Jetzt lächelte er ein bißchen, als ob er doch den heimlichen Seufzer In meiner Antwort gehört hätte. Aber er wurde gleich wieder ernst und erwiderte mit feiner Röte in den Wangen:
„Wenn mich nicht alles trügt, brauchen wir nur noch eine kleine halbe Stunde. Ist Ihnen das recht? Wollen wir das noch an unsere Quelle wenden?"
Ich nickte, und nun ging es in einem Tempo weiter, das ich zu beschleunigt fand, aber der große Mann neben mir war doppelt so alt als ich, und ich hielt es nicht für passend, sein Temperament zu zügeln. Es hätte mir wahrscheinlich auch nichts genützt. Jetzt, nachdem er von der Quelle gesprochen hatte, beherrschte sie seine Gedanken ganz, und ich merkte allmählich, daß hinter seinen sehr interessanten Worten bisher doch nur die Quelle gesteckt hatte. Er bekam etwas jünglingshaft Besessenes, ich kann es nicht anders ausdrücken, und ich geriet richtig außer Atem, als ich Schritt mit ihm halten wollte.
Eine halbe Stunde verging. Ich konnte mich nicht bezwingen und sah wieder auf die Uhr. Da lachte Werner Siemens zum erstenmal: „So ist es oft in der Natur — man wird richtig gefoppt! Aber nur noch ein bißchen Geduld!"
Ich war schwitzend und mit einem Anflug von Groll einverstanden. Wo blieb die verteufelte Quelle? Es mußte mindestens schon sechs sein.
Da endlich... Er blieb wieder stehen — er schien gefunden zu haben, was er suchte. Das winzige Sprudelchen, zwischen Hellen Steinen, das zunächst einen kleinen runden See bildete, hielt auch ich für eine Quelle. Jedenfalls hütete ich mich, die Entdeckung in Zweifel zu ziehen.
Sein Gesicht wurde ganz weich und hell. Die Freude in feinen Zügen hatte etwas Kindliches. Dieser Anblick versöhnte mich völlig. Ich vergaß sogar, meinen Mantel anzuziehen, obwohl ich ganz naß war und Erkältungen bekanntlich fürchtete.
„Na," sagte Werner Siemens nach einem Schweigen, „da hätten wir sie ja."
Ich war stark versucht zu erwidern: Und was haben wir davon? Aber ich unterließ es, weil ich doch ein sonderbar andächtiges Gefühl hatte und ihn keinesfalls ernüchtern wollte.
Willig machte Werner Siemens nun kehrt. Ganz anders, viel freier und heiterer noch, war er auf dem Rückwege. Er machte einen geradezu erlösten Eindruck. Zuletzt ulkte ex mich sogar ein bißchen an: „Jetzt wird uns aber das Esten schmecken, Herr Doktor. Oder haben Sie bei unserer Ouellensuche keinen Appetit bekommen?"
Ich wurde etwas borstig. — „Hunger sogar" war meine Antwort.
„Ja, man verdient sich alles im Leben nur durch die Erfahrung."
Wir verlebten noch einen prachtvollen Abend im Hotel. Am nächsten Tage wurde Werner Siemens abberufen und fuhr nach Berlin. Ich habe ihn nicht wiedergefehen.
Ferdinand Hodler.
Von Hans von Faber du Faur.
Als ich das erste Bild Hodlers, „Die Nacht", auf der internationalen Glaspalastausstellung 1890 sah, war mein Eindruck, daß da der modernen Kunst ein neuer Michelangelo erstehe. In der Diezschule in der ich damals Studien malte, wurde über die neue Erscheinung lebhaft diskutiert. Ernst Würtenberger hat mich etliche 20 bis 25 Jahre später in Zürich daran erinnert, wie er damals behauptet hatte, ein „Maler" sei Hodler jedenfalls nicht. Ich habe ihm damals auf die Schulter geklopft und ihn aufgefordert, „Die Nacht" nochmals anzusehen und speziell den Rücken, Nacken, Hals und Haaransatz der ruhenden weiblichen Figur vorne rechts, dann werde, er nimmer behaupten, Hodler sei kein Maler. Aus dem Saulus wurde ein Paulus, und der Maler Würtenberger wurde im Lauf der Jahre zum eifrigsten Vorkämpfer und Apostel für die Kunst Hodlers in der Schweiz.
Längere Aufenthalte in der Schweiz und Zwar speziell in Zürich und Genf haben es mit sich gebracht, daß ich die riesige Produktion Hodlers, von ihren ersten Anfängen an bis zu ihrem Tode, kennengelernt habe. Außerdem haben mir feine Freunde, die Maler Ernst Würtenberger und Fritz Widmann, ein Dutzfreund Hodlers aus dessen jüngeren Jahren, viel von dem Menschen und seinen künstlerischen Anschauungen erzählt.
Es interessierte mich, den Künstler, der im schweizerischen Kunstleben seinerzeit geradezu gigantisch dominierte, persönlich kennenzulernen, und ich besuchte ihn im Mai 1913, als ich nach Gens kam, ausgerüstet mit einem längeren Einführungsbrief Würtenbergers. Da ich ihn zuerst vergeblich in seinem Atelier in der tue du Rhone ausgesucht hatte, wurde es Mittag, bis ich zu seinem anderen, großen, in dem Vorort Aecacias gelegenen Arbeitsraum kam. Auf mein Klopfen wurde eine Türspalte geöffnet, ein Arm im Hemdsärmel und ein Kopf sichtbar, wie der eines der trotzig abwehrenden Landsknechte, die den Rückzug von Marignano decken. Hodler, der schon von 7 Uhr früh ab gearbeitet hatte, wollte eben zur Mittagspause fortgehen. Dank meiner Einführung unterhielt er sich doch noch ein wenig mit mir, ehe er wegging und bot mir dann freundlich an, mir feine Arbeiten und Studien in Ruhe anzusehen, wozu er einen jungen Maler, der mit ihm arbeitete, anwies, mir alles zu zeigen. Das Riefen- gemälde für Hannover ging damals gerade feiner Vollendung entgegen. Es war für das dortige Stadthaus bestimmt und sollte „die Annahme der Reformation durch Hannover" darstellen. Ein Haufen Männer, rechts und links von einem Mordskerl, alle eine Hand zum Schwur in die Höhe streckend. Die Dimensionen erschienen mir weit über Lebensgröße. Hodler hat das Bild „unanimite" genannt. Die vielen gezeichneten und gemalten Vorstudien interessierten mich sehr.
Ueber Hodlers Art, Studien nach der Natur zu zeichnen, indem er einen mit senkrechten und horizontalen Schnüren quadratisch bespannten Rahmen vor das Modell stellt und dieses dann auf den Malgrund zeichnete, den er vorher mit dem Rahmen entsprechenden Quadraten überzeichnet hatte, war mir schon oft erzählt worden. Lionardo empfiehlt dieses Verfahren in feinem Buch über die Malerei. Nach Widmann begründete Hodler seine Methode folgendermaßen: Das Grundgesetz einer tüchtigen Arbeit beruhe auf- mathematischer Genauigkeit; diese Geometrie
bilde ein zuverlässiges Fundament, auf dem die freie Verarbeitung erst icher gedeihen könne. Die Kunst sei so schwer genug, bis zur Vollendung eien der Schwierigkeiten viele, so daß er jede mechanische' Unterstützung sich dienstbar mache. Allerdings gehe es ohne gelegentliche Schinderei der Modelle nicht ab.
Bei jenem ersten Besuch fiel mir auch ein kleiner Bleistiftentwurf auf, der mich besonders fesselte. Er sollte das schweizer Nationalgefühl dar- stellen, verkörpert durch einen jungen Mann, der sich auf ein Schwert stützt.
Im Herbst 1913 besuchte ich Hodler mit meiner Frau in seinem Stadtatelier in der rue du Rhone. Diesmal hatte er Zeit und zeigte uns sehr viele Arbeiten, die nach den Formaten in Regalen aufgestapelt waren. Die vielen Wiederholungen eines und desselben Motives, die im ersten Eindruck etwas Geschäftsmäßiges haben mochten und ein wenig an Fabrikation erinnerten, entsprangen doch wohl hauptsächlich dem 2)rang nach immer weiter getriebener Vervollkommnung, der diesem unermüdlichen Arbeiter innewohnte, der die Arbeit das „köstlichste Lebenselixier" nannte. Wir hatten eben von seiner Ausstellung in Paris im Herbstsalon gelesen, • wo er die schwörenden Hannoveraner als Hauptbild hatte. Er gibt sich schwer mit seinen Bildern zufrieden. So sagte er. uns, daß er eben das Riesenbild für Hannover noch einmal ganz neu malen wolle nach der Skizze für die erste Fassung, die zur Zeit im Herbstsalon ausgestellt war.
Sehr interessant war mir, wie er mir die Entwicklung seiner kompositionellen Ideen erklärte. Er probierte seine Kompositionen gewöhnlich erst in einem kleineren Maßstab aus. Nachdem er sich zunächst über die Landschaft klargeworden war, ging es an die Zeichnung der Figuren, Wenn ihn diese in Ausdruck und Bewegung befriedigten, schnitt er sie gerne aus, probierte, wie sie sich am harmonischsten in die Landschaft einfügen ließen und klebte sie auf. Dieselbe Arbeitsmethode hat er wohl meist nachher bei den Kompositionen in größerem Maßstab wiederholt.
An einen längeren Besuch bei Hodler erinnere ich mich vom Sommer 1914. Er arbeitete an dem Bild für Zürich, welches für die Wand des Treppenhauses im dortigen Kunsthaus bestimmt war. Fünf riesige, weibliche Figuren, weit über Lebensgröße, in blau stehen in verschiedenen Körper- und Kopfhaltungen da, den Blick nach aufwärts gerichtet; sie sollten, soviel ich verstand, die weibliche Auffassung der Religion, der Ewigkeit ausdrücken. Im ganzen Atelier war nichts anderes zu sehen als allerlei Vorstudien zu diesem Bilde. Da waren zunächst die fünf Frauen zusammen und dann auch jede einzeln in kleinerem Format; dann der Kopf der Mittelfigur und die einzelnen Figuren in der Größe des großen Bildes in Pauspapier ausgeschnitten. Die kleinen Einzelfiguren und das große Bild waren quabratiert.
In den letzten Jahren feines Lebens 1916, 1917 und 1918 hielt Hodler einen Komponierkurfus in der Kunstakademie in Genf. Zur Teilnahme konnten die Schüler der höchsten Akademieklasse und außerdem beliebige Künstler zugelassen werden. In diesem Atelier wurde von 8 bis 10 Uhr morgens gearbeitet. Hodler kam jeden Montag und erhielt 100 Franks für die Korrektur. Da meine Tochter an dem Kurs von 1917 teilnahm, erfuhr ich Näheres über feine Unterrichtsweife. Stets wurden mehrere Modelle in derselben oder einer gleichartigen Stellung zur selben Zeit gestellt, wobei immer die Gesetze des Parallelismus erläutert wurden. Als erste Ausgabe stellte er zwei bekleidete Männer, die nebeneinander auf einer Bank faßen. Er verlangte vor allem den architektonischen Ausbau der Gruppe, die Festlegung des richtigen Verhältnisses der Höhe zur Breite. Zu diesem Zweck ließ er Konstruktionslinien ziehen, so eine Linie für die Füße, für die Schultern, für die Knie, bann zuerst die vier Füße angeben, die sich nicht bewegen. In der Folge stellte Hodler stets weibliche Akte, erst zwei nebeneinander stehende Frauen, später vier, bzw. drei schreitende Mädchen. Die Modelle wurden stets in einander ähnlichen, bzw. analogen Stellungen gestellt. Gerne wies Hodler darauf hin, daß man nicht die Formen herausmodlieren solle, man solle nicht Skulptur machen, sondern Architektur. Er korrigierte sehr intensiv, zeichnete viel hinein, und es ist ein Vergnügen, seinen Sinn für das Organische des Körpers und der Bewegung in den meisterhaften Strichen feiner Korrekturen wahrzunehmen.
Hodlers Talent hat ihn mehr und mehr zum Monumentalen getn«- ben. Der Farbe gegenüber wurde er, je mehr er sich entwickelte, immer freier und freier. In feinen „Erinnerungen an Hodler" läßt Widmann den Künstler selber von seiner Jugendentwicklung berichten. Besonders charakteristisch für ihn als Maler,scheint mir folgender Passus aus seiner Lehrjungenzeit bei einem Dekorationsmaler in Thun: „Für leuchten« Farben, besonders brennendes Rot hatte ich von je eine besondere Neigung. Ich erinnere mich an viele frühe Morgenstunden, wenn ich von meiner Schlafstelle in Gwatt nach Thun zur Arbeit ging, wie do der Himmel feurig strahlte, während die Berge teilweise noch im blauen j Dämmerduft lagen, wie bann auf einmal bie herrliche Stockhornkme, in allen Strukturen beutlich, im Morgen glanz ihre ganze Schönheit cm faltete. Daß biefe Pracht noch intensiver gesteigert werden konnte, wen» ich, den Kopf nach unten, sie zwischen den Beinen hindurch betrage, war mir eine beglückende Entdeckung. Die Bergränder funkelten dann in den Farben des Regenbogens, und dieser geheimnisvolle Borgon» •. beschäftigte mich als ungelöstes Rätsel lenge. Jeden Tag wiederholte w das Rätsel ungezählte Male — ein Beobachter mußte mich für eint : sonderbaren Naturanbeter gehalten haben." ..
Nach den Berichten der ihm Nahestehenden war die Arbeitskraft ow lers eine ganz ungewöhnliche. In feinen letzten Lebensjahren bin n ihm in Genf öfters begegnet, wenn er am frühen Morgen üOn*f,n‘ Wohnung am 6ee nach feinem Atelier eilte, wo er in der guten JwF zeit die Arbeit um 7 Uhr früh begann. In der langen Zeit des Ring- um den Erfolg soll er die Kunstkritik souverän mißachtet haben, me bei Kritiken oft nicht einmal des Lesens gewürdigt haben; am Ende ; Lebens habe sich das gründlich geändert, er soll ein guter Keschastsm - geworden fein und wo immer eine Ausstellung seiner Bilder R j in jeder Stadt fei fein erster Gang zur Redaktion der größten ocl V gewesen. Die spartanischen Gewohnheiten einfachster Lebensweise, fachste Hotels und Restaurants. Bahn dritter Klaffe, weil es >n ;
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