8en arabischen Gruß, bei dem man mit der rechten Hand zierlich nach dem Baden greift und sie dann auf die Brust und auf die Stirn legt, mit gebührendem Anstand. Dann wurde aufs neu« parlamentiert. Der würdige Greis erklärte: fein Haus fei mein Haus. Mein Eintritt möge gesegnet sein. Nur möchte ich mich noch ein wenig gedulden. Denn die Wohnung sei nur klein, und er sei arm, wie sich beides für einen Schech el Beled gezieme. Man sei im Begriff, das schönste Zimmer für mich auszuräumen. Und schon kam auch ein kleiner pechschwarzer Diener aus der gespenstischen Tür heraus, bracht« Kaffee und breitet« eine Matte auf den Boden, auf der Platz zu nehmen mich der Schech mit feierlich gütiger Handbewegung einlud.
Die Verhältnisse begannen sich ein wenig aufzuh«itern. Wir tranken den etwas zweifelhaften, aber heißen Mokka und lebten fühlbar auf. Herauf bestieg Achmed sein Pferd wieder, um nach Halim Paschas Lager zu reiten, und überließ mich und meine Leute unserm Schicksal. Der Schech ergriff nach einiger Zeit meine Hand und führte mich mit der ihm eignen Feierlichkeit nach meinem Schlafgemach. Dann entfernte auch er sich, unverständliche Worte murmelnd, als ob er mich und sich segnete. „Selbst ist der Mann!" dacht« ich mit etwas wehmütiger Betonung, indem ich mich in dem fensterlosen, völlig leeren Rauin umsah, der für mich in der Tat gründlich ausgeräumt worden war. Doch Abu-Sa und der Koch hatten mein Bett rasch aufgeschlagen. Tee wollte ich keinen mehr machen lassen; ein Stück Brot von unnatürlicher Trockenheit, ein paar Scheibchen der rasch auseinandergepackten Salami und zwei Sardinen beschlossen die ernstere Arbeit des Tages. Es war halb elf Uhr und mehr als Schlafenszeit. Halbangekleidet warf ich Mich auf das will- koinmen« Feldbett.
Die Nacht fei Schweigen — mit ihrer dumpfen, schwülen Luft in dem Lehmkasten, den mir das Verhängnis zur Wohnung angewiesen hatte, dem durchdringenden Geruch halbgebrannter Ziegel aus Stroh und Nilerde, dem unablässigen Hundegebell, den Moskitos und den Tausenden jener kleinen Freunde des Menschen, die mich freudehüpfend empfingen und unermüdlich festliche Tänze um mich her aufführten. So müde ich war, packte mich manchmal wilde körperliche Verzweiflung, so daß ich oufstand und im mondbeglänzten Hofe «in Viertelstündchen spazieren ging, hilfesuchend zum herrlichen St«rnenhimmel emporblickte, horchte, wie die Hunde weiterbellten, bald zu dritt, bald zu zehn, bald einzeln, und dann wieder, wie auf ein Zeichen, zu fünfzig auf einmal, und zusah, wie der stille Mond langsam, allzu langsam über den Gipfel der Syko- more weazog. Es war mir dabei fast ein Trost, wenn ich von Zeit zu Zeit über Abu-Sa oder den Koch stolperte, die, in Pferdedecken eingehüllt, wie glückliche, unförmig« Massen am Boden lagen und ihren steinharten Schlaf schliefen. Zum Umsinken müde und mit dem festen Vorsatz, ihrem Beispiel zu folgen, auch wenn ich bei lebendigem Leibe gefressen werden sollte, kehrte ich dann für die nächste halbe Stunde in meine Marterkammer zurück.
Poeten, die ich kenne, heißen dies mit schwellendem Busen und tief atmend „orientalische Nächte" und dichten volltönende Sonette zu ihr«m Preis!
Doch auch diese Nacht hatte ihr Ende. Der Mond versank im Westen wie eine rotglühende Masse geschmolzenen Stahls, und wie ein« hundertmal glühendere Feuerkugel stieg nach kurzer Zeit die Sonne im Osten auf und schoß ihr schimmerndes Licht über die Welt, die fetzt still geworden war, still und glücklich. Denn das entsetzliche Nachtgesindel war eingeschlafen, und der frische Morgenwind, der von der nahen See her wehte, trieb die schweren Dünste der Finsternis lachend vor sich her.
Sackra.
Hundert Schritte vor seinem Lager erblickte ich ein« Stunde später Halim Pascha, der mir, nur von seinem ständigen Adjutanten Rames Bey begleitet, entgegengeritten kam: ein kleiner, wohlgebauter, sehniger Mann von dreißig bis fünfunddreißig Jahren, kaum brauner als ein Neapolitaner, mit regelmäßigen, nicht unschönen Zügen und durchdringenden schwarzen Augen, die in ruhigen Augenblicken schwermütig dreinsehen, aber auch ein gewinnendes Lächeln wiederspiegeln konnten. Gewöhnlich drückten sie nervöse Energie aus, was den raschen, unerwarteten Bewegungen des Körpers wohl entsprach. Er ritt einen Rappen, eine Seltenheit bei arabischen Pferden, der seine Last mit sichtlichem Stolze trug, und faß nachlässig im Sattel, wie wenn er auf Pferden zu Haufe wäre. Ich sah ihn zum erstenmal halbtürkisch gekleidet. Die Tracht stand ihm vortrefflich. Er verstand es, den weißen wallenden Mantel auch zu Pferde in einer Weise zu tragen, die jeden Künstler erfreut hätte, und die bunte Kufie, die er um den Tarbusch gewunden hatte, flatterte lustig im Morgenwind. Pferd und Reiter waren fast ein Bild aus dem vorigen Jahrhundert. Das war der Tfcherkesie, der ihm folgte, völlig: ein großer, prächtig gebauter Mann in goldgestickter, grüner, enganliegender Jacke, mit einer roten Schärpe um den Leib, aus der ein mit Edelsteinen besetzter Dolchhandgriff hervorsah. Grün waren auch sein« weiten türkischen Beinkleider, die in prächtigen Falten über die Seiten seines weißen Pferdes herabfielen. Wie der Pascha hatte er ein« bunt« seiden« Kufie über dem Kopf, di« das Gesicht malerisch umrahmt und die ganze Gestalt eigentümlich belebt. Seine blonden Haare waren kurz geschnitten. Di« allzu regelmäßigen Gesichtszüge hätten etwas statuenartig Totes gehabt, wenn nicht zwei dunkelblaue Augen sie eigentümlich belebt hätten. Es fehlten ihm nur die Waffen zu einer prächtigen Gestalt der alten Zeit, in d?r die Mamelucken Könige waren. Doch war alles, was er trug, das elfenbeinern« Zigarettenetui Halims, das während jedes Gesprächs alle drei Minuten in Tätigkeit trat.
„Schön, daß Sie hier sind, Herr Cyth", rief mir der Pascha entgegen, „und schad», daß Sie bei dem Schech geschlafen haben. Ich hatte Ihnen ein Zelt neben dem meinen aufschlagen lassen. Achmed ist ein Dummkopf."
„Geschlafen habe ich bei dem Schech eigentlich nicht, Hoheit. Doch qino die Nacht auch so vorüber", antwortete ich mit dem sauersüßen Lächeln mit dem man sich kaum überstandener Qualen erinnert.
„Aha!" lachte Halim, „Sie sind noch immer nicht an unsre arabische,, Nacht« gewöhnt. Warten Sie, bis Sie tausendundeine hinter sich haben Dann können Sie etwas erzählen."
Er drehte fein Pferd.
„Gehen wir hinauf!" fuhr er fort. „Ich werde Ihnen den Platz zeiqen Wir können arbeiten, ehe es zu warm wird."
In wenigen Minuten waren wir am Fuße des Hügels und stiegen ab. Es war ein riesiger Schutthaufen aus Erde, Scherben, Ziegelsteinen und tausendjährigen Knochen, alles halb zusammengebacken zu einen, schwarzbraunen Konglomerat, in dessen Ritzen und Vertiefungen sich der feine Sand der Wüste, den der Wind hergeweht hatte, in weißen Ader,, und Knollen ablagert«. An einzelnen Stellen lagen Stücke abgebrochener Säulenschäft« oder eine halbzertrümmerte ionische Schnecke, die davon erzählte, daß hier einmal Griechen gehaust hatten. Tiefer im Innern des mächtigen, sechzig Fuß hohen Trümmerhaufens hätte man wohl auch Spuren des alten Aegypten finden können, das an den Ufern des fischreichen Burlossees blühende Städte gebaut hatte. Nicht ohne einig« Mühe in dem losen, zurückweichenden Schutt erreichten wir die Kant« des kleinen Plateaus, aber der Aufstieg, wie Baedeker zu sagen pflegt, war lohnend. Selbst eine Erhöhung von zwanzig Metern kann in einem Landstrich wie der zu unfern Füßen einen Berggipfel vorstellen.
So weit das Auge nach Süden, Osten und Westen reicht, bietet sich ihm eine grünblühende Fläche dar: grüner Klee, grüne Baumwollstauden in langen, regelmäßigen Linien, grüner, sprossender Weizen, grüner Mais und da und dort kleine Fleckchen grellgrünen Zuckerrohrs; Grün in allen Tönen, die Gelb, Braun, Rot und Blau in Grün legen können. Dazwischen Dutzende von Fellahdörfchen mit ihren dunkeln Baumgruppen und den kleinen weißschimmernden Minaretts. Da und dort eine Minne Rauchsäule, die kerzengerade gen Himmel steigt, da und dort, solange die Entfernung für das Auge nicht zu groß ist, eine Gruppe von Büffeln, eine Herde von Rindern oder Ziegen, einzelne Esel, spärliche Kamele. Das ganze ist zerschnitten von den dunkleren, nur da und dort ausblitzen- den Linien der Kanäle oder von natürlichen Wasserläufen, unter denen die alte große Nilfurche der Sebenitischen Mündung kaum mehr zu erkennen ist. Der unruhige Strom hat im Laufe der Jahrtausende andre Wege nach dem Meer gefunden. Gegen Norden geht der Ton der ßanb= schäft in Braun und Blau über. Das Schilf und die Sumpflachen Ms Burlossees mit dem tausendfachen Leben feiner Fische und Wasservögel liegen dort, ungestörter, als sie es vor zweitausend Jahren gewesen sein mögen. Denn dieser ganze Landstrich ist vereinsamt und vergessen. Das Leben unsrer Zeit hat sich nach Westen gezogen und blüht in Alexandrien, oder wanderte nach Osten, wo damals di« ersten Hütten der Ingenieure von Port Said und Suez aufgeschlagen wurden. Aber trotzdem war es ein königliches Bild unter dem wolkenlosen Himmelsdom, der sein feuriges Blau über das ganje Rund spannte; und der reine Morgenwind, der den kräftigenden Seegeruch noch nicht ganz verloren hatte, füllte die Brust mit einem Gefühl unvernünftigen, wohligen Stolzes.
„Das gehört uns!" dachte ich, wahrseinlich angesteckt von der Nähe Halims, der mit etwas mehr Berechtigung sicherlich dasselbe dachte. Derartige lautlose Gedankenübertragungen kann man in dieser stillen Welt zwischen zwei Wüsten öfter beobachten als in unfern lärmenden Kulturstätten des Westens.
„Und das soll nicht umsonst uns gehören!" dachte er weiter. Man sah es deutlich in seinen Augen, während ich halblaut nachbetet«: „Nein, das soll nicht umsonst uns gehören!" wie wenn ein arabischer Ginn! ober ein altgriechischer Dämon mir di« Worte vorgesprochen und mich gezwungen hätte, zu reden. Vielleicht war die schlaflose Nacht ein wenig dabei beteiligt. Halim sah mich etwas verwundert an, schüttelte lächelnd den Kopf und sagte dann laut:
„Was sagen Sie dazu? Hier will ich mein Schlößchen haben. Dort drüben" — er wies nach Norden — „sind Tausende von Enten und Schnepfen, und Pelikane und Flamingos, und Millionen von Fische«. Ich werde die Fischerei Ihrer alten Freunde, der Griechen, wieder aufnehmen. Von hier sehe ich meine Baumwolle, so weit man sehen kann, und ein Dutzend Entkörnungsfabriken, und fünfzig von Ihren Dampf- pflügen statt der drei, die jetzt dort unten puffen! — Für ein gutes Fundament soll sofort gesorgt werden. Das Schloß herbeizuschaffen und Wasser und einen kleinen Garten, das ist alles Ihre Sache, Herr Eyth! Wissen Sie was? Wir wollen das ganze ohne Verzug ausstecken, daß Leben in die Geschichte kommt. Morgen soll der Schech von Kassr Leute schicken, die Fundamentgräben auszuheben. — Hast du ein Bandmaß hier, Rames?"
Rames Bey griff ohne das geringste Erstaunen über diese, wie mir schien, unerwartete Frage in feine grünen Hosen und brachte das verlangte Bandmaß zum Vorschein.
„Aber, Hoheit", wandte ich ein, „wir brauchen hierzu Me Zeichnung, zum mindesten den Grundriß des Gebäudes. Ohne Me richtigen Maß« können wir nichts ausstecken."
„Was!" rief er mit einem scharfen Zucken in dem dunkler werdenden Gesicht. „Sie haben den Grundriß nicht hier?" Er war sichtlich unangenehm berührt.
„Aber ich konnte unmöglich wissen, Hoheit", antwortete ich, ebenfalls nicht sehr vergnügt, „als ich wegen der großen Pumpe nach.Terrains ging, daß ich die Zeichnung des Jagdschlosses, die feit Wochen in Thema liegt, hier in Kassr-Schech brauchen würde!"
Er hörte mich kaum an. „Rames, das Jagdschloß!" sagt« er scharf 3“ seinem Tscherkessen.
(Fortsetzung folgt.)
Verantwortlich: Dr. HanS ThyrioK — Druck und Verlag: Drühl'sche UniversitälS^Buch- und Steindruckerei. Ti. Lange, Gießen»
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