irgendein Stück Kaubonbons im ja arbeitslos."

Das könnte Borst spitzte

Es war unklar, weshalb sie vorsichtig gehen sollten, aber Borst mußte seine Gründe haben. Man konnte den Großen Kurfürsten nicht wie jeden gewöhnlichen Sterblichen wecken.

Borst zerrte also Lüders an seinem verwundeten Bein, wofür er fast eine Ohrfeige bekommen hätte.

Lüders kroch sodann zu Reppert hin, der erst einmal ein finsteres und eigensinniges Gesicht machte, jedoch schließlich den Häuptling zu wecken auf sich nahm.

Es brauchte lange Zeit, bevor man dem Kurfürsten klarmachen konnte, worum es sich handelte, obwohl es doch ein verhältnismäßig einfacher Tatbestand war.

Herr Falk ist hier und will dich sprechen."

So?" sagte der Große Kurfürst, und er starrte in den Wald.Hat es denn schon zum Aufstehen geläutet?"

Reppert rang die Hände.

Zum Aufftehen! Zu was für einem Aufstehen läutet es denn bitte im Walde?"

Der Häuptling lehnte seinen gewaltig gemästeten Leib gegen seinen Adjutanten, der wie ein Indianer auf den. Knien hockte und nun fast umgefallen wäre.

Ist es denn nicht Morgen, Lieber? Haben wir verschlafen?"

Plötzlich schien der Große Kursürst die ganze Sache kapiert zu haben. Er hatte zuwellen solche überraschenden Ansälle von schneller Intelligenz.

Aufstehen! Aufftehen!" brüllte er mit jener Tonstärke, die er des morgens um sechs Uhr anzuwenden pflegte und um deretwillen er berühmt war.

Das war Alarm! Wer noch geschlafen hatte, sprang hurtig auf die Beine und sah nach der Sonne. Es mochte vier Uhr nachmittags sein.

Herr Falk ist da!" rief Reppert mit schneidender Kommandostimme.

Herr Falk sagt, daß er uns Arbeit bringen will! Darf ich ihn holen?" rief der kleine Borst mit einer Stimme, die in den hohen Lagen glockenhell war wie Liliputanergesang, in den tieferen jedoch rauh wie Rabenruf. Und er pflegte über diese Rutschbahnfahrten seines Organes zu erröten, wie, nach den Berichten unsrer Altvordern, die jungen Mäd­chen aus früheren Zeiten errötet waren.

Er hatte Falk im Walde zurückgelaffen, denn ohne Einwilligung des Kurfürsten oder der gesamten Bande durste kein Fremder je das Feld­lager betreten, und Borst war sehr stolz darauf, das alles so richtig gemacht zu haben!

Der Große Kurfürst legte sich das durchlöcherte, nach allen Gerüchen dieses irdkschen Jammertales riechende, ehemals grüne Cape wie einen Krönungsmantel um die Schultern. Den rechten Arm hielt er frei, damit der verschlissene, mit Goldfäden eingestickte Präfektenstern auf seinem Aermel sichtbar bliebe.

Herr Falk soll erscheinen!"

Die Knaben waren zu einem starren Haufen versammelt. Mit freudig gespannten und ernsten Gesichtern blickten sie nach der Richtung des Waldes, aus dem Herr Falk hervortreten sollte.

Dieser schritt auch sogleich herzu, und abermals lüftete er den Dogel- scheuchenhut.

Guten Tag!" sagte er bescheiden, und seine Falkenaugen irrten ver­legen zur Seite.

anders werden", erwiderte Falk bitter.

die Ohren. Auch der Bastard unten zu seinen Füßen machte Versuche, die viel zu kurzen Pudel-Schnauzer-Ohren zu spitzen.

Also bitte, Herr Falk! Aber vorsichtig!"

antwortung!

Er schläft nämlich", sagte er ängstlich. Und er fügte hinzu, wobei er - sgaurnrjn&e ausspuckte, das er an Stelle des teuren Munde herumgewälzt hatte:Alle schlafen. Sie sind

Guten Tag, Herr Falk!" antwortete der Große Kurfürst, und nun antworteten auch all die andern, vierundzwanzig Tertianer:

Guten Tag, Herr Falk!" ,

Schweigend ließ man sich tn der Runde nieder, Falk auf dem abgestumpften Kegel eines Eichenstammes, die Knaben auf ihren Knien ^^Die Tabakspfeife wurde angezündet, sie ging ringsum, wie dies feit Jahrhunderten bei den Jungens aller anständigen Volker Sitte und

dann begann Falk die große Angelegenheit vorzutragen, die ihm o bitterlich am Herzen lag.

Still hörten die Tertianer ihm zu. Zuerst mit Erstaunen, fast Ablehnung, dann mit größerer Bewegung, mtt gegenseitigen schnellen Seitenblicken, mit fragenden Augen zum Großen Kurfürsten und zu Rep­pert hin, mit Entrüstung schließlich, mit Empörung nut kleinen Schreien Sauber' Sauber!"Schick! Schick!"Das ist aber doch!Wi Teufel, da muß man ja kotzen!" -Ja sind d,e denn vom Satan gebifsen?" Und sie spuckten aus oder sie fuhren besorgt mit den Händen in die Felle ihrer Hunde, die ihre klug ausmerkenden Kopfe auf die Kme der Knaben legten. , , , , . - m

Wie Falk seine Rede beendigt hatte, sagte er noch.. So ist

das. Wie Isaaks Opferung, so ist das! Man soll nicht glauben, daß ld) Erwache'stetsman", weil er nicht wußte, ob er die Tertianerdu oderSie" aNreden sollte. Er hatte ganz einfach den Tatbestand erzählt. Wie ein großer Diplomat hatte er es vermieden, die Tertianer unmittei- ^Mber das? war auch keineswegs von Nöten. Die Tertianer wußten, woran sie waren. Ihre struppigen Haare loderten >m Feuer ihrer Empö­rung und Entschlußkraft. Auch die Haare des Katers Karlemann auf bem Baum und aller Hunde unten hatten sich gesträubt. Alle hatten sie eine Wendung nach rückwärts gemacht, nach der Ebene, nach der Stadt, zu der das klare Westlicht der Sonne sich eben jetzt herniederneigte.

Die Hände an den Halsketten oder an den Strippen der Hu'ide, die in Jagdstcllung sich zu ihren Knien hielten, so blickten sie alle nach Westen,

Bann* ober drehte der eine oder andere sich um. Fragende, zweifelnde Blicke gingen zu dem strengen, abgesonderten, seinblichen Rauch «m Hoch- wald. Wurde er fernerhin so vereinzelt dort steigen, oder vermischte er sich bald mit dem Rauch ihrer Lagerfeuer hier unten?

Erregte faßten sie sich an den Händen und an den Armen. S,e wußten es, sie hatten jetzt Arbeit bekommen, Arbeit bis zu den großen Ferien.

(Fortsetzung folgt.)

Kopf zusammen. Aber er hielt es für seine Postenpslicht, platt auf dem Boden auszuharren. So kam es, daß der Ankömmling ihm fast den

Borft^schielte über seine Nase hinweg nach oben. Froh sprang er auf. Herr Falk!" . . ... ,

Ein Mann stand vor ihm, der nicht nur einen Tiernamen hatte, son­dern auch ein Tiergesicht, ein richtiges Falkengesicht mit zwei dicht an ber krummen Nase anliegenben runden Raubtieraugen. Es waren bte Raubtieraugen eines gefangenen und gezähmten Falken, der alt geworden ist und nicht mehr mittun mag. Außerdem aber stand Falk auch noch in beruflichen Beziehungen zur Zoologie. Er war nämlich ein Tierwärter in der Stadt Maineweh, wo er im Botanischen Garten den sogenannten Tierpark zu betreuen hatte: das heißt, einen ausgerupften Adler der wie ein gargekochtes Huhn aussah, ein Reh, eine Kreuzotter, ein Gnu, einen Biber, einen Psau, ein paar Perlhühner und einen irischen Wolfshund. Nach dem Gesetz, demzufolge die Mitglieder einer Lebensgemeinschaft einander ähnlich werden, hatte Falk eine all diesen Tieren gemeinsame Eigenschaft angenommen: er war so mager wie sie, so verhungert und abgezehrt. Die Stadt hatte für.Tierwärter und Tiere nicht viel übrig. Ein Sohn der Stadt, der einmal in Afrika und in Asien"gewesen war, hatte diesen Miniatur-Zoologischen Garten gestsstet. Nun galt es, Falk und seine Zöglinge zu erhalten, mit Ach und Krach und mit viel.jammernden Debatten in der Stadtverordnetenversammlung, die sich alljährlich wiederholten.

Falk lüstete höflich seinen Hut, der einem Hut jener Vogelscheuchen glich, die man vom Feldlager aus in den Gärten der Bauern schäbig ^.Sann den Herrn Großen Kursürsten sprechen?" fragte Falk trüb und höflich.

Borst überlegte.

Ist es etwas Wichtiges, Herr Falk?"

Es ist so wichtig wie Abraham und die Propheten."

Borst dachte darüber nach, ob Abraham und die Propheten heutzutage noch wichtig seien und was die großen Jungens dazu sagen würden. Ihm wurde heiß vor Aufregung, so groß war die Last seiner Ver-

Kreuzblume singt.

Von Hans T h y r i o t.

Mich, die himmelan jauchzende Krönung des Turms ob allen Fialen, Verklären hell des erwachenden Tages früheste Strahlen.

In mir verfängt sich bei Nacht des Mondes milchiges Licht, Wiegt sich und spiegelt auf steinernem Grunde Gottes Gesicht.

Meine Geschwister heißen Abendstern, Wolke und Wind Und alle Vögel, die zwischen Himmel und Erde sind.

Aber von allen der eine hat es mir angetan:

Golden reitet stromüber im anderen Kirchspiel der Hahn.

Und hör ich die Orgel unter mir fromme Choräle frohlocken. Bis in mein steinernes Kelchherz dröhnt die Musik der Glocken,

Dann schwingt sich mit Glocken und Orgel zu Gott mein Gebet. Daß bis zum jüngsten Tag stromüber der Goldene steht.

Kulturtheater.

Bon Professor Carl Ebert, Intendanten der Städtischen Oper Berlin.

Der neue Intendant der Berliner Städtisck)en Oper und vormalige Leiter des Hessischen Landestheaters in Darmstaor, äußerte sich zu unserem Berliner Vertreter über die Not de- deutschen Theaters im allgemeinen und über die Ziele bes GegenwartsTheaters solgendermatzen:

Wenn man die Ursachen und Quellen der materiellen Not, in der sich das deutsche Kulturtheater heute befindet, richtig einschätzen will, muv man einen Blick auf die Vergangenheit werfen, und das Zahlenmaterial früherer Zeiten zur Hilse nehmen; denn Zahlen sprechen bekanntlich eine beredte Sprache. Als Vergleichsmahstab will ich nur zwei Buhnen heran- ziehen: das Mannheimer Nationaltheater, weil es vor einiger Zeit einen sehr lehrreichen Ueberblick über die Entwicklung der Finanzen verosfem. licht hat, und das Hessische L a n de s t h e a t e r in D armstabl, bie Stätte meiner letzten Wirksamkeit. Die Bebeutung dieser Zahlen gern weit über die örtliche Bedeutung hinaus, weil alle Theater ungefähr die gleiche Entwicklung durchgemacht haben und deshalb diese Entwicklungs Unie für alle am Theater Jnterefsierten lehrreich ist.

Die Mannheimer Bevölkerung hat 1889 pro Kopf der Bevölkerung 2,15 Mark für ihr Theater aufgebracht ober 173 000 JDtart un ganz Jahr; im Jahre 1928 waren es aber 7,55 Mark ober 1831 000 Mark. Steigerung aller Ausgaben hat allein feit bem letzten Friedensjahr (m , 170 Prozent erreicht. In Darmstabt ist ber Zuschuß von 670 000 Mark ttn