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2-rantwortlich: Dr. San» Thyrtot. - Druck und Derlag: Drühl'sche UniversitätS-Duch- und Steindruckerei. L. Lange, Sieben-
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Er trat nahe an sie heran. „Du bleibst daheim!"
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Meister Allerhand mit. Sie gestand: des Meisters Geld Hochzeit war der Leopold es zerschnitt ihr die Brust, nur mit dem herumziehen
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Sie sprang in die Höhe.
„Bliwwesi geblasen, ich tanz!"
abwarten, muß das Beste hassen!"
Der Herbst streute seine bunten Farben aus. Noch ein paar Tage, daß sich über Wiesen und Hängen die Falter im flutenden Sonnenschein wiegten, daß in hochstämmigen Wäldern ein einsamer Bogel sein Mar- genlied fang, bann stiegen die schwarzgrauen Nebel auf und hüllten alles in frostige Schatten.
Die Feldfrüchte waren eingebracht, Scheunen und Böden waren gefüllt. „Eine Mittelernte!" sprachen die Bauern, die immer etwas zu quengeln hatten. Alle tonnten zufrieden sein. Freilich hatten sie sich tummeln müßen, daß ihnen der Buckel trachte. .Jetzt forderte die Freude ihr Recht. In acht Tagen sollte Kirmes sein. Das ganze Dorf stand auf dem Kopf. Gäste wurden von auswärts erwartet, jeder wollte großbratschig zeigen, was Küche und Keller baten. Die Mädchen vervollständigten ihren Staat. Die Burschen wanderten in die Stadt, ihren Schätzen allerlei Putz zu taufen. „Die Kälber spielen, 's gibt gut Wetter!" hatte der Trittchesmacher vertllndet, aber er war ein schlechter Prophet, denn es goß vom Himmel, wie mit Kübeln geschüttet. Für die junge Welt ein großer Verdruß. Vom Tanz im Freien war feine Rede. Zum Kirmeshaus wurde der „Stern" ersehen.
Der Sonntag tarn mit Regen und Wind. Burschen und Mädchen traten mitsammen den Kirchgang an. Nach dem Gottesdienst zag die Mußt durchs Darf und spielte einen flotten Marsch. Am Nachmittag begann der Tanz.
Wenige Tage zuvor hatte die Karoline einen Bries erhalten, den sie mit klopfendem Herzen las und verbarg.
Dem Meister Allerhand war an der Kirmes nicht viel gelegen. Als Geschäftsmann aber, der auf feine Kundschaft Rücksicht zu nehmen hatte, fühlte er sich verpflichtet, mitzuhalten.
Während seine Frau in den Tanzsaal ging, begab er sich in die unmittelbar daranstoßende Stube, wo die Männer beim Kartenspiel saßen. Er wurde mit einem lauten „Prost Kirmes!" begrüßt.
Der Hackepitscher hatte andauernd Pech und schrie:
„Krieg die Krammenot! Ich mach nicht mehr mit!"
Für den Drückeberger sollte der Beigeordnete eintreten, ein farger Filz. Der lehnte mit den Worten ab:
„Mein Kartenspiel heißt: „Guck zu!"
tonnt’ft. Das Getäts ist Albernheit. 'S geht Gut geheiratet spürt man sein Leben lang!"
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Die Mutter tnotterte: „Unverstand, wie du
zudenten. Reichlich zwanzig Jahre war er älter rote seine Frau, doch galt er ihr nicht als Respektsperson, geschweige, daß sie sich zutultch zeigte Sie führte feine Galle im Mund, ^war nicht zimperlich, trotzdem guckte sie ihn an, als wollte sie sagen: „Schlimmer wie schlimm wird s wohl nicht werden!" Jüngst hatte er beim Dippelouis eine schone irdene Schüssel getauft. Darauf stand geschrieben: „Die Eheschaft ist gut und fein wenn zwei gern bei einander sein." Ein paar Tage danach war die Schüssel zerbrochen. Hatte es die Karoline mit Absicht getan oder war es Zufälligkeit? Wer kannte sich im Kalender der Weibsleute aus! In der Wohnstube stand der Großvaterstuhl. „Der ist wackelig", meinte die Karoline, „den kann man bei’s alte Gerümpel schmeißen. „Nix da'" sagte er voll Dampf. „Aus dem Stuhl hat mein Vater und mein Ellervater gesessen. Der hält mich und dich noch aus!" Ihr Sinn war immer auss Neue gerichtet, er spann seinen alten Faden weiter. Von der Marie her war er an das Stille, Friedsame um sich gewohnt, in der Karoline war eine Unruhe, zum Verzwatzeln! Sie zogen halt nicht an einem Strang. Nun hatte er daheim die Lücke gestopft, konnte auswärts seine Geschäfte machen, und es war ihm doch nicht wohl dabei.
nichts über fatt und warm. Gut geheiratet spürt man sein Leben lang!" Sie hatte der Mutter den Willen getan. Nun saß sie im Hanf, hatte satt und warm und fam sich daneben und unselig vor. Sie fühlte die junge Kraft in sich und könnt sie nicht brauchen. Sie war hier nicht am rechten Platz. Sie mußt es unter die Schürze halten, heimlich sprach sie's bei Tag und Nacht: einmal verspielt und zehnmal bereut!
Wenn sonst im Dorf eine Eheschaft ohne Einklang war, warfen sich Mann und Frau Gehässigkeiten an den Kopf, wohl auch Kartoffelstößer und Kroppen. Nicht so der Meister Allerhand und die Karoline. Beiden waren die Augen aufgeschnappt, aber sie hielten die Zunge im Zaum und hüteten sich, ins Gespreng zu kommen. Eins ging neben dem andern her, sie taten nichts, dem Uebel zu steuern. Der Schwickerisadam, der durch neun Türen sah. dachte: „Zwei harte Stein' und zwei Storrekopf' reiben sich aneinander ab. 'S ist alles schon dagewesen. Man muß es
„Stern" zurück.
In der Männerstube hatte sich unterdessen etwas zugetragen, das für die bäuerlichen Hartkopfe ungewöhnlich, ja ungeheuerlich war. Der Hacke- pitfcher und der Trittchesmacher, die in offener Feindschaft lebten, hatten sich unter dem Einfluß der Festtagstimmung die Hände zur Versöhnung gereicht. Das Ereignis wurde gehörig mit Bier und Schnaps begossen. Ein Mißton kam in die Lustigkeit, als der Aumüller, der zu tief ins Glas geguckt hatte, sich an den Meister Allerhand wandte und mit schwerer Zunge sprach:
„Wann unser Herrgott einen alten Knorz strafen will, gibt er ihm eine junge Frau. Hast du ihr dann ordentlich Fäng gegeben?"
Der Meister, der bei all dem Gelärm in Gedanken verloren da- gefessen hatte, verfärbte sich, stand auf und tappte den Aumüller ab:
„Halt dein schlecht Maul ober ich schlag dir in bie Freß, daß bie rote Brüh' nachkommt!"
Ein paar Augenblicke herrschte großes Schweigen, bann setzte bie Unterhaltung roieber ein. Niemanb wagte es mehr, Stichelreben gegen ben Meister Allerhand zu führen. Der trank sein Bier in kleinen Schlürfen, lugte zuweilen in den Saal und gewahrte, daß seine Frau jetzt nicht nur mit dem Schmachtlappen aus Lauterbach, sondern auch mit andern tanzte. Nach der zweiten Pause tarn sie zu ihrem Mann und begehrte heimzugehen. Augenblicks brach er auf.
Um bie zweite Morgenstunde wurde der Karoline ein Ständchen gebracht. Die Musik spielte und ein wohlklingender Tenor siel ein:
„Scheiden ist ein hartes Wort.
Du bleibst hier und ich muß fort.
Wenn wir uns nicht Wiedersehn, Unsre Liebe bleibt bestehn!"
(Schluß folgt.)
Derweil der Meister so simulierte, flogen der Karoline Gedanken nach Lauterbach. Dort war der Leopold Krammich aus dem Schaumburger Land, Gehilfe beim Rasierer Schmidt, ein lieber Kerl, voll Witz und Schalkheit und Lebenslust. Er hätte sich gern selbständig gemacht, doch es fehlte ihm am Besten, und es lieh ihm keiner ein Nickelstück. Seine Rede war: „Hoffnung hilft über manchen Graben. Ich mach dem Glück die Fenster aus. Auf einmal kckmmt's hereingesprungen!" Zwei Jahre war sie mit dem Krammich gegangen. Sie standen am Verlobungsrand. Es war eine wunderschöne Zeit. Sonntags wanderten sie nach Angersbach ober Landenhausen, bei gutem Wetter tief ins Gebirg. Der Leopold hatte hundert Augen. Du lieber Gott, was der all' sah: die Schmetterlinge, bie Blumen, bie Felsstücke, bas Geklüft, die Wolken am Himmel, zur Abendzeit das Sterngefunkel. Und fingen tonnt er wie der Sprosser im Gernhardt feinem Vogelkorb. Sie meinte, das bliebe so in alle Ewigkeit. Da wurde die Mutter bettlägerig, sie mußte heim, aus war die Freud' und Herrlichkeit. Jede Woche schrieb er einen Liebesbrief. Und die Mutter sprach: „Das Gejuck mit dem Schnuteputzer hort mir auf. Hier nichts, da nichts, das sollt was rechtes geben. Du brauchst einen ver- möglichen Mann. Wann du den nicht herbeitribulierst, bleibst du besser für dich!" Jeden Tag dasselbe Geschnepper, ihr taten schier die Ohren weh. Nun kam der Schwickerisadam hereingeschneit und brachte den " ließ sich beschwätzen. Daß sie sich's nur ein- stach ihr in die Augen. Acht Tage vor der Krammich noch einmal da und jammerte,
„Ich tanz!" trotzte sie ihm.
Er knirschte vor Wut und hob die Hand zum Schlag.
Sie kreuzte die Arme über dem Leib und sah ihn c '
„Schlag zu! Dessentwegen tanz ich doch." Und tief hinzu: „Ich bin jung!"
Da sank ihm jäh die Hand herab.
Sie nahm ihr Umschlagtuch und schritt erhobenen . .
Ein paar Minuten lieh er verstreichen, bann kehrte auch er in den
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Nun wurde der Meister Allerhand herangeholt. Der war fein Knicker und sagte ja.
In dem Augenblick, da die Karoline den Saal betrat, näherte sich ihr ein junger ansehnlicher Mensch, dessen gelocktes Haar funstooll frisiert und dessen Schnurrbärtchen kühn in die Höhe gezwirbelt war. Er tat gar liebreich und forderte sie mit vielem Anstand zum Tanz auf.
Die Geige kratzte, scharf und schneidend setzte die Klarinette ein, die Trompete ließ ihre Schmettertöne los, und der Baß brummte wie eine Hornisse im Stiefel. Paar um Paar drehte sich unter dem Jauchzen und Stampfen der Burschen. Die Luft war schwül, dick zum Zerschneiden. Es war für die Tanzenden nicht leicht, in verhältnismäßig engem Raum sich durch den Menfchenknäuel hindurchzuwinden. Die Gesichter glühten, die Ausgelassenheit kannte keine Grenzen.
Der Fremde und die Karoline tanzten ohne Unterlaß: Schleifer, Schottisch und Galopp. Er hielt sie fest umschlungen, schien ganz in sie versunken zu sein. Ging sonst ein Tänzer auf sie zu und winkte ihr, wie es Brauch war, mit der Hand, wies sie ihn ab.
Die Weiber, die rundum auf Bänken saßen, steckten die Köpfe zusammen. Wer mochte der Ausländige sein, der bie junge Frau fareffierte? Die Schneiber Selzern aus Lauterbach, bie zum Besuch ihrer Schwester erschienen war, gab Bescheib. Der Auslänbige schrieb sich Krammich unb schaffte beim Rasierer Schmibt in Lauterbach. Wie bie Karoline bort im Geschäft bes Kaufmanns Gernharbt war, hatte der Krammich seinen Gang zu ihr, galt als ihr Bestänbiger. Was die Kränk! Sollt man’s für möglich halten? Dem Allerhand seine zweite Frau hatte sich ihren alten Schatz wieder angeschafft! Die Neuigkeit kitzelte alle Ohren, flog durch den Saal, aus dem Saal in bie benachbarte Stube. Hier tuschelte sie einer bem Meister Allerhand zu. Der schien kaltes Blut zu bewahren unb spielte seinen Solo weiter.
Um sieben Uhr war große Pause. Der Meister holte feine Frau zum Abenbbrot. Die Karoline ftanb beim Leopolb Krammich, gab ihm die Hand und folgte ihrem Mann.
In ihrer Behausung angelangt verzehrten sie schweigend den Kirmes- braten unb den unerläßlichen Krautsalat. Als sie abgegessen hatten, fing der Meister an:
„Mit was für einem Kerl bist du bann ben ganzen Nachmittag herumgeschwirbelt?"
Sie warf den Kopf in ben Nacken.
„Kerl! bas verbitt ich mir!"
„Ja, was bann sonst?"
„'S ist ein alter Bekannter von mir."
„Ei was, ein alter Bekannter!"
„Paßt sich bann bas Gehäng unb Gebiwwer für eine verheiratete
Frau?"
Sie verharrte in ihrer stolzen Haltung.
„Ich hab mir nix vorzuwerfen!"
„Die Leut haben sich brüber mokiert", sprach er aufs tiefste erbittert. Morgn lausen bie Depeschenträger burchs' Dorf."
„Was liegt mir an bem Backhausgeleier!"
Die Abern schwollen ihm an ber Stirn.
„Aber mir liegt was bran. Schlimm genug, baß bu bich so helft. Schlimm für bich und schlimm für mich. Alleweil schieb Riegel vor. Wir bleiben diesen Abend daheim!"
atmend setzte sie


