Ausgabe 
28.2.1930
 
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Mefer^Hundinq jedoch muß ein Sonderling sein, Hat er nicht den Herd in einem hohlen Baum untergebracht, wie irgendein Wilder seine Feuerstelle? Blak ist jo genügend dort, denn die ungeheure, phantastisch wie e ne alte Olive verdrehte Eich« füllt den ganzen Buhnenraum. Elche, immer ist von einer Eiche die Rede, wenn sie auch wie eine Ol.venlmde «ussieht. Es müßte jo eigentlich eine Esche sein rauschend-beklemmen- der Hinweis auf Pagdrasil, die bebende Weltesche. In ihr steckt, tiefstes

Dann k^mm^Fmu Hunding. Ganz in fließender Seide, stilecht, passend zu Baumhühle und Kasfernkraal. Man sieht, daß die Textilindustrie m Walhall bedeutsame Fortschritte gemacht hat.

Wie Siegmund unter der fortgesetzten Leidenschaftssteigerung einer unerreichten musikalischen Ausdruckswelse an den Schwert, naus heran­tritt während der ganzen lodernden Szene heiligster Mmne höchste Not,' sehnender Liebe sehrende Not! Rötung! Rötung, »eidlicher Stahl, steht Sieglinde abgewendet mit hochgefalteten Händen, erstarrt zu einer gotischen Madonna mit beachtenswertem Faltenwurf.

Als Muster für das wilde Felsengebirge diente die zerbrochene Fingals- höhle auf Staffa. Wotan betritt sie in Mokkastns, ein'<ten

Dolchen um die Brust, an jedem Knie eine baumelnde Schaufel. Inter­essant sein Kopfputz. Stilisierter Sioux. Wird darin aber, heiaha, das will ich meinen, von Brünnhilde weit übertroffen. Die Walküre ist ge­hörnt das heißt, sie hat einen Kronleuchter aus. Blerundzwanziger Ms bronz'iertem Zeug, soll also wohl Stahl vorstellen. Dunnerk.el muh tas Ding schwer sein! Aber sie ist mächtig sta^, sie setzt es aus nn jenem ko­ketten Fingerspitzentippen, mit dem die Frauen so gern an ihre Fnsu ICnSe Kainpfschwestern haben nicht ganz so umfangreiche Gebilde nur Elchgeweihe, ganz so wie der Kielschmuck, den Sie von den Gondeln m Venedig kennen. Und Fr.cka kommt natürlich auch nicht auf emem Lid deraesvann sondern schreitet als einer der ausfallendsten Manneqmns die Felsentreppe herab. Ihr Kronleuchter macht ihr die. Gardinenpredigt nicht leicht, schwerer noch trägt sie an dem dernier cri einem wahren Prachtstück des Kunstgewerbes. Ich kann es Wotan nachfuhlen, daß er klein beigegeben hat.

Das ist nun also die hehre germanische Gotterwelt!

Die Romer haben sich immer stecht auf die Gatter verstanden Was machten sie aus dem importierten heiteren Olymp Hellas? Man soll I q nicht wundern, wenn sie heute sagen, die germanische Mythologie verstan den sie nicht, sie zögen Tristan vor, das Hohelied der amore.

Es ist halt arg weit nach Bayreuth, vergessen wir das nicht. Den dmt- schen Wald hat man in sich oder man hat ihn nicht. Man kann dcw mq lernen. DenRing" zu verstehen, braucht es lange vor dem mustkak cym Gehör ein Einfühlen in die germanische Vorzeit, wie es auch schnittsdeutschen versagt bleibt. Wotan in Rom, das ist wohl an sich w011 ein unausgleichbarer Gegensatz.

Um so mehr wollen wir anerkennen den hohen Willen, die tie < mit der dieser römisch« Kapellmeister sich, um seine eigenen Worte zu 8 brauchen, in den Ozean Wagner gestürzt hat. Nicht eine Welle wa e missen, es ist 1 Uhr nachts geworden, bis die wabernde Lohe die -öuv»

Und noch einer verdiente besunaen zu werden: der Wcttermacher. Ec wird nie genannt, ihm flicht die Mitwelt keine Kränze, und doch I . ein Meister ohnegleichen, mindestens in Italien. Solche unendliche

ken, daß das letztemal, als lch über dieWalkiria" schrieb, hier noch kleine Eisenstühlchen standen oder vielmehr herumrutschten, heute ab^r das Opernhaus das schönste Europas ist. Der Umbau hat ungezählte Millio­nen verschlungen, gewiß, dafür hat Rom letzt einen Empfange jalon, der sich sogar der Kronprinzenhochzelt, der Pvunkvorstellung vor einem Par­kett von Königinnen nicht zu schämen brauchte. Der billigste Platz da ""^Natürlich gab ^nan an diesem Abend nicht die Walküre, sondern so etwas wie das historische Ballett, aber mit dem ersten Tag des Rings wurde immerhin die Saison, die hier erst um Weihnachten beginnt «in« geweiht; alles neu, von der Hund.nghütie bis zu den Mokkastns Wotans!

Das letztemal traten die Kampfjungfrauen noch in die zu Wagners Zeiten so "beliebtemalerische" Erscheinung: mit roten Recken, di« ast schleppten, und einem Paar Gänseslügel auf dem Helm. So ritten sie durch die Wolken, die erschlagenen Männer vor sich auf dem Roß wahrend unsere Mädels schon zum Tennis kurze Flatterröckchen trugen. Der Spiel­leiter wagte es eben nicht, von deii strengen Vorschriften des Bayreuther Titanen abzuweichen. Nur Wotan, der immer eine Extrawurst haben muß, leistete sich einen grünse.denen Schurz, sah überhaupt aus, als tame er gerade von Aida. Im übrigen: Hütte und Felsengebirg, Kampf (in grünweißroter Beleuchtung) und Feuerzauber alles gutes, bewahrtes Theater. Von Germaniens Geist kein Hauch.

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Heute aber -! Der Regisseur hat's gewagt. Lieber guter Wagner wie sage ich dir's? Allerdings, man spielt >a auch Hamlet in Frack und Wilhelm Tell vor Plüsch, und wenn das am grünen Holz m Berlin ge­schieht was soll am heiteren Himmel Roms werden? Es gibt eben eine Auffassung, gegen die selbst Götter vergebens kämpfen.

Die Sache fing vorschriftmäßig damit an daß ein gehetzter Flucht- sing vor einem Gewittersturm in die sichere Hütte Hundings stürzt, - rau­sten toben die Elemente und es regnet schrecklich und man steht das, denn d es« Hütte hat kein schirmendes Dach. Vielleicht ist es «in Kaffernkraal. Innerhalb der Pallllade fällt merkwürdigerweise kein Tropfen. Siegmund ^^Herd,^heMger"Herd?'SInn und Brennpunkt germanischer Kultun Zu­flucht für Familie und Gäste, sogar sür den Feind. Heistg dem Manne wie das Feuer der Vestalinnen in Rom. An der geschütztesten Stelle des

Oie gehörnte Walküre.

Von G u st a v W. C b e r l e i n.

Rom, Saison 1930.

Es ist halt doch arg weit von Bayreuth nach Rom.

Tenöre können, telegraphisch bestellt, im Flugzeug über die Berge sausen, die Musik, sogar die Wagnersche, läßt sich im Bruchteil einer Se­kunde liefern, da gibt es gar keine Entfernungen Aber der germanische G-ist? Oder, was noch etwas ganz anderes ist, der Geist Germamens. Den Schlafwagen kann Wotan nicht leiden. In der römischen Sonne kriegt er Kopfweh. Die Leute dort verstehen ihn nicht.

Seine flüchtigen Gastspiele mißraten daher fast immer.

Wie wollen Sie, daß die Römer ein Waldweben begreifen, nachdem weder einen Wald, noch Weber dafür haben, Singvögel? Em ltalicm- icher Siegfried wäre ohne Schrotspritze darin gar nicht denkbar. Und erst der Göttervater! Ein Mensch in Schlapphut und mit einem verbundenen Auge, wo er in Zivil auftritt, sonst eine unbegreifliche Lanze zu einer |a, zu was für einer Uniform? Das ist immer die große Frage. Kem Kammerunteroffizier kennt sich da aus. Den italienischen Regisseuren tritt der Angstschweiß auf die Stirne, wenn sie einmal den Auftrag bekommen, die Wagnerschen Regiebemerkungen etwas moderner aufzufassen.

In dieses Stadium sind sie in Rom getreten. Man hat das alte Co- stanzi modernisiert, zu einer königlichen Galaoper umgestaltet, da konnte man das trad tionelle Bayreuther Gerümpel natürlich nicht mehr brau­chen. Ehre wem Ehre gebührt! Auch der deutsche Meister soll einen neuen Anzug haben. Er ist herrlich. #

Jetzt passen diese Halbwilden, die in den finsteren teutonischen Forsten hausen, endlich zu den erdbeerfarbenen Fauteuils des Parketts. Früher traten sie immer halbnackt aus, mit Fellen und so, das geht nicht. Das gstckt sich nicht für die Bühne, denn das ist ein Vorrecht der vornehmen amen in den Logen.

Ja diese erdbeerfarbenen Fauteuils! Sie find der Stolz der Stadt, die nach Muffolini zur Hauptstadt der Welt auserkoren ist. Man muh beben«

roas er da von dem frischen Grün gesagt hatte, das st'wme ganz be- ia auch sie fände, daß das Parfum außeroiceuti.chgrün röche! Und'wenn sie ihm einen Namen geben solle, so müsse das Wort nriin" be stimmt eine führende Rolle darin spielen.--

ö Nun die Pause war erst im Anfang, man promenierte hm und her man traf sich und die kleine Hand Jeanettes mußte manchen -Handkuß über sich ergehen lassen. Der Freund, verbindlich und korrekt ihr zur Seite versäumte nicht, auf das aufmerksam zu machen, was Jeanette heute' als besondere Sensation, vorbereitet zu haben sch.en. »Wie finden Ai- dab Jeanette heute riecht?" fragte er den Kritiker X., und der Maler der bereits nach fünf Minuten um die Neuigkeit wußte, kam ^tra an Jeanette heran" um die Erlaubnis bittend, den Duft des neuen und wie man jagte, so reizvollen Parfums eindringlich zu genießen.

Jeanette schwebte in Ängst und Not, denn e i n d r i n g l' ch war der Ge­ruch ihrer Hände wirklich, wenn dies vielleicht auch di« einzige Eigen- ia ft war die sie dem Duft zusprechen konnte. Em Zuruck gab es nicht K und'das neue Parfum war so sehr Gespräch dieser Pause, Mittel­punkt von Lachen, Flüstern und Drohen, daß der nächste Morgen schon KTSÄ Ä M*! W« Ihres Parfums gehört, Madame," ein Bündel bemerkenswerter Ro,en nntia überreichend Sie find ein Geschäftsmann wie ich, und so bm ich gekommen, um Ihnen einen rein geschäftlichen Vorschlag zu machen, der für Sie und für mich von großem Nutzen fern wird. Sie haben das Barium erfunden ich werde es destillieren, bereiten, verpacken und auf ben Markt werfen. Wir werden es Miracle de Jeanette" nennen unb ick glaube Ihnen prophezeien zu können, daß Sie Ihren Mobe- stilon bald aufgeben dürfen und wenigstens einige Zeck 9°nug Hecken, um in aller Ruhe unb Lieblichkeit dieses Leben mckanzusehen. Wollen Sie ch" liebenswürdig "eck und mich das famose Parfum einmal riechen ^Jeanette faß da, blaß und erschüttert, wie nicht anders zu eroarten ift.

Es existiert nicht, das Parfum," sagte sie endlich mckMilcht eben fpffpr Stimme verstehen Sie, mein Herr, es ist nicht cci.

' Ich verstehe" Madame vollkommen," sagte der Meister,und ich bin gern bereit, die 20 v.H. Beteiligung am Reingewinn, die ,ch Madame vorschlagen wollte, in 33; v. H. zu erhöhen, wenn ...

Mein Gott," rief Madame, und wenn ihr das Weinen gelegen hätte, so hätte sie bestimmt geweint,M'Wn Sie 6en" 'S

das Parfum nicht zeigen kann, weil es Nicht existiert, weil ... Und mit leiser allmählich von Lachen unterbrochener Stimme vertraute Madame dem großen Meister die Geschichte von der grünen Seife an. -

Der lachte nicht im geringsten, er wurde noch ernster, als er es bisher gewesen mar.So haben Sie nichts weiter zu tun, als zu ickweiaen unb dieses Geheimnis fo«zu begraben, daß Sie selost nichts mehr davon wissen. Sie müssen anfangen, an Ihr Parfum zu glauben, As ist das einzige, wasich von Ihnen verlange. Alles übrige, meine ÄICKm nächsten^ Tag'erhielt Jeanette einen korrekten Vertrag jugefanbt, Jen sie nach eingehendster Prüfung für gut befand und lachend unter« ichrieb Unb nach weiteren vierzehn Tagen fah sie unb mit ihr die be­geisterten Bewohner dieses angenehmen Viertels in allen «Parfümerie« gefchüften und Friseurläden eine große, magisch beleuchtete ede ge- Ick'iffene Flasche glänzen, aus der eine Flüssigkeit, von der uckenstv grünen Farbe einer stürmischen See, lockend und unwiderstehlich strahlte, darüber stand, in großen, grünen, phantastisch geschriebenen Buchstaben.

Das neue Parfum der Stunde!"

Le reve vert!"