auf den Unvorsichtigen. Auf diesen unter Wasser liegenden k'il des Eisriesen war die „Titanic" ausgefahren. Der Koloß von 45 Mil- iucn Kilogramm Eisen rind Stahl erzitterte — aber die Passagiere hatten hum etwas gespürt. Bis der Stoß zu den Luxuskabinen vorgedrungen In r hatte sich der Anprall schon sehr.stark abgeschwächt. Born aber, am Itnq und an den vorderen Decks, war die Vernichtung vollkommen. Der des Schisses war zerquetscht. Die vorderen Decks waren aufgerissen.
|! 5 ganze Vorderteil des Schisses glich einer unkenntlichen Stahlmafsc. IL wa serdichten Schatten waren sämtlich ausgerissen, die Bodenplatten r rissen wie Papier, viele Tonnen gespalteten Eises waren auf die vor-
: b-cu Verdecke gestürzt und das eisige Wasser strömte unaufhaltsam in Eta Schiff hinein.
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„.-nrte den Kurs nicht. Es wäre schade gewesen um jede Minute. Nur ' Scheinwerfer der „Titanic" traten in Tätigkeit, sie tasteten mit grellen htkeaeln die Nacht ab. Ihre Strahlen prallten plötzlich blendend grell m eine weiße Riesenmasse, die auf der Steuerbordseite ausgetaucht war. n erichrak Mr. Mudlock. Einen solchen Eisberg hatte er niemals im 9>»en gesehen. Dreihundert Meter hoch ragte die gleißend weiße Masse E Tinnen aus den Fluten hervor — des anderen Titanen, der nicht . - Eisen und Stahl bestand, den nicht Menschengeist, sondern Gottes- i.x erbaut hatte. Der Eisberg war naher, als Mr. Mudlock dachte. Viel ■ her Und Mr. Mudlock griff nach dem Steuertelegraphen, wahrend hren im Salon befrackte Herrn und Damen in Balltoilette den letzten Kläger Londons tanzten. Es war aber zu spat...
In Qn den Salons, den Gesellschaftsräumen, wo der Stoß noch erheblich jiater zu verspüren gewesen war als in den Kabinen, sprangen die lenschen auf. Doch die Offiziere beruhigten sie. Man habe einen Zu- fiwmenstoß mit einem Eisberg gehabt, erklärten sie, aber das schiff sei Hnkbar. Sie glaubten es wohl selbst, daß das Schiss nicht sinken könne, is Kapitän Smith fünf Minuten nach dem Zusammenstoß — der An- pU erfolgte 23.45 Uhr — in die Marconikabine trat und die beiden I.legraphisten ausforderte, Hilfe zu rufen, lächelte er. „Wir sind mit . iuem Eisberg zusammcngestohen", sagte er, „halten Sie sich bereit, Not- Eialc zu geben..." Die zwei Telegraphisten — sie benahmen sich spater
Helden — machten Witze, als sie die Taste des Radiotelegraphen abdrllckten, um das erste'Notsignal Hinauszufunken: Cqud ... Lome ckly danger ... Kommt schnell, Gefahr!"
Doch zehn Minuten später kam Kapitän Smith wieder. Leichenblaß.
Helte nicht mehr. Und stöhnte:
I „Schicken Sie SOS! ... Schnell, sehr schnell, wir sinken!"
Das war um Mitternacht. Unten glaubte man noch daran, daß das chiff nicht sinken könne. Es wäre auch unfaßbar gewesen! Ein Eisbergs ie Musik spielte weiter, man tanzte weiter, man spielte weiter, und Irrd; die Luken konnte man sehen, wie der weiße Titan in der Ferne «»schwand. Oben arbeiteten aber die beiden Telegraphisten verzweifelt. Ins Signal SOS, das Signal der letzten Verzweiflung, „Save our Souls , Jettet unsere Seelen", zuckte unaufhörlich aus den Antennen der „Titanic i rch die Nacht, zuckte durch die Wellen des Aethers, erreichte Zuerst den i»yddampfer „Frankfurt", dann die „Virginian , die „Parisian^, die .Tqrpathia" und das Schwesterschiff der „Titanic", die „Olympic . Die » arpathia" lag der Unfallstelle am nächsten, siebzig Mecken weck. Jlinf Stunden Fahrt. Aenderte sofort den Kurs und steuerte auf die ,Titanic" los. Von einer anderen Seite eilte die „Olympic heran, die i n Neuyork nach Europa unterwegs war. Fünf Stundeii galt es noch i harren.
Es war nicht mehr möglich. ,
Um halb ein Uhr erscholl das Kommando: „Alle Passagiere an Deck- Vis dahin hatte niemand an eine ernste Gefahr glauben wollen. Da tat das fatale Kommando erschollen. Man sah, daß die Boote k argemacht kuirden. Und da sahen die Passagiere erst daß das Wasser bereis an in unteren Decks zu lecken begann. Da brach die Panik aus. Alleswollte Ith auf die Boote stürzen. Und da stellte sich heraus, daß in den Booten - ium ein Drittel der Menschen, die sich an Bord befanden. Plag finden iunte. Die 16 Boote des Schiffes hätten für 1178 Menschen ^«8 9€b0. im, aber vier Boote waren durch den Anprall fortgerifsen worden, toten nur noch zwölf. Vor jedem Boot stand ein Offizier. Em neues fommanbo erscholl: „Alle Mann zurück! Frauen und Kinder zuerst.
Das Schiss neigte sich bereits bedenklich nach vorn. Rettungsgurtei wurden verteilt. Frauen und Kinder wurden eingebootet.
Um die letzten Boote entstand ein fürchterlicher Kampf. NUt Messern iimpste man um die Plätze. Schüsse krachten. Dann wurde auch dasefcte ;®ot herabgelassen und n>ehr als 1600 Menschen blieben bei s ? tobe preisgegeben, auf dem sinkenden Schiff zurück. An der R 9 '
'm altes Ehepaar. Man wollte die Frau in ein Boot heben, sie W™ Ist) aber, ihren Gatten zu verlassen, umarmte ihn, küßte ihm. Manch« ' rsnchten aus Planken und Brettern Flöße zu bauen um die Hundene Umpften. Hunderte sprangen mit Rettungsgurteln versehen u Nasser. Der Kapitän versammelte die Musikkapelle am Heck des' fnd ließ den Choral „Näher, mein Gott, zu dir fpucken. In deni ••rte man noch die Musik und den Gesang der Todgeweihten- Dann
war um 2 20 Uhr __ fliea die „Titanrc , die bis dahin wie ein
1 btotmmenber Palästen voller Beleuchtung auf Wasser gelegen^hatie, netzlich steil in die Höhe, stand eine Minute lang fast vertik , 'Sie '» die Luft empor, die Maschinen stöhnten auf. DasWal er die Kessel erreicht. Das fiirchtbare Krachen von Detona wnen er : '°hnte, aus den Schloten schossen Funken und Flammen. W'e Fliege ^bten die Zurückgebliebenen am Schiffskörper. Dann e lolchen plötzlich s'Ue Lichter, und das Schiff schoß kopfüber in die Tiefe hinab.
Karlsbader Novelle.
Von Erwin Guido Kolbenheyer.
Copyright by Verlag Georg Müller, München.
(Fortsetzung.)
Man wußte bald, daß hinter den fast trotzigen Zügen der jungen Herrschers eine frische Laune wohne, und sie strömte auf den ganzen Kreis der gesellig-bereiten Menschen über. Man zeigte sich befeuert, als sei es vor Begeisterung, verlautete auch das Zungenspiel meist unerheblich von persönlichen 'Angelegenheiten der andern Festgenossen, die jeder schon irgendwie kannte. Die Augen glitten über festliche Kleider, und die Körper fühlten festliches Gewand, die Ohren vernahmen das erregte Beden den Unterton der Stimmen, der von Erwartungen und Verheißungen erfüllt scheint, die Nüstern erroitterten aus dem Duft des Parfüms den Körperhauch, und da man beim Tanz die Fingerspitzen berührte, floh das elektrische Fluidum, die Pulse steigernd, von Leib zu Leib. Kerzenglanz, Musik, Wein, Gesang, Kartenspiel und der Rhythmus der Tanzbewegung wirkten anders als sonst, wo man nur eines wohl- gelaunten Zeitvertreibes wegen, zusammenfand: ein Herzog war im Saale, ein regierender Fürst, mochte er sich noch so schlicht und fast soldatisch geben, man bewegte sich unter den Augen eines vielgenannten Hofes und war erlesen. .
Vor dem sächsischen Saale aber, zwischen den jungen Lindenstammen und an der Tepelmauer, spazierten die Neugierigen der übrigen Kurgesellschaft, und unter ihnen Karlsbader Frauen und Mädchen. Sie sahen zu den hellen Saalsenstern auf, hinter denen der Herzog Asseniblee hielt, erzählten und hörten von dem merkwürdigen Musenhof in Thüringen selbst von dem Romane schon der Gräfin von Werthern, die eine Puppe an ihrer Statt hatte begraben lassen und dem Gatten bis an die Küste von Afrika durchgebrannt war. Man hätte der gravitätischen Exzellenz von Goethe und dem noch gravitätischeren Herren Generalsuperintendenten Herder, der auch schon im vergangenen Jahre zu sehen gewesen war, solch einen Hof kaum zugetraut.
Für den andern Morgen wünschte der Herzog nur seinen Minister zur Begleitung. Er hatte die Heilquellen besichtigt! auch er wollte eine Kur versuchen und sollte, wie üblich, die ersten beiden Tage der Erholung von der Reise und einer gewissen körperlichen Vorbereitung abwar- t«n stand also noch nicht unter der allgemeinen Tagesordnung. Goethe unterbrach die eigene und stellte sich seinem Herren, der mit dem besonderen Völklein Fühlung nehmen wollte, das dieses freundliche Tal für alle Welt bereithielt. . „
Mußte es nicht ein eigener Menschenschlag geworden fein? Es hatte den Alltag eines kleinstädtischen Bürgertums mit der fast weitläufigen Gewandtheit von Wirten anspruchsvoller Gäste zu verbinden. Sein beträchtliches Gasthaus bestand in dem Städtchen, es war em großes, unter alle Dächer verteiltes Gasthaus selbst. Das Wesen des geschloffenen und in dem Heimleben der Familien gegründeten Hausstandes war da irgendwie durchbrochen. Ein merkwürdiges Zeichen dafür: die meisten Häuser der ,Wiese' standen untereinander durch Türen in Verbindung, so daß man von den Stockwerken des einen in die der andern gelangen konnte Dies Aufgetane, Gelöste, eine Preisgabe fast von Dach und Fach an die Oesfentlichkeit, mußte aus die Einwohner selbst wirksam geworden sein Sie lebten gleichsam unter einer doppelten Haltung. Die Eigenart des'innersten Kreises, der sich um Vater, Mutier und di« Kinder schließt mit aller Liebe und aller Not, mit Glück und Gram, Fröhlichkeit und Aerger, war in die Verschwiegenheit der dürstigen Raume gezwängt, die man sich in einem sonst jedermann bereiten Hause gönnte, und war darum etwas Heimlicheres, Gedeckteres und Verhalteneres geworden auch Freunden und Anverwandten gegenüber, zumal hier Freundschaft und Verwandtschaft in den wenigen Jahrhunderten der Besiedelung fast gleichbedeutend geworden waren, da die Stadt durch Heirat immer enger verwuchs. Die einzelnen Hauswesen mochten sich unter Vorbehalt der Eigenart untereinander verhalten, wie sonst die einzelnen Glieder einer großen Familie in gemeinsamer Häuslichkeit. .
Und dieses eigentümliche, Neugier erregende Zwielicht zwischen Preisgabe und Zurückhaltung ließ die Augen eines Fremden, der nicht nur Heilung, Annehmlichkeit und Vergnügen suchte, sondern auch an ben Menschen seiner Gaststätte zurechtfinden wollte, schon bei der ersten Berührung mit ihnen etwas schärfer beobachten.
Die Bürger dieses Tales trugen nicht ohne gewisse spielerische Gewandtheit einen öffentlichen Charakter an sich, der, am selben Zwecke „^Udet zu einer abgeschliffenen und alle Besonderheit überdeckenden Gleichso'rm geraten war. Unter wessen Tür der Fremde auch immer trat, er fand die Hausfrau, den Mann und die Kinder an Mienen und Worten qleidi höflich, bereitwillig, artig und dienstbeflissen und merkte doch, daß man ihm in der Erwartung begegne, die angenehme Haltung, abgesehen von aller Pünktlichkeit und Willigkeit eines wohlbestellten Reyejackels, ebenso freimütig und wohlgesinnt erwidert zu sehen.
Das konnten also nicht mehr jene Hausleute sein, die von dem kaiserlichen Gründer des Kurortes bestellt worden waren, einer Herrschaft die Kurqelegenheiten zu bereiten und zu hüten. Mochten vornehme Gaste nut weitläufiger Dienerschaft, eigener Küche, eigener Musik und dem besten Teil ihres Stalles kommen und eine ganze Anzahl Hauser zur Miete nehmen und hielten sie immerhin ihr« Standeszirkel streng gejchlossen, und blieben den Einwohnern auch jene Festlichkeiten verwehrt, die man .uweilen für alle Kurgäste unangesehen des Standes gab — das Burger- tum des Bades hatte sich felbstgewiffe Haltung des Besitzes und eines Wohlstandes gewonnen, der sich seines Ursprunges bewußt bleibt. Das Bürgertum stand der fremden Herrschaft mit dem erwartungsvollen Freimut eines Gewährenlassens gegenüber und konnte darum nicht nur oor= teilsfreudig, sondern auch herzlich wohlgesinnt wünschen, daß man sich nach Art ausschließender Stände behage und wohstuhle in Haus und Saal, an den Quellen und in der Natur, so wohl als wäre man unter eigenem Dache, auf eigenem Grund und Boden. Und das steigerte auch bei den Gästen die Lust am (Bönnertum. Der begüterte Adel zeigte sich zu festlicher Fröhlichkeit bereit, die Geld unter die Leute brachte, legte


