Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Drühl'sche Univerf itäts-Vuch. und Steindruckerei, R. Lange, ®ie»en'

Sabine stand auf und fragte ihn schnell:Fl,pp! Junge! Du bist w eder da' Gottlob!"Jungfer Sabine, weiß Sie, wo der Herr Sekrewr ist. Sie bemerkte setzt erst seine Niedergeschlagenheit.Flipp,auch। iw. |o Derftört^ Bringst du schlimme Botschaft?"Sozusagen ju .erwiderte er in jämmerlichem Tone. -Bist du nicht zur Reichsarmee gekommen? Nein."Und der Brief an den Erzherzog?

Er zog ihn aus dem Stiefelfchast.Hier!"O Gott, so ist alle verloren!"Ja", bestätigte er kläglich. , , .

Sie schaute ihn forschend an.Flipp, ich ahne böse Dinge! Hat dich festgehalten? Hat dir ein Hindernis den Weg versperrt? .

Flipp, Unglücklicher, so sprich doch!" Er arbeitete mit sich: plötzlich brart) er unter Tränen los: 'M

Ich bin ein Lunrpenkerl! Ich bin ein ganz nichtsnutziger Schuft! aq bin wert, daß man mich stäupt und aufhängt! Ich>-ich bin gar nuyr fortgewesen!" .. » v.»« ist

Sabine war erst starr, dann rief sie in heller Empörung:Flipch ! das wahr?"Ja, ja, ja!" antwortete er jammernd.Um. Himmu willen, was hat dich denn zurückgehalten?"Verzeiht, Jungfer Sctb j man kann mich spießen, hängen, köpfen >das behalt ich für mm>. Fühlst du nicht, Unglücklicher, welche Schuld du auf dich geladen welch Verbrechen! Die ganze Stadt hast du auf dem Gewissen! Gch ; Ich hab' ihn stets geschätzt als einen braven Burschen. Pfm! Jet) v» °^^Tu" das nicht, Jungfer Sabine!" rief er verzweifelt.Ich. will w Ihren Augen nit verächtlich sein. Der Flipp ist ein Leichtsuß, em stv sinniger Galgenstrick, aber Ehrgefühl hat er doch im Leib. Ich wieder gut, was ich verbrochen hab'. Und wenn es mir den Hais und alle Knochen dazu. Stantepeh lauf' ich und bring' dem ErMerzog Brief. Er eilte auf die Tür zu.

(Fortsetzung folgt.) ______

wie meinen Vater! Denn daß ich's nur gestehe, nur will der Mut ein wenig sinken. - Doch." und er zauderte ein wenigdoch wem, ,e, s Mensch oder Ding, verdanke ich's, daß Sie nur helfen wollen.

Die Frage ist nicht klug, Herr Sekretär. Glaubt Er, ich |et em schlechterer^ Patriot als Er?" -Verzeihung!" -Gut, gut Doch ehe wir die Zeit verschwatzen: daß Er's weih, ich ins ,a.auch Nicht umsonst"Wie?" rief der Sekretär stutzig,Nicht umsonst? Je nun Er wird von einem Kaufmanns nicht verlangen, daß er etwas tut' ohne ..."Profit?"Gewissermaßen, ja. Ohne ,o eine ^Der^ Sekretär räuspert« sich; er fühlte ein unangenehmes Gefühl in sich aufsteigen.Ich will Ihnen nicht Unrecht tun. Herr Stadtrat, aber es dünkt mich verächtlich, nach Gewinn zu fragen, wo um die Vaterstadt der Handel geht!" Finnickel zuckte mit den Achseln und ver­zog den Mund.Er freilich ist ein Idealist."

'Was für ein« Art - Gewinn verlangen Sie? fragte der Se­kretär kalt.Ich bin ein armes Schreiberlein und weiß kein Mittel, Ihnen zum Profit zu helfen." Finnickel klopfte ihm vertraulich auf die Schulter.Wenn Er kein Mittel weiß, so will ich Ihmeins nennen! Im Vertrauen, mein Bester, Er hat da eine Liebschaft

Herr Stadtrat!" rief der Sekretär bestürzt.Ja, ja, eine Lieb­schaft So nennt man doch dergleichen. Eine Liebschaft mit der Demoiselle Sabine,,." -Wer hat Ihnen das verraten? -Er und tue Demoiselle selber,,. Man sieht's den jungen, verübten Leuten an der Nasenspitze an,,,." Er preßte sich di« Hande, daß sie knackten, und' fuhr trocken und rasch fort:Um es kurz zu machen, Sekretarius, ich will Ihm helfen, wenn Er dieser Liebschaft «in Ende «nachts t".Q j / nicf)t verlangen. Geb' Er eine Liebschaft auf, die durch­aus" ohne Zweck ist. Er hat ja selber gesagt, Er ist ein armes Schreibe^ lein. Und überdies die Demoiselle ist meine Braut.Ich mutz

^Finnickel zog die Schmuckschachtel aus der Tasche und zeigte sie ihm: Er kennt doch dies Verlobungspräsent? Die Demoiselle ist mir seit

Jahren schon versprochen."Das lügen Sie!" .

Finnickel hob die Schultern.Je nun, das mag Er halten, wie Er will. Aber ich verlange von Ihm, daß Er sich nicht in unsere festen Abmachungen mischt. Kurz und gut: Erklär' Er mir, daß Er die Lieb­schaft aufgibt, dann kann Er über mich verfugen. Aber geb Er s mir schriftlich! Etwa so: Ich erkläre, daß ich die unbedacht und leichsinnig begmrnen^Lwbsch il>n schroff.Nein, wertgschätzter Herr

Finnickel, pfui Teufel! Nein, den Handel mache ich nicht mit! Ich verzichte nicht! Und sei es bloß, um zu verhüten, daß Sie an diesem blühenden Leben Ihre Knie wärmen. Wenn das der Preis für Ihre Hilfe ist, so bedanke ich mich submissest!" Er wandte Finnickel den Rucken und fchri.t UC®ut, gut", entgegnete Finnickel.Ich nehm' es zur Notiz. Er schein^ aber zu vergessen, daß es dabei nicht bleiben durfte. Der «etretar blieb stehenWas wollen Sie damit sagen?" -Daß ich Mitwisser des Betruges bin. Und mein hm Gewissen macht ich nicht damit beschweren. Ich müßte den Betrug pflichtgemäß zur Anzeige bringen - es' lei denn, daß Er, wie gesagt" , ... . . ,

Verächtlich und voll Zorn rief der Sekretär:Das ist niederträchtig. -Mein Lieber, es tut mir leid, daß ich Ihm so begegnen nmh. Aber es ist meine Pflicht, nicht wahr, zum niindesten gegen mich felbst Immerhin braucht Er sich mit Seinem Entschluß nicht zu überstürzen, belleibe das will ich nicht! Ich gebe Ihm eine ganze Stunde Zeit, doch nicht langet. Dann kann Er zu mir schicken. Bis dahin gehab' Er sich wohl! Leise und mit sanftem Lächeln ging Finnickel. , ~

Der Sekretär stöhnte auf und pretzte die Hande gegen den Kops. So stand er noch, als nach einer Weile Zabel hereinkam.So ist es schon, sagte der, als er die geschmückte umfel sah.So ist es gut. ^o ist es chicklich. Da sitzen die französischen Kerls und hler die Demoiselle Sabine ond Hs, he neben ihr der Herr Sekretarius. Jetzt sah er erst, daß biejer voll Verzweiflung dastand.Holla, was ist Ihm denn begegnet.

Das Spiel ist verloren, Zabel! Der Teusel hat seine Hand dabei!" Der Teufet? Dai wär' noch nit so schlimm. Es sei denn, dat der Finnickel heißt." -Gut gesagt, Zabel!" erwiderte der Sekretär grimmig lachend,so heißt er!"Er ist mir grad auf der Trepp begegnet mit einem Gesicht, wat mir noch weniger gefiel als sonst. Wat hat er hier gewollt?" -Er weiß alles, Zabel! Er kennt unsereir ganzen Plan! Der? O weh!"Zabel, hat Er ihn am Ende schon herumschleichen

Bewahre, grab' komm' ich von oben, von unserem Staatsgefangenen. Ich hab' ihm eine Flasche AßmannshAuser durch das Luftloch gereicht. Zwar hat er sie mir an den Kopf geschmissen. Schad' um den schonen Tropfen."Hat Er noch nichts von Seinem Jungen gehört, vom g[tpp?"Nee, aber der kann doch in jedem Augenblick wieder htet fein.**

,Er wird nicht kommen", sagte der Sekretär mit dumpfer Stimme lind ließ den Kopf hängen.Der Flipp läßt uns im Stich. Der Erzherzog kann uns nicht helfen. Wir haben zu kühn gespielt. Wir verlieren. Herr Sekretarius!" entgegnete Zabel, dem selber der Mut zu sinken begann,Er darf mir nit gleich den Kopf verlieren! Nehm' Er sich em Erempel an mir!" Der Sekretär raffte sich auf.

Zabel, wir müssen auf der Hut fein. Wir muffen damit rechnen, daß der Erzherzog nicht kommt. Heut' nacht werden die Sanscoulotten ver­suchen, die schlafende Stadt zu überrumpeln. Wir müssen das verhüten. Lauf'. Er von Torwache zu Torwache und bind' ihnen auf die Seele, doppelt wach zu sein."0, du lieber Heiland, jetzt scheint es bitterernst zu werden." Zabel wollte fort.

Halt, Zabel, noch ein Wort! Der Finnickel will unseren Plan ver­daten."Der Halunke ist fähig und tut es!"Dagegen gibt's ein

Mittel. Zwar kostet es ein schweres Opfer und viel Herzblut! Zabel, würd' Er ein solches Opfer bringen können? Auch wenn Sein Herz dabei brickt? Auch wenn Er Seine schönste Hoffnung mühte zu Grabe tragen?"

Herr Sekretarius," antwortete Zabel, und die Rührung machte seine rauhe Stimme zittern,wat gibt's für mich verschlissen Möbelstück noch zu hoffen? Den Jungen hab' ich schon geopfert, den Herrgottszapper- menter! Vielleicht hat er recht, und ich seh' ihn erst am jüngsten Tage wieder. Aber wenn mir noch wat zu opfern bleibt der Zabel gibt es her, da!" . ,

Der Sekretär schaute ihn ernst an und nickte langsam.Zabel, guter, alter Zabel, tapferes Herz! Du sollst mich nicht beschämen!" Er stürzte an den Tisch, nahm Papier und Feder und schrieb.Herr Stadtrat Finnickel," sagte er dabei mehr zu sich selbst,das arme Schreiberlein verzichtet. Und wenn ein Stück vorn Herzen geht! Und wenn's das Liebste kostet!" Er schloß und siegelte den Brier und hielt ihn in der Hand. Plötzlich übermannte ihn der Schmerz er schluchzte auf und ließ den Kopf auf den Tisch sinken und verbarg ihn in den Armen.

Zabel stand erschüttert dabei und wußte nicht, was er machen sollte. Herr Sekretarius! Mein lieber Herr Sekretarius! Kreuztürken, was hat Er denn?" Der Sekretär biß die Zähne zusammen und sprang auf.Hier, Zabel, bring' Er diesen Brief dem Stadtrat Finnickel."Dem Finnickel?" fragte Zabel und beschaute mißtrauisch den Brief.Lauf' Er, Zabel, so schnell ihn seine alten Beine tragen können!"

Er drängte Zabel zu der großen Tiir hinaus, denn Sabine war, festlich gekleidet und geschmückt eingetretenLiebster," sagte sie mit, harmloser Koketterie,schau'! Gefall' ich dir in meinem Putz?"Du bist reizend, Mädchen", antwortete er mit abgewendetem Gesicht.

Mein bestes Kleid! Steht mir die Farbe zu Gesicht? Magst du die Bänder und die Spitzen? Was sagst du zu dem Atlasschuh? Ich trag ihn heut' zu mersten Male. Gib acht, was die Herren Offiziere sagen! Sie werden dich scharmant Und liebenswürdig finden.O, so duster! Und dabei schaut der Herr mich nicht einmal an!"Sabine!' seufzte er gequält. , t , .. , ,. ...,

Sie wurde ängstlich.Konrad, Liebster, was bedeutet dieser schreckliche Ernst? Fürchtest du Gefahr?"Nein, Sabine."Und dennoch dieser düstere Blick? Diese entstellten Mienen? Und gar das Auge tranennah! Sie schmiegte sich an ihn und legte ihre Arme um seinen Hals. Er zog sanft ihre Hände herab und sagte mit tiefer Trauer:Jetzt, da ,ch von dir lassen muß, fühle ich, mit welcher Liebe ich an dir bange.

Sie erblaßte Mich lassen mußt?" -Unsere Liebe roar em schLr, kurzer Traum aber nur .ein Traum "Und er lächelte wehmütig. Konrad, was redest du?!" rief sie in jäher Nngst.

Er zwang sich zu einem rauhen Ton.Die Liebschaft zwischen uns hat weder Zweck noch Ziel. So ist es besser, ihr em Ende zu machen, bevor die kalte Notwendigkeit uns trennt. Er suhlte es heiß in feine Augen steigen.Sabine, die halberblühten Rosen stnd die schönsten

Sie schaute ihn erstarrt an.Konrad, das i|t dem Ernst nicht. Das hat dein Herz nicht ausgedacht! Was ist geschehen, das dich .zwingt, mich von dir zu stoßen?"Sabine, laß es gut (ein. Mehr kann ich dir nicht sagen. Und wenn du mich für einen schlechten Kerl achtest.. Genug, es muß ein Ende haben mit uns beiden. Und schnell, denn um so weniger schmerzt es."Du sagst mir nicht die Wahrheit, Konrad! Es ist Schlimmes geschehen! Sag5 mir, Liebster! Ich will nicht mehr an deine Liebe glauben, wenn du es mir verschweigst!"

Er'seufzte schmerzerfüllt.Ich darf es dir letzt nicht sagen. Vielleicht - bevor ich gehe." -Du gehst?" schluchzte sie auf. lafie mw ten Abschied geben von deinem Vater. Hier kann ich nicht bleiben. D'er hab ich ausgespielt. .Sabine!" Er preßte sie an sich, küßte sie voll Leiden ^^Sie"'sank"sasiungslos weinend auf einen Stuhl, unb bie bt^.e Tränen sielen auf ihr festliches Kleid. Sie trocknete aber hastig die Augen als sie jemand mit langsamen, zaghaften Schritten naherkommen horte Es war Flipp, der mit Hangendem Kopf und ängstlicher Miene