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kLeranlwortlich: Dr. Hans Thtzriot. — Druck und Verlag: Brühl'fche Univerf itLts^Duch- und Steindruckerei, Jt Lange,
Atemzuge geendet.
Im Schlosse blieben nur wenige Diener verschont, die nie Hohn mit den Bauern getrieben: sie erzählten, wie schrecklich es gegangen. Das Gefühl, daß den Rittern ihr Recht geschehen, tröstete aber die Bauern nicht, der Schreck ward immer größer, gräßlicher. Mancher sucht- ; fliehen. Die einen wollten das Tal verlassen, aber gerade die fielen der Spinne zu. Auf dem Wege fand man ihre Leichname. Andere flohen auf die hohen Berge, aber droben vor ihnen war die Spinne, und wenn fle sich gerettet 'glaubten, so saß ihnen die Spinne im Nacken oder im Gesicht. Das Untier ward immer boshaster, immer teuflischer. Es überraschte nicht mehr unerwartet, brannte nicht mehr unversehens den Tod ein, es saß vor dem Menschen im Grase, hing über ihm am Baume, glotzte giftig ihn an. Dann floh der Mensch, so weit seine Füße ihn trugen, und stund er atemlos stille, so saß die Spinne vor ihm und glotzte giftig ihn an. Floh er abermals, und mußte er aberinals die Schritte hemmen, so saß sie wieder vor ihm, und konnte er nicht mehr fliehen, dann erst kroch sie langsam an ihn heran und gab ihm den Tod.
Da versuchte wohl mancher in der Verzweiflung Widerstand, und ob die Spinne nicht zu töten sei, warf zentnerige Steine auf sie, wenn sie vor ihm im Grase saß, schlug mit Keulen, mit Beilen nach ihr; aber alles umsonst, der schwerste Stein erdrückte sie nicht, das schärfste Beil verletzte sie nicht, unversehens saß sie dem Menschen im Gesicht, unversehrt kroch sie an ihn heran. Flucht, Widerstand, alles war eitel. Da ging alles Hoffen aus, und Verzweiflung füllte das Tal, faß auf den Bergen.
Ein einziges f)aU5 hatte das Untier bis dahin.verschont und war nie in demselben erschienen: es war das Haus, in welchem Christine gewohnt, aus welchem sie das Kindlern geraubet. Ihren eigenen Mann hatte sie auf einsamer Weide angefallen, dort fand man seinen Leichnam gräßlich zugerichtet wie keinen anderen, seine Züge zerrissen in unaussprechlichem Schmerze: an ihm hatte sie ihren gräßlichsten Zorn ausgelassen, das gräßlichste Wiedersehen dem Ehemanne bereitet. Aber
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wie es zuging, hat niemand gesehen.
Zum Hause war sie noch nicht gekommen: ob sie es bis zuletzt sparen wollte, oder ob sie sich scheute davor, das erriet man nicht.
Aber nicht weniger als an anderen Orten war die Angst eingekehrt.
Das fromme Weibchen war genesen, und es zagte nicht für sich, aber fast sehr um sein treues Bübchen und dessen Schwesterchen und wachte über sie Tag und Nacht, und die treue Großmutter teilte seine Sorgen und Wachen. Und gemeinsam beteten sie zu Gott, daß er ihnen ihre Augen offen halten möchte zur Wache, daß er sie erleuchten und stärken möchte zur Rettung der unschuldigen Kindlein.
Oft war es ihnen, wenn sie so wachten lange Nächte durch, als sähen sie die Spinne glimmen und glitzern in dunkelm Winkel, als glotzte sie zum Fenster herein: dann ward ihre Angst groß, denn sie wußten keinen Rat, wie vor der Spinne die Kindlein schützen, und um so brünstiger baten sie Gott um seinen Rat und Beistand. Sie hatten Merlei Massen zur Hand gelegt, aber wie sie hörten, daß der Stein seine Schwere, das Beil seine Schärfe verliere, sie wieder beiseite gelegt. Da tarn es der Mutter immer deutlicher vor,-immer lebendiger in den Sinn: wenn jemand es wagen würde, die Spinne mit der Hand zu fassen, so vermöchte man sie zu überwältigen. Sie hörte auch von Leuten, die, als der Stein nichts hals, mit der Hand sie zu erdrücken versuchten, allein vergeblich. Ein gräßlicher Glutstrom, der durch Hand und Arm zuckte, tilgte jede Kraft und brachte den Tod ins Herz. Es kam ihr auch vor, zu erdrücken vermöchte sie die Spinne nicht, aber sie erfassen dürfte ste wohl, und so viel Kraft würde ihr Gott verleihen, dieselbe irgendwohin W tun, sie unschädlich zu machen. Sie hatte schon oft gehört, wie kundige Männer Geister eingesperrt hätten in ein Loch in Felsen oder Holz,
kam. Da schreien sie gräßlich auf und flohen in Wald und Schlucht, denn auf des Ritters Helm saß schwarz, in übernatürlicher Grüße die Spinne und glotzte giftig und schadenfroh ins Land. Was er suchte, das trug der Ritter und wußte es nicht; in glühendem Zorne rief und ritt er den Menschen nach, rief immer wütender, ritt immer toller, brüllte immer entsetzlicher, bis er und sein Roß über eine Fluh hinab zu Tale stürzten. Dort fand man Helm und Leib, und durch den Helm hindurch hatten die Füße der Spinne sich gebrannt, dem Ritter bis ins Gehirn hinein, den schrecklichsten Brand ihm dort entzündet, bis er den Tod gefunden. , ,
Da kehrte der Schreck erst recht ein ins Schloß; sie schlossen sich ein und fühlten sich doch nicht sicher, sie suchten nach, geistigen Waffen, fanden aber lange niemand, der sie zu führen wußte und zu ftihren wagte. Endlich ließ sich ein ferner Pfasfe locken mit Geld und Wort: er kam und wollte ausziehen mit heiligem Wasser und heiligen Sprüchen gegen den bösen Feind. Dazu aber stärkte er sich nicht mit Gebet und Fasten, sondern er tafelte des Morgens früh mit den Rittern und zählte die Becher nicht und lebte wohl an Hirsch und Bär. Dazwischen redete er viel von seinen geistigen Heldentaten und die Ritter von ihren weltlichen, und die Becher zählte man sich nicht nach, und die Spinne vergaß man. Da löschte auf einmal alles Leben aus, die Hände hielten erstarrt Becher oder Gabel, der Mund blieb offen, stier waren die Augen auf einen Punkt gerichtet, nur der von Stoffeln trank den Becher leer und erzählte von einer Heldentat im Heidenlande. Aber auf feinem Kopfe saß groß die Spinne und glotzte um den Rittertisch, aber der Ritter suhlte sie nicht. Da begann die Glut zu strömen durch Gehirn und Blut, gräßlich schrie er auf, fuhr mit der Hand nach dem Kopfe, aber die Spinne war nicht mehr dort, war in ihrer schrecklichen Schnelle den Rittern allen über ihre Gesichter gelaufen, keiner konnte es wehren; einer nach dem anderen schrie auf, von Glut verzehrt, und von des Pfaffen Glatze nieder glotzte sie in den Greuel hinein, und mit dem Becher, der nicht aus seiner Hand wollte, wollte der Pfaffe den Brand loschen, der loderte vom Kopfe herab durch Mark und Bein. Aber der Waffe trotzte die Spinne und glotzte von ihrem Throne herab in den Greuel, bis der letzte Ritter den letzten Schrei ausgestoßen, am letzten
welches sie mit einem Nagel zugeschlagen, und solange den niemand ausziehe, müsse der Geist gebannt im Loche fein.
Gleiches zu versuchen drängte der Geist ste immer mehr. Sie bohu, ein Loch in das Bystal, das ihr am nächsten lag zur rechten Hand, me,2 sie bei der Wiege saß, rüstete einen Zapfen, der scharf ins Loch'pM, weihte ihn mit geheiligtem Wasser, legte einen Hammer zurecht M betete nun Tag und Nacht zu Gott um Kraft zur Tat. Mer manchmal war das Fleisch stärker als der Geist, und schwerer Schlaf drückte ihr hu Augen zu, dann sah sie im Traume die Spinne, glotzend auf jh^ Bübchens goldenen Locken, dann fuhr sie aus dem Traume, fuhr na* des Bübchens Locken. Dort aber war keine Spinne, ein Lächeln saß feinem Gesichtchen, wie Kindlein lächeln, wenn sie ihren Engel M Traume sehen; der Muttek aber glitzerten in allen Ecken der Spinn, giftige Augen, und auf lange wich der Schlaf vor ihr.
So hatte sie auch einmal nach strengem Wachen der Schlaf üben wültigt, und dicht umnachtete er sie. Da war es ihr, als stürze dek fromme Priester, der in der Rettung ihres Kindleins gtzftorben, herbei aus weiten Räumen und rufe aus der Ferne her: ,Weib/wache auf, bet Feind ist da!' Dreimal rief er so, und erst beim drittenmal rang sie to los aus des Schlafes engen Banden; aber wie fle die schweren Auge^ über mühsam hob, sah sie langsam, gistgefchwollen die Spinne schreiten übers Bettlein hinauf, dem Gesichte ihres Bübchens zu. Da dachte sie an Gott und griff mit rascher Hand die Spinne. Da fuhren FeuersirSme von derselben aus, der treuen Mutter durch Hand und Arm bis im Herz hinein, aber Muttertreue und Mutterliebe drückten die Hand ihr zu, und zum Aushalten gab Gott die Kraft. Unter tausendfachen Tod», schmerzen drückte sie mit der einen Hand die Spinne ins bereitete Loch, mit der anderen den Zapfen davor und schlug mit dem Hammer ihn fest
Drinnen sauste und brauste es, wie wenn mit dem Meere die Wirbel winde streiten, das Haus wankte in feinen Grundfesten, aber fest faß iw Zapfen, gefangen blieb die Spinne. Die treue Mutter aber freute sich noch, daß sie ihre Kindlein gerettet, dankte Gott für seine Gnade, dm starb sie auch den gleichen Tod wie alle, aber ihre Muttertreue löscht, die Schmerzen aus, und die Engel geleiteten ihre Seele zu Gottes Thron, wo alle Helden sind, die ihr Leven eingesetzt für andere, die für Gott und die Ihren alles gewagt.
Nun war der schwarze Tod zu Ende. Ruhe und Leben kehrte ins Tal zurück. Die schwarze Spinne ward nicht mehr gesehen zur selben Zech denn sie saß in jenem Loche gefangen, wo sie jetzt noch sitzt."
„Was, dort im schwarzen Holz?" schrie die Gotte und fuhr eines Satzes vom Boden auf, als ob sie in einem Ameisenhaufen gesessen wäre. An jenem Holze war sie gesessen in der Stube. Und jetzt brannte sie ihr Rücken, sie drehte sich, sie schaute hinter sich, fuhr mit der Hand auf unb ab und kam nicht aus der Angst, die schwarze Spinne sitze ihr im Nacken.
Auch den anderen waren die Herzen zugeklemmt, als der Großvater schwieg. Es war ein großes Schweigen über sie gekommen. Spott inoitye niemand wagen, der Sache beistimmen auch nicht gern; es hörte jeder lieber auf das erste Wort des anderen, um darnach die eigene Rede richten zu können, so verfehlt man sich am wenigsten. Da tarn die Heb amme, die schon mehrere Male gerufen hatte, ohne Antwort zu befoiiv men, hergelaufen, ihr Gesicht brannte hochrot, es war, als ob die Spinne auf demselben herumgekrochen wäre. Sie begann $u schmälen, daß nie mand kommen wolle, wie laut sie auch rufe: Das sei ihr dach auch eine wunderliche Sache: wenn man gekochet habe, so wolle niemand z» Tisch, und wenn dann alles nicht mehr gut sei, so solle sie schuld fein « allem, sie wisse rvohl, wie es gehe. So fettes Fleisch, wie drinnen siehe, könne niemand mehr essen, wenn es kalt geworden; dazu sei es noch gar ungesund.
Run. kamen die Leute wohl, aber gar langsam, und keines wollte das erste bei der Türe sein, der Großvater mußte der erste sein. Es war diesmal nicht sowohl die Übliche Sitte, nicht den Schein hahen zu wollen, als möge man nicht warten, bis man zum Essen komme; es war das Zöger«, das alle befällt, wenn sie am Eingang stehen eines schauerlichen Ort«, und doch war drinnen nichts Schauerliches. Hell glänzten auf dem Tische, frisch gefüllt, die schönen Weinflaschen, zwei glänzende Schinken prangte«, gewaltige Kalbs- und Schafbraten dampften; frische Züpfen tagen bnjw schon, Teller mit Toteren (Torten), Teller mit dreierlei Köchle ne wäre« dazwischen gezwängt, und auch die Kännchen mit dem süßen Tee fehlte» nicht. So war's ein schönes Schauen, und doch achteten sie alle desseim wenig, aber alle sahen sich um mit ängstlichen Augen, ob nicht die Spimf aus irgendeiner Ecke glitzere oder gar vom prangenden Schinken iM sie anglotze mit ihren giftigen Augen. Man fah sie nirgends, und W machte niemand die üblichen Komplimente: was man doch sinne,« so viel aufzustellen, wer das doch affen solle, man habe bereits mehr«« zuviel, sondern alle drängten sich an die unteren Ecken des aw’i niemand wollte hinauf.
Umsonst mahnte man die Gäste nach oben und zeigte auf die M» Plätze, sie stunden unten wie angenagelt; vergebens schenkte dec KM bettimann ein und rief, sie sollten doch kommen und Gesundheit mnW es sei eingeschenkt. Da nahm derselbe die Gotte beim Arme unb W „Sei du das Witzigste und gib das Exempel!" Aber mit aller Kraft. ® die war nicht klein, sperrte sich die Gotte und rief: „Nicht um tw Pfund sitze ich mehr da oben! Es gramfeü mir den Rücken auf unb m der, als führe man mir mit Nesseln daran herum. Und säße ich dorr dem Bystal, so fühlte ich die schreckliche Spinne sonder Unterla» Nacken." „Daran bist du schuld, Großvater", sagte die Grosirm'« „warum bringst du solche Dinge aufs Tapet! So etwas trägt HE '« nichts mehr ab und kann dem ganzen Haufe schaden. Und wenn einn Kinder aus der Schule kommen und meinen und klagen, die anoe Kinder hielten ihnen vor, ihre Großmutter sei eine Hexe getvefen uno Bystal gebannt, so hast du es dann."
(Fortsetzung folgt.)


