Ausgabe 
11.7.1930
 
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In -er Diskaya.

Von Richard Huelfenbeck.

Ms ich zum erstenmal zur See fuhr, hatten wir einen Kapitän er hieß Willy Teubel der durch seine gewählten Umgangsformen ausfiel. Die Leute sagten:Der Olle ist ein feiner Hering, der flucht nicht mal." Der Frachtkahn, der uns, so gut er konnte, durch die Meere trug, gab der besonderen Eigenschaft Willy Teubels keine Gelegenheit zur Aus­wirkung. Wir lebten, wie man sagt, in Dreck und Speck, und ob semand sich in dieser Lage fein oder unfein verhielt, blieb im allgemeinen gleich­gültig. Teubels Steward hatte einige Mühe, die Kleider des hohen Kapi­täns in Ordnung zu halten; der Kapitän entdeckte mit den Äugen einer Frau den kleinsten Fleck, ein noch so zartes Mottenloch. Beim Abend­essen stellte sich Teubel stets in dunkelblauer Uniform ein; wir kamen in Hemdsärmeln und Hauspantoffeln. Der Steward mußte nach strenger Vorschrift das Salzfleisch von links her reichen. Während die Hamburger Exportbierflaschen kreisten und Geschichten erzählt wurden, hüllte sich Teubel in vornehme Zurückgezogenheit.

Der erste Maschinist Franz Krauthammer, der trotz seines deutschen Namens daraus bestand, einen Spanier als Großvater gehabt zu haben, war ein lebhafter, sehr eigensinniger, überaus nachlässiger Mensch. Seine Lebensart unterschied sich von der des Kapitäns durch eine Welt. Kaum aus Hamburg herausgekommen, ließ er sich den Bart stehen, lief Sonn­tags und Alltags in einer unter den Achseln befestigten blauen Leinenhose herum, die man in Amerika Overall nennt, lebte in seiner Kammer, die mit Gegenständen verschiedenster Herkunft angefüllt war, wie in einem Hundestall und fluchte nach links und rechts über die Feinheit des Kapi­täns Teubel. Die beiden mochten sich nicht; sie trauten sich nicht über den Weg, aber da sie miteinander auskommen mutzten, schien es manchmal fast, als lebten sie in inniger Freundschaft. Einer mißachtete die Anord-

Lied

zu singen bei einer Wasfersahrt.

Don Johann Gaudenz von Sali s- Se ewis.

Wir ruhen, vom Wasser gewiegt, Im Kreise vertraulich und enge;

Durch Eintracht wie Blumengehänge Verknüpft und in Reihen gefügt: Uns sondert von lästiger Menge Die Flut, die den Rachen umschmiegt.

So gleiten, im Raume vereint, Wir auf der Vergänglichkeit Wellen, Wo Freunde sich innig gesellen Zum Freunde, der redlich es meint! Getrost, weil die dunkelsten Stellen Ein Glanz aus der Höhe bescheint.

Ach! trüg uns die sährliche Flut Des Lebens so friedlich und leise! O drohte nie Trennung dem Kreise, Der sorglos um Zukunft hier ruht! O nähm uns am Ziele der Reise Elysiums Busen in Hut!

Verhallen mag unser Gesang, Wie Flötenhauch schwinden das Leben, Mit Jubel und Seufzern verschweben Des Daseins zerfließender Klang!

Der Geist wird verklärt sich erheben, Wann Lethe sein Fahrzeug verschlang.

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geschrieben habe. Ich entgegnete nichts sondern saß über mein Mamisknpt gebeugt. Die Dahlien senkten sich über meine Blatter frisch und ungekränkt.

Aber daß die Dahlien so lange halten, ist doch merkwürdig", sagk Madeleine jetzt und legte ihren Arm um meine Schultern wie um mich ju trösten. Sie glaubte, ich hätte Kummer, aber ich fürchtete nu^

Sie sah mich an. Lange, mit unbestimmtem Glänzen in deM Augen. Dann setzte sie sich mir gegenüber auf die Ecke des Schreibtisches und schob ihr blondes Haar mit den Handschuhen ein wenig zuruck. Und schaute mich wieder an, ohne Vorwurf, aber auch nicht froh.

Ich kenne sie gar nicht, Madeleine" sagte ich l»nn uni> KopfEin Bild aus Hollywood, das man mir rmtgebracht hat. Es steht so da..."

Ich mochte nicht weitersprechen Ich sah zu dem BW hinauf. Es war blatz und unscheinbar glanzend, und wenn die Sonne daraus siel, konnte man das Gesicht des Mädchens kaum erkennen. Madeleine stand auf und wollte ein hartes Wort sprechen. Aber es ging die Tur auf, jemand trat herein, und der Luftzug wehte die Photographie vom Schreib­tisch, ziemlich dicht neben den Papierkorb.

Mein Freund muß sehr gelächelt haben, als er Madeleine m. mir niedergebeugt sitzen sah, und die Dahlien noch immer über uns blühten.

nungen des anderen; jeder tat, soviel ihm heimlich zu tun möglich war, um die Pläne und Befehle des anderen zu durchkreuzen. Manchmal fuhr das Schiff unter dem Kommando des Kapitäns, manchmal unter dem des ersten Maschinisten. Wir fuhren auf wilder Fahrt; es war dem Kapitän Überlassen, welche Häfen er anlaufen wollte; wenn er sich aber nach langem Hin und Her für einen Hafen entschieden hatte, erklärte der erste Maschinist, aus den und den technischen Gründen sei das Landen in diesem Hafen nicht möglich. Die Mannschaft hatte keine Gelegenheit, sich Briefe aus der Heimat schicken zu lassen; die Stimmung an Bord war nicht lehr rosig.

Als ich das Schiff betrat, sagte mir einer der Offiziere gleich, wie die Verhältnisse lagen. Er meinte, ich dürfe es weder mit der einen noch mit der anderen Partei halten. Ich hatte mir eingebildet, es käme an Bord hauptsächlich auf die Verwertung dessen an, was ich gelernt hatte. Run sollte ich dagegen zeigen, ob ich geschickt zwischen zwei feindlichen Lagern mich bewegen könnte. Wenn ich es wenigstens mit zwei offenen Feinden zu tun gehabt hätte; aber davon konnte ja keine Rede fein. Teubel und Krauthammer standen, als ich mit meinen Koffern die Schiffstreppe erstieg, in freundschaftlichste Gespräche vertieft aus der Brücke. Niemand hatte ihnen ansehen können, wie sie übereinander dachten. Beide schüttelten mir zuvorkommend die Hand und sagten, sie würden sich freuen, abends beim Essen etwas von Berlin, meiner Heimat, zu hören.Na hören Sie mal" sagte ich zu dem Offizier, der behauptete, mir ein Licht aufgesteckt zu habendas sind aber doch prachtvolle Leute. Unter ihnen herrscht eine vollkommene Einigkeit..." Der Mann sah mich schweigend an, pfiff durch die Zähne und drehte sich auf dem Absatz um.

Herr Krauthammer verlangte, man solle noch einen Tag in Rotter­dam bleiben; dann sei die Kesselreparatur beendet; nur so könne man mit glatter Fahri rechnen. Kapitän Teubel erklärte:Das ist em unseeman- nisches Verlangen. Diese Kesselreparatur kann ebenso gut auf See aus­geführt werden; wir können die Fahrt des Schiffes deswegen nicht ver­zögern ..." Diesmal setzte Kapitän Teubel seinen Willen durch. An einem stürmischen Abend zogen uns die Schlepper aus dem Hafen; die Maschine übte passiven Widerstand gegen den Befehl des Kapitäns; es gab keine Geschwindigkeit, mit wenigen lumpigen Seemeilen strebten wir dem Meere zu. Teubel sagte in feiner ruhigen Weise:Ich werde dafür sorgen, daß jeder Brot und Stellung verliert, der meine Befehle nicht sofort ausführt..." Krauthammer kam aus seiner Kämmer nicht mehr heraus; er spielte ein endloses Schachspiel mit einem feiner Maschinisten.

Als wir bei Quessant waren, erhielten wir ein drahtloses Telegramm von der dortigen Küstenstation; in der Biskaya wüte schwerer Sudwest- sturrn Als ich vor Krauthammers Kammer vorbeiging, pfiff er mich herein.Na sehen Sie" sagte erda haben wir den Kladderadatsch ... der Kapitän mag ja ein Mann von feinen Lebensformen sein, aber das reicht doch bei der Seefahrt nicht aus. Ich habe ihm gesagt, wir können nur mit zwei Kesseln fahren, weil ein Zylinderdeckel kaputt ist. Das sollte jedes Kind verstehen, aber unser Kapitän versteht es nicht; vielleicht sind seine Lebensformen zu fein; da muß erst jemand kommen, der ordentlich deutsch reden kann. Nun gondeln wir also mit zwei Kesseln und der fabel­haften Geschwindigkeit von sechs Seemeilen in der Stunde. Damit können wir gegen einen Südweststurm in der Biskaya nicht an. Wenn der Wind uns auf die Küste drückt, sind wir verloren..."

Kapitän Teubel schickte seinen ersten Offizier in die Maschine; er sollte sich erkundigen, wie weit die Reparatur des Zylinderdeckels gediehen lei. Die Schaumberge der Biskaya rollten uns schon entgegen, obwohl wir noch die englischen Kreidefelsen rechts liegen sahen. Die Leute wickel­ten sich in ihr Oelzeug; man spannte Leitstricke über das Schiff. Der Zylinderdeckel, ließ Krauthammer sagen, sei noch nicht fertig und die Geschwindigkeit ließe sich auch nicht erhöhen.

Krauthammer sagte mir, die Handlungsweise des Kapitäns sei unver­antwortlich; er suchte sich an mich heranzumachen, aber da ich ungeachtet der Warnung bei meiner Ankunft nun doch schon mancherlei an Bord begriffen hatte, hielt ich mich von dem Mann fern. Krauthammer hatte in Hamburg ein Schwein eintaufen lassen; die Leute nannten es Johnny; es stand auf dem Hinterdeck in einem engen Käfig und grunzte laut, wenn es nicht pünktlich gefüttert wurde. Die Matrosen, die den Befehl des Kapitäns ausführten, alle beweglichen Gegenstände von Deck zu schaffen, rührten den Schweinestall nicht an; was der feindlichen Por-ei gehörte, wollten sie nicht sehen. Krauthammer lieh dem ersten Offizier sagen, er verlange sofort ein Stück Segeltuch, um das Schwein gegen die überkommenden Seen zu schützen. Der erste Offizier ließ melden, das Schwein Johnny fei nicht auf Veranlassung der Schiffsleitung an Bow gekommen; infolgedessen habe man auch keinen Grund, es gegen den Sturm zu schützen. Der Kapitän habe gesagt: Solange er noch den be­fehl innehabe, gingen die Menschen den Schweinen vor.

Krauthammer sprühte Wut; er sand ein Stück Segeltuch in W Maschine; mit Hilfe des Maschinenschlossers und des Proviantmeisters wurde die Decke des Schweinestalls gegen die Brecher und die eturnu gewalt vorbereitet. Kapitän Teubel beobachtete die Arbeit mit dem »ern rohr von der Brücke; Krauthammer schrie:Wir werden diesen euu gebildeten Admirälen schon zeigen, wie wir mit ihnen fertig werden... Unterdessen halte uns die volle Gewalt des Südwestwindes ergrifl > nach einigen Stunden drehte sich der Sturm; er faßte uns von der 4tian - feite und trieb uns auf die Küste Vigos zu. Ich hörte in meiner Kam das Schrillen des Maschinentelegraphen, aber unsere Geschwind veränderte sich nicht. Das ziemlich bewegungslose Schiff wurde hin- und hergerissen; wir saßen in einer Schaukel; alle Zwei ?/> tauchte eine andere Querseite des Schisses ins Wasser. 2kr ©W ' «L, bis auf die Decke des Kartenhauses und lief gurgelnd zwischen den bauten ab. Ich entsinne mich noch genau, als der erste schwere r> j. über das Vorderdeck kam; ich hatte noch nie eine Welle solcher gesehen; sie kam an wie eine Wand, oben wuchs sie in den sturmjcy Himmel hinein, unten hob sie sich krachend aus dem Schaumchao-. - sendstimmiges Brüllen und Johlen ging dem Brecher voraus; das

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