tattfanden unb jeben angilben, mit Agitation, Strmmfüng und Be- tcchungen wirb irgendwo angefpiett. Die Familien waren ganz mit sich elbst bejchästigt, und bas ist lehrreich. In ber Mass^ bes Volkes war der Sinn für politische Betätigung gering, zumal bei ben Frauen. Der Staat ist, wie er ist, unb wie er war, mochte er für sich selber sorgen.
Anders freilich bis zu einem gewissen Grabe bie Frauen aus ber No bilität Roms. Da gibt es Zusammenhalt, unb sie rotten sich zu Hausen, aber nur, wo es um ihre eigensten Angelegenheiten geht, sogar ein bestimmtes Versammlungslokal hat es anscheinend gegeben, wo sie sich fanden. Das Gesagte aber wirb bnmit, wie man sieht, nur wenig eingeschränkt.
Oer Oom zu Naumburg.
Von L i e s b e t Dill.
Es gibt Dome, bie langsam in Vergessenheit geraten, so schön sie auch sind, ben Naumburger Dom aber trifft biefes Schicksal nicht. Sein« „steinerne Ircigöbie" soll sogar verfilmt werben. Er ist bie Schwestern- kirche des Bamberger Doms. Ein altes, sauberes Stäbtchen, ein reizender Marktplatz mit Renaifsancehäufern, hübsche Anlagen, ber „Ring", auf dem ein paar alte Herren ohne Eile unter rotbelaubten Bäumen wanbeln, ber Herbstwinb treibt bie roten Blätter vor mir her, enge Gassen mit spitzem, mittelalterlichem Pflaster, ber alte Domplatz mit bem Dom. Erhaben steht er da, würdig, grau unb still ...
Nibelungenstimmung umgibt uns, eine alte Esche neigt zärtlich ihre breiten Zweige gegen bie Kirchenfenster, ringsum bie alten Häuser waren einst vom Naumburger Abel bewohnt, als hier noch ^Fürsten herrschten. Golden schwebt ber Himmel über ben Dächern ber Stabt, bem grünen Flußtal, ben Saaleufern, unb ben im herbstlichen Dust uerfchroinbenben Weinbergen mit ihren zierlichen Weinberghäuschen unb ben Villen in grünen Gärten. Eine Blumenstadt, ein „Pensionopolis". Vierzigtausenb Besucher kommen jährlich her, um ben Dom zu sehen, elegante Autos parken in Reihen vor seinem Eingang. Die schwarzen Dohlen, beren Voreltern schon vor Jahrhunderten den Dom umschwirrten, umflatterten seine grauen Türme, auf deren grünpatinierten Dächern die Herbstsonne funkelt, ein steinerner Löwe reckt" sich, bie Wasserspeier schreien vom Dach. Re- naissancehäuser umstehen ben Dom, feierlich und alt. Drinnen ist es Herbst. Die Sonne matt bunte Lichter und Kringel auf bie Gesichter ber steinernen schlafenden Bischöfe, die hier ruhen, und auf die Wappen thüringischer Rittergeschlechter.
Es'ist Sonntag. Eine Besucher-Herde wird schon geführt, die andere Herde wartet am Eingang an dem goldenen Barockgitter, hinter dem der merkwürdige, uralte Christus hängt mit dem maurischen Gesicht. In seiner Leibwunde' waren einst Reliquien verborgen, jetzt ist sie leer...
Schöngeschnitzte Chorwangen mit seltsamen Gestalten — ein Hase sriht ein Kaninchen —, die Sonne malt den Holzgestalten lebendige Augen und rote Wangen, sie lächeln uns an. An trüben, kalten Tagen sind sie tot und ernst, aber bie Sonne erweckt sie zum Leben, bann wirb der ganze Dom lebendig und bekommt ein anderes Gesicht...
Zwei „Eckartiner", die größten Fürsten Thüringens, lebten hier, bauten sich eine Burg, heirateten schöne Frauen, der eine eine Polin, der anöere bie süße Uta, die seit Jahrhunderten die Menschen anlockt nut dem schmalen, aristokratischen Gesicht, dem Schrecken in ihren Augen den seinen, zärtlichen Händen, mit denen sie sich mit der entsetzten Geste ben Mantel vors Gesicht hält, um den Mörder ihres Gatten nicht zu sehen, der rechts in der Ecke das Schwert unterm Mantel verbirgt, etc mar eine schöne, reife junge Frau, die liebte und geliebt wurde ... unb bie ficper diese Tragöbie überlebte, an ber ihr Gatte starb. Die Eckartiner ließen eine Taube fliegen, unb wo bie sich niederließ, bauten sie den Dom. Sie sind die Stifter ber Kirche, ihre Stammbiiber sind Glanzstucke des Doms diese unheimlichen Paare auf ihren Sockeln, mantelverhullt, ausdrucksvoll "" Ueb'er'den Dom selbst unb seine Schönheiten will ich das Wort den Kunsthistorikern Überlassen, aber seine Stimmung zu erfaffen, dazu mutz bie Sonne scheinen... Einmal im Jahr, im März, in einer Stunbe, Jtreift durch einen Einschnitt in der steinernen Domwand ein Sonnenstrahl den Christus, der seine Arme über die Ture breitet, bann mirb biefer fonft traurige Kopf lebenbig, bann ist die Holzgestalt aus einmal lebendig ... die Sonne hat ihn geweckt. Die Architekten der früheren Jahrhunderte waren gleichzeitig astrologisch bewandert. Die kartenspielenden und frefsem den Affen auf einem Kapitell des Ostchors waren em Scherz, ben sie sich elta9tubünot funkelt die Sonne auf dem entzückenden goldenen Gitter mit den schmiedeeisernen Nelken und Tulpen, aus der Madonna nut den amei Engeln auf der Schulter, die auf einem Mohrenkopf und einer Mondsichel steht. Der Wurm ist schon im Holz3m Dsten ift.ber Dom grau aber er wird immer heller und weißer nach dem Westen. Der eiiniae Lettner, den es überhaupt noch gibt, steht. hier, pathetisch und romanisch Betrus und Baulus mit den -chwärd' jagte ber .ftufter Gin febr interessantes Bild des schönen Grasen Bunau hangt an der Land. Er hatte in feinem Testament 1520 bestimmt, ein Jahr nach feinem Tod, K5.S», Ä s
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das nicht, so ständen sie nicht mehr hier, denn nach bem Versailler Vertrag sollten biese wunderbaren Steingestalten „abgeliefert werben", als Beute. Da fie aber aus bem Stein der Säulen herausgearbeitet sind, hätte man ben ganzen Dom abbrechen müssen, so blieben sie ba unb brauchten bie Reise über ben Rhein nicht anzutreten.
Der Barockaltar von Cranach ist mit 250 000 Mark versichert. Die Sonne sammelt sich auf dem schmalen Gesicht der süßen Uta, aus ihrem reizenden, kleinen Mund; ihre schönen Hände halten den faltigen Mantel zusammen, ängstlich, aber doch etwas neugierig, was daraus wird, aus dem „Gottesgericht" zwischen ben beiben Männern, von benen fie einen liebte unb den anderen nicht. Die Polin lacht höhnisch dazu, ein breit= slavisches Gesicht, ohne bie Feinheit der Ufa, die betörend schön ist. Ihre schlanke, ranke Gestalt umwallt ein Mantel, der ihre edlen Formen verrät. Nein, Madonnen sind das nicht, es sind Frauen, die leben und gelebt haben, unb sicher nicht immer fromm unb tugenbhaft. Der graue Stein, der sie roiebergibt, kann dieses sprühende Leben nicht bändigen. Sie lächeln uns an, bie eine spöttisch, die andere in Gedanken verloren, die schönen Hände verraten Angst um ben Geliebten ... bas Schicksal all dieser Männer war tragisch, einer wurde bei Merseburg ermordet, einer erschlagen, einer fiel im Duell mit dem Liebhaber feiner schönen Frau...
Selbst die Turmspitzen dieses Doms haben ihre Geschichte. Eine ber Spitzen baute der Meister, die andere der Lehrling. Da diese schöner unb zierlicher aussiel als bie bes Meisters, stürzte ber seinen Lehrling aus Rache vom Dach. Der Mürber wurde vor dem Dom hingerichtet...
Die Sonne verläßt mit mir den Dom. Nun ist der alte Bau wieder finster und grau, die Bischöfe lächeln nicht mehr, und der Gekreuzigte breitet in Todesqualen seine Arme aus... Alles sieht plötzlich verändert aus. Nur Uta lächelt, sie hält sich mit schelmischer Gebärde den Mantel halb vors Gesicht, nicht ganz, nur so, daß sie noch etwas sehen kann von bem, was geschieht, was fie heraufbeschworen hat, ohne sich etwas dabei zu denken ...
Oer Säemann.
■ Von Matthias Claudius.
Der Säemann säet den Samen,- die Erd' empfängt ihn, unb über ein kleines keimet die Blume herauf.
Du liebtest fie, was auch dies Leben sonst für Gewinn hat, war Nein dir geachtet, und sie entschlummerte dir.
Was weinest du neben dem Grabe unb hebst die Hände zur Walke bes Tabes unb der Verwesung empor?
Wie Gras auf dem Felde sinb Menschen dahin, wie Blätter; nur wenige Tage gehn wir verkleidet einher.
Der Adler besuchet bie Erde, doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel ben Staub und kehret zur Sonne zurück.
Oer Kriegskommissar des Königs.
Roman von Friedrich F r e k s a.
Copyright 1931 by August Scherl, G. nt b. H., Berlin.
(Fortsetzung.)
Aus Halle hafte Heinrich lange Zeit nichts gehört. Die Frau Pfar- rerin hatte ein paar Briese geschrieben, in denen sie ihren Tageslauf erzählte und noch Mitteilung machte, sie hätte einen kranken, kriegsgefangenen ungarischen Major ins Haus ausgenommen, um so in ber schweren Zeit bie Geldeinkünfte ein wenig aufzubessern.
Klara schrieb unter den Bries der Mutter ein paar Worte, daß sie darauf warte, der Herr Bräutigam möge sie besuchen. Es war ein großer Unterschied zwischen diesen und Emmas Briefen. Immer stärker ward für ihn der Gegensatz der beiden Schwestern, der stillen und der lebenslustigen. Das bedrückte ihn, zumal wenn er bie Briefpaketchen aus dem Koffer zog und noch einmal all das überlas, was Emma ihm an Gutem unb Liebem mitgeteilt.
Da langte mit Extrapost ein Brief Klaras an: „Mein Herzallerliebster! Wenn Du mich vor großem Unheil bewahren willst, so schick mir das Reisegeld, und ich komme sogleich! Wir wollen uns vor Gott zusammengeben lassen, und ich will mit allen Diensten zufrieden sein, die ich für Dich leisten kann. Aber laß mich nicht hier in Halle! Ich vermag dies Leben nimmer zu »erschmecken!"
Genaueres vermeldete das Schreiben nicht. Es erschien Heinrich ganz wie ber Ausbruch eines Mädchens nach irgendeinem Aerger ober un glücklichen Tage. Als er noch darüber nachsann, wurde er zum Herrn von Puttkamer gerufen, der ihm immer wohlwollte. Der alte Herr saß in seinem Stuhl und fragte: „Assessor, getraut Er sich, zwölf unb fünfzehn Stunden im Sattel zu bleiben?"
Heinrich bejahte. . ,
Nun bann kann Er Seinen Dienst hier mit einem anbern vertauschen' Der General Graf Dohna hat Befehl von Majestät, den Generalmajor von Kleist mit sechstausend Mann vor ben Schweden stehen- wla en und mit ben übrigen Truppen ben Russen, die nach Preußen hineinqekommen sind, entgegenzurücken. Er soll tätig feirr als stellvertretender Kriegskommissarius und für die Verpflegung des Heeres alle Sorge übernehmen. Den Auftrag hat Er Seiner Kenntnis im Fran, aöfifdien zu verdanken; denn es wird ein Feldzug in Polen geben, wo die Edelleute zwar Französisch, aber nicht Deutsch verstehen. Also, mach Er sich unb uns Ehre!" rief der Herr von Puttkamer, stand auf und umarmte Heinrich.


