Ausgabe 
30.6.1930
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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Hummer 50

Die Lindenallee.

Von Siegfried von Vegesack.

Noch spielt das Licht im Schatten der Alleen, der schweigenden, uralten, dunklen Linden, die ihre Arme schwesterlich verbinden und feierlich im Abendfrieden stehn.

Ein süßer Dust von Blüten aus den Höhn, die schimmernd tief im Blättermeer verschwinden, entströmt geheimnisvoll den dunklen Gründen, die noch von still verhaltner Schwüle wehn...

Die Sonne sank. Und wie (Erinnerungen verlorner Tage, die schon längst verklungen, das Herz noch lang in banger Liebe hegt,t

so hält der Linden regungsloses Bangen die Gluten des erloschnen Tags umfangen, indes die Nacht sich kühl darüber legt.

einem Hügel am Waldessaum, die grünen Wipfel schauten zu den Fen« ftern herein, und höchstens vernahm man da süßen Vogelschlag leise von fernher. Sonst war alles stille. Der Freiherr hatte keine Familie außer einer Tante, einer alten, schweigsam, geräuschlos waltenden Witwe, welche ihm mit einer kleinen Dienerschaft haushielt in den weiten, schweigen­den Räumen. Man konnte glauben, das ganze Schloß schlafe, und die Bewohner wachten nur auf, um zu geigen.

In dieser tiefsten Stille also machte der Freiherr stille Musik, wenn er in seinen Noten blätterte, wie in einem Geschichtenbuch aus alter Zeit. Trauliche Bilder schauten ihn dazu von den Wänden des Musikzimmers an, Landschaften und Stilleben guter älterer Meister. Es war ein Tempel friedlicher, heiterer, finniger Kunst.

Nur ein Bild paßte nicht zu den anderen, in dem kalten antikisieren­den Stil der damaligen Pariser Schule stellte es Erato dar, die Muse des Liedes und der Liebe im Liede. Der Kopf war ohne Zweifel Porträt; man porträtierte damals wohl Kinder als geflügelte Genien, Damen als Göttinnen. Aber während der Freiherr, wenn er musikalisch träumend auf und ab schritt, bald einen Everdingen, bald einen Mignon wohl­gefällig betrachtete und seine Quartettthemen im Anschauen immer lauter und luftiger pfiff, verstummte er vor diesem Bilde, ward zerstreut und verließ wohl gar den vertrauten Raum. Es schien, als ob dieses Gemälde, welches dem Gegenstände nach von allen ganz allein musikalisch aussah, das einzige unmusikalisch stimmende Bild wäre.

Ja noch mehr! Kam der ersehnte Abend und zündete der Freiherr die Lichter an, so mußte der Bediente die Erato jedesmal mit einem grünen Tuche verhängen. Hätte es der Bediente ja versäumt und der Blick des Herrn wäre im Spielen auf das Bild gefallen, so würde er das ganze Zusammenspiel unfehlbar umgeworfen haben; Eratos Auge hätte ihn aufgeregt, in einen fremden, trüben Gedankengang hineingezogen, und zum Quartettgeigen braucht man Sammlung, Ruhe und innere Heiterkeit.

Zweites Kapitel.

Am Abende des 10. Mai 1799 zog ein schweres Donnerwetter gegen Schloß Strüth heran, wo der Freiherr bereits seit einer halben Stunde im Musikzimmer stimmte, des (Eintritts der Mitspieler gewärtig. Unter dem Heulen des Windes und dem Klirren der Scheiben erschien Schlag sieben Uhr das Violoncell und die zweite Geige in der Gestalt des frei- herrlichen Gutsverwalters und des alten Kammerdieners, denn auf Strüth nahm man nur solche Leute in Dienst, die in der Violinschule wenigstens bis zur dritten Lage sich hinaufgegeigt hatten. Jene beiden waren freilich bloßstumme Personen", wie man in der Theatersprache sagt, sie geigten fest und redeten nur, wenn sie gefragt wurden.

Desto gesprächiger war der vierte oder vielmehr der erste Mann, die erste Geige, welche diesmal ein wenig auf sich warten lieh, Graf Thürmer von Neuhaus. Dampfend vom scharfen Ritte trat auch er endlich herein, gerade vor Torschluß, denn im selben Augenblick begann der Regen strom- weise niederzustürzen, und Blitz und Donner nahten in immer kürzeren Pausen.

Dem Grasen folgte fein Diener, einen Geigenkasten unterm Arm.

Diesen Geigenkasten blickte der Freiherr so verdächtig an, daß er den Grafen beinahe übersetzen hätte; denn er der Geigenkasten mar ein unberufener Eindringling, upb der Haus- und Quartettherr ahnte wohl dessen Bedeutung. Graf Thürmer war nämlich ein Geigennarr; er hatte auf Neuhaus ein ganzes Lager von alten Geigen, echten und unechten, die er alle als vortrefflich pries: die echten, weil sie echt waren, und die unechten, weil sie von Rechts wegen hätten echt sein sollen. Er liebte die Musik, weil er die Geigen liebte, und glaubte, Mozart und Haydn hätten eigentlich nur deshalb so wundervoll komponiert, damit Stradivari und Guarneri ihre Geigen nicht umsonst so wundervoll geleimt und gehobelt hätten.

Beim Freiherrn war es umgekehrt. Er schätzte eine gute Geige, weil er eine gute Musik liebte, und der Graf meinte, das heiße doch die Welt auf den Kopf stellen. Da es aber hierüber in früheren Jahren manchmal zum Streit gekommen mar, indem der eine Geigen geigen, der andere aber Musik geigen wollte, so hatte man sich über ein festes Grundgesetz geeinigt. Spielte Montags das Quartett auf Schloß Strüth, so stellte der Freiherr vier gleichartige Instrumente von Stainer, und kein anderes sollte berührt, am wenigsten eine fremde Geige mitgebracht werden. Des­gleichen bestimmte der Freiherr das Programm des Abends, und nie­mand sollte ein anderes Musikstück auch nur zu wünschen wagen. Musi­zierte man dagegen am Donnerstag beim Grafen, so war dieser der Quartettherr, er konnte ©eigen vorführen, soviel er wollte, und Tonstücke auflegen nach Belieben; der Freiherr war dann sein Vasall, mit Schild und Speer (das heißt mit Fiedel und Fiedelbogen) zu jedem Dienste treu und gehorsam. . .

Es muhte wohl eine ganz außerordentliche Geige sein, ein großer Fund der dem Grafen keine Ruhe ließ, daß er so den Montag zum Donnerstag gemacht unb das fremde Instrument gesetzwidrigerweise mit herübergebracht hatte.

Das Quartett.

Novelle von Wilhelm Heinrich Riehl.

Erstes Kapitel.

Eine Tagereise von Wien lag einsam das alte Schloß Strüth, in welchem vor siebzig Jahren der Freiherr Leopold von Strüth lebte unb geigte. Die Musik war ihm bas fünfte Element; aber Musik mit Aus­wahl, denn er liebte nur gute Musik unb hielt ein echtes Streichquartett für die beste unter der guten.

Jeden Montag war Quartett auf Schloß Strüth, wobei der Freiherr die Bratsche spielte, unb fein Gutsnachbar, ber Graf Thürmer von Neu­haus, die erste Geige; jeden Donnerstag hingegen ritt der Freiherr nach Neuhaus zum Quartett beim Grafen.

Der Bediente des Freiherrn durste Montags zwar die Wachslichter ins Musikzimmer tragen, aber sie aufftecfen ober gar anzünben burfte er nicht, bas tat der Herr mit eigener Hand. Er war sonst recht bequem und ließ sich, gerne bedienen, nur nicht fürs Quartett; denn da konnte er selber sich's kaum recht machen, geschweige ein Bedienter. Unb wer ihn vor ober währenb bes Quartettes sah, ber mußte ihn für einen rechten Pedanten halten; allein das war er bloß in diesem besonderen Falle, und hier war er pedantisch nicht aus Pedanterie, sondern aus Ehrfurcht vor den höchsten Offenbarungen ber Kunst. Darum wusch er sich auch allemal die Hänbe, bevor er ans Quartettgeigen ging, nicht weil sie schmutzig gewesen wären, sondern wie zu einer symbolischen Reinigung, gleich dem Priester, ber sich für ein Opfer im Allerheiligsten rüstet.

Jeder Quartettabend warb für ihn zum vollen Quartettage. Schon der Morgen verging in emsiger Vorarbeit. War es Winter, so mußte bas ouartettzirnrner schon tags vorher geheizt werden, damit sich die Jnstru- mente an die Wärme gewöhnten, unb in keiner Krankenstube warb je das Thermometer sorgsamer beobachtet. Vierzehn Grad Reaumur erklärte m Freiherr für die ivcihre Quartettemperatur, während er sonst in den Bofmräumen seines Schlosses an sechzehn Grad gewöhnt war. Er schätzte Mr den inneren Wärmezuschuß, welchen ein herzbewegendes Quartett Wt, nach langjähriger Erfahrung auf zwei Grad, so daß Haydn unb wart, bie überwiegend gespielt wurden, bei zweiundfünfzig Quartett« senden im Jahre wohl eine Heizkraft von anderthalb Klaftern Buchen- Mst darstellten.

Zahllose kleine Geschäfte erfüllten den Quartettag; dem Musiker ivären p Mig gewesen, dem Musikfreunde sind sie heiter und behaglich; denn !>e sind ein Vorgeschmack der Quartettseligkeit bes Abends, und wenn der vrecherr Montags höchsteigenhänbig bie Geigen abwischte unb die vier We zurechtrückte, so dünkte ihm das schon halbe Musik.

d- Musik aber mar ihm die wichtigste Vorarbeit: die Auswahl .-Programmes. Indem er da die Notenhefte prüfte und verglich, wählte i me.Vöarf« Hauptthemen fang unb pfiff, spielte er morgens schon tunt* 1 s6 Quartett, wie abends mit dem Fiedelbogen. Unb wer weiß, au« x5 m rauere Genuß war? Längst verhallte Erinnerungen rauschten atmn Linienblättern auf. Denn was versetzt uns unmittelbar in ver- iiört» c zurück, als bas Wiedererklingen einer Weise, bie wir damals Uluti?'wie oft täuschen mir uns selbst unb halten eine schwache 3eit " durum für wunderschön, weil sie uns an eine wunberschöne nnnert wo mir ihr zum erstenmal lauschten!

in dem Musikzimmer konnte man so weltvergessen geisterweise nen träumen, auch am Hellen läge. Das Schloß lag einsam auf