Ausgabe 
24.11.1930
 
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hl'sche Universitäts-Buch-- und Steindruäerei. L. Lange, GieM

verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Berlag: Brü

den letzten Weizen verschlangen. .

Beim Zehnuhrläuten war der Hannwilm wieder in seiner Stube.

Die Neumüllerin brachte ihm das Frühstück.

Ich hab was mit dir zu schwätzen", fing sie an.

Der Hannwilm hob die Brauen.

No?"

Oer Schlund.

Roman von Alfred Bock.

(Fortsetzung.)

8.

Der Sanitätsrat, nachdem er den Neumüller mehrere Wochen nicht gesehen hatte, fuhr vor, untersuchte den Patienten und äußerte seine Zu­friedenheit. Der Hannwilm bestätigte, daß ihn Husten und Atemnot minder belästigten. . ...

Machen Sie von setzt ab bei schönem Wetter einen kleinen Gang , riet der Arzt.Danach legen Sie sich hin, daß Bewegung und Ruhe gleichmäßig verteilt sind. Gehn Sie langsam die Treppen hinauf. Keine Unvorsichtigkeit. An der Krankenkost halten Sie nach wie vor sest!

Aus dem Hof traf der Sanitätsrat die Neumüllerin.

Ihr Mann ist allem Anschein nach über den Berg. Ich denke, daß er bald wieder im Geschäft sein kann!"

Die Neumüllerin erblaßte. Die Worte des Doktors bedeuteten nichts Geringeres, als daß ihr, die in der Mühle unumschränkt herrschte über kurz oder lang die Zügel aus der Hand genommen wurden. Ein Gluck, daß sie ihr Geld es waren nahezu dreißigtausend Mark beiseite geschafft hatte. Im Weißzeugschrank war freilich dafür auf die Dauer nicht der geeignete Platz. Wie sie das Kapital anlegte, darüber wollte sie sich bei ihrem Vertrauensmann, dem Leopold Falk, Rats erholen. Der Falk war verschwiegen und ausklugiert. Und noch etwas andres. Wenn der Hannwilm gesund war, schasste er sich das Gerenn zur Wecklersanna wieder an. Daraus konnte man schwören. Pläne wurden ausgeheckt, der Karl der Bankert, war's, der dabei gewann. Da galt's vorzubauen. Der Helene Kampmann Erholungszeit war nun bald um. Bei erster Gelegen­heit gedachte die Neumüllerin ihrem Mann zu erklären, daß sie ihre Pflegebefohlene, die ihr lieb, ja unentbehrlich geworden war, nicht mehr von sich ließ. Blieb die Helene aus der Mühle, nahm man sie an Kindes- statt an. Der Hannwilm würde sich auf die Hinterbeine stellen. Es war eine harte Nuß. Wenn auch. Die Neumllllerin war entschlossen, ihren Willen durchzusetzen. Mochte es biegen oder brechen.

Als der Hannwilm, zum erstenmal nach Monaten, sich im freien erging hatte er Gliederschmerzen. Doch die verloren sich. Er wanderte zum Pfaffenteich. Begierig atmete er die frische Luft. Er hatte das Ge ühl, er würde seine Kräfte wieder erlangen. _ r

Auf der Pfingstweide hütete der Schäferkapper seine Schafe. Sobald er des Neu.vüllers ansichtig wurde, kam er, sich auf seine «chuppe stützend, herbei. , _. ,r, ...

Ei, ei, der Hannwilm! Hast du dich herausgerappelt? Das t|t recht! Der Doktor nimmt das Geld, und die Natur tut das Beste. Ist s net fo?

Er klagte, daß die böse Zeit auch seine Schafe verfolgte. Früher waren sie schneqelfett. Und jetzt? Daß Gott erbarm! Die Jährlinge und träch­tigen Tiere follten Oelkuchen erhalten. Die waren schandmaßig teuer. Das Geld dafür war nicht zu erschwingen. Unter den Lämmchen gab es Taumelköpfe. Manche waren so schwach, daß sie bald nach der Geburt getötet werden mußten. 2(n all dem war das schlechte Futter schuld.

Der Schäferkapper seufzte. Er hatte den Pferch helmzugeschlagen. Mit der Weide war's vorbei, zumal er etliche Tiere hatte, die nur langes Gras abbeißen konnten. Diese Woche ging's in die Winterquartiere. Niemand wollte die Schafe in der Leihe haben. Die Futtervorrate waren zu gering. Das Brockwerk, das in den Trog geschüttet wurde, war keinen Schuß Pulver wert.,... , . .

Langsam, den Kopf vorgeneigt, schritt der Schäfer zu seiner Herde ^^Nahe beim Pfaffenteich holte den Neumüller ber Schollehupper ein. Der wollte nach Oppenrod, wo er Geld ausstehn hatte. Er war die lebendige Dorfchronik und packte gleich allerlei Neuigkeiten aus. Die Schwalbskarline, deren Mann ein großer Drückeberger war entblodete sich nicht, vor den Leuten zu platschen:Wann sie mein Schorsch nur net enaus schicken. He is gar jähzornig. Und wann die Wut über ihn kommt, schlägt er alles kurz und klein!" Auf die Entgegnung so einen Rausche­beutel könne man im Feld gut gebrauchen, sagte sie:Ei du liebes Gottche, die Engländer und Franzosen sind doch auch Menschen! Beim Sandhannes war ein Herr aus Frankfurt gewesen, Eier zu Hamstern. Er bekam sie und zwar zu schwindelhaft hohem Preis. Darauf zog er einen Hundertmarkschein aus der Tasche. Ob der Sandhannes wechseln könne? Der antwortete:Nee!"'s macht nichts , sagte der Herr.Sie können den Schein einstweilen behalten. Ich komme schon wieder! Und marschierte mit fünfzig Eiern im Rucksack ab. Der Sandhannes trug den Hundertmarkschein in die Stadt. Auf der Sparkasse hörte er, daß der blaue Lappen gefälscht war. Ein Gauner hatte den andern dran gekrregt. Letzte Nacht hatten Diebe dem Gemeinderechner einen Besuch abgestattet, hatten Geld, Lebensrnittel und Wäschestücke geraubt. Eben nahm der Bürgermeister mit zwei Gendarmen die Besichtigung des Tatorts vor. Viermal war im Laufe dreier Wochen im Dorf eingebrochen worden.

Das erzählte der Schollehupper unter lebhaften Gebärden.

Vordem", schloß er,hat die Furcht die Häuser behüt. Das gibt s alleweil net mehr. Und das End vom Lied? s geht alles kapores!

Der Neumüller kehrte um. Er sann den Worten des Alten nach. Der hatte recht, es ging alles kaputt. Draußen tobte der Kriegä trieb die Völker zur Verzweiflung, daß sie auf immer scheußlichere Mittel ver­fielen, einander zu zerfleischen. Daheim war s bald soweit, daß keiner mehr lebte und handelte, wie ers vor seinem Gewissen verantworten konnte. Die Welt war ein großer Acker, darauf Disteln und Unkraut

Nach dem, roie's der Bürgermeister bestimmt hatt, müßt die Helene Kampmann in vierzehn Tag heim."

Ja und?"

Ich gedenk sie zu behalten."

Wodefür?"

.Für mich!"

Für dich?"

Jawohl, 's ist ein lieb Mädchen und treu. Du weißt net, wie einer Frau zumut ist, die keine Kinder hat."

Das wär schlimm, wann ich mir das net vorstellen könnt."

Ganz dadevon abgesehen, ich brauch eine Hilf."

Die Karnprnann schwefelt den lieben langen Tag im Dorf herum. Ist das eine Hilfe?"

Daß sie sich erholt, dadefür ist sie etz hier. Wann's sein soll, kann ie auch schaffen."

Zur Hilf magst du dir sonstwen nehmen. Eine vom Schlag wie die Kampmann bleibt mir net auf der Mühl."

Was hast du dann gegen das Mädchen?"

Ich kann sie net ausstehn. Und so eins während im Haus zu haben, geht mir wider die Natur."

Aus den Augen der Neumüllerin sprühten Funken.

Ich hab mein' Gusto. Du hast dein'. Und hast dich dademit beschmuttelt!"

Der Hannwilm erwiderte nichts auf den Hieb. Er trat ans Fenster. Nach einer Weile wandte er sich um.

s ist mir schon lang drum zu tun, daß ich emal mit dir dischkerier. Sei net muffig und horch zu!"

Die Neumüllerin, einen verbissenen Zug um den Mund, verschränkte die Arme und sah ihren Mann scharf an.

Der Brustschuß", sprach der Hannwilm klar und gewichtig,hat mir arg zugesetzt. Wie elend ich war, dadevon macht sich keins lein Begriff. Ich dacht net, daß ich noch emal aus der Dachtrauf könnt. Alleweil spur ich's, die Wund heilt aus, der Körper hat sie übernommen. Ich so,ätz, ich bin durch. Knall und Fall werd ich kein Mehlsack schleppen. Ich muß langsam tun. Ehnder ich in die Mühl geh, liegt mir's an, daß zwischen uns zwei reiner Tisch gemacht wird. Wahrscheins wär alles anderster kommen, wann die Henn hier net vor dem Hahn gekräht hält. Was ein ordentlicher Hausstand ist, babrin ziehen Mann unb Frau an einem Seil. Ich hab bir ben Willen getan, weil ich meine Ruh haben wollt vor beinern Kritteln unb Schnauben,s hott nix gebatt. Manchmal bacht ich, lieber im Stall schlafen beim Vieh, als in einer Stub mit bir. Am liebsten wär ich fortgemacht. Je weiter in bie Welt hinein, besto, besser. Darsst mirs glauben, Christine: nur in bem Heibenleben, wie ich s hatt, tonnts passieren, bah ich zur Wecklersanna gangen bin. Daß ich's getan hab, fällt auf mich, und ich brenn mich net weiß. Du hast mir s genug in die Naf' gerieben. Wie du alsfort bie Geschichten auswärmst, wie du knaschelst und kippelst, das ist zum Verzweifeln. Was es heißt, ein in die Geduldsbrüh tunken, das hast du mir gründlich beigebracht. Ginmai reißt bem größten Bamdel ber gaben. So kann's, weiß Gott, net roeiter- qehn. Ich frag bich, wie soll's werben? Ich bin net giftig und red znm Guten. Wodrurn dreht sich's in der Eheschaft? Daß eins dein andern nachgeben tut, unb baß man zusammen reblich schasst. Ich, Christine, hab's ehrhaft vor. Hab bu etz auch ben guten Willen, ernachert hort bas Stocheln auf. Unb wann's emal räuchert, ist mirs net angst, wir wer« bens schon wieber ins Gleiche bringen!" ,

Der Hannwilm ließ sich erschöpft auf ber Ofenbank nieder.

Die Neumüllerin stand wie stecksteif gefroren, nur in ihren Augen war ein Flackern. Worauf lief fein Gefeif hinaus. Er war murb, er wollte Frieden. Er sollte ihn haben. Sie knüpfte aber ihren Beding daran.

Daß ich in meiner Eheschaft schlecht ankommen bin", entgegnete fie, ohne ihre Haltung zu ändern,dadevon geht kein Riwwelche ab. Kumedi, soviel kennst du mich, spiel ich net. Desfetwegen brauchen wir net zu r ab aftern. Was an mir liegt, sollst du dein' Frieden haben. Wann Mann und Frau einig sind, tut eins dem andern auch ein Gefallen. Die Kamp- mann ist mir ans Herz gewachsen. Laß mir die hier!"

Der Hannwilm stand auf. Stellte sich fest auf die Füße.

Ein für allemal, Christine, da geb ich net haardick nach!

' Du Maulschwätzer", brach sie los,du Kanuff. So aftemierft bu mich? Ich will dir sagen, was du im Stroh hast. Du gedenkst dm Bankert hier einzufetzen. Liber ich versicher dich hoch und Heisig: ehnder das geschieht, steck ich bie Bub an!"

De/fiannwilm machte auf. Es war ber Lehrer, ein Mann in gesetzte« Jahren mit hoher Stirn unb schlanken Händen.

Frau Schüttler", wandte er sich an die Neumullerm, Sie hab-« ben Fragebogen über die Helene Kampmann ausgesullt. Darm s Nt sie beträgt sich musterhaft, zeigt sich dankbar und ist -" ihren Sa-h ordentlich. Sie haben das in gutem Glauben geschrieben. Ich muß Ihm im Austrag des Bürgermeisters die Mitteilung machen: bieKampim« hat spätestens morgen Ihr Haus und das Dorf zu verlaßen.

Warum?" fragte die Neumüllerin.sich verfärbend.

Die Kampmann", versetzte der Lehrer,hat sich als ein ganz derbtes Geschöpf entpuppt. Sie hat sich an den Karl Weckler W geschlängelt und hat nicht geruht, bis sie ihn im Garn gehabt hat.

Die Neumüllerin nahm eine herausfordernde Miene an.

Wie soll man das verdeutschen?"

Die Kampmann hat den Weckler verfuhrt , gab der Lehrer AuskuS Er war ein Schüler. Ich hab ihn als gut geartet unb durch und dum anständig kennengelernt. Leider ist er den Verfuhrungskunsten Bochumerin erlegen. Er hat sich das so zu Herzen genommen W» » obwohl er erst übers Jahr zur Musterung kommt, freiwillig hem ö Militär gegangen ist." '

(Fortsetzung folgt.)

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