Roman. Sein Leben selbst wär Immer ein Ringen nach Freiheit und nach Vertiefung. Die Heide und wahre Religiosität lagen ihm am Herzen. Die Jahre 1844 und 1909 umrahmen sein Erdenwallen. In Kiel ist er geboren, in Alt-Rahlstedt bei Hamburg ist er gestorben. Von 1865 an war er preußischer Offizier. Nach längerem Aufenthalt in Amerika wurde er im Jahre 1882 Verwaltungsbeamter in Schleswig-Holstein; von 1887 ab lebte er als freier Schriftsteller. Und dieses Freisein ist und bleibt bezeichnend für ihn.
Ansitz in Mecklenburg.
Iagderlebnisse eines Nichtjägers.
Don Paul Cipper.
Ich muh gestehen, daß ich lange Zeit nicht begriff, wie ein Tierfreund zugleich auch ein Jäger sein könne. Treibjagden lehne ich auch heute noch als etwas Unwürdiges ab. Dagegen überzeugte ich mich durch wiederholten Aufenthalt in Jagdrevieren, daß Pürschgänge, allein oder zu zweien ausgeführt, voll herrlicher Äaturerlebnisse sind, und daß ein verantwortungsvoller Jagdinhaber in viel größerem Maße ein Heger ist als ein Schießer.
Ein Jäger bin ich aber trotzdem nicht geworden, und ich spreche ohne Stolz und ohne Scham das Bekenntnis aus, daß ich nie in meinem Leben eine Schußwaffe gegen Tiere gerichtet habe. Utv belastet wandere ich über die Heide, mein Blick und mein Gehör schärfen sich, der Wald schließt seine Geheimnisse auf; es gibt für den Menschen der Steinstadt keine bessere Erholung. Der Kontrast vom Trubel zur Stille, die Köstlichkeit der reinen Luft, die Weite des Horizonts — man findet zu den Quellen zurück.
Um die Mittagszeit fällt warmer Regen; wir stülpen uns Pelerinen über die Köpfe und klettern alle vier zu Förster Mielen auf den Kutschwagen. Die beiden braunen Pferdchen zockeln unbekümmert ihren Trab. Ich sitze auf dem Kutschbock, sehe unter mir die glänzenden Tierleiber, die dampfen und von Mückenwolken umschwärmt find. Ommer wieder lenken wir in einen neuen Waldpfad ein; es ist, als zögen wir durch lauter enge grüne Dome, und manchmal müssen wir uns bücken, damit nicht ein niedrig hängender Ast an unsere Köpfe stößt und ein intensives Sturzbad auf uns schüttet.
lieber des Försters Stiefel und die meinen hat sich längelang der Dackelhund gelegt; er schläft. Der Regen hat aufgehört; wir fahren eben über ein Stück Heide, da stupft etwas zweimal in Förster Mietens Rücken, und wie von Zauberhand gebremst steht der Wagen. Langsam drehe ich den Kopf, sehe gerade noch den Bruder meines Freundes die Flinte hochreihen, es knallt — vorbeigeschossen, — ein prächtiger Fuchs flitzt hundert Meter voraus in sein Loch. Ein toller Bursche mit brandrot leuchtender Schwanzfahne, und hinter ihm sausen zwei Jungfüchse über die Straße, goldgelb und kugelig, mit großen Ohren am dicken Wollkopf.
Wir fahren weiter durch dichten Tannenforst und kommen schließlich zu einem Blockhaus, wo die Pferde untergestellt werden. Die Gesellschaft teilt sich; der Bruder meines Freundes geht mit seinem Sohn und dem Förster nordwärts; wir beiden anderen ziehen im rechten Winkel davon, überschreiten eine Schneise, und nun bleibt mein Führer plötzlich stehen. „Fünfzig Schritte voraus biegt unser Weg nach rechts, dann weitere hundert Schritte bis zum Hochsitz. Hier ist der Rucksack. Ditte immer dicht hinter mir gehen, auf den Weg achten und nicht sprechen. Wenn wir ohne Geräusch in den Hochsitz kommen, werden wir im Bärensuhl sicher allerlei Wild zu sehen bekommen."
Ich gebe mir alle Mühe und schleiche auf Zehenspitzen — soweit das in den schweren Jagdstiefeln möglich ist — geräuschlos dicht hinter meinem Freund. Gar zu gern hätte ich etwas von zwei Indianern auf dem Kriegspfad gesagt, aber ich darf ja nicht reden, und gewissenhaft untersuche ich jedes Stückchen Waldboden, ehe ich den Fuß darauf setze. So vergeht fast eine halbe Stunde und dann steht, zwanzig Schritte entfernt, zwischen Bäumen versteckt, die Hochkanzel vor uns, ein Gerüst aus vier Tannenstämmen, das in etwa zehn Meter Höhe eine Plattform hat.
Roch einmal dreht sich mein Führer um und legt bedeutungsvoll den Finger an den Mund. Im Zeitlupentempo, jedes kleinste Geräusch vermeidend, schieben wir uns die letzten fünf Meter heran und stehen endlich am Fuß der Leiter, die zur Kanzel hinaufführt. Run wird mir eine Flinte in die Hand gedrückt und mein Freund steigt langsam die Knüppelsprvssen hinauf. Ais er beinahe oben ist, reiche ich ihm Gewehr und Rucksack nach und steige ebenfalls in die Lüfte empor.
Gottlob, es hat alles geklappt. Wir sitzen auf einem schmalen Bänkchen in der Kanzel und sind durch die Geländerverschalung nach allen Seiten gegen Sicht gedeckt. Rur unsere Köpfe ragen darüber hinaus. Allmählich beginne ich, mich zu orientieren. Hinter uns und zu beiden Seiten ist Wald, die Tannenbäume schließen geradezu unsere Kanzel ein. Rach vorn aber breitet sich eine Wiese aus, das Bärensuhl, das seinerseits wieder an drei Seiten von Wald umgeben ist. Die Lichtung mag etwa achtzig Meter im Quadrat messen, zwei Moortümpel gehören mit dazu.
Ich beuge meinen Kops hinter das Geländer und sehe auf die älhr. Glock sechs, wir sind ganz pünktlich und haben jetzt dreieinhalb Stunden Zelt zur Beobachtung. Am zehn wartet Mielen bei den Pferden im Wald.
®te ersten fünf Minuten oben im Hochsitz haben mich bedrückt, weil das Schweigen wie ein Alp auf mir lastet. Aber dann merke ich, daß eine eigentliche Stille gar nicht vorhanden ist, daß vielmehr tausendfältige Geräusch« um uns weben. Da summt eine Stechmücke über meiner Hand, die Wivfel in Reichweite unter mir wispern;
von Irgendwoher hinter ust's krachte ekwaS laut wie ein Kanonenschuß und ist sicher nur ein Ast, der zur Erde fällt. Wie schön und gleichmäßig ragt die Höhe der Bäume rings um uns, und wie wechsel- voll ist das Grün vorn Boden bis zu den Wipfeln!
Draußen auf der Waldwiese hüpfen Karnickel. Erst sehe ich nur einige hellgelbe Punkte im Gras, dann schiebe ich den Trieder ans Auge und vergnüge mich eine Viertelstunde beim Anblick der karussellspielenden Kaninchen. Plötzlich schrecke ich zusammen. Dicht an meinem Ohr ist Riesenlärm. Ich blicke mich um und sehe auf dem Gipfel der zunächst stehenden Tanne einen Schwarzspecht, der mächtig auf mich losschimpft, obwohl er so nahe ist, daß meine Hand ihn berühren könnte. Aber er weiß wohl aus Ersahrung, daß Menschen, die hier sitzen, sich nicht bewegen. Ich blicke dem Bogel scharf ins Auge, er dreht das Köpfchen, zwitschert noch einmal besonders erbost und fliegt davon.
Auch die zweite Stunde geht vorüber und die dritte, ohne daß Rotwild oder Sauen erschienen wären. Selbst die berühmten mecklenburgischen Schinkenbröte können meinen Freund nicht trösten, der Gute glaubt, ich müsse enttäuscht sein. Dabei genieße ich voller Entzücken den Zug der Wolken, der sich zu abenteuerlichen Gestalten ballt, im Wind zerfetzt und mit immer neuen Gebilden über unsere Köpfe zieht. Dämmerung ist inzwischen hereingebrochen, und als eben das letzte Büchsenlicht erlöscht, taucht Rotwild im Abend» nebel auf und zieht in großer Ruhe, ein Tier hinter dem andern, Über die milchig dampfende Wiese, ruhig und still, silbern schimmernd wie durchscheinendes Glas.
Als die Vision vergangen ist, steigen wir die Leiter hinab und gehen ohne große Vorsicht durch die Schneise dem Pferdestall entgegen. Plötzlich kracht es neben mir im Wald. Ein Höllenspektakel bricht los. Stampfen und Drechen •— ein Rudel Wildschweine tobt fünf Schritte vor mir aus dem Holz. Schwarze große Schatten, grunzend, fauchend, in der Aufregung übereinander stürzend und als letzter poltert ein ganz besonders großer schwarzer Teufel aus dein Dusch, der Eber, dessen starke Hauer ich trotz aller Dunkelheit deutlich blinken sehe.
Ich war sehr erschrocken und habe meinen Freund am Aermel gepackt, bis wir zum Schuppen kamen. Tastend schoben wir die 'Barriere zurück und traten in den Stall. Schwer atmend lagen die Tiere auf Laubstreu und erfüllten den Raum mit ihrer dumpf warmen Atmosphäre.
Die Heimfahrt war von unsagbarem Zauber. Heber eine Stunde fuhren wir auf endloser Heide. Rachtdämmer, und nirgends Silhouette noch Kontur. Ebene ohne Horizont. Darüber aber wölbte sich wasserschwer die große Kuppel des Himmels, dunkel und sternenleer. und in ihrer Mitte hing drahtdünn und weihglühend die Sichel des zunehmenden Mondes.
Am Ahr in der Früh sind wir wieder aufgestanden. Eine nie geahnte Stimmung, vor dem Hause zu stehen und zu beobachten, wie die Rächt von der Morgendämmerung aufgesogen wurde. Zuerst waren die Knechte dunkle Schemen, wenn sie vom Haus zum Brunnen schritten, auf dem Rückweg glitzerte bereits das Schöpfgefäß in ihrer Hand, und als wir auf den Wagen stiegen, war jeder Stein una) jeder Strauch hellgrau überpudert, mit einem unwirklichen Milchweiß > schattenlos erhellt.
Diesmal ging Mieten mit mir und dem Hund zwischen den Revieren „Distelfang" und „Rosengarten" auf einen Schirmansitz zu, dieweil mein Freund jenseits des Kornfeldes einen Rehbock schießen wollte, der dem Förster durch die abgebrochene Gehörnstange ausgefallen war.
Der Schirm-Ansitz ist eine Dank mitten im Wald, zu ebener Erde, um die kreisförmig eine Galerie von Tannenreisig geflochten ist. Das Ganze gleicht einer Zirkusloge. ,
Der Hund kauerte sich zu unseren Füßen nieder, ihn stören die erwachenden Mücken nicht, deren Anzahl selbst Mielen zuviel geworden ist, von mir ganz zu schweigen. Ich wußte bald nicht mehr, welche Stelle an mir nicht zerstochen war; rühren durste ich mich nicht, wenn wir die Rehe nicht verscheuchen wollten, also sah ich ergebungsvoll zum Himmel, wo plötzlich mitten im Morgennebel weihgoldene Flecken erschienen. Zn gleicher Zeit fetzte rings um uns Vogelgesang ein, und mit einem Mate flammten die Kiefernkronen in der Lusii und glühend rot brannten die Lineale der schlanken Tannenbäume — die Sonne ging auf. And die Moskitos verschwanden.
Mitten in meine Freude über diese Herrlichkeit kracht ein Schuß. Der Hund zu unfern Füßen schreckt hoch, seine Augen erwarten Mielens Defehle, und obwohl er vor Aufregung zittert, rührt er sich nicht, trotzdem daß jetzt eine Wildschweinmutter mit zwei Frischlingen in Steinwurfsweite über die Schneise stiebt. Mielen sagt: „Der Herr hat geschossen, gehen wir zu ihm. Hund, bleib bei Fuß!" And so gut ist der Dackel dressiert, daß er ohne Laut zu geben bei uns bleibt, obwohl die Dache mit ihren Jungen noch einmal unferit Weg kreuzt. Mielen erklärt mir im Weiterschreiten die Spurbahn, die er mip« selig mit einer Egge überall auf den Hauptwechseln angelegt hat > und deutete mir die Hiroglyphenschrift der Fuhabdrücke, erzählt, welche Tiere gestern abend und wie viele bereits heute früh vorbei gekommen sind.
Mein Freund hatte tatsächlich den Bock geschossen, und als tott drei Stunden später im Forsthaus die Leber brieten und der Dackel ! mit heißer Gier das Geschlinge fraß, winkte mir die Först ersfrau. Von ihrem Küchenfenster ans beobachtete ich zwei große männliche Hirsche, sieben Kühe und einige Kälber. Heber eine Stunde ästen st« am Waldsaum, gingen zum Kleefeld hinüber, die Mütter spielten,nut den halberwachsenen Jungen, und durch das Glas brachte ich teve ihrer Bewegungen ganz dicht an mein Auge.
Weil von irgendwo eine Flinte drohte, war dies der schon"« Augenblick meiner Jagdtage in Mecklenburg.
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