Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt.
ien stammen vom jweigspitze. Keine
- Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, G'ehem
beim Menschen zwar äußerst wertvolle Hinweise auf die wahrscheinliche Gestaltung des Vormenschen, was aber durch die Entwicklungsabkürzung verwischt und undeutlich erscheint. Nur wenige Andeutungen besitzen wir aus der Vorprimatenzeit. Ein Bauchmuskel des Menschen, der heute ohne Funktion ist, der Pyramidenmuskel, wird als Rest eines Beutelschließ- muskels gedeutet, die Schwanzreste deuten auf Vorfahren mit beweglichem Schwanz, die Ohrspitze und erhalten gebliebene Ohrmuskelreste auf Vorfahren mit beweglichen Ohren, die Hautmuskelreste am Halse auf einen großen, zum Zusammenrollen des ganzen Tieres dienenden Hautmuskel, der Blinddarm auf Formen mit reiner Pflanzennahrung, die abstehende Großzehe und die Zehenmuskeln auf ein Baumleben der Vorfahren, der embryonale Flaumpelz auf ehemalige reiche, wollige Körperbehaarung wie bei den amerikanischen Korallenaffen.
Alle oben genannten Vergangenheitszeichen in der Entwicklung jedes Menschen reichen ebensowenig aus, uns ein genaues Bild des Vor- menschen und seiner Vorfahren zu enthüllen als die Knochenreste, welche die fleißige Spatenarbeit der Paläontologen bisher ans Licht gebracht hat. Trotzdem hat die Wissenschaft nach Darwin neue Gebiete erschlossen, welche die Stellung des Menschen zu den übrigen Lebewesen klarer hervortreten ließen. Verfasser zeigt in seinen Versuchen über Blutsverwandtschaft zwischen menschenähnlichen Affen und Menschen, daß das Blut des Men- schen dem der genannten Affenarten weit ähnlicher ist als das Blut der Katze dem des Hundes oder das Blut des Kaninchens dem des Murmeltieres, obwohl diese Tiere paarweise den gleichen Säugetierordnungen zugehoreMlut men^en schalt sich nach Form und.chemischer Beschaffenheit und auch serologisch so ähnlich, daß wir den Menschen nut bat menschenähnlichen Affen nicht nur in eine Säugetierordnung, sondern ogar in eine gleiche Familie einreihen müssen. Damit steht m Ueberein- stimmung, daß die Haarschmarotzer des Menschen und der Affen, und zwar unter den Säugetieren einzig und allein von Affen, so ähnlich sind, daß eine vom Verfasser beim Gibbon gefundene Läuseart sich kaum von den bei Menschen (Europäer) gefundenen Läusearten unterscheiden iaht, während alle Tiere aus anderen Säugetierordnungen ganz anders gebaute Haarschmarotzer besitzen.
Nach obigen Aussühvungen kann es nicht wundernehmen, daß ganz allgemein in wissenschaftlichen Kreisen die Ansicht herrschend war, daß der Mensch sich aus Vorfahren allmählich entwickelt habe, die wir zoologisch systematisch als Primaten oder Affen bezeichnen müssen. Allgemeines Aufsehen erregte es daher, als vor kurzem auch m Tageszeitungen die Nachricht verbreitet wurde, die alten Darwinschen Anfichten^.von bet Affenabstammung des Menschen seien durch neuere wissenschchtliche Forschungen widerlegt, und es sei nachgewiesen, daß nicht der Men^) vom Affen abstamme, sondern umgekehrt stamme der Affe vom Menschen ab. Dies würde heißen, daß in der Erdrinde zunächst Tierformen, die zoologisch als Hominiden bezeichnet werden müssen, gelebt haben, und daß dann später erst aus diesen durch Umbildung die verschiedenen heutigen Prima- tenformen, die Westassen, die Ostaffen, die anthropoiden. Affen^unb die heutigen Menschenrassen hervorgegangen sem sollen. Professor W e st e n Höfer, dem wir diese Umkehrung der Darwinschen Lehre vetbmtm, muß also annehmen, daß vor der Zeit, aus der wir die ältesten Men knochenreste in der Erdrinde bisher gefunden, hoben, bereits Menschen gelebt haben, von denen aus sich Westaffen wie Ostaffen wie Menschenaffen wie der heutige Mensch gebildet haben. Die bisherigen,Knochen- funde von vorweltlichen Affen lassen zwar sowohl bei den amerikanischen Affen als auch bei den niederen Altweltsaffen bedauerliche ducken erkennen aber die bisherigen Knochenfunde stehen m direktem Gegensatz zu der Westenhöferschen Hypothese. Wir finden in der Erdrmde! erst^^Insektenfresser, dann Halbaffen, dann Tieraffen, dann Menschenafsen, dann Reste, von denen die Einordnung zweifelhaft bleibt, ob Menschenaffeoder Mensch, wie beim Unterkiefer eines menschenähnlichen Wesens, der bei Heidelberg gefunden wurde, oder bei den berühmten Prthecanthropusresten von Trinil auf Java, die allgemeines Aufsehenerregten wegen ihrer Menschenknochenähnlichkeit, und erst ganz zuletzt seit der Ewze.t j 3 wir Knochenfunde, die als sicher menschlich vonallen Forschern anerkannt wurden. Die bisherigen Knochenfunde stehen also in direktem Widerspruch zu der Behauptung von der Menschenabstammurm der anderen Primaten oder Assen, dagegen ist nirgends ein Widerspruch durch neuere Knocheü- funde entstanden zu den Abstammungshypothesen von Darwin uno ^^Es^ist durchaus richtig, wenn in neuerer Zeit immer wieder hingewiesm wird auf die vielen- uralten Formmerkmale des Menschen: diese zwinge uns aber nicht, die früheren Anschauungen auf den Kopf zu stellen. Wenn es wahr ist, daß die früheren Entwicklungsstadien des Meistchu Aehnlichkeit mit Menschenasfenstadien besitzen, so ist e^N'chtminder^hr, daß die früheren Menschenaffenstadlen eine ganz verblüffende Mensch ähnlich!eit besitzen, ja es ist richtig, daß die Wirbeltier ad.en um s° °tzn- licher zu werden pflegen, je länger sie sind. T^nn also em lunger »a ninchenembryo einem Menschenemryo mehr gleicht als, einem, erwachst Menschen, so folgt daraus nur die Wahrscheinlichkeit gemÄnsamer M stammung, aber weder die Abstammung des Kaninchens vom Mens st noch das frühere Vorhandensein von Menschen als , von Darweltsnag tieren. Der Kopf eines Orangkindes zeigt uns hohe, Stirn und solche O lichkeit mit einem Menschengreise, dessen Kahlheit nachgeahmter daß es kaum glaublich ist, wie im Laufe des Waa,stums aus einem som Orangkinde ein Ungeheuer werden kann, wie der alte, Orangj tft # in Hand mit dem Verlust der kindlichen, menschlich anmu enden uor der Jugendstufen geht bei den Menschenaffen ein Verlust an. getztS^ Menschenähnlichkeit. Beim Menschen beobachten wir emen wicklungsweg, in dem mit dem völligen Ver ust der mdüchen F°w in höherem Älter ein Verlust an den den Menschen auszeichnenden U8 schäften zu verzeichnen ist. Der Mensch ist um so mehr Mensch, I ,fet( er Kind bleibt, und wir bemerken bei, den Kulturvölkern em
. Hinausschiebung in der geistigen Reise in immer höhere Leben j--,
schweren Kampfe mit Karl XII. die Staatsmittel beinahe ausgegangen waren, den Priester Ossipow rufen, welcher ihn in das Geheimnis des unterirdischen Kreml bereits eingeweiht hatte, und befahl ihm, nach den Schlitzen zu suchen. Auch seine Bemühungen scheinen-nicht ohne Erfolg gewesen zu sein; aber aus Gründen der „höheren Politik oder wegen anderer Ursachen zog Peter es vor, ebenso wie es die Polen und die Zarin getan hatten, niemanden gegenüber (schließlich war er nicht umsonst „Selbstherrscher aller Reußen") genaue Angaben über die Große und Art des Fundes Mitteilung zu machen. So blieb auch nach Peter die Legende von den „ungehobenen Kreml-Schätzen" im Volke bestehen, wahrend es aber für Einsichtige nun ziemlich als sicher gelten kann, daß die unmittelbaren Nachfolger Iwans des Grausamen mit Elfer und Erfolg geraubt haben, was es zu rauben gab und den „unterirdischen Kreml recht gründlich „ausgeputzt" hatten.
Nach Peter dem Großen ruhten die Nachforschungen mehr als ein Jahrhundert. Doch es ruhte nicht die Legende, sie breitete sich immer weiter aus und schließlich mußte Mitte vorigen Jahrhunderts die Regierung gestatten, die Ausgrabungen im Kreml fortzusetzen. stieß man im Jahre 1860 unter dem Palast der Synodal-Verwaltung im Moskauer Kreml aus unterirdische Gänge und Verließe und 34 Jahre später anno 1894 — auf einen unterirdischen Gang von etwa zehn Meter Lange. Einige unbedeutende Funde wurden noch kurz vor dem Ausbruch des Weltkrieges gemacht, aber im ganzen nichts Wesentliches, namentlich nichts Kostbares zutage gefördert. Das sind in Kürze die Tatsachen, welche der Geschichte über den „unterirdischen Schatz des grausamen Zaren bis heute bekannt geworden sind.
Stammt der Affe vom Menschen ab?
Don Professor Dr. Hans Friedenthal, Berlin.
Für den Laien bezeichnen die Worte Affe und Mensch etwas vollständig Gegensätzliches, da die Affen Tiere sind und der Mensch nur in den beschreibenden Naturwissenschaften als Tierform aufgefaht zu werden pflegt. Ein Nachklang der ungeheuren Erregung, welche Darwins Werk „Die Abstammung des Menschen" seinerzeit hervorrief, ist auch heute noch deutlich sichtbar bei der Erörterung der Stellung des Mensthen im . Tierreich und der Besprechung der Formähnlichkeit des Menschen nut i seinen nächsten Nachbarn im zoologischen System. Wer sich an die De- i fmition hält: Jedes Lebewesen aus der Erde, welches rotes warmes Blut besitzt und lebendige Junge zur Welt bringt, die es mit Milch ernährt, ist ein Säugetier, wird ruhig den Menschen als Saugetier und damit als Tier bezeichnen hören, ohne daß er glauben wird, daß der Mensch nur als ein Tier und nur als ein Säugetier fortan aufgefatzt werden soll. Di« Zusammenfassung der Aehnlichkeit des Menschenleibesmit den übrigen Säugetierkörpern nimmt auch für den Naturwissenschaftler nichts von den grundlegenden Unterschieden hinweg, welche unsere früheren grundsätzlichen Empfindungen beim Hören der Worte Mensch undTier verursacht haben. Es gibt heute unter den Gelehrten kaum eine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die Formunterschiede zwischen dem Menschen und den menschenähnlichen Assen nicht ausreichen, um für den Menschen als Säugetier eine besondere Säugetierordnung zu errichten. Der Mensch teilt seine volle Zahnformel mit allen Affenarten der Alten Welt neben zahllosen anderen Formähnlichkeiten, während niemals Tiere aus E- schieüenen Säugetierordnungen in der heutigen Erdepoche die gleiche Zahnähnlichkeit aufweisen. Weil die Tierzähne ihrer Festigkeit wegen der Verwesung widerstehen und daher die häufigsten Tierreste aus teilweise uralter Äergangenheit in der Erdrinde darstellen, hat der hohe syste- matislbe Wert, den die Zoologen der Zahnähnlichkeit von Tieren bei- messen, seine praktisch begründete Berechtigung. Darwin hatte nicht soviel Aufsehen erregt, wenn er nur die systematische Einordnung des Menschen in die Ordnung Primaten oder Herrentiere oder Affen verfochten hatte, sondern die Betonung der Abstammung der Menschen der Vorzeit vom Assen brachte die Gemüter in Aufregung. In die Frage nach der Herkunft des Menschen auf der Erde mischen sich so viele philosophisch und religiöse Nebenerwägungen, daß ganz übersehen wurde, daß der Mensch, wenn er heute mit Reckst als Herrentier in das zoologische System ein- qereiht wird, es als selbstverständlich ansieht, daß er von Herrentieren ab- stammen muß, da doch seine nächsten Vorfahren nicht gleich einer anderen Säugetierordnung zugerechnet werden können. Die heutigen Raubtiere haben vorweltliche Raubtiere als Stammeltern, di« heutigen Primaten haben vorweltliche, ausgestorbene Primatenarten als Stammeltern, unter ihnen auch der Mensch.
Die heut« lebenden Tiere stammen ebensowenig voneinander ab, wie die Zweigspitzen eines Baumes voneinander abstammen; man spricht bildlich von einem Stammbaum der Tiere. Älle Zweigspitzen stammen vom Baume, aber niemals eine Zweigspitze von einer Zweigspitze. Keine Affenart wird von einer heute lebenden anderen Affenart abstammend gedaiÄ, also auch der Mensch nicht von einer heute lebenden Primaten- oder Affenart. Darwin hat niemals die Abstammung des Menschen von einer heute lebenden Affenart behauptet, wohl aber eine Abstammung von Lebewesen, welche wie der heutige Mensch zu den Primaten oder Assen gehörten, sich aber durch mächtigere Kiefer mit etwas größeren Zähnen, als sie der heutige Kulturmensch besitzt, durch fliehendere Stirn, durch kleinere Gehirnmasse im Vorderhirn und durch beweglichere Grotz- zehe am Fuße, wahrscheinlich auch durch dichtere Behaarung vom heutigen Menschen unterschieden. r ,, , ,
Seit Darwins Abstammungslehre erschienen ist, haben zahlreiche Funde von Vormenschenresten aus früheren Erdepochen die Voraussagen Darwins als wahrscheinlich richtig erhärtet, wenn auch zugegeben werden muß, daß die Vorweltbefunde, wie bei der Mehrzahl der anderen lebenden Säugetiere so auch beim Menschen, nicht ausreichen, um yns ein genügendes, dokumentarisch sichergestellies Bild der Vorfahrensgestaltung zu vermitteln. Die Wiederholung der Vorfahrensgestaltung _ in der Entwicklung der srühesten Jugendstadien der Säugetiere gibt uns


