Ausgabe 
13.6.1930
 
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tzeren eine die Schanzverkleidung hier sich langsam nach innen neigte und dann krachend herunterkam zu meinen Füßen.

Da war nur wenig Antwort von unserer Seite. Es kam da eine Menge Geschrei, sowohl von hinterwärts, als auch von dem, was, nach der Bewegung des Schiffes zu urteilen, der vordere Teil fein muhte, aber kein Geschütz wurde abgefeuert und es war auch kein klares Kom­mando zu unterscheiden.

Das Schiff vor uns, das erst ein wenig in den Wind gegangen war, glitt jetzt wieder vor, und ich wußte, daß es sich zu einem neuen Feuer- «ngriff anschickte. Er kam, und als ich seine Wirkung abwartete, so knallte eine unermeßlich lautere Explosion rund um mich her, welche die ganze Luft zerriß und verdunkelte, und mich selber in eine momentane Ueber- lebendigkeit schüttelte, die zugleich völlige Verwirrung war. Ich dachte irgendwie an meine Wunde und richtete mich mit Gewaltanstrengung halb auf; doch als ich es tat, immer noch völlig blind oder, wie mir schien, in undurchdringlicher Dunkelheit, so wußte ich, daß ich sie wiederum aufgerissen hatte. Wo vorhin ein Tröpfeln gewesen, dort sühlte ich nun einen Strom von Blut; und jene furchtbare Schwäche befiel mich und jenes Entgleiten des Bewußtseins, die von einem plötzlichen Blutverlust herrühren.

Ich öffnete die Augen mit dem Blick, den Menschen in Verzweiflung um sich werfen, und sah wiederum klar di« Baumäste, die Gewitter­wolken, und den heißen Himmel von Sussex.

Für eine kleine Weile fühlte ich noch die Müdigkeit, welche, vielleicht, bloß die Müdigkeit meines Schlafes war. Sie verging, ich stand auf und schritt aus und kam in diese Stadt.

Was macht ihr nun aus diesem Erlebnis?"

Als er diese Frage getan, verharrte er eine Zeitlang in Schweigen. Er bekam keine Antwort. Dann setzte er hinzu:Das war so wirklich, wie nur irgendeine Wirklichkeit, die ich erlebt habe."

Sein Antlitz und sein Ton, als er so sprach, waren Ton und Antlitz eines Menschen, der sich an etwas kürzlich Geschehenes, Klares, Bestimm­tes erinnert; und sicherlich war, was ihm zugestoßen, dieses, daß auf ihm die Zeit sich überejnandergestürzt hatte ... er war an Bord desJacobib" gewesen, gerade am Schluß des Gefechtes vom 1. Juni 1794.

(Berechtigte Ueberfetzung von Sigismund v. Ra deck!.)

Kaiser-, Zar und Max Meinhardt.

Ein selbsterlebkes Vorspiel zum Weltkriege.

Von Professor Georg Fuchs.

Max Reinhardts Bühnenjubiläum mag daran erinnern, daß der frühere Kaiser Wilhelm II. eine unüberwindliche Abneigung gegen Rein­hardt zeigte und ihn nach Möglichkeit vermied. In München aber wäre es um ein Haar geschehen, daß der Kaiser in einer Weise mit Reinhardt zusammengekommen wäre, die es unmöglich gemacht hätte, diesem anders als höchst anerkennend gegenüberzutreten. In den Jahren 1909 bis 1911, welche ja auch die eigentlichen Geburtsjahre des Weltkrieges gewesen sind, kam Reinhardt allsommerlich nach München, um die Festspiele im Künstler-Theater und die Monumentalaufführungen in der Volksfestspiel- Halle zu leiten. Da beide Institutionen von mir ins Leben gerufen waren und ich mit Reinhardt im künstlerischen Betriebe derselben ständig zu- sammenwirkte, so kam es, daß ich eines Tages vor eine höchste Stelle der königlich bayerischen Hofhaltung in die Residenz berufen wurde. Dort ließ man mich bei allen Göttern, bei den oberen, wie bei den unteren schwören, gegen keine Menschenseele etwas von dem verlauten zu lassen, was man nun mit mir besprechen wolle! Nämlich: im Spätsommer werde der Besuch des Kaisers erwartet und es bestehe die Absicht zu dessen Ehren ein großes Künstler- und Gartenfest mit Theater im Nymphen­burger Parke zu veranstalten. Alles müsse mittun, um nicht nur dem naifer, fonbern aller Welt zu zeigen, was die Kunststadt München be- deute. Ich sollte sofort Vorschläge machen und insbesondere auch mit Reinhardt sprechen, ob er mit seinem, ohnedies hier im Künstlertheater tätigen Ensemble eine Festaufführung auf einem von Emanuel Seidel zu errichtenden Parkthcater inszenieren könne. Es sollte dabei auch die Garnison Mitwirken, und zwar sollten die Regimenter die Anfahrtsallee und das weite Rund vor dem Schlöffe mit Fackelträgern besetzen und ebenso die Parkwege bis zu der Stelle, wo die Bühne aufqeschlaqen fern werde. Pioniere sollten die von unseren nahmhaftesten Künstlern herrlich geschmückten Prunkbarken und Gondeln steuern, auf denen Grup­pen der schönsten Frauen und Mädchen in wundervollen Gewändern beim Klang eines Waldorchesters und feierlicher Chorgesänge zur Aus­führung heranfahren würden; worauf ich vorschlug, auch die Darsteller auf einer Prachtgaleere über den Teich bei der Amalien-Burq heranseqeln

' Olsen und die Galeere selbst am Schlüsse in einem Riesenseuerwerk aufzulosen in der Art, wie man im Barockzeitalter am spanischen Hofe die pompösen Parktheateraufführungen abzuschließen pflegte, zu welchen t^ilderon einige seiner schönsten Phantasmagorien gedichtet hat. Man schärfte mir aber em, allen Leuten, mit denen ich insgeheim wegen dieses Planes Fühlung nehmen werde, unbedingte Verschwiegenheit aufzuer­legen; denn es wäre von Berlin aus vertraulich mitgeteilt worden daß « Außenpolitische Lage sehr gespannt sei, insbesondere das Verhältnis zu Rußland, und daß man sich deshalb vorbehalten müsse, in letzter Stunde nod; abzusagen. Damit das aber keine Beunruhigung Hervorrufe, so dürfte der geplante Besuch zunächst unter keinen Umständen bekannt werden.

Die Münchener haben auch in der Tat nie etwas davon erfahren welch eine festliche Kunsttat ihnen damals zugedacht war; denn noch hatte nicht das geringste geschehen können, als man von hoher Stelle aus unter rn!?9eJer Vertraulichkeit davon verständigte, daß der Kaiserbesuch "T st?"f'uden werde; der Monarch müsse ein Ostseefahrt unternehmen abzuwe'nden^ ^aren Zusammentreffen, um eine drohende Kriegsgefahr

-wer anderen Seite hin hatte diese Idee ihre zeit- politischen Hintergründe. Es ist bekannt, daß der Kaiser in seiner Ab­

neigung gegen Reinhardt niemals eine von dessen Aufführungen besucht hat, obwohl seine Söhne, namentlich der Kronprinz Wilhelm und Prft- August Wilhelm mit Reinhardt befreundet waren und dem Kaiser wieder­holt nahelegten, fein Vorurteil fallen zu taffen. Denn es war wirklich nur ein Vorurteil, was den Monarchen in diesem Falle zu seiner schrosftn Haltung verleitete, die ihm in weiten Kreisen der Intellektuellen ganz unnötig sehr viele Antipathien erweckt hat. Die Abneigung galt nämlich eigentlich gar nicht Reinhardt persönlich, sondern dem Berliner Deutschen Theater. Als Brahm noch dessen Direktor war, hatte er gegen den aus­gesprochenen Willen des Kaisers die Aufführung von Gerhart Haupt­mannsWebern" von den Behörden geradezu ertrotzt. Darüber war der Monarch derart empört, daß er sich verschwur, niemals mehr in feinem Leben das Deutsche Theater zu betreten! Als nun Reinhardt, der mit dieser Sache nicht das Geringste zu tun gehabt, der Nachfolger Brahms in der Leitung des Deutschen Theaters wurde, blieb der Kaiser auch ihm gegenüber bei seinem Vorsatze, und da die Presse ihn oftmals des­halb angriff, so entwickelte sich daraus auch eine Abneigung gegen Rein­hardt. Was nun, wenn Reinhardt die grandiose Festaufführung im Nymphenburger Parke geleitet und dafür was ich im Hinblick auf bie Opfer, die Reinhardt für die Aufführungen im Münchener Künstler- Theater gebracht, dringend erhoffte, eine Auszeichnung erhalten hätte und dem Kaiser vorgestellt worden wäre? Gelinder Angstschweiß zeigte sich auf den Stirnen der höfischen Diplomatie, als ich dies heikle Problem anschnitt. Ich glaube, man war froh, daß die hochpolitische Ostseesahrt - bekanntlich einer der letzten Versuche des Kaisers, die zum Ausbruch des Weltkrieges hintreibende Entwicklung aufzuhalten der Notwendigkeit enthob, es lösen zu müssen.

Damit wir nun nicht ganz umsonst uns in solch barocken Wunder­träumen gewiegt hätten, lud uns nun Emanuel von Seidel nach Murnau, um in seinem Parke denSommernachtstraum" aufzuführen. Das sollte nun erst recht ein königlich-phantastisches Hof- und Künftlersest im Sinne der großen Barock-Epoche werden, und zwar zu Ehren der Königin der Belgier, der Schwägerin des Kronprinzen Rupprecht, und der inzwischen hochbetagt verstorbenen Königin von Neapel, einer geborenen bayerischen Herzogin, die sich in den italienischen Revolutionswirren der vorigen Jahrhundertmitte alsHeldin von Gaeta" Ruhm erworben hatte. Auch andere Mitglieder des Hauses Wittelsbach, der Hofgesellschaft und vor allem die Elite der in den Kriegs- und Umsturzzeiten untergegangenen künstlerischen Gesellschaft Münchens waren unter den Gästen, denen Meister Seidel im Bunde mit Meister Reinhardt ein unvergleichliches Fest bereitete, ein Fest auch insofern, als die künstlerische Gesellschaft des damaligen München selbst das Festlichste bei solchen Anlässen darstellte durch die Fülle schöner Frauen und interessanter Männer sowie durch den erlesenen Geschmack in der Pracht des Kostüms und des Dekors. Man muß erlebt haben, was Reinhardt aus diesem kostbaren Material in einer märchenhaften Umwelt am Fuße einer schneeig schimmernden Hochgebirgskette zwischen Hainen und Weihern, auf verschwiegenen Wald­wiesen und dunklen Teichen zu formen wußte, um zu ahnen, was das eigentlich Geniale in Reinhart ist: die Bühne des geistigen Lebens­rausches, die Bühne der künstlerischen Lebenserfüllung, für welche jetzt auch in der Nachkriegsmenschheit das Verlangen immer stärker zu er­wachen scheint. So wurde denn damals auf dem gastlichen Landsitze Seidels die hier versammelte künstlerische und Hofgesellschaft selbst zum atheniensischen Theseushose, als damals in Murnau, während letzte Abend­röte einen geheimnisvollen Schimmer über den Heimgarten und den Herzogstand breitete, die Elfenkönigin auf einem schneeweißen Einhorn, geführt von einem weißbärtigen Riefen, zwischen bekränzten Fackelträgern durch ein alles Barockportal in den Zauberwald des Parkes einritt, um auf phantastischen Felsensteigen zwischen brausenden Wasserfällen jene Waldwiese zu erreichen, wo der Mitsommernachtstraum schon von der Natur selbst geträumt wurde. Es bedurfte nur des Zauberstabes und des Zauberwortes, um ihn in die Sichtbarkeit hervorzurufen.

Stardirigenten.

Von Dr. Anton Mayer.

Die Persönlichkeit des Orchesterleiters steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt des musikalischen Interesses; eine große Anzahl kunstsreu- diger Menschen richten ihren Opern- und Konzertbesuch nicht mehr, wie es früher geschah, nach den auftretenden Sängern oder spielende» Virtuosen, sondern nach dem Dirigenten ein, von dessen StabsühnW sie sich besondere Offenbarungen, nicht eben selten wohl auch aufregend Sensationen versprechen. .,

Diese Erscheinung hat ihren speziellen Grund in der Komplizier heil, zu der sich das Orchester im Laufe der letzten hundert Jahre em= wickelt hat; im letzten Jahrzehnt des neunzehnten und in der erst Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts hat diese Entwicklung das schneM Tempo eingeschlagen. Wagners Partituren mit Ausnahme Tristan" bieten, was die Zahl und Verwendung der Instrumente nn- geht, noch ein verhältnismäßig einfaches Bild; so weift z. B. dasMeisten singer"-Orchester unter Hinzufügung von Baßtuba, Harfe und Iriiw die Zusammensetzung des Orchesters auf, das Beethoven im letzm Satz der fünften Symphonie verwendet. Aber schon bei RuU" Strauß verschiebt sich die Verwendung der Instrumente, neue ® . stellten, anders gestimmte Klarinetten, das Heckelphon* und die Cem treten auf, die Möglichkeiten der Farbenmischung im Klang w1' immer größere, Komponisten wie Mahler und Schillings spw" das vielmaschige Gewebe der Partitur immer weiter, bis schließlny den letzten Jahren durch die Einführung der Jazzinstrumenie ihrem Zupf- und Schlagzeug eine ganze neue Kategorie im ernstM großen Orchester erscheint, die bis dahin auf Cafes und Kabaretts « Negerdarbietungen beschränkt geblieben war. Cs ist also nicht M wundern, wenn das Publikum, von dem Glanz, der Neuheit, Prunk und dem Abwechslungsreichtum der heutigen Orchesterklange i

* Bariton-Oboe.

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